Es war eine lange Geburt, diese Ausgeburt eines Gesetzes, das die
Prostitution verbietet, aber nicht die Prostituierten, sondern allein
ihre Kunden zu Rechenschaft zieht. Die Chronik dieser rechtsethischen
Mutation, wie sie auf der offiziellen schwedischen Internetseite
von der Journalistin Maria-Pia Boëthius in feministischer Intention
nacherzählt wird,1 begann schon Anfang der siebziger
Jahre. Es war die Zeit der vielen 'Revolutionen', von denen eine
die sexuelle Revolution hieß; eine andere hieß die Frauenbewegung.
Und es war die Zeit, da Schweden zur Muster-Nation in der Verwirklichung
der neuen 'Freiheiten' avancierte, um weltweit den Ruf des Modell-Staates
hinsichtlich der Integration des Neuen in die sozialen Strukturen
zu erlangen.
"Daß sich der Staat sowenig wie möglich in die Sexualität der
Menschen einzumischen habe", gehörte zu den vorherrschenden
Standpunkten jener anfänglichen Kommission, die 1971 zur Untersuchung
von Sexualverbrechen gebildet wurde. Und diese Kommission, die, vorwiegend
aus Männern bestehend, noch nicht das Geringste von der Verteufelung
ahnte, die der männlichen Sexualität im Zuge der parallel aufkeimenden
Frauenbewegung einmal angediehen sein würde, vertrat in der Tat liberale
Positionen. Eine davon befaßte sich mit den Fällen des ungewollten
Sexualverkehrs – im Volksmund Vergewaltigung genannt - und unterschied
in auch "weniger ernst" anzusehenden Fällen. Wie wahr!
Denn wie kann ein objektiver Verstand den Verbrecher, der lauernd
sein Opfer ergreift, es mit voller Gewalt unterwirft und schonungslos
mißhandelt, mit einem Fall gleichsetzen, in dem der Mann zu einem
Orgasmus kommt, obwohl ihm seine Beischläferin einige Sekunden zuvor
- aus welcher Motivation heraus auch immer - aufzuhören zuflüsterte?
Es dauerte etwas mehr als ein halbes Jahrzehnt, bis 1977, dem Jahr,
an dem hierzulande das Scheidungsgesetz 'revolutioniert' wurde, das
Justizministerium Schwedens diese liberale Untersuchungskommission
auflöste und eine neue einsetzte, die jetzt vorwiegend aus Frauen
bestand. Frauen, die im Zuge der Frauenbewegung in der Politik eingenistet
waren. Hinzu entstand eine weitere Kommission speziell zur Untersuchung
der Prostitution. Diese wurde ausschließlich von Frauen geleitet!
Wieso war es zu diesen Veränderungen gekommen?
"U. a. mit Hilfe von Demonstrationen", weiß Frau Boëthius
in ihrer Chronik zu berichten. Es sind die Kundgebungen gemeint,
die von jener Szene ausgingen, die sich in Nachfolge der Studentenrevolte
als Bringer eines neuen Menschentums verstand, das sich jetzt allmählich
durch das Eindringen in das bestehende Parteiensystem und durch die
Gründung alternativer Parteien etablieren sollte. Mitmarschierte
ein aufsässiger Feminismus, der, eingebettet in der sicheren Mitte
einer umfassenderen Bewegung und getragen von der steten Gehirnwäsche
einer erstmalig so breit vorhandenen Medien-Maschinerie, sich sicher
genug wußte, um seine Maßlosigkeit nicht verbergen zu brauchen.
Im Jahr 1981 legte die neue Kommission zur Untersuchung der Prostitution
ihren Prostitutionsbericht vor. "Ein brillianter Bericht",
wird er genannt, mit "auch literarischen Qualitäten", eine "gewaltige
und schonungslose Abrechnung mit allen Mythen und aller Verlogenheit
zur Frage der Prostitution..." Wie nun das Werk der Kommission
mit der "Verlogenheit zur Frage der Prostitution" umgeht,
zeigt uns Frau Boëthius weiter in ihrer Zusammenfassung, etwa dort,
wo sie uns auf eine Begriffsdeutung hinführt, die
wir einen tatkräftigen Begriffsmißbrauch nennen könnten. Es handelt
sich um einen Begriff aus dem Jargon der Prostituierten Schwedens,
der so aufrichtig den Opferstatus der Huren in Frage stellt, daß er
von der feministischen Deutungs-Gestapo der schwedischen Kommission
sofort in Gewahrsam genommen werden mußte. Es ist der Begriff "Dorsch",
ein Fisch. Mit ihm bezeichnen Schwedens Straßenprostituierte den
Freier. Was sagt uns dieses?
