DER MASKULIST
25.07.2003

"I

ch möchte einen Mann zu einer blutigen Masse geprügelt sehen, mit einem hochhackigen Schuh in seinen Mund gerammt wie ein Apfel in dem Maul eines Schweins."1 Dieses Zitat von Andrea Dworkin legt eine für Radikalemanzen charakteristische Meditation dar. Die bekannte amerikanische Feministin kämpfte gegen Pornographie und setzte zusammen mit anderen Feministinnen Gesetze in Kanada durch, unter deren Zensurbestimmungen nachträglich und ironischerweise auch ihre eigenen Bücher fielen!

Den Stil Frau Dworkins könnte man einen melancholischen und irgendwie genüßlich 'traumatizistischen' nennen. Gegen Männer herrscht eine entschiedene Aggression. So meint Frau Dworkin glatt, es sei für Frauen 'sehr wichtig, Männer zu töten'! Frauen dagegen werden stets bemitleidend behandelt, sie erscheinen zumeist als chancen- und willenlos: "Weiblich sein in dieser Welt heißt, daß wir der Möglichkeit einer menschlichen Wahl beraubt sind, und zwar durch Männer, die es lieben, uns zu hassen." Frau Dworkin läßt sich in unzähligen morbid-düsteren Ergüssen über Sex (Fick) aus, in welchen "Folter" und "Penetration" als quasi Synonyme auftreten oder der Zeugungsprozeß als "unnatürlich" oder als reiner "Ausdruck von Klassenüberlegenheit" des Mannes fungiert.2

Was geht im Inneren Frau Dworkins vor? Das ist deswegen interessant, weil sie das seelische Elend des Feminismus in seiner Ausprägung einer männerhasserischen Fixierung, wie er in den Reihen jener Schwesternschaft im Gefolge Valerie Solanas auftrat, augenfällig personifiziert. Sollten wir daher nicht Frau Dworkins erstes Zitat aus purer Freude am Gebrauch unserer Erkenntnismöglichkeiten kurz einmal analysieren?

Es ist in eine dramatische und in eine - sagen wir - poetische Phase eingeteilt. Das Attribut der ersten dieser Phasen dürfte jener unglückselige Mann sein, der "zu einer blutigen Masse geprügelt" auftritt. Der Leser wird schwer annehmen können, daß das blutige Ergebnis auf eine weibliche Tat rückführbar sein könnte. Freilich könnte auch eine Frau mittelbar, unter Anwendung von List oder externen Mitteln, so etwas bewirken, sicherer noch könnten dies mehrere Frauen, die sich für den guten Zweck zusammenschlössen. Frauen- und Lesbenromane und Filme der neueren Art bieten solche Heldinnentaten an. Doch wird die spontane Interpretation für Frau Dworkins Wunschbild mit aller Wahrscheinlichkeit einen Mann als den Verursacher des heißbegehrten Zustandes des männlichen geprügelten Opfers annehmen. Die Autorin als Frau und damit das Weibliche schlechthin treten hier zurück, diese Tat ist Männersache. Nun ist es aber doch die Autorin selbst, bzw. die Sorte Frau, die sie repräsentiert, welche sich den "zu einer blutigen Masse" geprügelten Mann ersehnt: "Ich möchte einen Mann zu einer blutigen Masse geprügelt sehen". Das Dworkin-Weibliche ist also von dem ausgeschlossen, was es erreichen möchte; nimmt nicht an der Tat teil, die das erwünschte Ergebnis herbeiführt. Ob solches Unvermögen der Grund ist, warum Frau Dworkin meint: "Weiblich sein in dieser Welt heißt, daß wir der Möglichkeit einer menschlichen Wahl beraubt sind, und zwar durch Männer"? Und erkennt sie vielleicht aufgrund solcher Resignation jene "Klassenüberlegenheit" des Mannes an, über welche sie melancholisch nachsinnt?

Aber die Autorin weiß sich zu helfen. Auf malerische Weise wird ein Attribut der Weiblichkeit jener zweiten (wir nannten sie die poetische) Phase ihrer Vision aufgebunden, im "hochhackigen Schuh" nämlich, der aus dem Mund des Gewaltopfers dekorativ ragen soll. Und diese Bereicherung des blutig präparierten Opfers muß nicht ein Mann, sondern könnten gewiß auch Frau Dworkin oder sonst welche Frauen erbracht haben.

Rekapitulieren wir also die symbolischen Zusammenhänge: Hier ist eine erwünschte männliche Tat vollbracht, die nachträglich weiblich besetzt wird!

Versuchen wir nun die - hier blutige - Tat moralisch zu neutralisieren. Daß sie nämlich blutig ist, entspricht dem Gemüt der feministischen Autorin. Männertaten müssen nicht blutig sein; was wir um uns herum sehen, die gesamte 'patriarchale' Welt, ist nur zum geringsten Teil blutrot. Sie ist vielmehr eine grandiose Sammlung ausgeführter Ideen, die dem menschlichen Leben Instrumente zu seiner Bewältigung und des weiteren zu seiner Transformation in die Hände geben, sie ist zivilisatorische Tat. Zu dieser Tat haben Frauen (warum soll sie sonst Patriarchat heißen?) auffallend wenig beigetragen. Im Feminismus nun durchleben wir gerade die Phase, in welcher diese zivilisatorische Tat ihr weibliches Attribut aufgesetzt bekommen soll.

Dafür sind 'starke Frauen' unterwegs. Sie setzen in etwa der vollendeten Tat des Mannes allzu gern einen "hochhackigen Schuh" - vermutlich in lila-rosaer Farbe - auf. Denn sie sind 'emanzipiert', heißt es, und seit sie das sind, 'erobern' sie am Strick 'Männerdomänen', von Männern aufgebaute Einrichtungen, männlich geprägte Taten. Sie haben die Medien, die Politik, die Universitäten, das Militär 'erobert' und jeweils einen "hochhackigen Schuh" darauf gesteckt - mehr kaum! Je zahlreicher sie in diese Domänen eintraten, desto mehr verkamen die letzteren: Mit der hohen Präsenz von Frauen in den Medien ging auch jene Verflachung im Informationswesen einher, die manche 'alte Hasen' des Journalismus heute anprangern; in der Politik und in der Gesetzgebung führte sie zu den Zuständen, die man allmählich als Gefahren für Rechtsstaat und Demokratie erkennt; in der Bildung, im Militär, überall kann man das direkt proportionale Verhältnis der Zunahme von "hochhackigen Schuhen" zur Selbstverfremdung des jeweiligen Gebietes wahrnehmen, wie auf diesen Seiten vielfach erläutert wurde.

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Quellen, Anmerkungen:

1. Arne Hoffman, "Sind Frauen bessere Menschen?", Kapitel "Die Frauenbewegung: faschistoid?"
2. Andrea Dworkin, "Geschlechtsverkehr", KLEIN Verlag