Ein –Ismus, ist ein –Ismus,
ist ein... was?
Mit DUDEN als dem allerersten Widersacher fing
DER MASKULIST an, da er sich für eine Bezeichnung entschied,
die es noch eigentlich in keinem Lexikon gab. "Maskulinist" wurde
allerorts empfohlen, doch die Silbe zuviel behagte zu wenig, schien
sie doch nicht nur grammatisch fragwürdig, sondern zudem verdächtig,
eine Sprache zu vertreten, die hinsichtlich männlicher Belange
bisher stur gestrig geblieben war.
"Maskulinismus" wollte das Kind also
nicht heißen. Die vollkommene Parallele, die das Wort "Maskulismus" zum
Feminismus - im wahrsten Sinn parodistisch – einhält und
dies bei ebenso vollkommener Abweisung der Anliegen des letzteren,
erschien nicht nur sinniger als jeglicher bloß inhaltlich
ausgerichteter Anti-Begriff; sie meißelte zudem geradezu figürlich
die gemeinte Intention, tief die gleißende Oberfläche
des Marmors durchfurchend, auf welchem man das Wort am liebsten graviert
sähe.
Früh in der jungen Vergangenheit der
'Männerbewegung'
hat sich allerdings gezeigt, daß die malerische Parallele von
Feminismus und Maskulismus einige irritierte, denn die Gegensätzlichkeit
der Vorzeichen dieser beiden Begriffe führte dazu, beiden Intentionen gleiches
Wesen zuzuschreiben. Das ist ein fataler Fehler, der oft von
einer unerträglichen Naivität getragen wurde, deren einziges
Erkenntnisgeschick in der Übertragung der grammatikalischen
Gleichheit jener verwirrenden, beider Wörter gemeinsamen Endsilbe
auf die eigentliche Bedeutung dieser Wörter bestand. Und leider
hat solche leicht zu besitzende 'Weisheit' nach dem Muster "ein –Ismus
ist ein –Ismus ist ein -Ismus..." nicht immer nur die
trägesten Köpfe verwirrt.
Freilich schätzten wir die Vertreter solchen
Syllogismus dort am allermeisten, wo sie in ihrer Offensive gegen
die begriffliche Souveränität der Maskulisten aggressiv
vorgehen und diese sogar aus dem Feld zu verdrängen suchen,
das sie geschaffen hatten, als jene noch tief schlummerten, aus dem
Feld der Aufklärung über das wahre Wesen des Feminismus
und über die Gefahr, die von ihm ausgeht. Doch noch heute würde
man auf diesen Seiten in stiller Milde über die wichtigtuerische
Einfalt jener Säuberungs-Aktivisten schmunzeln, die, während
der Maskulismus mit seiner Durchsetzung als Begriff bei den Medien
ankam, noch nicht vernehmen ließen, wie sie sich nun endlich
nennen möchten.
Wenn mich da nicht kürzlich die Aufforderung
eines Freundes dieser Webseite samt der Verlinkung eines denkwürdigen
Zitats dazu bewogen hätten, doch einmal zu dem Begriff Stellung
zu nehmen, um zu zeigen, warum er legitim, sinn- und inhaltsvoll
ist. Sehr geeignet zu solcher Entgegnung zeigte sich der Text, entnommen
aus einem Internet-Forum: "Ich sage es seit der Steinzeit: Maskulismus
ist y-chromosomaler Feminismus. Also nix für Männer." (Man
könnte richtig bedauern, daß es in der Steinzeit keine
Kunde vom Y-Chromosom gab, denn die Chance, den Leuten weiszumachen,
daß es "nix für Männer" sei, wäre
damals sicher größer gewesen.)
Doch im Ernst: Was besagt dieser halbwegs
spaßig,
aber entschieden dogmatisch angelegte Satz? Daß Maskulismus
dem Wesen nach wie der Feminismus ist. Interessant, hierbei zu bemerken,
daß indem solches behauptet wird, auch im selben Satz das Wesen
verpfuscht wird! Denn zwischen Y- und X-Chromosomalem, zwischen den
Eigenschaften also, die von den beiden Geschlechtschromosomen ausgehen,
besteht biologisch der Unterschied zwischen Mann und Frau, und dieser
Unterschied ist (außer in der Gesinnung von Gender-Theoretikern,
die der Verfasser des kommentierten Zitats ablehnt) ein wesenhafter.
Wenn sich also der Maskulismus so different zum Feminismus verhielte,
wie die zwei Geschlechtschromosomen bei der Konstituierung des Geschlechts,
dann müßten diese beiden –Ismen, anders als im angeführten
Zitat ausgesagt werden sollte – ebenfalls etwas wesenhaft Unterschiedliches
sein. Und das sind sie auch.