Dorsch, den Fisch, kennen wir weniger aus unserem Studium der Meere,
als aus der Speisekarte. Der Dorsch ist ein Fisch, den man/frau gern
verspeist, wenn man ihn erst einmal hat. Um ihn zu haben, muß er
erst geangelt oder mit dem Netz eingefangen werden. Ist der Dorsch
eingefangen, gehört er zum Fang. Die lange Geschichte der
Fischerei lehrt uns, daß in (nahezu?) keinem der Fälle nach einem
solchen Fang der Fischer oder der Angler in den Kochtopf landete,
sondern stets der Dorsch oder seine sonstige Kameradschaft aus den
nassen Tiefen. So ist klar, daß sich der saloppe, daher aber spontane
und wahrhaftige Gebrauch dieses Gleichnisses in der Hurensprache
Schwedens, miserabel eignete, um die vom Feminismus gewollte Verhältnisstruktur
von Hure und Freier als jeweils Opfer und Täter zu illustrieren.
Also lag der schwedischen Prostitutionsuntersuchungskommission zunächst
am Herzen, den Dorsch zu kriminalisieren, ihn als den eigentlichen
und einzigen Verantwortlichen zu deklarieren. Das ist nicht
leicht. Listig schleicht deswegen der feministische Text um das Wort
Dorsch und peilt den Überfall an:
"Das
Wort 'Dorsch' (die schwedische Entsprechung für Freier) ist die
Bezeichnung der Frau für den Mann bei der Prostitution, und am
häufigsten wird es in der Straßenprostitution gebraucht. Es zeigt
blitzartig auf einen anderen Blickwinkel, aus dem wir den Mann
betrachten können." Der "blitzartig" aufgegangene "Blickwinkel",
der hier erwähnt wird, kann uns aber den Mann nur als geschnapptes
Opfer, als gefangenen Dorsch, zeigen. Und das ist der Grund, warum
dieser Blickwinkel ebenso blitzartig wieder verlassen wird. Verhindern,
daß der Leser das denken könnte, was er nicht denken soll;
ist das wohl eine der literarischen Qualitäten, die uns Frau Boëthius
vorankündigte?
Die Dame gleich weiter: "Das Wort ist nämlich nicht nur Ausdruck
für die allgemeine Sicht der Frau auf den Mann, sondern verweist
auch auf die doppelte Perspektive bei demjenigen, der ausnutzt,
und dem, der ausgenutzt wird." Hier wird die spezielle
Sicht der Hure auf den Freier als "allgemeine Sicht der Frau
auf den Mann" hingestellt, und gleich darauf das gegenseitige
sich Ausnutzen von Hure und Freier halbiert, indem das Ausnutzen
des Freiers durch die Prostituierte als selbstverschuldet neutralisiert
wird, nicht aber das Ausnutzen der Hure durch den Freier – alles
literarische Qualitäten des Werkes: "Der
Mann wird 'geschnappt' und aus der Sicht der Frau ebenfalls betrogen,
da sie ihm nicht wirklich etwas von sich gibt. Doch wenn er
betrogen werden will, muß er sich die Schuld dafür selbst zuschreiben -
es ist kein Schäferstündchen, das er mit der Frau erhält, keine
Liebe, das Ganze ist einfach ein 'Wichsakt'." (Kursives
vom Verf.) Erkennen wir das Versandete der Argumentation? Genausogut
könnte es nämlich für die Frau heißen: "Doch wenn sie sich
prostituieren will, muß sie sich die Schuld dafür selbst zuschreiben."
Einen "Wichsakt" also könnte man in diesem Sinn auch die
eben vorgeführte Einfalt des von Frau Boëthius überschwenglich gefeierten
Dokuments nennen. Nur ist es ein trauriger Wichsakt, der da einen
Rechtstaat zur Rechtsfindung geleiten soll.
