DER MASKULIST
26.01.2012

Dasselbe in Grün

War es in den vergangenen zwei Jahren die SPD-hörige Friedrich Ebert-Stiftung gewesen, die sich "Maskulinisten und Männerrechtlern" widmete, um davonschwimmende Felle jener Feministen noch zu retten, die sich mit ihrer "kritischen Männerarbeit" das Feminat zum Männerparadies verklären wollten, übernahm nun die nach Heinrich Böll benannte Grünen-Stiftung die Dreckschleuder der Diffamie. Gestiftet und geschleudert wird in beiden Fällen dasselbe: die falsche Gewißheit nämlich, daß die wachrufenden Kräfte mit den abgewirtschafteten Knüppeln politisch korrekter Denunziation eingeschüchtert werden könnten, und die Gesellschaft weiterhin in der Betäubung jener Ismen und Utopien ihres pubertären Nachkriegsaufbegehrens verbleiben würde. Sie beeilen sich - die Stiftungen - könnte man meinen, solange man sie noch ernstnimmt, solange man sie überhaupt wahrnimmt beeilen sie sich, eine Konkurrenz anzugreifen und, ja, auszuschalten, welche die wahre Legitimation für das trägt, was die aggressiven Usurpatoren zwecks Vereitelns besetzen möchten.

"Haltet den Dieb!" – der Aufforderung fällt uns leicht nachzukommen. Kaum ein Absatz der intriganten Pamphlete, der nicht gleich eine kleine Fülle an Stellen böte, aus denen Einfalt und Selbstentblößung, bestenfalls noch Bigotterie qualmt. Für Genießer ist es wohl gedacht, was Hinrich Rosenbrock, der Autor des jüngsten Machwerks im Zyklus dieser Trauergesänge (des Titels diesmal "Die antifeministische Männerrechtsbewegung - Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung"), auf Seite 100 über das "Bundesforum Männer", einen Hort der erwähnten Schleichfeministen, flugs zusammenführt: "Das Bundesforum Männer ist… das Gegenstück zum Deutschen Frauenrat. Es geht um emanzipative Lobbyarbeit für Männer."

Nun also: ein Gegenstück ist das, das Bundesforum Männer zum Dachverband aller Feministinnen, dem Deutschen Frauenrat. Um Gegenstück zu sein, bedarf es ja bekanntlich einer grundlegenden Gemeinsamkeit, einer zentralen Adäquanz. Hinrich Rosenbrock hat sie, und er benennt sie uns erfreulich voraussehbar: "emanzipative Lobbyarbeit". Soweit also, soweit allerdings nur sind die beiden Organisationen ähnlich. Darauf folgt dann der Unterschied, der große Bruch, möchte man schmunzeln, der vom schlechten Erzähler Rosenbrock schlecht vorgetäuschte Abstand. Dieser nun, der Abstand, der angebliche, der aus der zugrundeliegenden Gemeinsamkeit die Gegenstücke heraustreten läßt,  besteht darin, daß, während der Deutsche Frauenrat die "emanzipative Lobbyarbeit" den Frauen widmet, das Bundesforum Männer dieselbe Männern zukommen läßt.

Klasse, Herr Rosenbrock! So einfach aber auch! Der Schleier unseres Irrtums hätte sich bald kraft Ihrer klärenden Auskunft aufgelöst, wäre da nicht noch die Frage, wovon sich denn die Frauen des Frauenrats und die Männer ihres Bundesforums emanzipieren wollen. Und da wurde doch all die Jahrzehnte dicke aufgetragen, daß es in beiden Fällen das Patriarchat und seine vielen "Männlichkeiten", die "hegemonial" genannten schrecklichen sind, wogegen sich der emanzipative Aufwand beiderseits engagiert.

Auch hier also Gemeinsamkeit, kein "Gegen", sondern ein entschiedenes, reichliches "Für"! Das Bundesforum Männer ist das Für-Stück des Feminismus, und zwar mit der verwerflichen Beifügung der Nestbeschmutzung, wollten Sie sicher sagen, bevor Ihnen die Orientierung abhanden kam. Man fühlt sich verpflichtet, Sie zu ermahnen, Ihre Texte nicht im Anschluß an schlaflose Nächte zu verfassen. Dann zumindest nicht, wenn darin logische Strukturierung vorgenommen wird. Sonst könnte Ihnen passieren, daß Sie Kollaboration mit Widerstand vertauschen, und so etwas könnte vielleicht sogar einem Feministen peinlich werden.

Das begehrte "Gegen" nun, geehrter Herr Rosenbrock, das mondiale "Anti", führen leider, wie Sie wohl wissen und aus bestem Grunde, allein wir, die Anti-Frauenräte, weswegen ich eingangs von einer Legitimation sprach, die ganz gewiß nicht mit einem Forum geteilt sein will, von welchem aus auch schon mal, wenn ich mich recht erinnere, nach dem Aussetzen der Wehrpflicht erbauliche Vorstellungen eines Alternativzwangsdienstes für Männer angebahnt worden sein sollen.

