THEA DORN IM CICERO
Ein Fräulein steht im Blätterwalde
Kaum hatte sich das "Magazin für politische Kultur" dazu durchgerungen, eine "neue Männerbewegung" ins Feld der öffentlichen Wahrnehmung zu rücken, schon eilte Thea Dorn herbei, um mit der eingebildeten Befugnis jener Märchenkönigin, die Rumpelstilzchens Identität enträtselte, diese neue Männerbewegung zu dechiffrieren.
Daß sie dabei abgründig selbstbewußt durch den diesigen Wald ihrer Zerrbilder reitet, während sie mit forschen Unterstellungen statt mit Argumenten ihre Deutungen fortpflanzt, das ist wohl, was ihr in zugeneigten Kreisen die Bezeichnung "scharfzüngige Essayistin" eintrug. Daß bei Thea Dorn die Zunge oft das einzige Organ im Kommunikationsprozeß ist, welches "scharf" genannt werden kann, zeigt sich indessen in ihrem CICERO-Essay auf beeindruckende Weise.
So soll die Tatsache, daß "überall auf der Welt Männer deutlich kürzer leben als Frauen", dafür stehen, daß nicht der Feminismus daran schuld sein kann. Nur: das behauptet ja auch niemand. Wenn er von Männerrechtlern in Zusammenhang mit dieser Feststellung angeführt wird, dann nur, um die ignorante Einseitigkeit des feministischen Trugbildes bloßzustellen, das faktenresistent die Frauen allein als das verausgabte weil ausgebeutete Geschlecht darstellt, und eine Geschlechterpolitik, die Männern eine längere Lebensarbeitszeit zumutet, für Frauen dagegen zwei Dutzend Frauengesundheitszentren etablierte.
Und klingt es nicht wie schlechter Trug, wenn Thea Dorn die Befürchtungen über bald hierzulande einbrechende norwegische Verhältnisse (Frauenquoten in der Wirtschaft) als "herzzerreißend" veralbert? Ist die Scharfzüngige nicht Willens zu kapieren, daß die Erwägung solcher Ambitionen seitens regierungsfähiger Parteien berechtigte Befürchtung auslöst? Und bei wem sollte sie das, wenn nicht bei der "neuen Männerbewegung"? Es wäre für Thea Dorn zu hoffen, daß ihr nicht allzu viele Selbstverständlichkeiten des Lebens derlei psychosomatische Malaisen bereiten.
Thea Dorn kann man durchaus als ein verwöhntes Fräulein im Blätterwald bezeichnen. Einmal zum Vorzeige-Exemplar "moderner, emanzipierter" Weiblichkeit ausgemacht, bekommt es den freien Lauf auf den medialen Gefilden des Mainstreams zugesichert, der den gesellschaftlichen Zustand jener Verdummung hoffnungsvoll vorwegnimmt, der im angestrebten "Idealfall" in Zukunft herrschen soll. Dabei wird munter antizipiert.
Eines ihrer Bücher etwa trägt den Untertitel "Wie die Zukunft von Frauen gemacht wird". Man beachte: Nicht "ob" – nein - sondern "wie" sie, die Zukunft, von Frauen gemacht wird, bedarf einer Erläuterung. Das bringt natürlich ein "So" als Antwort ins Spiel, welches das Vorhandensein von standhaften Voraussetzungen imaginiert. "Die vielversprechendsten Kandidaten für neue Eliten sind Frauen", heißt es schlagend in der Kurzbeschreibung des Online-Buchdienstes.
Zum Genuß einer Präsentation jener Vorzüge der Frauen, die unser Blätterwaldfräulein in seinem sicher selbstbewußten Werk vornimmt, werden zwar allein seine Leser kommen.
Uns reizt dagegen, die verführerische "Wie"-Disposition Thea Dorns einmal zu übernehmen, um zu zeigen, wie wunderbar sich gerade ihr CICERO-Text in das "Wie" der Entstehung jener von ihr so bemüht belächelten neuen Männerbewegung integrieren läßt. Dazu geeignet scheint jene Stelle, in der Dorn befindet: "Daß Frauen mittlerweile sogar Fußball- und Boxweltmeistertitel erringen können, scheint die... große Demütigung zu sein, die... der männliche Teil unserer Spezies noch nicht verwunden hat."