Freilich, im gekauften Sexualakt fehlt beiderseits die emotionale
Essenz. Huren und Freier wissen dies so gut wie der Kinobesucher
weiß, daß ihm nur Scheinwelten vorgeführt werden. Es mag zu bemängeln
sein, daß solcher Verzicht auf Essenz zugunsten schnellebigen Genusses
weder einen hohen Reifezustand zwischenmenschlicher Tugenden demonstriert,
noch weiterer Erbauung dient. Solcher Einwand wäre ein durchaus berechtigtes
Infragestellen der Modi unserer heutigen Spaßgesellschaft. Derartige
unterhalterische Selbstbetrugsrituale aber dirigistisch aufzuheben,
könnte ein Staat nur mit inquisitorischem Vorgehen, wobei er von
einem Wahrhaftigkeits- und Tiefenanspruch seiner Bürger ausgehen
müßte, dem nur angehende Heilige in ihrem kontemplativen Umherwandern
beim Abendrot eines weltentrückten anthroposophischen Meditationsdorfs
nachkämen.
Der Mann, der geschnappte Dorsch, wird also "betrogen",
weil ihm die Frau "nicht wirklich etwas von sich gibt"?
Welcher Freier will denn überhaupt als Reisender, als eingesetzter
Soldat, als neugieriger Jüngling oder frustrierter Ehemann "wirklich
etwas" anderes von seiner bestellten Partnerin haben als er
für gewöhnlich bekommt? Und welche Hure will zunächst etwas anderes
von ihrem Dorsch, als seinen Nährwert, sprich sein Geld?
Der schwedische Gesetzgeber reagierte nicht umgehend im Sinn dieser "literarischen
Qualitäten"; die Prostitution blieb erlaubt. Die Zeit war noch
nicht reif, wie Feministen es nennen, wenn noch nicht alle wichtigen
Institutionen von ihnen infiltriert sind. Erst die Wahlergebnisse
in den neunziger Jahren brachten günstige Parteienbündnisse und eine
antreibende Menge von Polit-Feministinnen an die parlamentarische
Macht. Für die Zwischenzeit war gezielte und umfassende Emotionalpropaganda
angesagt, durch die zum einen Politik und Bevölkerung chloroformiert,
zugleich aber auch die künftigen Machthaber aufkommender linker Minderheits-Arrangements
mit ihrer Aufgabe im Bereich Geschlechterpolitik im voraus vertraut
werden sollten.
Zu solchen Zwecken begab sich die Vorsitzende der Kommission und
Hauptverfasserin des Gutachtens Oberregierungsrätin im Zentralamt
für Sozialwesen, Hanna Olson, literarisch wie faktisch ins Rotlichtmilieu.
Literarisch durch ein herzerweichendes Buch über das tragische Schicksaal
einer drogenabhängigen Hure, die ermordet und zerstückelt wurde,
und faktisch durch "engen Kontakt" zu Prostituierten, denen
sie zahlreiche Interviews abgerungen haben soll. Von Interviews Frau
Olsons mit Freiern wurde nichts bekannt.
Frau Olsons Melodram zum genannten Mordfall, "Catrine und die
Gerechtigkeit", bezeichnet Frau Boëthius zutreffend und ganz
in unserem Sinn als "eine Fortschreibung des Prostitutionsgutachtens",
das " tiefer in die menschliche Dunkelzone" vordrang. Eine
nette Umschreibung von Gefühlsmanipulation!
Was die Kontakte Frau Olsons zu Prostituierten betrifft, könnten
wir uns vorstellen, daß nicht jedes Mädel, das derzeit Schwedens
Strich belebte, zu solchem Privileg kam. Die Auserwählten wurden
sicher kaum aus den Reihen jener Prostituierten rekrutiert, die unbeschwert
zugeben, daß sie viel lieber ihren Körper teilzeitlich für eine ziemlich
natürliche Sache zur Verfügung stellen, als sich ganztägig und für
wesentlich weniger Ertrag irgendwo anzuöden oder weitaus Unliebsameres
tun zu müssen. Unzufriedene, unglückliche Menschen oder Menschen,
die mit sich und den anderen nicht reibungslos auskommen, gibt es
in allen Berufssparten. Es ist sicher für eine Person staatlicher
Funktion ein Leichtes, solches Potential aus einer Berufsgruppe um
sich zu scharen, wenn die politische Vermarktung der darin enthaltenen
Biographien seiner Zielstrebungen entgegenkommt. Solche politische
Gesten aber, wie Frau Olsons 'enger Kontakt zu zahlreichen Prostituierten',
gehören zu den ersten und leichtesten Übungen von Demagogie und Populismus.
