Die Zeit nach dem achtundsechziger Studentenaufstand war durch Radikalität
geprägt. Eine Eigenschaft, die sehr geeignet ist, gewagte Utopien,
aber auch blinden Fanatismus zu erzeugen.
Der neuere Feminismus, der Radikalfeminismus ist ein Kind jener
Zeit.
Inhaltlich kann man die nachachtundsechziger Auseinandersetzung
in zwei Richtungen verfolgen. Die eine ging das Wesen des
Menschen direkter an, die andere beschäftigte sich vorwiegend mit
den Ereignissen um den Menschen, mit den Umständen.
Die erste dieser Strömungen kann als die "spirituelle" bezeichnet
werden. Sie ist weicher als die zweite, welche die "politische" Strömung
jener Zeit war. Obwohl sich beide hinsichtlich der Mittel und Methoden,
die sie zur Veränderung der Welt vorschlugen, kraß einander gegenüberstanden, überschnitten
sie sich an entscheidenden Punkten. So gab es oft zu jener Zeit das
nüchterne, hochintellektualisierte politische Gespräch des Studenten
im gleichen Raum, in welchem Räucherkerzenduft und Transzendentalphantasien
mit der Untermalung psychedelischer Klänge einhergingen. Und beide
Richtungen erkannten in ihrer Radikalität eines: Die Welt kann nicht
nur etwas ganz anderes sein, sondern sie muß es auch werden.
Mag nun diese Forderung nicht viel Unsympathisches an sich haben,
gezeugt hat sie allerdings einen neuen Trend, der die Forderung nach
dem "ganz anderen" und "völlig Neuen" als globalen
Kult auf allen möglichen Kulturgebieten übertrug und dahin tendierte,
daß Neu- bzw. Anderssein fortan wertstiftend wurde, oft unabhängig
von aller weiteren Qualität des anders- bzw. neuseienden Gegenstandes.
Diese Mentalität hat am deutlichsten in der Kunst Umstrittenes erzeugt.
Aber auch "Kinder an die Macht", wie eine Parole aus jener
Zeit lautete, wäre etwas "ganz neues" und "ganz anderes", über
dessen qualitative Hintergründe es jedoch einiges zu bedenken gäbe.
Die Gier nach Neuem machte aber die Gemüter bereit, Altes leichtfertig
zu verwerfen oder es als untauglich oder unwahr zu deklarieren, ohne
weitergehende Untersuchung der Richtigkeit des Ersatzes. Altbewährte
Ideen, seit alters her erkannte Sachverhalte und allgemeingültige
Denkmuster waren begehrte Kandidaten für eine Etikettierung mit dem
Modewort "Mythos", um sie dann als solchen "fallen" zu
lassen und so einer Wirklichkeit Platz zu machen, die im Sinne neuentstandener
Ideologien inszeniert werden konnte - "alte Mythen, neue Rollen".
Die Welt neu zu machen fiel den Spiritualisten leichter. Indem sie
das Wesen des Menschen (Bewußtsein) als Angelpunkt allen Seins annahmen
(nicht weit von Schopenhauers "Die Welt als Wille und Vorstellung" entfernt)
und gestützt auf vorwiegend östliche Weltanschauungsmodelle, plädierten
sie für eine Veränderung oder "Erweiterung des Bewußtseins",
welche ein neues Bewußtsein zustande brächte, das wiederum ein neues
Sein, eine "andere Wirklichkeit" zu stiften imstande wäre.
Die politisch orientierten Erneuerer dagegen vertraten in gewohnter
Tradition etwas Gegensätzliches. Zwar trat bei diesen - die allesamt
nach links tendierten - der Kommunismus zumeist nicht vordergründig
auf und wurde auch nicht unbedingt in der Form, in welcher er sich
im Osten Europas durchgesetzt hatte, gepredigt. Die philosophische
Basis allerdings, auf welcher dieser seine Ideen entfaltet, der Dialektische
Materialismus (im Verbund mit einem unbedingten, "nüchternen" Positivismus),
blieb dieser linken Bewegung als wichtigstes Werkzeug erhalten.
