DER MASKULIST
01.02.2004

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ie Penisdiskussion der letzten Jahre (von so etwas können wir durchaus reden) kann jetzt im Hinblick auf das uns inzwischen vertraute seelische Ambiente des hier besprochenen Schlages in ihrer vollen Bedeutung als Ausdruck eines feministischen Abrechnungspathos durchschaut werden. Mit dieser besonderen Art, mit der sich der Feminismus dort weiter entblößt, wo er sein karg maskiertes Interesse an gewissen Muskelpartien auch unterhalb der (männlichen) Gürtellinie richtet, wollen wir diese Untersuchung über Gründe und Wesen des Emanzenhasses auf die Männer schließen.

Gehässige und abwertende Darstellungen des primären Geschlechtsmerkmales der Männlichkeit sind in diesem Zusammenhang so alt wie die 'neue Frauenbewegung' selbst. Schon in den Siebzigern illustrierte der 'Weiberrat', eine feministische Abspaltung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, abgehackte Penisse auf seinen Flugblättern, die als so etwas wie Trophäen der vermeintlichen Frauenrevolution zu verstehen waren, und forderte ">

Die sich zwar stets verächtlich gebärdende, aber doch sehr inbrünstige Zuwendung der Feministinnen zum Penis wird von einer auffälligen Vertrautheit zu dem Organ und seinen Befindlichkeiten begleitet, fast so als hätten auch sie einen, würden ihn aber längst nicht mehr brauchen. Unter dem Deckmantel des Mitleids zu ihren unter diesem Zepter der Männlichkeit leidenden Schwestern legitimieren sie die theoretische Vereinnahmung eines Diskurses, in welchem sie sich so geben, als würde man gerade als Emanze das meiste über den Penis verstehen wie auch über die Lust- und Leidenschaftswirkungen, die sein vielfältiger Einsatz im Sex bei heterosexuellen Frauen auslöst. Über Fragen, etwa wie sich das Glied während des Koitus zu verhalten hat, oder welche Dicke und welche Länge das Optimum für den Verkehr böten, maßen sich die Frauenfrauen zu entscheiden an. Dabei ist die Tendenz radikal reduktionistisch: Ginge es nach diesen Sexualforscherinnen und Geschlechterberaterinnen, hätte sich das gute Teil der Optimallänge-Angaben ihrer 'Studien' zufolge gar nicht erst erigieren brauchen; seine Hängegröße würde schlicht genügen. Zumal Penetration höchstens bei der Absicht einer Zeugung entschuldbar ist, ansonsten aber nur eine 'patriarchale' Methode, Frauen die Unterwerfung unter die maskuline Macht demonstrativ vorzuführen. Was sein Verhalten betrifft, dürfte sich der Penis im Inneren der Weiblichkeit soviel Aktivität erlauben wie der Dieb, der auf trockenem Laub schreitet und das Knistern vermeiden will.

Da aber jeder Mensch, der einen Penis hat, welcher schon mal bei der einen oder anderen Frau Unterschlupf finden durfte, keineswegs auch die Erfahrung machen mußte, daß Frauen die Meinung und das Empfinden ihrer aufdringlichen Beschützerinnen teilen, wird es wohl eher sein, daß sich in den Optimallänge-Angaben und in der Penetrationsächtung der Feministinnen der Wunsch ausspricht, den Penis ersatzweise dort mindestens theoretisch zu reduzieren, wo er nicht faktisch abgeschafft werden kann. Es haben es manche Frauen mit dem Penis nicht leicht!

Vermutlich kommt das, was Katharina Rutschky in ihrem klugen Buch "Emma und ihre Schwestern" die "kastrative Intention" der Feministinnen nennt, bereits im Titel jenes ersten sog. Bestsellers der hiesigen sog. Frauenbewegung vor, in welchem es sich um 'den kleinen Unterschied und seine großen Folgen' handeln sollte (selbst nie in Händen gehabt). Frau Rutschky jedenfalls entdeckte darin einen "sarkastischen Blick auf den Penis", einen Blick, der nicht dazu geeignet wäre, "das Rätsel der Geschlechterbeziehungen und ihres Beharrungsvermögens", das also, was die Autorin des 'kleinen Unterschieds' angeblich am brennendsten interessiert, zu lösen. Und auch nicht dazu geeignet, das Dogma der Gewaltnatur des Penisses gebührend zu vertreten, wenn letzterer das eine Mal "als das Schwert Excalibur" der 'patriarchalen' Gewaltdynastie "imaginiert wird", das andere Mal aber bloß der "Zipfel" sein soll, über welchen "Häme... gegossen wird".1

