Zarte Anfänge
Ja, Männer und Frauen können Falsches vorgeben, wenn es um Geschlechterfragen geht. Sie tun es dem Konsens zuliebe und zuliebe ihrer Zugehörigkeit zum progressistischen Zwangsbau einer politisch korrekten Gemeinde, die, weil sie ihre Dogmen und Konzepte ohne den Menschen schuf, ihn auch dort leugnen muß, wo ihre Eröffnungen bejaht werden sollen. Wo sich die Frage: "Erkennen Sie die Notwendigkeit einer feministischen Partei in unserem bestehenden Parteiensystem an?" als die Frage anhört: "Halten Sie sich für ein kompetentes Mitglied unserer progressiven, emanzipierten Gesellschaft?", dort fragt der Zeitgeist, und er bekommt die Antworten, die er verdient – sie sind zumeist unwahr.
Männer und Frauen äußern also Meinungen, die ihrer Erfahrung oder ihrer Überzeugung widersprechen, und sie signalisieren Unterstützung für eine Partei, die sie niemals wählen würden. Denn Männer wie Frauen gehen davon aus, daß sie sich nur dann als berechtigte Mitglieder der modernen Gesellschaft ansehen dürfen, wenn sie in öffentlichen Äußerungen Gutes über Frauen aussagen und Schlechtes über Männer, oder wenn sie vorgeben, feministische Zielsetzungen unterstützen zu wollen. Beides aber ist dasselbe, denn gut über Frauen und schlecht über Männer sprechen, ist bereits eine Form der Unterstützung feministischer Ziele, und das gleich zweimal: ein Mal im politischen und ein Mal im ethischen Kontext.
Politisch insofern, als daß der weibliche Benachteiligten-Status, der die Frau als das zu kurz gekommene Opfer des Mannes voraussetzt, erhärtet, und so der undemokratische Modus der Bevorzugung von Frauen und der sog. positiven Diskriminierung von Männern bei Gesetzes- und anderen politischen Initiativen zementiert wird (Opfer-Strategie). Die ethische Unterstützung, die der Feminismus durch eine allgemeine negative Haltung gegenüber dem Maskulinen erhält, ist an sich eine unethische, denn sie polarisiert die Geschlechter im sozial- und humanethischen Sinn als Repräsentanten von jeweils Gut und Böse in Frau und in Mann. Der Übergang von der politischen, positiv genannten Diskriminierung des Mannes zu seiner allgemein-ethischen Verleumdung als Spezies nimmt seinen Lauf auch innerhalb der Politik. Das geschieht in Forderungen nach Gesetzen, deren intentionale Aussage anstachelt, den Mann generell als Geschlecht zu belangen.
Wobei wir wieder in Schweden landen, weil dort manche der bisher durchgesetzten gesetzlichen Innovationen den Ablauf einer solchen ethischen Herausstellung des Mannes am deutlichsten nachzeichnen. Wir wollen es anhand des 1999 in Kraft getretenen Gesetzes gegen die Prostitution wie auch anhand gegenwärtiger suspekter Entwürfe feministischer Repräsentantinnen der schwedischen Politik zeigen.
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