Doch vorangekommen?

Und doch möchte man meinen, daß Rosenbrocks  Arbeit einen gewissen Fortschritt im Vergleich zu den vorangegangenen darin aufweist, daß sie nicht nur Maskulismus korrekt buchstabiert, sondern gleich auch vom Maskulisten selber spricht, von diesem Blog hier nämlich, dem - im heimlichen Stolz seines Betreibers - bisher fast gänzlich gemiedenen. Gemieden wohl deswegen, weil auf seiner unwirtlichen Höhenlage die Winde weniger zimperlich als auf den gesitteteren Portalen der Männerrechtsbewegten sausen, aber auch wieder besser gebändigt und dienstbar gemacht als in den Flachlandforen, den Sammelstellen anonymer Emotion und Befindlichkeit.

Macht auch nichts, wenn Herr Rosenbrock gleich mit dem Lapsus ansetzt, ich hätte den Fall Breivik "euphemistisch" einen "kulturpolitischen Un-Fall" genannt (S. 25). Was an einem "kulturpolitischen Un-Fall", der zuvor noch das "Unfaßbare", das "auf… grauenvoll kalkulierte Weise" Erfolgte, das "unsägliche Drama" und das "blutige Zerplatzen einer… Blase" genannt wurde, "euphemistisch" sein soll, neigen wir wieder mal mit Schlafmangel zu rechtfertigen.

Oder vielleicht hat dem Autoren zu sehr imponiert, daß Maskulisten es sich zutrauen, gesunden Gemüts intuitive Reisen in Psychen zu unternehmen, die No-Go-Areas sein sollten, weil man aus ihnen allzu dramatische Anschauung der seelischen Verwüstung gewinnen kann, von einer Politischen Korrektheit verursacht, die "durch Okkupation der Schaltstelle Sprache das Individuum zu der Schizoidität nötigt, sich über zwei widersprüchliche Ausgaben seiner selbst zu verstehen und zu äußern"?

Wie könnte man auch Feminist, ohne zugleich Opfer der eigenen Befangenheit sein! Jemand etwa, der in nie gereiften und schon überholten Kulturen, in denen das Abstrakte kaum auftaucht, Spuren matriarchalen Gebarens zu finden glaubt, weil dort verständlicherweise nur matrilinearer Zusammenhang bindend ist (Vaterschaft ist ja einem urwüchsigen Bewußtsein noch zu abstrakt), neigt dazu, diese Kulturen als Kornkammer seiner Ideologie zu vergolden, und möchte meinen, daß die Explikation der westlichen Zivilisation als der bisher entscheidenden evolutionären Entwicklung "Überschneidungen zu kultur-rassistischen Argumentationen" aufweist (S. 66). Nun, helfen können wir da nicht, und das sollten wir am besten auch gar nicht wollen.

Auch brauchen wir selbst keine Hilfe. Das macht die Souveränität des Maskulismus im Vergleich zum Feminismus aus und ist zugleich mit ein Grund, warum die halbamtierende Clique der offiziösen Genderisten (Bundesforum Männer) nie einen Bezug zu uns wird herstellen können: Wir wollen den Staat nicht (miß)brauchen. Zum Teil aus Anstand und Selbstgenügsamkeit, zum Teil aus glücklicher Ermangelung an Staatsgläubigkeit. Es ist daher wiedermal grottenfalsch, wenn unser Experte, und dies mit dem Vorspann "Folgt man dieser Logik…" (gemeint soll meine sein) vermeint, ich sei "für eine Stärkung der männlichen Seite im Geschlechterverhältnis und eine Stärkung der westlichen Position in internationalen Beziehungen" (ebd.).

Ich bin gegen die konzipierte Schwächung "der männlichen Seite" und dies nur staatlicherseits (privat kann jeder Rollenspielchen nach Belieben üben). Und ich bin gegen eine "Selbstentfremdung" des westlichen Menschen aus dem Pfad der ihm zukommenden Errungenschaft aufgeklärter Individuation und Mündigkeit zugunsten geschlechtsspezifischer oder sonstiger Kollektivierung und Bevormundung. Und ich glaube, in dieser Hinsicht ist mir die gerade amtierende Frauenministerin kompatibler als das unter ihren Fittichen dahinvegetierende Bundesforum Männer. Beschämend, eigentlich, meine Herren!

Der fast sympathischen Harmlosigkeit, Herr Rosenbrock, die aus Ihren Texten spricht, wäre vielleicht noch dieses Letzte zu richten: Man sollte vor Siegfrieds Hornruf besser flüchten, wenn man zuvor beim Drachen Feminismus studiert hat.

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