Unzählige Male haben Penisdarstellungen die Blätter der EMMA in ironisierenden Abbildungen und Zusammenhängen gefüllt; von einer der ersten Online-Aktionen des 'von Frauen für Frauen'-Magazins, in welcher solches zum wiederholten Male geschah, haben wir hier schon berichtet. Cartoons mit Pissoirszenen widmeten sich schon der getreueren Darstellung intimeren Männerdaseins. Unzählig dürften auch die Gegebenheiten sein, in welchen Frau Schwarzer 'des Mannes bestes Stück' in den Mund nahm (verbal gewiß gemeint), sei es um Wirkung und Verhalten des strammen Genossen im Eingeweide der Frau zu maßregeln, sei es um sein extravertiertes Verhalten und andere Merkmale seines Einsatzes auf die Männer als Personen bezichtigend zu übertragen, oder sei es, um ihre Genugtuung darüber auszudrücken, daß ein amerikanisches Gericht im Fall einer hinterhältigen Kastration des Ehemannes die Angeklagte freisprach.

Es hatte etwas länger gedauert, bis der Generalangriff auf den Penis dann einmal auch seine weiteren, mehr stoffwechselbezogenen Funktionen mit einbezog. Eine Pinkeldebatte inklusive Aktionen mit Zielscheibe die maskulinen Pinkelgewohnheiten wurde irgendwann in den Neunzigern gestartet: die 'Stehpinkeldebatte'. Aus hygienischen Gründen versteht sich. Es sei nicht mehr einzusehen, daß die armen Frauen ständig mit dem Lappen hinterher ziehen müssen, um die Hygiene dort wieder herzustellen, wo ER gerade nach seinem kurzen geschäftlichen Ausflug wieder in den Hosenschlitz verschwand. Sitzen muß er wie alle anderen - gemeint sind die Frauen. Es ist bemerkenswert, wie schnell die zu den Aktionen gegen die Stehpinkelei benötigten Accessoires: Klolektüre, Plaketten und mahnende Schildchen aller Art, selbstverständlich auch hier oft in dümmlich belustigender Aufmachung, den Haushalts- und Geschenkartikelmarkt überschwemmten. Auch fand sich eine Firma, ein Wohnungsbauunternehmen - glaube ich -, von welchem die Boulevardpresse berichten konnte, daß es seinen Mietern das Stehpinkeln verbot, der in der Nähe der Klosetts installierten Heizkörper zuliebe, die so länger vor dem Rosten bewahrt würden. Handfeste Gründe!

Nichts dergleichen allerdings wird der Grund sein, warum jenes Lesbenpaar aus Frankfurt am Main, das sich einen Rüden anschaffte, ihm (mit welchen Methoden auch immer) das Beinheben abtrainierte. Erst viel später, nachdem das Tier nach erfolgreicher Entmaskulisierung neuen Besitzern übergeben wurde, durfte es wieder das Bein heben und das tat es auch bald, bestimmt nicht ohne einen Seufzer der Erleichterung auszustoßen, der in unserer Menschensprache heißen könnte: "...blöde Weiber aber auch!" Rüden pinkeln anders als Hündinnen und Männer anders als Frauen.

Und da Männern, mit allem was sie so machen, das 'Patriarchat' gelungen ist, muß alles, was Männer machen, einen Bezug zur Frauenunterdrückung haben - auch natürlich das Pinkeln. "Die Jungs gehen zusammen pinkeln und anschließend sonstwohin und die Parteifrauen lassen sich gegeneinander hetzen", beschrieb einmal Sitzpinklerin Schwarzer den genetischen Punkt aller Männerbündelei und aller Frauenohnmacht.2

Warum bloß - möchte man fragen - gehen denn diese unsäglichen Männer "anschließend sonstwohin", anstatt sich im Pissoir gemütlich einzurichten und weiterhin an der geplanten Zwangsrekrutierung aller jungen nicht schwangeren Frauen zu arbeiten? Schließlich dürften Pissoirs die einzigen Orte sein, wo heute keine Frauenbeauftragte lauscht - oder etwa doch? Und warum schalten die Politikerinnen nicht mal ihre Handys auf Konferenz, um anschließend gemeinsam auf den Frauenklos des Bundestages ihre feuchten Sitzungen gegen die Männermacht abzuhalten, wenn solche Kombination so fördernd für die Bildung von Bündeleien sein sollte? Bekannt sind auch vielleicht dem einen oder anderen Schwarzers Vergleiche männlicher Konkurrenzkämpfe in der Politik mit jugendlichen Weitpinkelwettbewerben, bei welchen Frauen aus anatomischer Ungerechtigkeit fern bleiben müssen, weswegen wir noch keine Kanzlerin gehabt hätten! Nun ja, Schwarzer eben... "Ist es nicht traurig", fragte mich mal eine Dame, die selbst aus dem Medienbereich kam, "daß eine solche Person heute überall und immer wieder in den Medien auftaucht, um etwas zu vermelden?" "Ja", sagte ich, "das ist es."