Genauso leicht hätte man 'Opfer' im Freiermilieu ausmachen können,
wenn dies politische Kräfte wünschten, aber ganz sicher unter Schwerarbeitern,
Artisten aller Art, Nothelfern oder UNO-Soldaten.
Auch bestialisch ermordete Frauen und Männer kommen bekanntlich
aus allen Branchen. Unser Mitleid gilt allen gleichermaßen.
Mit einer Ausnahme? Die von einer lesbischen Nutte bestialisch ermordeten
Freier im verfilmten Fall der Prostituierten Aileen Wournos in den
USA wurden durchweg als "schmierige Familienväter, Klemmies,
Brutalos, Abschaum" vorgestellt, so der 'Tagesspiegel'
in der Filmbesprechung. Und bei der Filmrezension des Bayrischen
Fernsehens (Frühjahr 2004) wurden wir angehalten, die Mörderinkarriere
der am Ende exekutierten Widerlichen als "Fallstudie" anzusehen,
die uns "einen Menschen und dessen verzweifelten Kampf um Achtung
und Selbstbestimmung" dokumentierte, einen Menschen, der "dann
beginnt... sich zu wehren." - Siehe da, es gibt also doch noch
den Menschen! Und wer wird ihn uns präziser vorführen,
als eine schmierige haßerfüllte Massenmännermörderin
und frustrierte Lesbierin auf dem Hetero-Strich? Tränen jäher
Ergriffenheit fluten hoch... - Doch zurück nach Schweden.
Im Jahr 1999 war es dann soweit. Die Zeit war nun 'reif' für ein
Gesetz, das den Dorsch der illegalen Fischerei beschuldigte, wann
immer dieser nachweislich in ein Netz gegangen war. Etwas Aufsehen
hatte das Gesetz, das sich gegen die Prostitution wandte ohne die
Prostituierten zu belangen, zwar erregt, aber das war auch alles.
Die Methoden der Verfolgung wurden rabiat angelegt. Die dahinterwaltende
Intention war deutlich erzieherisch; es wurde Wert darauf gelegt,
daß ertappte Freier Post an ihrer Privatadresse bekämen, damit ihnen
nach Möglichkeit ein weiteres, diesmal ein familiäres Problem erwächst.
Das mutet etwas infam und rachsüchtig an; es beschleicht einen zu
recht der Verdacht, daß während der Gesetzeswerdung reaktionäre Emotion
ein treibender Faktor gewesen war.
Das fand in einer Zeit statt, da Straßenprostitution in Schweden nach den eigenen Schätzungen der
Prostitutionsgegner von kaum mehr als 650 Frauen betrieben wurde (Stand 1997). Doch selbst
zu dieser geringen Zahl hatte sich die Anzahl der Straßenprostituierten
erst in den neunziger Jahren erhöht, als nach der Öffnung Osteuropas
Frauen aus den osteuropäischen Ländern zu diesem Zweck in den Westen
zogen. Der dreißigjährige politische Krieg gegen die Freier startete
also als pseudomoralischer Kampf gegen die Prostitution während einer
Zeit, da Prostitution und speziell Straßenprostitution ausgerechnet
in Schweden ein wie kaum sonst in der Welt geringes Ausmaß aufwiesen.
(Zum Vergleich: In Italien wird die Zahl der Straßenprostituierten
auf 40.000 geschätzt. Die Gründe solcher Differenzen sollen hier
nicht Gegenstand weiterer Erläuterungen werden.) Von einer besonderen
Notlage für Schweden kann also im Nachhinein nicht die Rede sein,
nicht einmal von ästhetisch-ethischen Auffälligkeiten im Straßenbild,
die bei einzelnen Bürgern hätten Mißfallen hervorrufen können. Das
Problem war gewiß ein psychologisches und die betroffene Psyche ist
die Emanzenpsyche, wie sie im vorangehenden Traktat skizziert wurde.
