Zur Involution der Büstenhalter
I
n diesem Text lesen wir nämlich, daß die amerikanische Fußballerin Brandi Chastain durch die fulminante Vorführung ihres schwarzen Sport-BHs und ihrer "Quadrizeps, Bizeps und Latissimus dorsi" einem "uns wohl bekannten Märchen" den Garaus gemacht haben soll. Dies sei das Märchen der "Kategorisierung von Männern und Frauen in das starke und das schwache... Geschlecht". Diese "Kategorisierung" wurde von Männern erdacht, um ihre "männliche Vorherrschaft", welche dabei "auf dem Spiel" stand, zu erhalten. Solches Überlisten der Frauen wurde nicht nur "bei den Ärzten des 19. Jahrhunderts" betrieben, die Mädchen eine passivere Haltung vorschrieben, sondern noch heute hielten "die PädagogInnen durchweg Mädchen naturgegeben für weniger kraftvoll, aggressiv und stark als Jungen" und erzögen sie auch so. Durch diese Erziehung also erst entstand die (für EMMA angebliche) schwächere Konstitution der Frau.
Da nun Frauen den bösen Trick durchschaut haben (ein paar feministische Autorinnen werden als Vorbotinnen der neuen Ära erwähnt und zitiert) steuern sie dagegen, indem sie für ihre Geschlechtsgenossinen eben jene Überwindung der "Körperhürde" einläuten, damit ein "neuer Typus Frauenkörper" als Folge "einer kulturellen Revolution" entstehe. Das soll a) durch Sport bzw. Ernährung und b) durch "weniger Schwangerschaften" vollbracht werden. Erste Erfolgsergebnisse gebe es immerhin schon: Erhebungen des Deutschen Instituts für Bekleidungsindustrie ergaben, daß innerhalb der letzten zwanzig Jahren die deutsche Frau "erstens um fast drei Zentimeter gewachsen, sie hat zweitens zwei Zentimeter an Brustumfang verloren und drittens ihr Verhältnis zwischen Hüfte und Taille verringert". EMMA macht keinen Hehl daraus, die Frau "vermännlicht" sehen zu wollen. So nennt sie das Ergebnis in der Tat. Auch empfiehlt sie den Frauen "Aktivität mit männlichem Charakter"!
Etwas übersteuert fährt EMMA mit Vorstellungen fort, die andeuten, daß die 'neue Frau' einst den Mann in körperlicher Überlegenheit sogar übertroffen haben könnte. Sie nimmt als Stütze solcher Hoffnung Beispiele aus gemischten Sportveranstaltungen, in denen Frauen schon mal über Männer siegten, was aber so selten ist wie eben alles, was 'auch einmal' geschieht.
Wir wollen uns hier nicht der Erklärung der Gründe solcher Ausnahmen widmen. Der Leser möge nicht enttäuscht sein, wenn wir auch nicht mit Widerlegungen der wissenschaftlichen Phantasien von EMMA fortfahren. Daß die körperliche Überlegenheit des Männlichen bei nahezu allen Säugerarten eine Gegebenheit ist, die niemand "als allerletzten Joker aus dem Ärmel ziehen" müßte, sondern als natürliche Tatsache vorliegt; daß sich solche Überlegenheit sogar im gesamten Tierreich mit dem evolutionären Fortschreiten der Arten zu komplizierteren Lebensformen hin identisch zeigt (man vergleiche den unterschiedlichen Status des Männchens bei verschiedenen Insekten wie etwa den Spinnen mit jenem bildlichen Ausdruck von Kraft und Mächtigkeit beim Stier, Löwen oder Hirschen) - also ein evolutionärer Prozeß ist (!), und daß die Anzeichen dieser Überlegenheit sich sogar schon im Pflanzenreich (dort in Form von Größe und Umfang) vorfinden, wo ganz sicher weder 'die Ärzte des 19. Jahrhunderts' noch 'die PädagogInnen' der Gegenwart das geringste dazu beigetragen haben könnten, das alles soll hier nicht weiter ausgeführt werden. Denn solche Ausführungen kämen besser auf Seiten zur Geltung, die sich nicht mit der EMMA beschäftigen, sondern mit anderen Formen des Ungeistes, mit solchen, die vornehmlich im Bereich der populär-feministisch infizierten Wissenschaften ihre Verklärung betreiben, allen voran im Bereich der Verhaltens- und Tierverhaltensforschung.
Klüger als EMMA aber hinsichtlich einer Durchsetzung von Vermännlichungsmaßnahmen zeigten sich etwa zur gleichen Zeit britische Parlamentarierinnen allemal. Nach einer Meldung der dpa-Agentur vom 5. Juli 2003 enthüllte der Gynäkologe Malcolm Whitehead die Praxis von fünf weiblichen Unterhaus-Abgeordneten, die sich von ihm regelmäßig mit dem männlichen Hormon Testosteron versorgen ließen. "Sie sagten, dass das ihr Selbstbewusstsein steigert", erläuterte der Wissenschaftler, und daß sie "in einer männlich dominierten Umwelt wie (dem Parlamentsbetrieb von) Westminster" das Gefühl hätten, "dass sie so besser funktionieren."


