DER MASKULIST
17.03.2012

Schon als Frank Schirrmacher seine Männerdämmerungsphantasien vor einem knappen Jahrzehnt ausformulierte, fragte man sich, wo denn der gute Mann, der in einer Redaktion mit achtzigprozentigem Männeranteil schaffte, die Frauendominanz in der "Meinungsindustrie" hernahm, die er so platt bejubelte. Mag nun mancher der Aporie damit Herr geworden sein, daß er Schirrmacher die Neigung attestierte, Kolportage mit Analyse gleichzusetzen. Nichtsdestotrotz mußte uns neulich des FAZ-Redakteurs damaliger Befund wieder erinnerlich werden, als eine runde Anzahl von Berufsfrauen aus der Schreiberlingen-Zunft sich zusammentat, um - unter der Ägide wild um sich schlagenden Schwachsinns - ihren Anspruch auf Leitungsstellen in den Herstellungsstätten jenes Gutes zu proklamieren, das im denkwürdig treffenden Begriff "Meinungsindustrie" mitbenannt wird.

Erinnerlich wurde dabei auch jene auffällige Korrelation zwischen weiblicher Anteilhabe und einem Absterben (oder jedenfalls Glanz-Einbüßen) der betroffenen Einrichtungen, ein Zusammenhang, dem wir die reziproke Ungewißheit verdanken, ob nun in den eroberten Gebieten zuerst der Zerfall einsetzte oder "die Macht der Frauen", oder ob gar dabei in subtiler Allianz eine Hand die andere wusch.

Nun wird gerade die maskulistische Betroffenheit darüber, daß dem Kreise der etablierten Meinungsindustriellen das Ungemach einer weiteren Verweiblichung drohen könnte, nicht die allergrößte sein. Eher amüsiert man sich darüber, wie SPIEGEL ONLINE, überrumpelt vom eigenen Dauergeschwätz der "Alphamädchen", seine Kolumnistenliste so aufmischte, daß nun zwei von der Sorte allwöchentlich ihre müde machende "Frauensicht" ausbreiten und damit bereits die Belastbarkeitsgrenze der Leserschaft ausloten.

Mehr noch aber wundert einen bei den unsäglichen Quotengesängen die fatalistische Apathie des Unternehmertums, das sich vor den diesbezüglichen Forderungen der EU-Politik resignativ schweigsam zeigt, obwohl es sicher gescheit genug ist, um die politische Launigkeit und vor allem den faktischen Schaden solcher Zwangswirtschaft ermessen zu können.

Am meisten jedoch beeindruckte wohl neulich, welche Roheit von Seiten des im europäischen Parlament eingesetzten Quotenengels, der EU-Kommissarin Reding, hingenommen wurde, eine Roheit in Argumentation und Vorgehen, die es sicher spannend machen würde, gegen die unverblümte Willkür und die provokante Selbstdarstellung dieser Person vorzugehen. Gleich doppelt zierte sich die luxemburgische Politikerin neulich in einem "Welt"-Artikel mit Peinlichkeit: Durch die angeblichen Ergebnisse ihrer "Forschungen", die  auch als Artikeltitel übernommen worden waren, um aber gleich in der hinzugefügten Leserumfrage zunichte gemacht zu werden, dann noch durch einen Satz, von dem man nicht wissen kann, ob er zynische Arroganz demonstrieren sollte, oder naturblond war: "Ich bin kein Fan von Quoten. Aber ich mag die Ergebnisse, die Quoten bringen." - Bitte privat kommentieren!

Über den weiblichen Narzißmus oder Fliegen ist schöner!

Solche Selbstgefälligkeit bei lautstarker Patzigkeit erinnert an ein Alltagsphänomen, das manchem einer expliziten Bewußtwerdung wert sein könnte: Gemeint ist die Lärmbelästigung durch weibliche Schritte in geschlossenen Räumen oder auf nächtlichen Straßen, welche auf die burleske Länge ihrer Schuhabsätze zurückzuführen ist, die unaufhörlich den knallenden Bodenaufprall reproduzieren, gelegentlich durch das abtrünnige Schürfen unterbrochen, das einsetzt, wo abweichende Bodenbeschaffenheit und menschliches Versagen den regulären Fortgang durchkreuzen. (Zuletzt auf prominenter Bühne wurde solcher Auf-Tritt im Schloß Bellevue geboten von der noch Gattin des nicht mehr Präsidenten Wulff beim Antreten beider zu des letzteren Rücktrittsrede. Allerdings mit geübter Kontinuität – das muß man sagen.)