Das ist wohl die Stelle der geringsten denkerischen Konsistenz in diesem ohnehin leichtsinnigen Artikel. Bar jeden Anflugs von Intuition versagt hier die aufkommende Weiblichkeit darin, nachzuempfinden, daß Frauenboxweltmeistertitel so gut wie Frauenfußballweltmeistertitel samt sämtlicher denkbaren Frauensportkokolores niemals eine "Demütigung" für Männer sein könnten, da diese "Errungenschaften der Emanzipation" die Unerreichbarkeit der männlichen Leistung für das weibliche Geschlecht geradezu voraussetzen und unterstreichen. Eben diese scharfe Trennung nach Geschlecht, wie sie im Sport unweigerlich bestehen muß, damit Frauen überhaupt sportlich wahrgenommen werden können, "demütigt" (wenn dies Wort denn unbedingt sein muß) eher die Frauen als die Männer.
Gerade diesen Vergleich hätte Blätterwaldkönigin Dorn, würde sie dabei nicht bloß ihre Zunge, sondern auch etwas höher angesiedelte Organe gebrauchen, niemals stellen sollen. Daß sie, "die neue F-Klasse"-Frau, nicht aber nur den grotesken Vergleich stellt, sondern dazu noch locker gegen seine offensichtliche Intention argumentiert, ist ganz einfach peinlich.
Kann uns solches etwas darüber aufklären, "wie" die neue Männerbewegung entstand?
Aufgepaßt, Thea Dorn: Ebensolche denkerische Inkonsistenz, ebensolche intuitive Armut und das Wesentliche verkennende Denkmechanismen sind es, die die Gebote der "Gleichstellung" und des "Gender Mainstreaming" in der Politik installierten: Daß Frauen unter sich Fußball spielen können, sollte als Beleg dafür gelten, daß (Zitat Alice Schwarzer) "Frauen alles können, was Männer können". Nun ja! Was aber belegt für unsere "scharfzüngigen" Fräuleinwunder die Tatsache, daß Frauenfußballweltmeisterinnen von männlichen Jugendmannschaften das Fürchten gelehrt bekamen?
Das belegt, daß ihre "Gleichstellung" nur unter Umgehung oder Verdrängung der männlichen Leistung möglich ist. Politisch übersetzt ist aber solche Verdrängung eben Benachteiligung, Behinderung, Aberkennung - "positive Diskriminierung". Merken Sie etwas? Sie bringen in Ihrem CICERO-Artikel anschaulich zum Ausdruck, wie die Umstände, die eine neue Männerbewegung entstehen ließen, authentisch im widersinnigen Denken jenes Feminismus enthalten sind, den Sie in Ihrem CICERO-Beitrag artikulieren, und den Sie gewieft als einen Neuen lancieren möchten, obwohl er doch dieselbe alte Schlange ist, die das Denken in der Gesellschaft seit den urschwarzerschen Anfängen vergiftet.
Diese Schlange hat mittlerweile so sehr die Politik umschlungen, daß die eine Ministerin ohne Skrupel Studien ihres Ministeriums veröffentlicht, die eine schlechtere Benotung der Leistung männlicher Schüler dokumentieren, während die andere lauthals den so konstruierten Vorsprung der Mädchen bejubelt. Dabei verringerte sich im Jahrzehnt zwischen 1995 und 2005 die Anzahl der Ingenieure (fast ausschließlich männliches Studienfach) um 30 Prozent! Das Bildungssystem karikiert sich also hier selbst, es hebt sich aber zugleich auch selbst auf. Feminismus macht Systeme krank.
Ob Ihnen nun dieser Zusammenhang zwischen Ihren "emanzipierten" Sichtungen und dem Selbstverständnis unserer neuen Männerbewegung aufgeht oder nicht, Frau Dorn, über Ihre Motivation dürfte sich selbst eine elementare Selbstwahrnehmung im Klaren sein: das quälende Bangen um das künstlich ernährte Selbstwertgefühl der "modernen, emanzipierten Frau", die als Gespenst auf Krücken den Bahnen seiner politischen Ermächtigung entlang taumelt.
Nur daß diese Krücken mit jedem Schritt auf Männerfüße zu stehen kommen, und das tut schon weh! Männer formieren sich nun dagegen, das ist unser einziges Anliegen. Den Opfernarzißmus überlassen wir gern weiterhin den alten und neuen Feministinnen. Er ist ihr einziges Kapital. Nur keine Bange also, Thea Dorn. Sie dürfen weiterhin beklagen, daß Sie überall dort, wo Entscheidungen getroffen werden, lauter Männer antreffen, und Sie dürfen sich auch weiterhin dafür mit Büchern rächen, die lückenlos darüber aufklären: "Die vielversprechendsten Kandidaten für neue Eliten sind Frauen." So bleiben zumindest Sie und Angela Merkel emanzipiert und alles wird gut!
_____________________


