DER MASKULIST
08.05.2011

Recht ausführlich betrachtet Prof. Gerhard Amendt die verschiedenen Facetten der Frauenförderung in einem längeren Beitrag auf 'streitbar.eu' mit dem einiges vorwegnehmenden Titel "Aufdringlicher Konservativismus. Über Frauenquoten und andere unverdiente Beförderungen".

Die Rede ist dort von realitätsfernen Motiven und Wünschen, die über jene suggestive Symbolik idealisierter Weiblichkeit entstehen, welche die Massenmedien Frauen hinterher schmeißen, und die Rede ist auch von wenig zuträglichen Gefühlen wie dem eines Neids, der nicht von der entsprechenden Bereitschaft begleitet wird, "sich das Begehrte, um das der andere beneidet wird, durch eigene Arbeit zuzulegen", sondern es lieber durch eine "Quotenbürokratie" als Geschenk erhalten möchte. Diese aber "verstößt gegen das tragende Prinzip der Leistungsgesellschaft und unterminiert eine wesentliche Quelle des Selbstbewusstseins und Selbstwertgefühls von Männern und Frauen", am Ende belebe sie sogar "traditionelle Vorstellungen" wieder, wonach Frauen eben in den Haushalt gehörten, wenn es so vieler allgegenwärtiger Maßnahmen bedürfte, um sie auf anderen Leistungsfeldern zu implantieren.

Amendt benutzt bezüglich der medialen Beeinflussung von Frauen den Begriff der Identifikation und meint damit eine falsche Identifikation, die sich aus denselben Quellen speist, aus welchen es auch die falschen Meinungen unserer Zeit tun. Sie ist durch eine "Nähe zum Kindlichen" gekennzeichnet, welches sich die "Welt in ihrer Buntheit" anzueignen trachtet, aber für den komplexeren Vorgang ihres Begreifens untauglich ist, befangen in "kindlicher Naivität" - "Das kleine Geschlecht" untertitelte einmal auch DER MASKULIST im Zuge ähnlicher Überlegungen.

Wo nun Amendt die willfährigen Männer - insbesondere die konservativen – eines  unbewußten Haltens an "Althergebrachtem" bezichtigt, wonach Frauen "von den Härten des 'beruflichen Lebens' verschont" bleiben, zugleich aber an den Vorteilen ("geschenkten Diamanten") teilhaben sollen, und wo er noch auf das "erotische Kapital" der Frauen als eine weitere, ebenfalls althergebrachte und wohlweislich weiterlebende Einflußquelle zu sprechen kommt, die mit den Quoten das Umgehen von Leistung gemeinsam hat, las ich besonders aufmerksam.

Amendt gibt dort gewisse Vorstellungen anderer Quellen wieder, die er mit den Worten schildert: "Der für Frauen sich ergebende Marktvorteil entstünde im wesentlichen dadurch, dass weibliches sexuelles Begehren weniger intensiv als bei Männern ausgeprägt sei." Das erinnerte mich an alte Gedanken, die ich mir aber erst kürzlich wieder machen mußte, bei der Lektüre nämlich eines WIRTSCHAFTSWOCHE-Artikels, wenn es auch dort um einen ganz anderen Zusammenhang von Geld und Sex ging. Und an eine ganz bestimmte tragische Mythengestalt, die ich meine, in unserem Kontext gut beheimaten zu können.

Unter dem Titel "Druck der Extrem-Feministinnen" ("Extrem", wir wissen es ja, ist überflüssig) berichtete zu Beginn des vergangenen Monats in der genannten Wirtschaftszeitschrift der Chef eines internationalen Pharmaunternehmens über Verluste in der Bilanz des Vorjahres, die erheblich mit der Stornierung eines Produktes zusammenhingen, welches - ähnlich dem Viagra - eine sogenannte Lustpille, diesmal für die Frau, werden sollte.

Aber Frau und Lust ist gleich Ver-lust, denkt man, und das denkt frau auch. Ganz sicher die Feministin.

"Wir waren uns sicher, dass wir ein medizinisch relevantes Medikament anbieten", sagte der Firmenschef gegenüber der Zeitschrift. "Aber die Anforderungen der US-Zulassungsbehörde FDA waren dann extrem hoch", fuhr er fort, und auf die Frage, was die amerikanische Zulassungsstelle zu solch hohen Hürden bewogen hätte, antwortete er, daß sie "politisch massiv unter Druck geraten" sei: "Fraueninitiativen", sagte er, "haben lautstark gegen unser Präparat… protestiert... Diese waren sehr aktiv und haben alle Kanäle genutzt. So hat eine Aktivistin aus einer Sitzung bei der FDA über Twitter Hunderte Kurznachrichten nach draußen gesendet mit oft unrichtigen Darstellungen. Dagegen hatten die von sexueller Unlust betroffenen Frauen nicht ein so ausgeprägtes Bedürfnis, an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Befürworterinnen waren bei Weitem nicht so laut wie die Extrem-Feministinnen. Wir denken, dass dies auch die Haltung der FDA beeinflusst hat."

