Versuch einer Übernahme
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manzipation hat etwas mit Reife und Selbständigkeit zu tun, mit der Reife und Selbständigkeit des sich emanzipierenden Individuums. Sind nämlich diese beiden Grundlagen für Emanzipation vorhanden, kann letztere durch nichts mehr aufgehalten werden, außer durch gezielte Gewaltaufwendung, die eigens gegen die Emanzipation gerichtet wäre. Solche Gewalt, eine Gewalt gegen reife und selbständige Individuen, könnte niemals Jahrtausende durchhalten und gewiß kann von solcher Gewalt in den westlichen Frauenförderstaaten nicht die Rede sein. Daß in Schweden, mit der Hälfte des Parlaments in weiblicher Hand und einem Premierminister, der sich stolz als Feministen deklariert, Schicksal und Alltag der Frauen anders als in Afghanistan aussehen, wäre überflüssig zu erwähnen.
Was konnte also schwedische Politikerinnen motivieren, eine Diskriminierung der Frauen in Schweden anzumahnen, die dem "gleichen Muster" folge wie im System der afghanischen Taliban? Wäre die Emanzipation der Frau überhaupt möglich, wenn sie nach all den Reorganisationen, die sie in Ländern wie Schweden erzielt hat, noch immer ein Geschlechterverhältnis afghanischen Musters gestattete? Schlußendlich: Glauben Feministen an die Emanzipation der Frau als reale Chance an sich? Diese Frage ist, so lehrt uns die vorgebrachte Anklage islamistischer Verhältnisse in Schweden, nicht abwegig.
Denn wenngleich Frauen bei Feministen als emanzipierbar auftreten, erscheint offensichtlich letzteren als opportun, den Abschluß der Frauenemanzipation in möglichste Ferne zu verschieben. Die Vollendung dieses Prozesses in eine so irreal bedingte Zukunft zu verlegen, wie diejenige wäre, die erst nach Aufhebung einer schwedischen Talibanherrschaft einträte, ist gleich einer gewagten Huldigung an das Absurde, an das nicht wirklich Erreichbare oder Mögliche. Und solches Heranbinden des Unmöglichen in den weiteren Entwürfen des Feminismus spiegelt seine verdeckte Absicht wider, sich die Option sicherzustellen, es auch zu gebrauchen. Man kann in der Tat beobachten, wie feministische Entwürfe mit dem Maß an Unmöglichkeit gewinnen, mit dem der Feminismus zuvor Erfolge verzeichnete.
Das Betreten einer neuen Ebene der Unmöglichkeit in seiner politischen Programmatik gestaltet der Feminismus nach altbekannten Mustern weiblichen Verhaltens: durch simulierte Abwendung etwa. Wir hatten dieses psychologische Moment eines vorgetäuschten Abbruchs des Kontaktes, mit dem Frauen insgeheim eine Absicherung des eigenen Anspruches und eine Verschiebung der Verantwortung auf den Partner einleiten, "schon beim Flirten" ausgemacht, "wo da dem kurzen Blick auf den anvisierten Mann die prompte Abwendung des Blickes in die Gegenrichtung folgt; eine diskrete Aufforderung an den Betroffenen, die Wiederherstellung des Kontaktes zu erstreben." Dieses Streben des Mannes nach Kontakt soll der derart kokettierenden Frau "eine gegenüber dem Partner vorteilhafte... Rechtslage" sichern, es soll den Mann als den Initiator der Begegnung "in die Pflicht nehmen", um so "von ihm auch die Erfüllung weiterer Forderungen verlangen" zu können.1
Diese Taktik berechnender Abwendung praktizieren gegenwärtig die Feministinnen Schwedens nicht mehr beim Flirten mit den Parteien der 'schwedischen Taliban', sondern innerhalb einer bereits intimen und ausgewachsenen Beziehung, innerhalb einer - wie wir weiter oben sahen - folgenreichen Ehe mit ihnen. Die Politikerinnen äußerten im Jahr 2005 Scheidungsabsichten, um angeblich eine eigene Frauenpartei zu Gründen, die 'Fraueninitiative' (FI) heißen sollte. Das läßt erahnen, daß ihre Absichten in eine Phase übergehen, die nur fortgeführt werden kann, wenn ihnen erhebliche weitere Zugeständnisse gemacht würden, die nicht ohne psychologischen Druck zustande kommen könnten. Diese Ahnung veranlaßt uns selbstverständlich, die weitere Entwicklung dieser Mätzchen interessiert zu verfolgen. Etwas aber von dem Programm der Feministinnen wie auch von der allgemeinen Stimmung in den Kreisen der auf die Politik losgelassenen Berufsfrauen Schwedens ist uns bereits zuvor aus ihrem Gehege hinaus gegackert worden. Und es sieht aus, als hätten sie allerhand vor.
Denn offenbar reichlich stimuliert, nachdem sie - bei der Durchsetzung der einseitigen Kriminalisierung des Freiers im Fall von Prostitution - am Blut des getroffenen Rechtsstaates riechen konnten, planen sie als Nächstes nichts Geringeres als die ethisch-rechtliche Zerschlagung des Mannes, die gesetzlich manifestierte a priori Bestrafung des männlichen Geschlechts: Gefordert wird eine Männersteuer!
Es war im Herbst 2004, als der Antrag das Parlament erreichte. Mit den Einkünften aus dieser neuen Besteuerung sollten die Kosten finanziert werden, die im Gemeinwesen durch "Gewalt gegen Frauen" verursacht würden. Gudrun Schyman (die Taliban-Aufspürerin von weiter oben und stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei) erklärte seinerzeit, daß es für "uns alle" offensichtlich sei, vor welchem enormen Problem die Gesellschaft angesichts der männlichen Gewalt gegen Frauen stehe, die Kosten verursache, für welche "die Männer... als Gruppe Verantwortung zu übernehmen haben.2


