"Ein Schlauch ist ein Schlauch ist ein Schlauch..." Dieser
Satz, der Emphase in der infantilen Penetranz sich wiederholenden
Beteuerns sucht, ist weitaus interessanter als ihn seine Eindringlichkeit
ohnehin zunächst macht. Denn er will eine wissenschaftliche Erkenntnis
sein! Der Leser ahnt es schon: Wir begeben uns in das Reich feministischer
Wissenschaftlichkeit.
Wir müssen es leider tun. Diese Geschlechterstudie
hat aus guten Gründen das Prinzip der Verantwortungsverschiebung
zu ihrem Ausgangspunkt gemacht. Die zentrale Bedeutung dieses Prinzips
mag manchem Leser erst allmählich klar werden. In dem Maß allerdings,
wie begriffen wird, daß Frauen aus ersichtlichen Gründen
und zu allen Zeiten nach diesem Prinzip empfanden und handelten,
und daß Feminismus heute ebenfalls darauf baut, sogar daraus
besteht, werden auch die Grundpfeiler der "geistlosesten Ideologie
aller Zeiten" entkräftet und das Geheimnis ihrer verwunderlichen
Wirksamkeit bloßgelegt: Die Verschiebung auch der Interessenverfolgung
des Feminismus auf männliche Schulter, auf von Männern
errichtete Institutionen.
Denn mit dem Verbleib der Verantwortung wird auch über den Verbleib
der äußeren Macht entschieden und so auch über die
Positionierung der Geschlechter innerhalb gesellschaftlicher Machtstrukturen.
Die Position an der äußeren Macht mußte den
Mann einerseits exponieren, andererseits aber auch mit den Kompetenzen
versehen, mit welchen er seine Machtausübung zu organisieren
hatte. Und sicher konnte solche Lastenaufteilung nur gelingen, indem
auch er, der Mann, mit diesem Modus einvernehmlich war. Dieser Aspekt
einer Beteiligung beider Geschlechter bei der
Erstellung der Machtstrukturen in den Gemeinschaften mit dem Mann
als äußerem
Rand und der Frau (Familie) als innerem Kern wird in der gängigen
Geschlechterdebatte mit dem Ziel unterdrückt, die Frau nicht
als Miturheberin, sondern als Opfer dieses Verhältnisses darzustellen.
Allein die Dynamik, die solchem Opferverständnis
entspringt, vermag die 'Schultern' des Mannes, seine Institutionen
und Errungenschaften, neu zugunsten des Feminismus auszurichten.
So etwa die Wissenschaft und insbesondere in der Geschlechterforschung
(und damit meinen wir gewiß nicht jene 'Gender-Studies', die
von den Berufsfrauen an den Universitäten der Welt erstellt
werden und Frauenbibliotheken füllen, bis sie wohl
einmal der Umwelt durch Recycling zugute kommen werden).
Was läge
nun einer derart unterwanderten Forschung näher, als die zwingenden
Faktoren zu verwischen, die den Geschlechtern Komplementarität
anstatt Gegnerschaft bescheinigten? So werden heute vielfach einschlägige
wissenschaftliche Ergebnisse auf dem Weg zu ihrer Veröffentlichung
mittels populärwissenschaftlicher Blätter und Pressemeldungen
von dem Heer der politisch motivierten Schreiberlinge verstümmelt,
verfremdet, umgedeutet oder in falsche Zusammenhänge eingetaucht.
Nicht zu vergessen die Horde männlicher
wie weiblicher Wissenschaftler, die allenthalben aus den Erkern der
Universitäten
ihr PR-gieriges Antlitz gen Welt richten, um ihre 'neuen Forschungsergebnisse'
- schon mundgerecht zerhackt - direkt in den Wahrheit verschlingenden
Rachen des Ungeistes zu stecken.
Wir wollen uns daher als nächstes etwas mit dem Umfeld beschäftigen,
in welchem heute feministisches Denken den Wissenschaftsbetrieb pervertiert,
und mit der Lokalisierung dieses Umfelds innerhalb der einschlägigen
Entwicklungen der letzten drei Jahrzehnte des eben vergangenen Jahrhunderts.