Maskulismus in der Selbstreflexion - Die
großen Unterschiede
Eine Differenzierung des Maskulismus von seinem
vermeintlichen Gegenpart ist nicht nur notwendig, um sein weltanschauliches
Format zu begreifen, sondern auch unabdingbar, um seine bisherigen
Spuren im gesellschaftlichen Ereignis zu erkennen, und so auch die
Länge des Weges, den er bislang durchlief. Worin zeigt er sich
nun denjenigen anders als der Feminismus, die in der Lage sind, sich
dem Einfluß einer albernen Silbenklauberei zu entziehen, die
ihnen am Ende noch Altruismus mit Rassismus gleichsetzen könnte?
Lassen wir die Antworten auf diese Frage sich selbst ergeben, indem
wir den Maskulismus einmal von innen her umgrenzen und präzisieren,
so daß sich Besserwisser von außen nicht mehr bemüßigt
fühlen müssen, uns diese Aufgabe abzunehmen.
Wir erfassen den Maskulismus in folgenden Merkmalen:
1.
In der Unmittelbarkeit und Übereinstimmung seiner Inhalte
und Zielsetzungen gegenüber der gesellschaftshistorischen
Kontinuität: Die
gesellschaftshistorischen Entwicklungen, in welchen sich das
Verhältnis der Geschlechter
entfaltete, werden im Maskulismus nicht als ein Konstrukt abgetan,
mit dem sich der Mensch - im krassen Fall jahrtausendelang -
selbst unterschlug, sondern als evolvierender historischer Sachverhalt,
als Prozeß also, der keinen Sprung zu seiner Weiterentwicklung
benötigt, sondern einen unter weiterem Einsatz der
in eben diesem Prozeß erworbenen Bewußtheit und Vernunft
fortschreitenden Gang. Da so der Maskulismus keine alternative
Welt voransetzt,
die erst ideell erstellt und politisch durchgesetzt werden müßte,
sondern ausdrücklich zur Zurücknahme solcher politischer
Ambitionen und Techniken aufruft, kann er auch keine Ideologie
gebrauchen, geschweige denn selbst eine sein.
2.
In der Wahrnehmung seines 'Feindbilds' und somit in seiner Haltung
zum anderen Geschlecht: Der
Maskulismus erhebt keine Anklage gegen das andere Geschlecht, sondern
gegen eine aufgesetzte Ideologie und den im Zuge ihrer Anwendung
entstandenen realen Staatsfeminismus. So beeinträchtigt sein
Protest nicht das Verhältnis der Geschlechter; er belastet
das andere Geschlecht nicht mit Vorwurf, er schürt nicht Haß oder
Ablehnung gegen dieses. Die Geschlechter bleiben im Maskulismus – anders
als im Feminismus – in komplementärer und kompatibler
emotionaler, kultureller und produktiver Aufeinanderbezogenheit.
3.
In der Zielsetzung: Der Maskulismus
hat nur ein Ziel, und das ist die Auflösung des in
der Politik eingefressenen Feminismus. Der Maskulismus will weder
das eigene noch das andere Geschlecht zum Neuen Mann bzw.
zur Neuen Frau führen, er will Menschen nicht nach
ideologischen Vorgaben jedweder Couleur umerziehen. Entwicklungsbedingte
Veränderungen im Menschlich-Wesenhaften, wozu auch das Geschlecht
gehört, dürfen nicht Gegenstand politischer Konstruktion
sein, die ihre Legitimität auf der Anmaßung begründet,
das Menschlich-Wesenhafte als Konstrukt erkannt zu haben, das umgeformt
werden soll. Wo Politik Anthropologie betreiben und lenken zu können
glaubt, ist sie auf dem Weg zu einem dirigistischen Totalitarismus.
4.
In der Begründung: Der
Maskulismus erkennt die soziokulturellen Errungenschaften des vergangenen
Jahrhunderts keineswegs nur als Voraussetzungen an, eine Befreiung
der Frau vom 'Patriarchat' zu erreichen, sondern auch eine Befreiung
des Mannes von den Zwängen und Verpflichtungen, die ihn bisher
zum Rohstoff für den Erhalt der Gesellschaften funktionalisierten.
Diese Ebene des emanzipatorischen Prozesses ist, weil sie nicht zwischenpersönliche,
sondern überpersönliche Strukturen angeht, sich also nicht
zwischen Frau und Mann, sondern zwischen dem Menschen und dem Staat
ausdehnt, sogar die primäre Emanzipationsebene einer
humanistisch geprägten allgemeinen Emanzipation des Individuums.