Nach jener Weltanschauung ist der Mensch in seinem Wesen durch das
soziale Umfeld und die darin herrschenden Umstände (allesamt durch
die Arbeitsteilungsverhältnisse entstanden) bestimmt, und nur eine
Veränderung dieser Umstände könnte einen neuen Menschen und also
eine neue Welt schaffen. Natürliche und geistige Eigenschaften oder
Eigenschaften überhaupt, die unabhängig von den gesellschaftlichen
Vorgaben das menschliche Individuum prägen und durch dieses die Welt,
leugnet der dialektische Materialist programmatisch. Nicht das Bewußtsein
wird die Wirklichkeit umprägen, sondern diese das Bewußtsein.
Wir wollen hier weder zwischen beiden Weltauffassungen vermitteln
noch einer von ihnen den Vorzug geben. Wir werden sehen, daß der
Feminismus etwas von beiden angenommen hat. Ganz besonders werden
uns allerdings seine Thesen dort an ihre dialektisch-materialistische
Ausprägung erinnern, wo er die Eigenschaften auch der Geschlechter
als nur gesellschaftliche Vorgaben - also Rollen - definieren
wird. Der Mensch wird nicht als Mann oder Frau geboren, behauptet
eine charakteristische These, sondern er wird zum einen oder anderen ausschließlich durch
Erziehung gemacht.
Grotesk wirkt diese kuriose Behauptung vor allem dann, wenn sie
in den Ausführungen eines populär-wissenschaftlichen Journalistentums
in der gleichen Lektüre mit ihrem genauen Gegenteil vorgestellt wird,
nämlich der Feststellung einer von Anbeginn an vorhandenen geschlechtlichen
Identität jeder einzelnen Gehirnzelle!1
Dennoch bleibt die "Entmythisierung" der Geschlechter
einer der wichtigsten (und genauer: der ideologische) Eckpfeiler
des radikalen Feminismus.
Ein zweiter (der praxisbezogene) ist der Separatismus, der Ausschluß also
des Mannes aus dem sog. "Befreiungsprozeß" der Frau. Doch
dieser Zahn des Radikalfeminismus wackelt seit den letzten Jahren
beträchtlich aufgrund der Erfahrung, daß "Erfolgsfrauen" selbst
ihren Erfolg einer partnerschaftlichen Beziehung zum männlichen Geschlecht
zuschreiben und nicht einer verbitterten Emanzenisolation. Theoretische
Irrtümer währen wohl etwas länger.
Diese Skizze der geistigen Landschaft während der Entstehungsphase
des Radikalfeminismus läßt uns den mentalen Boden erkennen, in welchem
dieser seine Wurzeln schlug. Erheblich zum Begreifen seines Gehalts
ist aber noch dazu seine personelle Beschaffenheit.
Waren nämlich bis zum Beginn der siebziger Jahre vorwiegend Frauen
für den Feminismus eingetreten, die das Geschlechterverhältnis noch
unseparatistisch, mit den Männern zusammen, neu gestalten
wollten, traten nunmehr Frauen hinzu, denen jede heterosexuelle Vorstellung
nicht nur wenig behagte, sondern zum größeren Teil sogar einer existentiellen
Bedrohung gleich war.
Solche "Politlesben" und "Naturemanzen" besaßen
ein so großes Potential an Wirksamkeit, daß es ihnen möglich wurde,
die anderen Frauen zu verdrängen (die feministischen Männer durch
Separatismus ohnehin) und den inneren Kern der sog. Frauenbewegung
nahezu ausschließlich zu besetzen. Ihre Stärke wurde nicht nur aus
der psychischen Intensität gewonnen, mit welcher sie sich gegen den
Mann richteten; gelegen kamen ihnen auch all die Attribute des Zeitgeistes,
wie dieser oben skizziert wurde und innerhalb dessen man den alten
Mythos "Mann" oder "Geschlecht" mit Leichtigkeit "fallen" lassen
konnte.
