DER MASKULIST
08.01.2007

Ein –Ismus, ist ein –Ismus, ist ein... was?

Mit DUDEN als dem allerersten Widersacher fing DER MASKULIST an, da er sich für eine Bezeichnung entschied, die es noch eigentlich in keinem Lexikon gab. "Maskulinist" wurde allerorts empfohlen, doch die Silbe zuviel behagte zu wenig, schien sie doch nicht nur grammatisch fragwürdig, sondern zudem verdächtig, eine Sprache zu vertreten, die hinsichtlich männlicher Belange bisher stur gestrig geblieben war.

"Maskulinismus" wollte das Kind also nicht heißen. Die vollkommene Parallele, die das Wort "Maskulismus" zum Feminismus - im wahrsten Sinn parodistisch – einhält und dies bei ebenso vollkommener Abweisung der Anliegen des letzteren, erschien nicht nur sinniger als jeglicher bloß inhaltlich ausgerichteter Anti-Begriff; sie meißelte zudem geradezu figürlich die gemeinte Intention, tief die gleißende Oberfläche des Marmors durchfurchend, auf welchem man das Wort am liebsten graviert sähe.

Früh in der jungen Vergangenheit der 'Männerbewegung' hat sich allerdings gezeigt, daß die malerische Parallele von Feminismus und Maskulismus einige irritierte, denn die Gegensätzlichkeit der Vorzeichen dieser beiden Begriffe führte dazu, beiden Intentionen gleiches Wesen zuzuschreiben. Das ist ein fataler Fehler, der oft von einer unerträglichen Naivität getragen wurde, deren einziges Erkenntnisgeschick in der Übertragung der grammatikalischen Gleichheit jener verwirrenden, beider Wörter gemeinsamen Endsilbe auf die eigentliche Bedeutung dieser Wörter bestand. Und leider hat solche leicht zu besitzende 'Weisheit' nach dem Muster "ein –Ismus ist ein –Ismus ist ein -Ismus..." nicht immer nur die trägesten Köpfe verwirrt.

Freilich schätzten wir die Vertreter solchen Syllogismus dort am allermeisten, wo sie in ihrer Offensive gegen die begriffliche Souveränität der Maskulisten aggressiv vorgehen und diese sogar aus dem Feld zu verdrängen suchen, das sie geschaffen hatten, als jene noch tief schlummerten, aus dem Feld der Aufklärung über das wahre Wesen des Feminismus und über die Gefahr, die von ihm ausgeht. Doch noch heute würde man auf diesen Seiten in stiller Milde über die wichtigtuerische Einfalt jener Säuberungs-Aktivisten schmunzeln, die, während der Maskulismus mit seiner Durchsetzung als Begriff bei den Medien ankam, noch nicht vernehmen ließen, wie sie sich nun endlich nennen möchten.

Wenn mich da nicht kürzlich die Aufforderung eines Freundes dieser Webseite samt der Verlinkung eines denkwürdigen Zitats dazu bewogen hätten, doch einmal zu dem Begriff Stellung zu nehmen, um zu zeigen, warum er legitim, sinn- und inhaltsvoll ist. Sehr geeignet zu solcher Entgegnung zeigte sich der Text, entnommen aus einem Internet-Forum: "Ich sage es seit der Steinzeit: Maskulismus ist y-chromosomaler Feminismus. Also nix für Männer." (Man könnte richtig bedauern, daß es in der Steinzeit keine Kunde vom Y-Chromosom gab, denn die Chance, den Leuten weiszumachen, daß es "nix für Männer" sei, wäre damals sicher größer gewesen.)

Doch im Ernst: Was besagt dieser halbwegs spaßig, aber entschieden dogmatisch angelegte Satz? Daß Maskulismus dem Wesen nach wie der Feminismus ist. Interessant, hierbei zu bemerken, daß indem solches behauptet wird, auch im selben Satz das Wesen verpfuscht wird! Denn zwischen Y- und X-Chromosomalem, zwischen den Eigenschaften also, die von den beiden Geschlechtschromosomen ausgehen, besteht biologisch der Unterschied zwischen Mann und Frau, und dieser Unterschied ist (außer in der Gesinnung von Gender-Theoretikern, die der Verfasser des kommentierten Zitats ablehnt) ein wesenhafter. Wenn sich also der Maskulismus so different zum Feminismus verhielte, wie die zwei Geschlechtschromosomen bei der Konstituierung des Geschlechts, dann müßten diese beiden –Ismen, anders als im angeführten Zitat ausgesagt werden sollte – ebenfalls etwas wesenhaft Unterschiedliches sein. Und das sind sie auch.