Manch einer wird wohl das leicht Anzügliche zu würdigen wissen, das dieser vereinnahmenden Selbstbetonung anhaftet, die ungescholten alle erdenklichen Orte und Zusammenkünfte, unabhängig ihres kulturellen oder ethischen, festlichen oder pietätischen Anlasses, mit jener hallenden Penetranz belästigt, die sich übrigens hervorragend eignet, um im Bundestag den militanten Teil zu suggerieren, was ja zu der dort proklamierten Ermächtigung des knatternden Geschlechts inhaltlich wie ästhetisch paßt. "Das ist der weibliche Narzißmus", denke ich oft bei der Beeinträchtigung, "die Libido trampelt sich aus den Füßen wieder raus, nachdem ihr wohl der Weg zum Intellekt zu mühsam und wenig lohnend erschienen sein muß…" Wundert es auch jemanden, daß Frauen bekanntlich ganze Arsenale der Untersätze besitzen, die ihnen in solch beinahe reibungsloser Zuverlässigkeit gesellschaftliche Sichtbarkeit gewähren?

Dieses Entschwinden übrigens - der Libido durch die Füße - versteht man am besten, wenn man Narzißmus eine Berechtigung als Entwicklungsprozeß einräumt. Als solcher, ähnlich dem kindlichen Egoismus, erwirkt er eine Festigung des Ichs, das dann einmal, endlich gefestigt und erwachsen, sich selbst gern ausläßt und die Energie, die es bisher absorbierte, auf die objektive Welt richtet, um sich dort damit schaffend zu bewähren und zu bestätigen. Sollten wir auch dies Narzißmus nennen, wäre nichts dagegen einzuwenden, allerdings müßte dieser als sublimierter Narzißmus angesehen werden, als ein männlich erwachsener. Auch die Selbstbetrachtung und Selbstverliebtheit, die den Narzißten charakterisieren, gehen hier in die Objekte über; man sieht sich dann im idealen Fall in dem Wirken seines Gedankens wieder, seiner Intention oder seiner Erfindung, die jetzt dem allgemeinen Werden der Menschheitsgeschichte einverleibt worden sind. Das ist tiefe Befriedigung und Befriedung, die im Kontext einer "Karriere" eingeengt erscheint, denn die Karrieren des Arbeitsmarktes, zumeist fremdbestimmt, bieten nur wenigen die Plattform der Entfaltung, die einem kreativen Menschen beschieden sein kann.

Es versteht sich dennoch von selbst, daß es dies Glück auch gibt, daß "Schicksal und Gemüt" im Beruf sehr wohl zueinander finden können, wie es dem erfolgreichen Künstler, Literaten oder auch DAX-Unternehmen-Manager geschieht, der dort angekommen ist, wo er seine ureigenen Mittel, Formen und Neigungen zu deren glatter Entfaltung bringen und dabei auch zu Brot kommen kann. Daß allerdings hierfür alle Fixierung und Neigung des Individuums den Projekten gewidmet wird, in und mit denen es sich entfaltet (oft ist von Suchtverhalten die Rede), wiederholen wir vorsichtshalber noch einmal. Und wir betonen, daß zu solchem Schritt nur ein Ich fähig ist, das sich als "fertig" erachtet, als vollständig nämlich und stabil genug, um nicht mehr bloß sein Haus zu hüten, sondern aus sich herauszugehen, um sich der Welt zu widmen.

Das vermag ein Ich, das sich als solches auch in der Abstraktion zu erkennen und zu empfinden weiß, das also gewissermaßen fliegen kann, ohne seine Physis, den Körper, allenthalben zur Selbstvergewisserung beanspruchen zu müssen, und ihn als alleinigen Repräsentanten einer Selbstvervollkommnung zu überfordern: Etwa indem er mit allerlei Kitsch angereichert, koloriert und verfremdet wird, bevor er nach abermaligen Inspektionen wieder auf die Wildbahn darf. Bedenkt man, was manche Handtasche alles an Gerätschaften des Herrichtens enthält, und wie häufig innerhalb eines ereignisreichen Tages ihre Besitzerin die entsprechenden Orte für solchen TÜV aufsucht, glaubt man nicht, daß Frauen auch fliegen könnten.

Außer vielleicht, wie jemand aus vertrauter Runde gelegentlich zu sagen pflegt, wenn man ihnen eine "Rakete in den H… steckt"? Genauer lautet der Spruch: "Auch eine Kuh kann fliegen, wenn man ihr eine Rakete in den Hintern steckt!" (Daß hier das nützliche Tier anstelle der Quotenfrau auftritt, ist wohl eine Formel der Höflichkeit, schätze ich. Gegenüber der Quotenfrau natürlich.) Von daher wäre übrigens Frauen auch gar nicht abzunehmen, daß sie bei irgendwelchen Ausflügen an gläserne Decken gestoßen sein könnten.

Daß die Gravitation der festen Körper, jene Tendenz nämlich, von jedem Punkte der Oberfläche aus zur eigenen Mitte hinzuneigen, das Wesen der Frau bestimmt, zeigt sich nicht nur im täglichen Verbalonanismus der schreibenden Vertreterinnen ihres Geschlechts - siehe etwa folgendes: "Wir haben tolle Frauen! …  [Sie sind] weniger machtgeil, müssen nicht erst ein Dutzend Menschen im Organigramm unter sich haben, um sich wertvoll zu fühlen… Frauen… Sie haben das bessere Gespür für Stimmungen, für Zwischenmenschliches, sie sind diplomatischer und anpassungsfähiger – auch disziplinierter." Hier hörte es dann auf. Viel Glück damit, kann man nur als Mann der Frau Hubschmid wünschen, der CICERO-Autorin, der kürzlich gelang, in nur drei kleinen Absätzen die obligatorische Hymne an das Frausein so dezent mithineinzupacken.