Nur diese? Wohl nicht.
Wir begreifen die vielschichtige
Beschaffenheit des Ganzen, indem wir eine weitere Forderung nach
Freierverfolgung hinzuziehen, die alles andere als von der feministischen
Ecke kam, die aber in ihrer auffahrenden Ausdrücklichkeit bei – nicht
nur schwedischen - Feministen bestens ankommen dürfte: "Der
Kunde", wird dort verlangt, "muß mehr als nur soziale
Verurteilung spüren und mit der Strenge des Gesetzes konfrontiert
werden", so lautete eine vatikanische Forderung im Sommer
diesen Jahres anläßlich einer Tagung des Päpstlichen Migrantenrates
zur Seelsorge für Prostituierte (diverse Medien berichteten am
12. Juli 2005).
Auch die weitere inhaltliche Akzentuierung des kirchlichen Textes
erweist interessante Ähnlichkeiten mit den Formulierungen der feministischen
Diplomatie. Das Prägnanteste ist die völlige Aufhebung des Unterschieds
zwischen Zwangsprostitution (was immer gegenwärtig so genannt wird)
und der Prostitution aus freien Stücken. So wurde Prostitution unabhängig
aller weiteren Umstände als eine "Form moderner Sklaverei" erklärt;
der Kunde muß deswegen bestraft werden, weil käufliche Sexualität, ganz
gleich wie und durch wen sie zustande kommt, die weibliche Würde
beleidige und die Menschenrechte der Frauen verletze.
Es wäre ein Versäumnis, die Frage auszulassen
nach der Ursache dieser denkwürdigen Gleichschaltung des Vatikans
mit jenen Feministinnen, die sich in ihren Publikationen nicht scheuen,
die kirchlichen Repräsentanten der katholischen Institution als "Frauenhasser" zu
titulieren. Hier liegt ein Schlüssel, der uns Einsicht in die Verstrickungen
gewährt, die den Weg des Männer-Advokaten heutzutage erschweren.
Gemeint ist die glatte Übereinstimmung zwischen konservativen Klischees,
nach welchen der Mann als Macher oder Oberhaupt alle Verantwortung
für das faktische wie moralische Ergehen beider Geschlechter zu tragen
hat, und Interpretationen des modernistischen Feminismus, wonach
den Männern und ihrem 'Patriarchat' alle erdenkliche Schuld anzulasten
ist. Beachten wir noch, daß Schuld und Verantwortung ein gemeinsames
Charakteristikum besitzen, das in den jeweils gebräuchlichen Verben
zum Ausdruck kommt: Schuld wird angelastet, Verantwortung
wird auferlegt.
Beides enthält die Idee von Bürde und Joch.
Die Haltung des Vatikans in dieser Frage, das völlige Austilgen
weiblicher Schuld im Prostitutionsfall in Übernahme des feministischen
Klischees von Täter und Opfer, muß sich den Verdacht auf Opportunismus
gefallen lassen und mag ihre Rechtfertigung darin suchen, daß sie
sich gegen 'Sünde und Verfall' richtet. Allerdings hätte man vom
Heiligen Vater der katholischen Christenheit, Herrn Ratzinger, in
Anbetracht seines häufig schillernden kulturhistorischen Verständnisses,
wie es in zahlreichen Publikationen brilliert, auch erwarten dürfen,
die Dringlichkeit der Einführung einer größeren Fairneß in Geschlechterfragen
mitten in der Spätphase der politisch geförderten
und gelenkten Raserei namens Frauenpolitik nicht zu verkennen.
Und dieser Frauenpolitik, deren Blütentreiben in Schweden wir gerade
bemusterten, wenden wir uns weiterhin zu, um, nachdem wir einige
Aspekte ihrer psychologischen Urgründe und in der Folge Objekte ihrer
politischen Strebsamkeit herausstellten, nun auch zu versuchen, möglichst
weitere Absichten ihrer künftigen Entwicklungen im voraus zu erkennen.
Dies, soweit es uns Ereignisse in der letzten Zeit erlauben. Und
das tun sie!