Was aber wäre nur diese Stehpinkeldebatte, wenn sie nicht den Gang über jene Höhen intellektualistischer Verklärung anträte, auf welchen sie die Weihe in den "sozialwissenschaftlichen, psychologisch-psychoanalytischen und politikwissenschaftlichen" Zirkeln erhalten könnte, um so der Kommunion in der Gemeinschaft der "theoretischen Diskurse" teilhaftig zu werden? Und den Gang trat sie an; Klaus Schwerma übernahm die Führung!

Herr Schwerma bekam für seine Doktorarbeit, die unter dem Titel "Stehpinkeln - die letzte Bastion der Männlichkeit" publiziert wurde, eine Eins, was angesichts des Pulitzer-Preises, den Frau Faludi für ihr Backlasch-Theorem bekam, halb so schlimm ist. Immerhin beruhigt uns der zweite Titelteil insofern, als daß er für Männerklos offensichtlich und vorerst keine Gleichstellungsbeauftragte vorsieht. Dort werden wir noch ungehindert unsere konspirativen Botschaften im Umlauf halten können und in der nur vom Plätschern unserer Notdurft durchzogenen Stille desinfizierter Abgeschiedenheit leise unsere verbotene Patriarchatshymne anstimmen. "Identität und Macht in einer männlichen Alltagshandlung" ist der Untertitel des etwas über hundert Seiten langen Werkchens. Aber halt! Die "männliche Alltagshandlung" ist vielleicht gar nicht so männlich? Denn "eine scheinbar natürliche Handlung" heißt sie wieder andernorts und gar eine, die (das muß sie vom 'Patriarchat' haben) "ins Wanken geraten" sei. Na, also: Wen wundert's dann noch, wenn der Strahl gelegentlich neben das Becken landet?

Doch nicht, daß einer meint, Herr Schwerma könne nicht auch tiefsinnig sein. Das ist er; hören wir uns mal bloß sein "mit Blick auf das bestehende Potential hegemonialer Männlichkeit" analysierende Grübeln an: "Ist Stehpinkeln eine männliche Identifikationshandlung, ein symbolischer Machtausdruck, eine patriarchale Machtausübung gegenüber Frauen, ist es eine Demonstration von Männlichkeitsansprüchen und (phallischen) Männlichkeitsphantasien? Ist Stehpinkeln Ausdruck von Männlichkeit?" Aber wer um alles in der Welt soll all dies wissen, Herr Schwerma? - Höchstens er selbst. Deswegen schreibt er ja auch Bücher, worin dann zu unserer Belehrung steht: "Die Vehemenz, mit der Stehpinkeln beibehalten und verteidigt wird, läßt vermuten, daß es um mehr als liebgewonnene Gewohnheiten und Bequemlichkeiten geht." Ist er nicht investigativ? Hören wir uns das nochmal an: "Die Vehemenz mit der Stehpinkeln... verteidigt wird". Ach ja, Sie waren sicher auch, lieber Leser, letzten Samstag auf unserer Stehpinklerdemo in Berlin dabei? Nein? Schade, Zehntausende (manche sprachen sogar von Hunderttausenden) waren angereist! Das nächste Mal aber kommen Sie bitte, die Sache müßte uns doch allen wichtig sein.

