Die drei Hürdenläufe
Der Körper nämlich des Menschen mit seinen existentiellen, zu Intentionen erwachenden Impulsen, die den mühseligen evolutionären Weg vom Trieb zur Empfindung und von dort zum Gedanken und darüber hinaus - über Bewußtheit und Reflexion - bis hin zur Idee in der Lage sind zurückzulegen, um sich so legitim mit dem noch nicht Erschauten zu verbinden, ist der Garant aller relevanten anthropologischen Entwicklung und zugleich das Grab all jener blutleeren Intellektualismen, die, ohne diesen legitimen Weg geistigen Werdeganges gehen zu wollen, uns von Zeit zu Zeit aus den vernebelten Luftschlössern der Ideologien heraus attackieren. Der Körper und sein zum Individuum aufgekeimtes Ich waren das Grab des Kommunismus wie aller Totalitarismen, und dieses Team, der Körper und das Ich von Mann und Frau, werden auch das Grab des Feminismus werden!
Wenn auch anzuzweifeln ist, daß 'Naturemanzen' das eben Aufgeführte begreifen, ahnen werden sie es schon. Deswegen das bemüht zuversichtliche Angehen der "Körperhürde" als einer letzten, bald genommenen.
Doch wenden wir uns dem weiteren EMMA-Text zu; schon sehr aufschlußreich der folgende ganze Satz: "In dem Hürdenlauf auf dem Weg zur Gleichberechtigung ist deshalb nachdem die Frauen im letzten Jahrhundert die Hürden Bildung ganz und die Hürde Geld halb genommen haben das dritte und letzte von den Frauen zu überspringende Hindernis vor der Zielgeraden zur wirklichen Geschlechtergleichheit die Kraft, die Körperhürde. Und die Frauen sind auf dem Sprung."
Konventionelle "Gleichberechtigung" wäre also gar nicht das Ziel des Feminismus. Weitere Hindernisse müssen übersprungen werden bis hin "zur wirklichen" (gemeint kann in diesem Kontext nur die körperliche sein!) "Geschlechtergleichheit". Da diese "wirkliche Geschlechtergleichheit" über das Überspringen auch der "Körperhürde" genommen zu werden hat, bleibt kein Zweifel darüber bestehen, daß EMMA erst dann zu ihrer vollen Würde und Emanzipation gekommen sein will, wenn es zwischen Mann und Frau keine den Körper betreffende männliche Überlegenheit mehr geben wird! Zwar wird in einem anderen Satz das Wort "vielleicht" vorsichtig zitiert: "Es drängt sich... der Verdacht auf, dass vielleicht letzten Endes überhaupt kein nennenswerter Kraftunterschied zwischen Männern und Frauen besteht", schreibt die Autorin. Doch dieser Anflug von Nüchternheit, welchen das flüchtige "vielleicht" dem Leser vielleicht vortäuscht, neutralisiert sich im übrigen Text vollständig.2
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