Überdies noch war diejenige Situation für den Radikalfeminismus äußerst
zuträglich, die wir als den Generationenkonflikt kennen, denn dieser
Konflikt, dessen Auftreten eine Abrechnung mit der Vergangenheit
des Zweiten Weltkrieges zugrunde lag, war aus eben diesem Grund
primär ein Söhne-Väter-Konflikt, spaltete die männlichen Generationen
wesentlich intensiver, belud sie gegenseitig mit Ablehnung und Vorwurf. "Sie
hatten das Glück", schrieb ich unlängst einer prominenten Feministin
der ersten Stunde, "einer Epoche anzugehören, deren geistiger
Ursprung in der Rache der Söhne gegen die Väter bestand. Diese Söhne
waren es, die den Laufsteg aufbauten, auf welchem Sie und Ihre Artgenossinnen
Ihre Mode vorführen sollten..."
Mit der Bildung dieses feministischen harten Kerns aus Frauen, die "von
Natur aus gegen den Mann" waren, wie es ein zeitgenössischer
Autor ausdrückt, setzten sich innerhalb des Feminismus Erscheinungsformen
durch, in denen sich ein misanthropes, sexistisches Klima schnell
einen deutlichen Ausdruck verschaffte.
Es ist an dieser Stelle notwendig, einen kurzen Einblick in die
homosexuellen Verhaltensstrukturen der Geschlechter zu gewinnen:
Bekanntlich interessiert sich eine homosexuelle Person weniger für
die Gemeinschaft mit dem anderen Geschlecht. Ein intimer Verkehr
mit diesem wird nicht angestrebt, und alle sonstigen Kontakte zum
anderen Geschlecht werden mehr oder weniger durch dieses Regulativ
dosiert. Freundliche aber oder sogar herzliche Beziehungen zum anderen
Geschlecht existieren ebenso selbstverständlich wie bei heterosexuellen
Menschen zum eigenen. Wo in extremen Fällen dies nicht der Fall ist,
entsteht ein gewisses Gettobewußtsein. Innerhalb eines solchen mag
es beim männlichen Homosexuellen vorkommen, daß er das weibliche
Geschlecht meidet oder gar ignoriert. Selbst dann aber, wenn eine
- wie auch immer bedingte - völlige Abneigung das Verhältnis zur
Frau trübt, - bedroht wird dieser sich als Individuum von der Frau
nicht fühlen, auch nicht "nachts im Park". Er wird schlimmstenfalls
die Frau außer acht lassen und seiner Wege ohne sie gehen.
Anders ist es im vergleichbaren Fall bei der Lesbierin. Hier wird
die eigene Homosexualität zwar die Distanz zum männlichen Geschlecht
- zumal in der heutigen Zeit - aufrecht erhalten können, wirklich
ignoriert kann jedoch der Mann nicht werden. Auch dann nicht, wenn
alle privaten Bereiche ohne ihn auskommen könnten, wofür der erwerbstätigen
Frau von heute nichts im Wege steht. Nicht etwa nur, weil bei jedem
Schritt durch all die Verästelungen unseres täglichen Tuns die Werke
und Wirkungen des Männlichen ringsum auf dieser Erde wahrgenommen
werden müssen. Denn selbst wenn es gelingen sollte, die Allgegenwart
des Mannes auf einer Erde, auf welcher seine Städte stehen und von
welcher aus seine Visionen bereits das All bereisen, zu verdrängen:
Eine Erinnerung, eine sehr derb manifestierte gar, ja eine geradezu
körperliche bliebe da immer bestehen, nämlich der Körper selbst!
