DER MASKULIST
18.05.2012

Im Herbst 2000 gingen erstmals Beiträge auf diesen Seiten online. Objektive Zeitbeobachter werden kaum in Zweifel ziehen, daß dies die Zeit war, da sich auch eine erste Regung gegen den Staatsfeminismus zu formieren begann. Vorsichtig und loyal, verstand sich von selbst: Man hätte ja nichts gegen den Feminismus an sich, aber die einseitige Wahrnehmung feministischer Interessen hätte inzwischen alles Männliche aus dem Interessewinkel des Staates verdrängt und Ungerechtigkeiten geschaffen, deren sich nun die Politik annehmen sollte. Zwar war dies nie die Haltung des Maskulisten, der von vornherein, von seinen inhaltlichen Ansätzen her, den Feminismus ablehnte, aber er sympathisierte bekennender Maßen mit den Männerrechtlern und hat noch heute nichts dagegen als ein solcher zu gelten.

Knappe zehn Jahre später dann, im Sommer 2010,  wurde hier verkündet, es sei nun ratsam, einen offensichtlicheren und offensiveren Antifeminismus zu formulieren und allmählich seine Salonfähigkeit zu bereiten wie auch uns auf eine haptischere Berührung mit dem Gegner. Schwuppdiwupp gab es kurze Zeit später im nahen Süden ein "1. Internationales Antifeminismus-Treffen". Und auch hier wird niemand in Zweifel ziehen, daß danach unsere Intention und Präsenz reichlich verstärkt in die Aufmerksamkeitssphäre der Öffentlichkeit und der Heckenschützen des Feminismus geriet, die uns mit einem beachtlichen Aufgebot an Seifenblasen-Geschossen ermüdeten.

Niemand will hier mit diesen Hinweisen den Trendsetter raushängen lassen. Aber ein Trendfühler zu sein ist auch schon was, zumal gemessen an manchem sog. Trend- oder Zukunftsforscher, der uns vor Jahrzehnt das Jahrzehnt prophezeite und überall dort Frauen angekommen sah, wo sie die Feministen nach heute hinträumen, und der mit seiner Wahrsagerei noch immer gutes Geld verdient.

In dieser bescheidenen Fertigkeit also des unspektakulösen Zeitenabtasters scheint nun einem wieder mal etwas Neues Gestalt anzunehmen, dessen weitere Konkretisierung dem Feminismus durchaus einen nächsten Schrecken herbeiführen könnte: Man stößt in den letzten paar Monaten bei Vertretern der schreibenden Zunft verstärkt auf eine Art Unbekümmertheit gegenüber der Meinung, die Feministinnen von ihnen bilden könnten. Erfreulicherweise auf männliche Vertreter, und nur das ist von Wert. Nicht daß diese letzte Bemerkung als fehlende Anerkennung gegenüber den redlichen Ansätzen von Frauen verstanden wird, die bisher  gegen den Feminismus angegangen sind. Aber am Ende geht es doch diesmal darum, daß sich die Männer emanzipieren. Vom Feminismus.

Daher wirkt es ermutigend und erfrischend, Männer immer offensiver zu erleben, wie sie in prominenten Zeitschriften die Falschinformationen von Ministerinnen enttarnen und in den offenen Kampf gegen diese treten, wie sie sich heute mit Selbstverständlichkeit gegen absurde Frauenbevorzugung an Universitäten organisieren, oder der SPON-Kolumnistin in gewitzter Herablassung den Spiegel vorhalten, in dem sie bei offen gehaltenem Auge die eigene Einfalt erblicken müßte.

Wie wichtig diese direkte, ungenierte Neuausrichtung gegenüber dem Feminismus und seinen Trägermedien ist, zeigt der Fall der Piratenpartei an einem Punkt, der im vorangegangenen Artikel vom 25. 4. zwar angedeutet, aber nicht explizit erläutert wurde: So hätte sich die ursprüngliche Piraten-Besetzung nicht bloß nicht als Postgender bezeichnen dürfen. Sondern als "Männer, und das ist gut so!" Schluß, aus. Sie waren nahe dran, die traditionellen Medien an der Nase herum- und als miserable Ratgeber vorzuführen, die keine Meinungshoheit besitzen, sondern dies nur nach Art des Schwindlers vortäuschen. Denn die Piraten gewannen an Stimmen und Einfluß gerade solange sie sich dieser Meute der Halbalphabeten nicht beugten. Doch sie sind gefallen.