Maskulismus in der Selbstreflexion - Die großen Unterschiede

Eine Differenzierung des Maskulismus von seinem vermeintlichen Gegenpart ist nicht nur notwendig, um sein weltanschauliches Format zu begreifen, sondern auch unabdingbar, um seine bisherigen Spuren im gesellschaftlichen Ereignis zu erkennen, und so auch die Länge des Weges, den er bislang durchlief. Worin zeigt er sich nun denjenigen anders als der Feminismus, die in der Lage sind, sich dem Einfluß einer albernen Silbenklauberei zu entziehen, die ihnen am Ende noch Altruismus mit Rassismus gleichsetzen könnte? Lassen wir die Antworten auf diese Frage sich selbst ergeben, indem wir den Maskulismus einmal von innen her umgrenzen und präzisieren, so daß sich Besserwisser von außen nicht mehr bemüßigt fühlen müssen, uns diese Aufgabe abzunehmen.

Wir erfassen den Maskulismus in folgenden Merkmalen:

1. In der Unmittelbarkeit und Übereinstimmung seiner Inhalte und Zielsetzungen gegenüber der gesellschaftshistorischen Kontinuität: Die gesellschaftshistorischen Entwicklungen, in welchen sich das Verhältnis der Geschlechter entfaltete, werden im Maskulismus nicht als ein Konstrukt abgetan, mit dem sich der Mensch - im krassen Fall jahrtausendelang - selbst unterschlug, sondern als evolvierender historischer Sachverhalt, als Prozeß also, der keinen Sprung zu seiner Weiterentwicklung benötigt, sondern einen unter weiterem Einsatz der in eben diesem Prozeß erworbenen Bewußtheit und Vernunft fortschreitenden Gang. Da so der Maskulismus keine alternative Welt voransetzt, die erst ideell erstellt und politisch durchgesetzt werden müßte, sondern ausdrücklich zur Zurücknahme solcher politischer Ambitionen und Techniken aufruft, kann er auch keine Ideologie gebrauchen, geschweige denn selbst eine sein.

2. In der Wahrnehmung seines 'Feindbilds' und somit in seiner Haltung zum anderen Geschlecht: Der Maskulismus erhebt keine Anklage gegen das andere Geschlecht, sondern gegen eine aufgesetzte Ideologie und den im Zuge ihrer Anwendung entstandenen realen Staatsfeminismus. So beeinträchtigt sein Protest nicht das Verhältnis der Geschlechter; er belastet das andere Geschlecht nicht mit Vorwurf, er schürt nicht Haß oder Ablehnung gegen dieses. Die Geschlechter bleiben im Maskulismus – anders als im Feminismus – in komplementärer und kompatibler emotionaler, kultureller und produktiver Aufeinanderbezogenheit.

3. In der Zielsetzung: Der Maskulismus hat nur ein Ziel, und das ist die Auflösung des in der Politik eingefressenen Feminismus. Der Maskulismus will weder das eigene noch das andere Geschlecht zum Neuen Mann bzw. zur Neuen Frau führen, er will Menschen nicht nach ideologischen Vorgaben jedweder Couleur umerziehen. Entwicklungsbedingte Veränderungen im Menschlich-Wesenhaften, wozu auch das Geschlecht gehört, dürfen nicht Gegenstand politischer Konstruktion sein, die ihre Legitimität auf der Anmaßung begründet, das Menschlich-Wesenhafte als Konstrukt erkannt zu haben, das umgeformt werden soll. Wo Politik Anthropologie betreiben und lenken zu können glaubt, ist sie auf dem Weg zu einem dirigistischen Totalitarismus.

4. In der Begründung: Der Maskulismus erkennt die soziokulturellen Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts keineswegs nur als Voraussetzungen an, eine Befreiung der Frau vom 'Patriarchat' zu erreichen, sondern auch eine Befreiung des Mannes von den Zwängen und Verpflichtungen, die ihn bisher zum Rohstoff für den Erhalt der Gesellschaften funktionalisierten. Diese Ebene des emanzipatorischen Prozesses ist, weil sie nicht zwischenpersönliche, sondern überpersönliche Strukturen angeht, sich also nicht zwischen Frau und Mann, sondern zwischen dem Menschen und dem Staat ausdehnt, sogar die primäre Emanzipationsebene einer humanistisch geprägten allgemeinen Emanzipation des Individuums.