Jede Frau wird einmal mit der unterschiedlichen körperlichen Beschaffenheit
der Geschlechter konfrontiert, wie sich diese im kräftemäßigen Verhältnis
von Mann und Frau ausdrückt. Die andersartige Konstitution der Muskelfaser
wie auch das Proportionalverhältnis der Muskulatur zum Fettgehalt,
das beim Manne auf Muskeldominanz gerichtet ist und noch dazu von
einem auf Dynamik hin wirkenden hormonellen Inventar unterstützt
wird, hat wohl manches Mal das Erstaunen der noch nicht damit bekanntgewordenen
jungen Frau hervorgerufen, wann immer - durch Zufall oder nicht -
ihre körperlichen Kräfte sich mit denen eines Mannes messen konnten
oder mußten. Es ist durchaus verständlich, daß diese Erfahrung bei
einer Frau, die im Manne einen Antipoden sieht, etwas Unbehagen bereitet.
Denn zwar wird heute, wie man oft - und bei den Feministen immer
wieder gern - feststellt, Muskelkraft nicht mehr gefragt. Das aber
gilt nur für den Arbeitsmarkt und selbst dort nicht unbedingt. Für
das individual-existentielle Befinden aber, für das Stehen in der
Welt und gegenüber anderer Menschen ist körperliches Kraftempfinden,
außer bei Heiligen und Menschen die radikal einen inneren Weg gehen,
von eminenter Bedeutung; man denke nur an den Fall einer schwächenden
Erkrankung. Und weibliche Athleten feiern ebenso jubilierend ihre
Frauenrekorde, wie Männer die ihrigen feiern.
Kraft aber auf der gegnerischen Seite ist für den "Feind" stets
latente Gewalt. "Gewalt gegen Lesben", ein im Sommer
2000 viel plakatiertes Thema, ist in den einschlägigen Kreisen nicht
nur dann eines, wenn sich konkrete Gewalt gegen sie ereignet hat.
Gewalt die vom Mann ausgeht, ist immerwährend präsent für jemanden,
dem Manneskraft stets als latente Gewalt gegenübersteht. Aber Gewalt
ist bedrohlich, und Bedrohung macht Angst.
"Heterophobie", die Angst vor dem anderen Geschlecht,
begleitete den Radikalfeminismus von Anfang an, von der Zeit also,
in welcher mannsfremde Frauen die Geschlechterbeziehungen zu regeln
begannen, und stellte sich ihm als elender Berater zur Seite. Eine
Angst vor der halben Menschheit ist freilich kein Segen. Und wie
ausweglos in diesem Fall! Denn wer kann gegen diese Gewalt antreten
außer wiederum der Mann?
Ausweglose Angst erzeugt Haß. Den dritten Eckpfeiler des
Radikalfeminismus, den emotionalen. Und so haben wir:
a) Leugnung der Geschlechterwirklichkeit als den intellektual-ideologischen
Faktor des Radikalfeminismus (Geist, Denken, Wahrheit, Unwahrheit).
b) Separatismus und Alleingang der Feministin bis hin zur Ablehnung
aller Heterosexualität als den praktisch-politischen Faktor (Körper,
Handeln, Wille, Unwille) und
c) Haß als den emotionalen (Seele, Fühlen).
Angesichts des Sachverhalts aber, daß:
a) die Leugnung der Geschlechterwirklichkeit eine Unwahrheit ist,
weil es die zwei Geschlechter tatsächlich und unabhängig von gesellschaftlichen
Vorgaben gibt,
b) der Separatismus eine Spaltung zwischen den Geschlechtern
und somit das Gegenteil von Ganzheit (Heilsein)
des Gesamtmenschen verursacht und
c) Haß Gift für den sozialen Organismus ist,
haben wir im Feminismus ein Kollektivwesen, das wahre Meisterschaft
in Destruktivität erzielt, denn sein Prinzip beruht auf einer Lüge
und seine Wirkung verursacht Spaltung und Haß. Welch alarmierendes
Psychogramm!
Eine ziemlich verblüffende Begleiterscheinung des feministischen
Hasses, die ein weiteres Nachdenken herausfordert, ist die nahezu
bedenkenlose Freizügigkeit, mit welcher er sich offenlegt und dort
kokettiert, wo man sonst meinen würde, daß er sich schon aus taktischen
Gründen lieber hätte verbergen müssen, nämlich im geschriebenen Wort
und in offenen Veranstaltungen.
