Zarte Anfänge
Ö
ffentlicher Haß ist kein Gefühl, das die Individuen selbst durchdringen muß, um aus ihnen heraus zu sprechen und zu handeln. Öffentlicher Haß ist Zeitgeist; Zeitgeist, das ist kollektive Mentalität, das ist gemeinsame Haltung, deren Gründe vom Individuum nicht nachvollzogen werden müssen, bevor es sich zum Träger dieser Haltung macht. Das geschieht von selbst, indem sich das Individuum als Teil der Gruppe bestätigt wissen will, die den Zeitgeist trägt, der sie formt und mit Inhalten speist. Diese Form des Hasses ist daher nicht dem intimen feministischen Haß gleichzusetzen, dessen psychologischen Motiven wir im vorangegangenen Traktat annäherten. Um den öffentlichen Haß zu charakterisieren, müssen wir nicht in das Innere von Menschen schauen, sondern wir müssen ihn im kulturellen Umfeld suchen, in den Strukturen der gesellschaftlichen Interaktion und in den politischen und kulturellen Entwicklungen, die ihn manifestierten.
Wir sollten dazu als Erstes die Formen des Phänomens ausmachen. Die zentrale Frage könnte lauten: Wie äußert sich die Misandrie, die nicht urtümlich im Individuum entsteht, sondern als allgemeine gesellschaftliche Strömung wirkt? Nach Beantwortung dieser ersten Frage sollten wir den inhaltlichen Kern untersuchen, der allen Formen von Reduzierung, Herabsetzung, Anschuldigung oder sonstiger negativer Darstellung des Maskulinen zugrunde liegt. Die Frage hierzu: Können wir Prinzipien erkennen, die in der Gesellschaft als funktionierende Faktoren agieren und das Männliche zwangsläufig diskreditieren, in die Pflicht nehmen oder ihm suggestiv eine Schuld unterschieben?
Leser dieser Seiten erinnern sich vielleicht an die Untersuchung (durchgeführt vom Institut für Demoskopie Allensbach im Jahr 2000), deren Ergebnisse die Auftraggeber (GEO Verlag) sprachlich verfremden mußten, um Frauen nicht offen eine größere Neigung zu negativen Vorurteilen gegen das andere Geschlecht zugestehen zu müssen.1 Diese Untersuchung lieferte einen Befund, der einige Bedeutung für unsere erste Frage hat. Denn sie zeigte, daß Menschen, Männer und Frauen, in der Beantwortung von Geschlechterfragen oft etwas anderes vorgeben als sie wirklich erleben und meinen. So auch in der hier gemeinten Untersuchung, in der Frauen die Männer im allgemeinen negativer beurteilten als Männer die Frauen im allgemeinen. Doch im Konkreten, dort also, wo es darum ging, nicht über das andere Geschlecht als Kollektiv zu urteilen, sondern über die konkrete Erfahrung mit nahen Personen des anderen Geschlechts, fielen die Urteile umgekehrt aus: Es zeigte sich, daß die Frauen, die ja schlechter über Männer urteilten als umgekehrt, im privaten Kreis eine bessere Erfahrung mit den Männern machten als Männer mit den ihnen nahestehenden Frauen!
Lügen etwa die Geschlechter, wenn es um Geschlechterfragen geht? Als sich im Jahr 1995 die feministische Partei 'Die Frauen' gründete, befürworteten lt. damaliger EMNID-Umfrage 48 Prozent der Bürger (53 Prozent der Frauen und 43 Prozent der Männer) die neue Partei. "Erstaunlich und beunruhigend" fand es der Autor Felix Stern.2 Nicht wirklich beunruhigend war es aber, wie uns das kümmerliche Fortbestehen dieses bizarren Frauengrüppchens heute zeigt. Von den 48 Prozent der vorgeblichen Befürworter machten sich seither nur schüttere Prozentchen als Wähler dieser Gruppe auf den Weg zur Urne. (In Schweden variieren zur Zeit die Schätzungen der Unterstützer der neuen feministischen Partei, die voraussichtlich im kommenden Jahr als 'Feministische Initiative' antreten will, auf weit niedrigerem Niveau. Und während Feministen sich darüber zu freuen vorgeben, daß bis zu 25 Prozent der "WählerInnen" sich "vorstellen könnten", für die Frauenpartei zu stimmen, erkennen wir in dieser Schätzung getrost eine erste Abwendung der Schweden von ihrem Feminat. Die zahlreichen Gründe zu dieser Abkehr sollen hier nicht kommentiert werden.)


