Die folgende kurze Erzählung ist
nach besten Kräften des Gedächtnisses im Original wiedergegeben.
Doch auch ohne diese Zusicherung würde der Leser die Authentizität
ihres weiblichen Ursprungs leicht erkennen. Darin wird das Bedauern über
das Scheitern einer noch nicht so recht begonnenen Beziehung ausgedrückt.
Das Zitat beschreibt eine endlich erste, aber leider auch letzte
Begegnung einer Frau mit einem über lange Zeit von ihr umworbenen
Mann: "Als wir uns dann endlich trafen und er andeutete, daß wir
miteinander schlafen sollten, sagte ich plötzlich 'nein'... Aber
verstehe, ich sagte 'nein' und ich meinte 'ja'; ich sagte 'nein', weil
er mir viel bedeutete... Er aber hat es nicht verstanden und
fühlte sich an der Nase herumgeführt... Wir sahen uns wieder erst
viele Jahre später..."
Und damit zu spät. Schade! Doch
daß der Mann in diesem Zitat die Bedeutung der vorgemachten Ablehnung
'nicht verstand', macht ihn nicht zur großen Ausnahme. Zum Glück
dürfte ich selbst lächelnd zunicken, als ich von der erzählenden
Person gefragt wurde: "Verstehst Du das?" Viele
Männer aber haben dergleichen nicht verstanden - zumindest nicht
gleich zu Beginn ihrer Beziehung. Andere haben es falsch verstanden
und als einen nicht weiter bedeutsamen, launischen Einschub interpretiert.
Manche haben es erst verstanden, als es zu spät war!
Was allerdings diese Herren -
wann immer sie soweit waren - verstanden haben, wollen wir hier etwas
genauer benennen. Die verstellte Absage sollte den Mann veranlassen,
die Zusage, zu erstreben. Die Auswahl eines Mannes von der Frau verlangt
nämlich vom Mann das anschließende Werben um die Frau, die ihn auserwählte
- an sich ein Paradoxon! Warum aber ist das so? Warum wollen Frauen ihr Werben
um einen Partner umkehren? Warum genügt ihnen nicht die bloße Zusage
des Begehrten, sondern verlangen sie zusätzlich von ihm ihre nun
fällige 'Eroberung' mit ihrem ganzen unnötigen Aufwand?
Es sind zwei Ziele, die Frauen
damit verfolgen: Erstens verschaffen sie sich Gewißheit über die
Intensität, mit welcher sie von ihrem Partner gewollt oder 'geliebt'
werden. Zweitens sichern sie sich eine gegenüber dem Partner vorteilhafte
private Rechtslage, denn indem sie ihn so in die Pflicht nehmen,
können sie von ihm auch die Erfüllung weiterer Forderungen verlangen,
die mit seiner selbstauferlegten Verpflichtung legitimiert werden.
Die erste Option macht sie sicher, die zweite überlegen.
Solches manipulierende Verhalten
zeigt sich häufig schon beim Flirten, wo da dem kurzen Blick auf
den anvisierten Mann die prompte Abwendung des Kopfes in die Gegenrichtung
folgt; eine verborgene Forderung an den Betroffenen, die Wiederherstellung
des Kontaktes zu erstreben. Die Täuschung soll charmant, anmutig
aussehen, oft mit Gesten verbunden ebenso leugnerischer Aktivität,
die etwa das Ordnen der Frisur zu beabsichtigen scheinen, im Grunde
aber kokettierend die Betonung eigener ästhetischer, gedachter oder
wirklicher Vorzüge bezwecken.
Innerhalb eingefahrener Beziehungen
tritt ähnliches Verhalten seltener auf, meistens nur dann, wenn eine
Entscheidung ansteht, die für die Frau auf intime Weise wichtig ist.
Ob sich der Gatte etwa mit einem weiblichen oder einem männlichen
Partner wöchentlich zum Tennis trifft oder ähnliches. Je wichtiger
die Entscheidung, desto größer der Anspruch der Frau, der Mann möge
ihren Wunsch erraten, und das möglichst über eine Reihe simulierter
Leugnungen, die er gefälligst als solche durchschauen soll, sollte
er 'ihre Signale richtig verstehen' können. Die nachträglichen Erklärungen
kennen Männer gut: "Du solltest ja selbst draufkommen, daß ich
niemals das wollen würde, was ich sagte. So gut mußt Du mich einfach
kennen... Es hat für mich wenig Wert, wenn ich Dir jedes Mal sagen
muß, was ich will..."
Das Delegieren der Verantwortung
für das Zustandekommen wie für das Gelingen einer Beziehung auf den
Mann ist dem weiblichen Verhalten so immanent und für das Geschlechterverhältnis
so bedeutend, daß wir das Fehlen dieses Begriffes in
einer 'Geschlechterdebatte' als eine Vernachlässigung erachten, die
die gesamte Diskussion in Frage stellte. Wir werden noch an geeigneter
Stelle die bekannten Einwände des Feministen aus dem Weg räumen,
der mit seinen zwar penibel geschliffenen, aber dennoch stumpf gebliebenen
Argumenten bereit steht, bereit uns zu erklären, dies alles sei als
Wirkung des 'Patriarchats' anzusehen, welches in seinen 'strukturell
bedingten' Verhaltenszwängen die Frau zu derartigen Tricks getrieben
hat; sie genötigt hat, den Mann, der sich die 'Ressourcen' unter
den Nagel riß, als Ernährer, sich selbst aber als Abhängige wahrzunehmen.
Bevor wir uns aber mit diesen Einwänden beschäftigen, wollen wir
erst die Folgen dieses weiblichen Verhaltens auf die sozialethischen
Zusammenhänge im Geschlechterleben zu erkennen versuchen.
Denn die hier gemeinte Verhaltensweise
soll keineswegs als eine gelegentliche Erscheinung unterschätzt werden,
die sich belanglos im Privaten erschöpft. Die Konditionierung des
Mannes für die aus der voraussichtlichen Vereinigung mit der Frau
sich ergebenden Anforderungen und die Erprobung seiner Tauglichkeit
in dieser Hinsicht gehören in allen Kulturen zu den am meisten populären
Bräuchen. Rituale zur Erprobung und Bewährung des Mannes für Ehe
und Familie, außergewöhnliche Taten, die als Widmung, Zugeständnis
oder Bürgschaft freiwilliger Unterwerfung gegenüber einer konkreten
Frau oder einer symbolischen Frauengestalt verstanden wurden, bilden
ein umfangreiches Aufgebot, dessen literarische wie sonstige Ausarbeitung
einen erheblichen Teil in der Kulturgeschichte des 'Patriarchats'
bildet. Die Erprobung der männlichen Willigkeit zu Unterwerfung hat
buchstäblich Bände geschrieben, sehr bedeutende Bände sogar, Bände,
die in das allgemeine Kulturerbe des Planeten eintraten!