ZUKUNFTSFORSCHUNG
Die Frau in der Krise!
Totgesagte leben länger!
Totgesagte leben länger! Die Binsenweisheit erhält gegenwärtig in der Wirtschaftsplanung des designierten amerikanischen Präsidenten Barack Obama eine geschlechtsspezifische Bedeutung, die Feministinnen nicht nur in den USA wachrütteln sollte. Leider aber könnte sich eher wieder einmal zeigen, daß Feminismus und Nüchternheit allzu verschiedene Paar Schuhe sind. Aber der Reihe nach:
Der noch in diesem Monat antretende neue Präsident der USA, der das Land mitten in der währenden Finanzkrise übernimmt, hat epochale Konjunkturmaßnahmen angekündigt, die in ihrem Ausmaß an diejenigen nach der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre erinnern sollen. Und da die Infrastruktur eines Landes der Grundboden aller konjunkturellen Bemühung ist, will Obama vor allem (für bis zu eine Billion Dollar!) in die Infrastruktur investieren, als da also wären "Straßen, Brücken, Tunnel und Leitungen".
Woran erinnert uns das bloß? Ach, ja: Sind Straßen-, Brücken-, Tunnelbauer nicht allesamt Vertreter jener testosteronisch-muskelfaserigen Art, deren Fertigkeiten in der Gesellschaft der Neuen Menschin verzichtbar geworden sind, weil, so unsere luziden Zukunftsforscher um Horx oder Opaschowski, in Zukunft ganz andere, nämlich weibliche Tugenden gefragt sein würden? Wissen wir nicht schon längst, daß es längst nichts Neues mehr zu schaffen gilt, sondern, die Geschichte des menschlichen Werdens nun zu ihrem Ende angelangt, uns nur noch gefällige Dienstbarkeiten in einer besiegelten Dienstleistungsgesellschaft anmutig untereinander austauschen läßt? Ohne krafterfordernde Müh, ohne Maschinenbändiger, ohne Materiebezwinger, ohne "neandertalerische" Felsendurchbohrer, deren Muskelkraft nur noch zum Gespött des Zukunftsmenschen oder halt zum Neid der Lesben um Alice Schwarzer taugt? Wissen wir das alles nicht? Wir wissen es wohl.
Doch wem hilft es, Unwahrheiten zu "wissen", wenn die Stunde der Wahrheit geschlagen hat? Und das ist in Krisen immer der Fall.
Wie "frauenfreundlich" Obama am Ende ist, war bisher nicht wirklich auszumachen. Wenn ihm auch manche Äußerung die Frau als Opfer am Herzen liegend zeigte. Aber als Opfer eben, das muß nicht dasselbe sein, was Feministinnen in allen Fällen als politisch ergiebig zu erachten hätten. Schon mal dort nicht, wo er Konjunkturprogramme in Billionenhöhe ankündigt, die fast ausschließlich Männerjobs schaffen, wie er gerade notwendigerweise tun muß. "Frauenverbände in den USA laufen derzeit Sturm gegen das geplante Konjunkturpaket von Barack Obama", hieß es neulich dementsprechend in welt.de ("US-Arbeitsmarkt - Frauen sind die Verlierer der Finanzkrise").
Der Schlag ins Gesicht der Frauen
Doch der wahre Schlag ins Gesicht des vermeintlich arrivierenden Teils der Menschheit ist noch ein anderer: Frauen gehen auch dort leer aus, wo die sogenannt umweltfreundlichen Zukunftstechnologien gefördert werden, was das zweite Standbein von Obamas Konjunkturpaket ausmacht! So lesen wir im selben Artikel, daß "das Infrastrukturprogramm... vor allem in der Baubranche wirken" wird. "Und dort arbeiten nach der US-Arbeitsmarktstatistik bis zu 91 Prozent Männer. Bei den erneuerbaren Energien sieht es ganz ähnlich aus. Dort arbeiten vor allem Monteure und Ingenieure. Von letzterer Berufsgruppe sind gerade einmal zwölf Prozent weiblich."
Der Rest in dem Artikel ist fast nur noch Gejammer und Ratlosigkeit unter Frauen: Daß sie das arme Geschlecht sind, das ökonomisch benachteiligt allein erzieht. Daß die Jobs, denen Frauen nachgehen, dem Niedriglohnsektor angehören, der von den Massenentlassungen heftiger betroffen wird, weswegen "Frauen ein Konjunkturprogramm in der Krise viel nötiger als Männer" hätten, aber die Konjunkturmaßnahmen des künftigen Staatschefs "ausschließlich Jobs für Männer schaffen". Und wie immer, wenn sich das Lamento in höchsten Tönen überschlägt, wird es auch hier recht lustig: Warum nur verdient der Lastwagenfahrer ein so viel höheres Einkommen als die Kindergärtnerin? Dabei brauche er keinerlei Qualifikation. Ja, diese "Einkommensdiskriminierung" mal wieder...! 22 Prozent davon, soviel werden geschätzt (offensichtlich gut mit ihren europäischen Schwestern abgesprochen): "Im Durchschnitt verdiene eine Frau nur 78 Prozent dessen, was ein Mann verdiene", wird die Vertreterin eines feministischen Instituts zitiert. Und dies "obwohl Frauen häufiger Universitätsabschlüsse haben als Männer."
Nun, der Lastwagenfahrer verdient wohl aus denselben Gründen mehr als die Kindergärtnerin, aus welchen die Kindergärtnerin kein Lastwagenfahrer sein möchte.
Am Ende des Artikels dann, bevor die Frauen darum zu streiten beginnen, ob nun die Konjunktur zu ihnen kommen sollte, oder sie durch verändertes Berufswahlverhalten zur Konjunktur, glaubt man bei den Diskutantinnen widerstrebend zugelassene Blitze von Selbstreflexion zu vernehmen: Nicht nur unterschiedliche Wertvorstellungen der Geschlechter seien schuld an den Einkommensunterschieden, sondern auch der Stellenwert, den der Broterwerb bei Frauen einnimmt ("Frauen ziehen seltener für einen Job um") wie auch das Arbeitsplatzwahlverhalten der Frauen ("Frauen... treffen ihre Arbeitsplatzwahl eher aus ideologischen Gründen".
Erwähnung findet sogar die unsägliche Verbündelung zwischen Staat und Frauen, die ja letzteren jene Stütze bietet, die ihrer grundsätzlichen Abhängigkeit von einem Beschützer entgegen kommen soll, während sich dabei der Staat funktionell überfordert: "Weibliche Arbeitnehmer arbeiten häufig in staatlichen Einrichtungen – Schulen, Kindergärten oder Bibliotheken." Vermutlich wird hier der Begriff Öffentlicher Dienst bewußt gemieden. "Die Entlassungen", heißt es dann weiter, "kommen dort erst spät im Konjunkturzyklus. Nämlich dann, wenn die Steuereinnahmen sinken und der Staat sparen muss".
Tja, Mädels, das alles sehen wir fast genauso! Nur kämen wir nie auf die Idee, euch mit dämlichen Verheißungsformeln der Art "Die Zukunft ist weiblich!" zu vergackeiern. Denn wir wissen das Unaussprechliche: Frauen stecken heute in einer immensen Krise! Und je williger sie sich dies eingestehen (anstatt sich selbst als das evolvierende Geschlecht haltlos zu bauchpinseln), desto eher könnten sie aus ihrer Krise treten, um in Partnerschaft mit dem Mann etwas Vernünftiges leisten zu dürfen.
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