Der Satz vom "Schlauch" entstammt diesem Umfeld, und was
kann da schon ein Schlauch anderes sein als etwas dem einzigen Thema
des Feminismus auf intime Weise Dazugehöriges? Richtig: die Rede
ist vom Zeugungsorgan des Mannes. Der Satz ist einer Anthologie von
Zitaten entnommen, mit denen uns einst DER SPIEGEL eine Bewegung
vorwiegend US-amerikanischer Wissenschaftlerinnen bekanntmachen wollte,
der Ende der Neunziger beschieden war, das Geistesleben auf eine
etwas neue Art zu attackieren. Um vorzugeben, daß sie etwas anderes
als Feministinnen seien, nannten sich die US-Geistesfrauen diesmal "Femalistinnen".
Mit rührender Aufrichtigkeit müht sich das Magazin, uns die "feine
Unterscheidung" der
beiden Wortstämme "feminin" und "female" zu definieren.
Femalistinnen - anders als Feministinnen - streben nicht etwa an, "die
Frau in der Gesellschaft zu befreien" (wovon denn auch?), sondern "das
Wesen des Weiblichen zu erfassen". Es klingt nach edlem Selbsterkenntnisdrang!
Mit "wahrscheinlich" und "vielleicht" in engster
Nachbarschaft versucht die Artikelautorin uns die vermeintlich wissenschaftlichen
Thesen ihrer Geschlechtsgenossinnen zu vermitteln. Kein leichtes
Unterfangen; der Vorsatz der Femalistinnen war universell: "Alles ist
anders, als die Herren der Schöpfung immer glauben machen wollten." Und
wem will es leicht gelingen, "den
gesamten Wissensschatz der Menschheit" neu zu ordnen?
Doch zum Glück
braucht man dafür keine besondere Lizenz. Und schwupp!, tauchten
auch die maßgebenden
revolutionierenden Fragen auf:
Warum - bitte schön - sollen die Weibchen um einen Primaten mit einem
Harem verglichen werden, wie es männliche Wissenschaftler bisher
taten, und nicht das Männchen
mit einem Gigolo, "der von den Weibchen geduldet, aktiv gewählt
und benutzt wird"? Warum wurden die Säugetiere in Assoziation
zur Funktion der weiblichen Brust benannt, anstatt sie anhand ihres Äußeren
einfach "Felltiere" zu
nennen? (Es genügt hier nur an Delphine, Wale oder ähnliches zu denken,
um zu erkennen, daß der Ausdruck "Felltiere" falsch wäre.)
Und wie kamen die Paläoanthropologen dazu, ein 1974 gefundenes Skelett
als "eindeutig
weiblich" zu klassifizieren und "Lucy" zu benennen, "allein
weil es zierlich war", wo es doch "in Wahrheit vielleicht eher
Adam als Eva glich"? Hatten diese Forscher denn noch nicht von
der starken "Lilith" gehört,
jener Vorgängerin Evas, die sich - jawohl! - geweigert hatte, mit
Adam in der Missionarsstellung (Mann oben) den Zeugungsakt zu vollziehen?
Die Überzeugung, solche Fragen nicht wirklich beantworten zu müssen,
bevor es mit der Forschung weiter gehen kann, erspart uns hier einige überflüssige
Zeilen. Würden wir aber jene eine dieser Fragen etwas fokussieren,
die Frage nämlich
nach den Gründen, welche die männlichen Forscher veranlaßten, das
entdeckte Skelett auf Grund seiner Größe (ausgenommen weiterer anatomischer
Merkmale) als ein weibliches anzusehen, müßte sie lauten: "Wie
kommen männliche Forscher dazu, ein größeres
Skelett als ein männliches, ein kleineres aber als ein weibliches
zu klassifizieren?" Daß dies
den Forschern - selbst unter dem Vorbehalt sporadischer Fehleinschätzungen
- von der Wirklichkeit geboten wird, scheint den femalistischen Wissenschaftlerinnen
kaum in den Sinn zu kommen! Aber auch der SPIEGEL quasselte im Zusammenhang
vom "Vorurteil vom
niedlichen Weiblein" daher.1
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