Am eklatantesten aber zeigt sich die gravitative Selbstbezogenheit des Weiblichen dort, wo dieses Naturgesetz mit anderweitiger Gewalt besiegt werden konnte, aber kaum eine Frau am Horizont erscheint, die dem Willen des Ideologen nach externem Einsatz nachkommen möchte. Brisant und im wahrsten Sinne plakativ zeigte sich dieses Dilemma neuerdings auf Grünen-Wahlplakaten, Entwürfen für den nächsten Wahlkampf, die so unbeholfen wie händeringend Frauen umwerben, weil es offenkundig nicht einmal der ursprünglichen und rabiatesten Quotenpartei auf Anhieb gelingt, ihren Frauenanteil auf mehr als ein Drittel zu erhöhen!

Ein Labsal für Maskulisten, die groteske Selbstaufhebungsgeste der Herren Trittin und Özdemir auf Plakaten aufgefangen zu sehen, auf welchen der frauenanbiedernde Spruch "Besser Du als irgendein Kerl" unter ihren Konterfeis sie zu lebenden Widersprüchen ihrer selbst degradiert. Die Grünen: Von Anbeginn für den geschichtlichen Papierkorb bestimmt, aus dem sie noch nie zu anderem Zweck herausgeholt wurden außer als Ausdrucksmittel der Wählerschaft hinsichtlich ihrer gegenwärtigen Disposition den größeren Parteien gegenüber. Kaum begreiflich, daß deren "soziale Kompetenz" bei den Berliner Wahlen 2011 sie glauben ließ, eine bemüht burschikose Frauengestalt im steten Befehlshaberduktus könnte als Sympathieträger eingesetzt werden; womit dann auch rasch die "Grünen-Blase" (ein treffender Ausdruck der JUNGE FREIHEIT für die kurzzeitige Aufwertung der Grünen im Jahr 2011) platzte.

Frauen von Feministen verzweifelt gesucht? Ja, um dann als Inkarnationen der fertig gebackenen Quotenfrau auf die Bühne des Weltgeschehens geschickt zu werden. Wie eben eine Viviane Reding: angekommen zwar, aber wo? Die Unfähigkeit zur Abstraktion, die Fixiertheit auf die eigene äußere Existenz bewirken, daß sie anstelle einer Erweiterung ihres Wesens nur eine Vermehrung desselben erfassen kann, also seinen Plural, und da sie ja eine Frau ist, lautet der Plural: Frauen.

"Frauen, mehr Frauen!", befiehlt nun schon länger eine aus homogenem Material angewachsene Politiker-Masse, die mehr einebnet, als sie zustande bringt.

Achtung, Tabubruch!

Bestückt mit einer Ideologie ordinären Anspruchs, getragen von einer Parole, die in ihrer naiv-kollektivistischen Beschaffenheit wie gegossen auf einen erweiterungsunfähigen Teil der Menschheit abgestimmt ist, drängen Feministinnen in allen Bereichen, in die sie implantiert wurden, weg vom Individuellen und zurück zu einer Art Völkischem, das nach der Biologie der Geschlechter definiert wird, aber wenig von ihrem tatsächlichen Wollen, Können und Wirken in der Wirklichkeit wissen möchte.

Gerüstet mit der ausgewiesenen Gewalt des "Opfers" legitimieren sie Unrecht, schaffen in einst noch respektablen Räumen wie Menschenrechtsorganisationen "Frauenrechte", die neben den als "unteilbar" definierten Menschenrechten ein Angriff auf den Verstand sind. Immer selbstbewußter kratzen sie an wichtigen Einrichtungen des Rechtsstaates wie an der Unschuldsvermutung, und niemand erstaunte je in der Vergangenheit, als sie alle möglichen politischen Abgeschmacktheiten auch tatsächlich durchsetzten. Wie also herauskommen aus diesem fatalen Gefälle?

Gesprochen wurde bereits viel. Auch ist nicht zu übersehen, daß dies Gespräch nun die gesellschaftliche Mitte erreicht, sehr zum Verdruß seiner Gegner, deren hölzerne Bemühungen der Diffamierung die klaren Positionen unseres Denkens in den Status der Avantgarde versetzen. Doch es ist viel, was vor uns liegt, und manches Mal fühlt es sich nach Enttäuschung an, wenn ich anzweifle, daß der Schlamassel, den wir der dümmsten Ideologie aller Epochen verdanken, sich überhaupt beheben ließe, bevor wir nicht den Mut aufgebracht haben, ein wahres Tabu zu brechen und uns zu fragen, ob nicht das Wahlrecht für Frauen der größte Fehler des westlichen Menschen und der Todesstoß seiner Kultur gewesen ist.

_____________________