Und auch wir halten es nicht für ein leeres Gerücht.

Der blinde Seher

Teiresias, der mythische blinde Seher und weise Prophet Homers und Hesiods, faszinierte die Menschen auch der Antike so sehr, daß gleich mehrere Mythen über die Entstehung seiner Blindheit kursierten. Es wäre schon impertinent genug, wenn jene Sage stimmen sollte, wonach Athena ihn mit Erblindung bestrafte, weil er sie einmal nackt erblickt haben soll. Den Vogel aber hätte Hera, die Zeusgattin, in einem anderen Mythos abgeschossen, der uns zudem um einiges interessanter in bezug zum Vorangegangenen erscheinen mag.

Überhaupt hatte Teiresias ziemlich schlechte Erfahrungen mit Zeus' Hausdrachen gemacht. Einmal hatte Hera ihn aus Rache dafür, daß er ein Schlangenpaar bei der Kopulation auseinander schlug (bzw. die weibliche Schlange tötete),  in eine Frau verwandelt, womit eigentlich ein ähnlich verstörtes Verhältnis Heras zum eigenen Geschlecht zutage trat, wie das der heutigen Feministinnen. Nach einigen Jahren jedoch und nachdem Teiresias seine alte Schuld dadurch beglichen hatte, daß bei einer erneuten Begegnung mit kriechtierischen Intimitäten er diesmal das männliche Tier tötete (bzw. das kopulierende Gewurschtel in Ruhe ließ), durfte er wieder zu seiner Männlichkeit zurück. Wir freuen uns mit ihm.

Das wäre nun soweit gerade noch glimpflich ausgegangen, hätte die sexuelle Erfahrung, die der Seher als vorübergehende Frau (und Herapriesterin!) machen durfte, ihm nicht ein herbes Nachspiel beschert: Er wurde nämlich unglücklicherweise vom prominentesten der Götterpaare zum am besten geeigneten Schiedsrichter bei einer Streitfrage berufen, die, zumindest für Hera, eben jene existentielle Bedeutung innehatte, die weiter oben zur Sprache kam. Es wurde zwischen Zeus und Hera darüber gestritten, ob Männer oder Frauen das größere Vergnügen bei der Liebesumarmung empfinden.

Mit Teiresias' Weisheit scheint es uns allerdings an diesem Punkte nicht allzuweit her gewesen zu sein, denn er hatte offensichtlich nicht erfaßt, welches sprudelnde Kapital der Weiblichkeit von der Verneinung oder Geheimhaltung ihrer Lust entspringt: Er, Dussel, bescheinigte der Frau eine 9 mal (!) höhere Lustbarkeit als dem Mann, und Schlappschwanz Zeus ließ zu, daß Hera ihn, seinen geschlechterkundigen Anwalt, deswegen erblinden ließ!

Das verstört, ist aber verständlich:

Wo sonst beginne auch heute die Aufstiegsleiter der Frauen zu jenen höchsten Graden der Qualifikation namens Opferdiplom; wo setzten "Goldene Röckchen" sonst mit dem holden Füßchen an, um auf jene Sänfte hoch zu hopsen, die nur makellosen Schmerz und unsägliche Unterdrückung auf sich trägen läßt? Wo sonst, wenn nicht erst einmal an der grundsätzlichen Verneinung aller Lust als Vorstufe zu den begehrten Schmerzensreichtümern der zu tröstenden und zu fördernden Klientel?

Wobei der Einzellfall noch immer entscheiden mag, ob nicht gelegentlich auch die andere Option, die des vorsichtigen Veräußerns der geheim gehaltenen Lust, sich als "erotisches Kapital" lohnen könnte. "Die größere sexuelle Triebhaftigkeit des Mannes… sei für Frauen eine unerschöpfliche Ressource von stets sich erneuerndem 'erotic capital', die nach systematischer Verwertung rufe", kommentiert Amendt dieselbe Quelle weiter.

Das mußten sie doch wissen, Teiresias und die Pharmachefs! Daß Hera solche Quelle nie versickern lassen würde, nicht einmal den Hahn berühren ließe sie, aus dem das gehütete Gut langsam, langsam und streng bedachtsam tröpfeln soll.

____________________