DER MASKULIST
12.12.2012

Es ist zwar alles gesagt worden, aber das ist nicht der Grund, warum DER MASKULIST nun archiviert werden soll. Denn es war schon oft alles gesagt, und selbst die wesentlichen Problemfragen Immanuel Kants waren von den Vorsokratikern bereits gestellt worden. Worum es in der Kulturgeschichte ging, das war nicht immer ein bis dahin Ungesagtes zu sagen, sondern eher ein bereits Gekanntes zu aktualisieren, d. h. einer bestehenden Wahrheit zu ihrer Assimilierung auf neuem mentalen Boden zu verhelfen, sie dem Gegenwartsbewußtsein neu zuzuführen.

Auch und selbstverständlich der antifeministische Einsatz enthielt solche Wissens-Konstanten (um das pathetische Wort "ewige Wahrheiten" zu vermeiden). Was könnte auch wirklich über Männer, Frauen, Mensch und Wesen neu gesagt werden!

Es dürfte also auch der Eindruck nicht enttäuschen und entmutigen, man drehe sich im Kreise, weil sich kaum mehr Neues an Inhalten auftut. Neu ist das Hören in jeder Epoche, in jeder Generation, und diesem neuen Hören müssen sich die Wissens-Konstanten anpassen. Sie müssen seine Mentalität annehmen, um es erreichen zu können. Wir haben es schon richtig gemacht. Und auch neue Blogger und Internetpräsenzen, die wieder einmal mit den zum Teil nunmehr über zehnjährigen Themen des Maskulisten beginnen, machen es richtig; möge ihr Update den Zeitgeist ein Stück weiter in die eingeschlagene Richtung bewegen können.

Warum DER MASKULIST eingestellt wird, hat mehr mit einer Erweiterung als mit einem Rückzug zu tun: Wissens-Konstanten nämlich, oder erlauben wir uns in diesem Kontext doch lieber den wärmenden Ausdruck "ewige Wahrheiten", hängen miteinander zusammen. Quasi organisch erweitern sie sich ineinander, ergänzen und bedingen sich gegenseitig. Die eine deutet auf die andere, oder sie sprechen dasselbe Prinzip von unterschiedlichen Aspekten aus. Nicht immer läßt sich ein solches Prinzip und seine Wahrheit auf die Geschlechterdebatte einschränken. Doch immer öfter gelangt man von der Geschlechterdebatte aus zu solchen Prinzipien und "Wissens-Konstanten", die innerhalb des Denkens einen umfassenderen Stellenwert beanspruchen, als ihnen die Geschlechterdebatte gewähren kann. Ganz von den vielen Themen zu schweigen, die dem Geschlechterthema ferner liegen, jedoch politisch wichtig und denkerisch attraktiv und aufschlußreich sind.

So begann DER MASKULIST seit geraumer Zeit seinen Verfasser einzuengen. Und das widerspricht dem inneren Entwicklungswillen. Mein letzter Versuch, eine philosophisch-analytische PDF-Bibliothek als Unterverzeichnis dieser Seite anzulegen, befriedigte im Nachhinein nicht. Denn die Themen dort wären eben umfassender als die speziellen antifeministischen, und sie ließen sich daher schlecht als Unterabteilung dieser letzteren ordnen.

Also brauchte ich Raum, Umzug, eine neue Homepage, in der uneingeschränkte essayistische Ambitionen Platz finden könnten. Selbstverständlich bleibt mein Maskulist als die Textansammlung, die er im Lauf der Jahre geworden ist, online. Und irgendwann, nach einer Weile des kreativen Aussetzens, wird er wohl auf die neue Seite verlinken, die ich mir zu erstellen vorgenommen habe.


Den vielen wohlgesinnten, ermutigenden Lesern aus all den Jahren möchte ich meinen herzlichen Dank ausrichten. Und allen, die ihr Leben und Handeln auch notwendig als Geste gegen die Bekümmernisse des Zeitgeistes verstehen und tätigen, Un-Linken wie Un-Rechten, wünsche ich weiterhin Erfolg, Kraft und viel Freude.

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