Das Geheimnis der "starken Frauen"
Unsertwegen also "spannend" soll der Grund heißen, warum Sophie Scholl Hans Scholl am Ende im Filmtitel verdrängen sollte; es ist legitimer Gebrauch der künstlerischen Freiheit des Regisseurs, so etwas zu tun. Indes erkennen wir aber:
Eine 'starke Frau' währt demnach nicht unabhängig, 'starke Frauen' währen nie unter sich; sie bedingen sich stets durch Männer, die entweder negiert oder reduziert werden müssen, damit im blassen Hintergrund ihrer negativen, dubiosen oder abgeschwächten Präsenz die agierende Weiblichkeit um so prägender wirkt, damit ihre Stärke durch die konzipierte Schwarzmalung oder Ausblendung männlicher Stärke Alleingültigkeit erhält. Versuche, 'starke Frauen', gelungene weibliche Figuren also, innerhalb einer homogenen Gruppe, einer Gruppe aus nur Frauen eben, auch bösen und schwachen mitunter, zu plazieren, gibt es keine; bei Männern ist solches moralisches Ebenmaß gang und gäbe, immer kämpft mitten unter ihnen das Gute gegen das Böse, die Tugend gegen die Schwäche. Nie ist es nötig, Frauen zu negieren oder auszulassen, damit Männer in Kontexten, in denen sie als Helden fungieren, zu ihrem Glanz gelangen. (Im Gegenteil: Oft wird die urkundlich 'fehlende' weibliche Gestalt geradezu erfunden und in die Geschichte des Protagonisten zumeist als erdachte Geliebte positiv implantiert.)
Wo aber die 'starke Frau' stets nur abhängig von ihrem polaren Gegenpart, dem Mann, stark zu erscheinen hat ( in den Filmen etwa von Charlize Theron oder von anderen 'starken' 'mutigen' Filmstars) und dies in angeordneter Überlegenheit ihm gegenüber, kann dort die Frau an sich als stark gelten? Deutlicher gefragt: Fördert das feministische Denken, wie es von der Film-, Buch- und Unterhaltungsindustrie angewandt wird, am Ende die Vorstellung weiblicher Stärke, oder unterminiert es sie gänzlich, um an ihrer Stelle ein ritualisiertes Treten im Leergang, ein todtrauriges Klischee zu hinterlassen, todtraurig, weil es wie verflucht in der virtuellen Gegenwart herumlungert, ohne seiner greifbaren Entsprechung im Wirklichen zu begegnen?
Wir haben diese Frage nicht gestellt, damit wir uns damit befassen, sondern sie ergab sich im Lauf dieser Überlegungen und stellt sich als eine weitere selbstkritische Frage heraus, die wir dem Feministen gern empfehlen. Die Frage, der wir uns im Folgenden widmen, ist weiterhin die nach den Gründen der Bereitschaft, mit der heute das Männliche nicht nur von der Filmindustrie, sondern auch auf den anderen Plattformen des westlichen Kulturlebens gerne zugunsten des Weiblichen reduziert wird oder werden soll.
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