So begegnet er uns täglich in feministischen oder feministisch indoktrinierten
Medien unverhüllt als hämischer Sexismus, der z. B. die höhere Selbstmordrate
bei Männern oder andere den Mann betreffende Mißstände feiert, grinst
uns aus Magazinen, die das Wort "Wissenschaft" in ihrem
Titel tragen, als schadenfreudige Vorankündigung feministischer "Forscherinnen" einer
angeblich bevorstehenden Ausrottung des "zweiten Geschlechts" an,
plaziert in "Frauenkalendern" Tage, an denen Männermorde
stattfanden, als Gedenktage des Feminismus, bereitet in feministischen
Manifesten Gaskammern für alle Männer, foltert und tötet Männer in
Filmen, Lesbencomics und neuartigen Frauenromanen, erstellt seitenfüllende
Listen mit erniedrigenden Beleidigungen gegen das männliche Geschlecht,
die das Höchste an Obszönität und Impertinenz zu erreichen suchen,
erklärt in "Sachbüchern" den Mann als Naturkrüppel, dessen
Bestandteil in der Weltbevölkerung auf etwa zehn Prozent dezimiert
werden sollte, oder verklärt das Zeugungsorgan des Menschen zur "Giftspritze",
was es vielleicht auch war, als es manche Feministin dieser Art zeugte.
Ist es nun Naivität oder Heftigkeit, die solchen sektiererischen
Haß in eschatologischen Vorstellungen einer von Männern erlösten
Welt oder in mordshungriger Spaßlektüre so unverblümt, jenseits aller
Taktik zeigt? Oder ist es etwa das stille, unausgesprochene und vielleicht
auch unreflektierte Zugeständnis, daß Feminismus nicht ernst genommen
werden soll, weil er weiblich ist, also indirekt gestandene Selbstverachtung?
Wie dem auch sei: Fest steht, daß dieser Vergiftung mentalen Lebens
eine Gegenströmung gesetzt werden muß! Und fest steht, daß selbst
innerhalb gemäßigter feministischer Kreise oder sonstiger Frauenaktivitäten
kein nennenswerter Ansatz einer Distanzierung von diesem Sexismus
zu vernehmen ist. Wird diese Passivität der nicht radikalfeministischen
Frau von den extremistischen Drahtzieherinnen des Femofaschismus
als ein Umstand einkalkuliert, der ihnen die Möglichkeit bieten soll,
ihre perversen Intentionen unter Vereinnahmung einer angeblichen
Vertretung der Interessen aller Frauen (und somit der Interessen
der größeren Hälfte der Weltbevölkerung und des größeren Wählerpotentials)
durchzusetzen?
Wer heute noch eine solche Möglichkeit belächelt, sollte bedenken,
daß der weibliche Einfluß in Einrichtungen, die sich - auf welcher
Ebene auch immer - mit der Verbesserung menschlicher Lebenszustände
befassen (und dazu gehört auch die Kontrolle über den Weltbevölkerungszuwachs),
dominiert. Hilfsprojekte für die dritte Welt, die nur Frauen zugute
kommen, sind für viele Organisationen selbstverständlich. Internationale
Einrichtungen wie die UNO, aber auch Menschenrechtsinitiativen wie
z. B. Amnesty-International oder Pro-Asyl betreiben gesonderte Abteilungen
oder Programme für Frauen, und zwar zusätzlich zu der selbstverständlichen
Mitberücksichtigung von Frauen in ihren regulären Aktivitäten.
Eine der zentralen Methoden des Feminismus besteht darin, das menschliche
Leid und damit den primären Anspruch auf jegliche Form einer
Entschädigung zu verweiblichen und für seine Ziele völlig zu vereinnahmen.