Weil jedoch diese Ebene der Emanzipation nicht
zwei gesellschaftliche Gruppen polarisiert, um dabei die Politik
als vermittelnden Faktor einsetzen zu können, sondern eine dieser
Gruppen mit dem Staat selbst, wird sie von der Politik ausgeblendet,
und das durch die Einschiebung der sekundären, speziellen
Emanzipationsebene, der 'Emanzipation der Frau', an die Stelle
eines alleinigen emanzipatorischen Staatszieles.
Diese Emanzipation hat sich aber rechtlich gänzlich
vollzogen (Gleichberechtigung). Alles weitere Ansteuern in dieser
Richtung, um auch faktische Gleichheit in den Biographien der Geschlechter
zu erzwingen (Gleichstellung) pervertiert den Prozeß der Emanzipation,
verfremdet die betroffenen Gebiete und fordert am Ende die ethische
und rechtliche Deklassierung des Mannes als Vergeltung für die
Undurchführbarkeit des Gleichstellungsziels. Die gegenwärtige
Geschlechterpolitik ("Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen
in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen" – von der
Leyen) geschieht in diesem Geist.
5.
In der Strategie: Zur Durchführung
seines Zieles erachtet der Maskulismus beide möglichen, ihm
verfügbaren Wege als aufrichtig und sinnvoll: Sowohl den der
Neutralisierung des ausgeuferten Feminismus durch die Forderung nach
Rückbesinnung auf das ursprüngliche Anliegen einer wirklichen
Gleichberechtigung beider Geschlechter (der Weg der Männerrechtler)
als auch den direkten Angriff auf die ideologischen Grundlagen des
Ungeistes und seine Bloßstellung als eines kulturpolitischen
Ungemachs (der Weg der Antifeministen).
Diese Akzeptanz beider Wege verleiht dem Maskulismus
eine integrierende und konsolidierende Bedeutung innerhalb der 'Männerbewegung':
Ob Männerinitiativen Petitionen erstellen, um Männerbenachteiligungen
politisch zu thematisieren, ob protestierende Väter in gezielten
Aktionen Parlamentsgebäude erklettern, ob der Papst in einem
Rundschreiben den Feminismus verurteilt, oder ob eine bekannte Fernsehmoderatorin
die alten Geschlechterverhältnisse wieder einfordert, das alles
ist dem Maskulismus im allgemeinen - auch dann also, wenn innerhalb
seines Gesamtspektrums auch gegensätzliche Skepsis zwischen
den verschiedenen Vorstößen ihre Berechtigung hätte
- zunächst begrüßenswert. Denn eine junge Bewegung
sollte nicht zwanghaft formatiert werden wollen, bevor sie losgetreten
ist.
6.
In der Ausweitung des geistigen Innenlebens der 'Männerbewegung': Da
Maskulismus die Aufhebung des Feminismus anstrebt, zeigt er sich
auch ambitioniert, jene Gebiete abzuräumen, auf welchen
der Feminismus seine kulturellen und theoretischen Blüten
getrieben hat, wie auch die Spuren seiner Etablierung in den
verschiedenen Disziplinen des Wissenschaftsbetriebs zu beleuchten.
Zusätzlich
also zu dem, was Männerrechtler
tun und unabhängig davon, wendet sich der Maskulismus an all
jene, die ihre mentalen Waffen zu einem regen Geistesleben im Sinne
des Maskulismus gebrauchen möchten. Solche Erweiterung jenseits
der Gruppen von Betroffenen, die ihren Protest vor den feministisierten
Staat tragen möchten, hin zu jenen, deren primäres Interesse
sich an das kulturelle Schicksal unserer Welt bindet, ist ein vorrangiges
Ziel des Maskulismus.
"Maskulist", jawohl!
So unwesentlich Bezeichnungen an sich erscheinen
mögen, so sehr steht dennoch auch fest, daß man eine braucht,
um in der mentalen Ereignissphäre sichtbar werden zu können.
So lange wir uns nicht zu benennen trauen, so lange dürfen wir
auch die Gewißheit hegen, daß die 'Männerbewegung'
in Anführungsstrichen eingeengt bleiben muß. Und so lange
würden wir auch anderes nicht benennen dürfen, sondern
die Definitionshoheit denen überlassen, deren abstruser Soziologismus
unsere Wahrheit als Biologismus und unser Sein als hohle Illusion
deklariert.
Die Schwierigkeit, die sich immer dann aufzeigt,
wenn es um den Namen der 'Männerbewegung' geht, zeugt nur davon,
daß noch kein kollektives Selbstbewußtsein unsere Bewegung
trägt und prägt. So lange wir das hinnehmen, wird es uns
auch nicht geben – die 'Männerbewegung'.