Herr Schwerma wurde schnell zum Frauen(beauftragten)-Liebling. Von der Gilde wurde er viel präsentiert, besprochen, eingeladen. Auch von Frau Ahlers, der hessischen Primabeauftragten in Wiesbaden. Frau Ahlers hatte im Jahr 2002 eine feine Idee: Sie stampfte aus dem Boden ein sog. "Jahr des Mannes". Aber nicht jetzt, daß ihre Schwestern ihr verbittert Illoyalität vorwerfen könnten. Ein Jahr des Mannes nämlich von einer Frauenbeauftragten konzipiert, könnte ein doppelt so gutes Jahr der Frau sein, dachte sich bestimmt die gerissene Vorsteherin: "Als ein Zeichen dafür, daß sich immer mehr Menschen mit dem Thema beschäftigen, bewertete sie die Tatsache, daß die Veranstaltungen mit provokanten Titeln, wie 'Stehpinkeln - die letzte Bastion der Männer' oder 'Können Männer denken?', sehr gut besucht gewesen seien. 'Ungewöhnlich' sei vor allem. daß 30 bis 40 Prozent der Zuhörer Männer gewesen seien... auch Frauen und Senioren..., die nicht zum bekannten Kreis der 'Gleichstellungskämpfer' gehörten." Dieser Schlußsatz des Zitates könnte nur bedeuten, daß die Veranstaltung eigentlich Insidern, sprich "Gleichstellungskämpfern", also Feministinnen und Feministen zugedacht war.3

DER MASKULIST lobte daraufhin in einer höflichen E-Mail die Wiesbadener Megafrau für ihre Bemühungen um uns Männer und traute sich dabei auch zu etwas Kritik, die darauf beruhte, daß Männer, die sich ihrer gegenwärtigen Situation bewußt sind, ganz andere Sorgen als die mit dem Stehpinkeln verbundenen hätten, zumal ja Männer doch auch sitzen können, was als ausgleichender Faktor nicht unterschätzt werden sollte. Er fragte dann auch bei der Gelegenheit gleich, ob Frau Ahlers etwas über die Anzahl der bundesweit eingesetzten Frauenbeauftragten sagen könnte, wie über die Kosten, die sie diesem Staat verursachen. Doch damit konnte Frau Ahlers nicht dienen, schrieb eine ihrer Mitarbeiterinnen zurück; dies sei vielleicht eine Frage des Finanzministeriums - und das ist sie ja auch tatsächlich. Fragt sich nur, wann das Finanzministerium endlich beginne, das zu realisieren.

Ob Herr Schwerma etwas an Identität einbüßt, wenn er, genötigt vom umfassenderen 'Geschäft' seiner Kreatürlichkeit, Wasser im Sitzen lassen muß, verrät er nicht. Bekanntlich aber praktizieren es Männer genauso seit Urzeiten wie das Stehpinkeln, und wir können uns beglückt fühlen, daß zu unserer Zeit Leuchten wie der Piss-Gelehrte Schwerma durch ihre "sozialwissenschaftlichen, psychologisch-psychoanalytischen und politikwissenschaftlichen" Geistesblitze die Großartigkeit dieser Gabe - des Pinkelns auch im Sitzen - in unser Bewußtsein rufen. Indem wir allerdings feststellen, daß Männer beide Disziplinen beherrschen, drängt sich uns die Frage auf: Warum sollten dann ausgerechnet wir Männer ein Problem - mit welcher der beiden Positionen auch immer - haben? Im Stehen hat Mann sich etwas Aufwand erspart, im Sitzen hat ein Mann sogar Vorteile besonders hellhörigen Räumen gegenüber...

Es kann auch nicht ein ernstes Problem von Ehefrauen sein, welches Beziehungen so nachhaltig gefährdet, daß es in einem Land der Geburtenrückgänge und der Aufhebung der Familie ein Politikum werden könnte. Und nicht allen Ernstes ein Pleitenfaktor für Wohnbaufirmen, sonst gehörten gemäße Installationen im Wohnungsbau schon längst zum guten Ton. Wie aus dem bisher zum Haß gegen die Männer Aufgeführten deutlich hervorgegangen sein dürfte, ist das Problem der männlichen Stehpinkelei (ähnlich wie das Problem Penis überhaupt) dort anzusiedeln, wo alle geschlechtspezifische Problematik ihre Heimat hat: Bei den eifrigen Lauscherinnen und Lauschern jener "sozialwissenschaftlichen, psychologisch-psychoanalytischen und politikwissenschaftlichen" Referate, bei den rührigen Teilnehmern jenes unsäglichen Aufsehens der geistesverwirrten nachachtundsechziger Zeit, welches sie die Geschlechterdebatte nennen. Und damit bei den Feministen und vor allem den Feministinnen allein!

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Quellen, Anmerkungen:

1. Katharina Rutschky, "Emma und ihre Schwestern - Ausflüge in den real existierenden Feminismus", CARL HANSER Verlag
2. DER SPIEGEL, Nr. 47, 1999, "Wir brauchen Frauenbündelei"
3. FAZ, 07. 10. 2002, "Mit 'Jahr des Mannes' zufrieden"