Das klappt bisher mehr als gut! Vom Boulevardjournalismus bis zur
Gewerkschaftszeitschrift haben femosexistisch orientierte Berichterstatter
ihr feministisches Lied vom Leid gut gelernt. Ob es sich um Naturkatastrophen
oder Krisen anderer Art handelt, eine Flut von Bildern leidender
Weiblichkeit ist stets die erste und meistens die einzige Botschaft,
die uns erreicht, und das selbst aus Gebieten, in welchen Hunderte,
Tausende von jungen Männern ihr Leben verlieren, während Frauen als Überlebende
die sekundär Leidtragenden sind. "Man sieht überall nur weinende
Albanerinnen", kommentierte ein berühmter Journalist die einseitige
Berichterstattung über den Kosovokrieg im vergangenen Jahr. Zugleich
bemühte sich die populistische Presse in Gemeinschaft mit fragwürdigen
Parteiblättern linker Färbung das 'Tabu zu brechen', daß der Krieg "eigentlich" auf
Frauenschultern ausgetragen werde. Welche pietätlose Unverfrorenheit
angesichts der jungen Männer, die lebendig in ihren Panzern verbrennen
mußten oder in irgendwelchen Steppen lebendig begraben wurden!
Dieser Einstellung kommt zu Hilfe, daß männliches Leid als selbstverständlicher
erscheint, weil dem Mann immer noch die archaische Forderung heldischer
Selbstaufopferung zur Mannwerdung nicht nur von Anbeginn suggeriert
wird, sondern auch gesetzlich verankert vorliegt. Das wird deutlich
in der sexistisch orientierten Ordnung von Rettungsaktionen im Katastrophenfall,
die immer nach dem Motto "Frauen zuerst" funktioniert,
das wird deutlich in der expliziten Erwähnung der Anzahl weiblicher
Opfer in Fällen von Lebensverlust oder schwerer Verletzung.
Zudem trug der Feminismus in den letzten Jahren zu einer Vertiefung
solcher Ungleichbehandlung bei, welche bewirkt hat, daß auch Unrecht
oder Diskriminierung, die dem Mann geschieht, als durchaus korrekt
zu gelten hat (positive Diskriminierung), soweit dieses feministischen
Interessen dient, etwa im Rahmen eines Quotenanspruchs für Frauen.
Das Prinzip wurde überaus deutlich in der Bundeswehrdiskussion am
Jahresbeginn, in welcher die eindeutig sexistische Behandlung der
Geschlechter hinsichtlich der Wehrpflicht (Frauen dürfen, wenn sie
wollen; Männer müssen, ob sie wollen oder nicht) fast niemanden mehr
unter den Verantwortlichen zu scheren schien, sondern hinter einem
dürftigen Vorhang fadenscheiniger Argumentation als Thema völlig
verschwand. Und es war (neben mancher anderen Frau aus der Politik)
keine Geringere als die Justizministerin dieses Landes selbst, Frau
Prof. Dr. Däubler-Gmelin, die sich für eine Wehrpflicht für Männer
nicht etwa auf Grund verteidigungspolitischer Erwägungen aussprach,
sondern mit der Begründung, Männer sollten durch die Wehrpflicht "gehindert" werden,
damit Frauen im Leben aufholen können!
In einer kurzen e-Mail-Korrespondenz, die ich darauf mit der Justizministerin
führte, schien ihr nicht aufgehen zu wollen, daß ihrer Forderung,
Männern ein Bein zu stellen, damit Frauen schneller vorankommen,
etwas Fragwürdiges anhafte.
Wie mag es sein, wenn "lauter starke Frauen", die mit etwas weniger
Verantwortungsbewußtsein, als es die Justizministerin sicherlich
besitzt, ausgestattet sind, dafür aber mit einer gehörigen Portion
sektiererischen Männerhasses und einer guten Mehrheit an entscheidenden
Positionen bei der Erstellung internationaler Regelwerke zur Steuerung
wichtiger Belange der Menschheit, wie das einer Regulierung der Weltbevölkerung,
am Ruder sein werden?
Mann weiß es nicht. Aber Mann sollte allmählich aufwachen!