Und wie hätte das verhindert werden können? Durch unbekümmerte Sprache und unbekümmerte Haltung. Die unbekümmerte Sprache wurde sinngemäß in der Forderung umrissen, keinen Postgenderismus vorzugeben, sondern die Selbstverständlichkeit des männlichen Antlitzes einer Gruppe zu behaupten, die vorwiegend aus Techniknerds bestand. Und die unbekümmerte Haltung? Woraus hätte sie bestehen können? Das wird deutlich, wenn wir uns die allzu durchsichtige Methode der Kaperung in einzelne Schritte zerlegen:

Die Medien suchten zunächst, und nachdem sich die anfänglichen Angriffe gegen die Männlichkeit der Partei als unwirksam erwiesen hatten, die ersten irgendwie sichtbaren Frauen im Kreise und machten sie zu allgegenwärtigen Heldinnen, zu Gesichtern, zu lebenden Symbolen der Partei. Bis zu deren physischem Zusammenbruch wurden diese aufgesucht, sicher auch bedrängt (siehe vorherigen Beitrag) um geschlechterideologisch ausgenommen zu werden. Wenige Wochen später konnte man so mit einer gewissen künstlich erzeugten Relevanz von mancher "populären Piratin" schwadronieren, ohne daß es inzwischen (und das in einer Partei, die man zugleich ihrer Männerdominanz bezichtigte) auch einen einzigen "populären Piraten" gab! Populär soll also hier mit mediengezüchtet übersetzt werden. Ein gekonntes Kunststück der Meinungsganoven, das muß man ihnen zugestehen. Diese Macht haben sie noch, solange - nur solange - sie nicht von breiterer Leserschaft durchschaut ist. Alles Schreiben darüber, alle Bloßlegung der Methoden beschneidet diese Macht. Deswegen schreibt DER MASKULIST auch nach zehn Jahren weiter.

Der Rest ist Gegenwart. Und bald wohl auch Vergangenheit. Gerade stürmen nach den Journalen die Geister der Erneuerinnen und Erneuerer die Partei aus allen Ecken und toben sich dort aus zu medialem Glanz, öffnend vor den erstarrten Blicken der ursprünglichen Idealisten und etliche Monde nach Verfallsdatum jene tiefgefrorenen Konserven der Pandora, an deren Salmonelle die politische Fauna nach 68 bereits verödete. Nicht unser Problem. Wir wollen nur sehen was geschieht, erwägen, wie es anders hätte sein können und was demnach als Nächstes zu erwarten wäre.

Und so hätte es sein können: Die Piraten erklären sich nicht zu Postgenders (das sagten wir schon), sondern als äußerst mißtrauisch gegenüber der obskuren Insistenz, mit der einige Medien ihre Partei zu einem ihr bis dahin fremden und aus ihrer Gründungsgeschichte sich nicht ergebenden Kurs hin zu manövrieren bemühen. Sie hätten erklären sollen, daß sie überhaupt keine Probleme damit hätten Männer zu sein (auch dies schon gesagt), daß sie es sogar als sehr adäquat zu ihren konstituierenden Begebenheiten hielten. Darüber hinaus aber und zu guter Letzt hätten sie entschieden, daß die inakzeptablen Einmischungsversuche sie bedenklich darüber stimmten, ob eine Frau in exponierter Funktion nicht eine Andockstelle für die dunkelhaften ideologischen Verfolger wäre, die ungefragt ihre sexistischen Forderungen erhoben, weswegen sie, die Piraten, zunächst keine Frau fördern möchten. Dann wären sie die Helden, die den schäumenden Feministen landesweit das Tempotaschentuch überreichen und sich somit beim jungen Aufbegehren beliebt machen, das heute mehr als man denkt gegen die Politische Korrektheit weht.

Nun ist es damit vorbei. Also nochmals zu uns und der Frage, was wir wohl als Nächstes zu erwarten hätten. Genau das, denke ich: Eine erste mutige Ablehnung des zwangsweise einzuführenden weiblichen Elements in eine Gruppe. Eine Weigerung, sich dies vorschreiben zu lassen. Welche Gruppe das wäre, ist abzuwarten. Im Sport galt das Prinzip so selbstverständlich wie stillschweigend schon immer, denn die Natur spricht unverhüllt. Sollte unsere männliche Intuition auch hierbei die Zeit richtig abtasten, avanciert allmählich die Klarheit des Körpers auf die nächste Ebene der Hierarchie, auf die Kultur und Politik. Das wäre zwar auch Postgender, aber nicht, wie unsere verwirrten Modernisten erhoffen, weil Gender erreicht sein würde, sondern weil der gesunde Verstand davon die Schnauze voll haben wird. Warten wir es ab.

Und wer meint, Gender-EU und die Antidiskriminierungsliger hätten dem "einen Riegel vorgeschoben", soll bedenken, daß Riegel auch zum Entriegeln geschoben werden können.

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