Weil jedoch diese Ebene der Emanzipation nicht zwei gesellschaftliche Gruppen polarisiert, um dabei die Politik als vermittelnden Faktor einsetzen zu können, sondern eine dieser Gruppen mit dem Staat selbst, wird sie von der Politik ausgeblendet, und das durch die Einschiebung der sekundären, speziellen Emanzipationsebene, der 'Emanzipation der Frau', an die Stelle eines alleinigen emanzipatorischen Staatszieles.

Diese Emanzipation hat sich aber rechtlich gänzlich vollzogen (Gleichberechtigung). Alles weitere Ansteuern in dieser Richtung, um auch faktische Gleichheit in den Biographien der Geschlechter zu erzwingen (Gleichstellung) pervertiert den Prozeß der Emanzipation, verfremdet die betroffenen Gebiete und fordert am Ende die ethische und rechtliche Deklassierung des Mannes als Vergeltung für die Undurchführbarkeit des Gleichstellungsziels. Die gegenwärtige Geschlechterpolitik ("Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen" – von der Leyen) geschieht in diesem Geist.

5. In der Strategie: Zur Durchführung seines Zieles erachtet der Maskulismus beide möglichen, ihm verfügbaren Wege als aufrichtig und sinnvoll: Sowohl den der Neutralisierung des ausgeuferten Feminismus durch die Forderung nach Rückbesinnung auf das ursprüngliche Anliegen einer wirklichen Gleichberechtigung beider Geschlechter (der Weg der Männerrechtler) als auch den direkten Angriff auf die ideologischen Grundlagen des Ungeistes und seine Bloßstellung als eines kulturpolitischen Ungemachs (der Weg der Antifeministen).

Diese Akzeptanz beider Wege verleiht dem Maskulismus eine integrierende und konsolidierende Bedeutung innerhalb der 'Männerbewegung': Ob Männerinitiativen Petitionen erstellen, um Männerbenachteiligungen politisch zu thematisieren, ob protestierende Väter in gezielten Aktionen Parlamentsgebäude erklettern, ob der Papst in einem Rundschreiben den Feminismus verurteilt, oder ob eine bekannte Fernsehmoderatorin die alten Geschlechterverhältnisse wieder einfordert, das alles ist dem Maskulismus im allgemeinen - auch dann also, wenn innerhalb seines Gesamtspektrums auch gegensätzliche Skepsis zwischen den verschiedenen Vorstößen ihre Berechtigung hätte - zunächst begrüßenswert. Denn eine junge Bewegung sollte nicht zwanghaft formatiert werden wollen, bevor sie losgetreten ist.

6. In der Ausweitung des geistigen Innenlebens der 'Männerbewegung': Da Maskulismus die Aufhebung des Feminismus anstrebt, zeigt er sich auch ambitioniert, jene Gebiete abzuräumen, auf welchen der Feminismus seine kulturellen und theoretischen Blüten getrieben hat, wie auch die Spuren seiner Etablierung in den verschiedenen Disziplinen des Wissenschaftsbetriebs zu beleuchten. Zusätzlich also zu dem, was Männerrechtler tun und unabhängig davon, wendet sich der Maskulismus an all jene, die ihre mentalen Waffen zu einem regen Geistesleben im Sinne des Maskulismus gebrauchen möchten. Solche Erweiterung jenseits der Gruppen von Betroffenen, die ihren Protest vor den feministisierten Staat tragen möchten, hin zu jenen, deren primäres Interesse sich an das kulturelle Schicksal unserer Welt bindet, ist ein vorrangiges Ziel des Maskulismus.

"Maskulist", jawohl!

So unwesentlich Bezeichnungen an sich erscheinen mögen, so sehr steht dennoch auch fest, daß man eine braucht, um in der mentalen Ereignissphäre sichtbar werden zu können. So lange wir uns nicht zu benennen trauen, so lange dürfen wir auch die Gewißheit hegen, daß die 'Männerbewegung' in Anführungsstrichen eingeengt bleiben muß. Und so lange würden wir auch anderes nicht benennen dürfen, sondern die Definitionshoheit denen überlassen, deren abstruser Soziologismus unsere Wahrheit als Biologismus und unser Sein als hohle Illusion deklariert.

Die Schwierigkeit, die sich immer dann aufzeigt, wenn es um den Namen der 'Männerbewegung' geht, zeugt nur davon, daß noch kein kollektives Selbstbewußtsein unsere Bewegung trägt und prägt. So lange wir das hinnehmen, wird es uns auch nicht geben – die 'Männerbewegung'.

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