Die Emanze im Pissoir
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ie Penisdiskussion der letzten Jahre (von so etwas können wir durchaus reden) kann jetzt im Hinblick auf das uns inzwischen vertraute seelische Ambiente des hier besprochenen Schlages in ihrer vollen Bedeutung als Ausdruck eines feministischen Abrechnungspathos durchschaut werden. Mit dieser besonderen Art, mit der sich der Feminismus dort weiter entblößt, wo er sein karg maskiertes Interesse an gewissen Muskelpartien auch unterhalb der (männlichen) Gürtellinie richtet, wollen wir diese Untersuchung über Gründe und Wesen des Emanzenhasses auf die Männer schließen.
Gehässige und abwertende Darstellungen des primären Geschlechtsmerkmales der Männlichkeit sind in diesem Zusammenhang so alt wie die 'neue Frauenbewegung' selbst. Schon in den Siebzigern illustrierte der 'Weiberrat', eine feministische Abspaltung des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes, abgehackte Penisse auf seinen Flugblättern, die als so etwas wie Trophäen der vermeintlichen Frauenrevolution zu verstehen waren, und forderte ">
Die sich zwar stets verächtlich gebärdende, aber doch sehr inbrünstige Zuwendung der Feministinnen zum Penis wird von einer auffälligen Vertrautheit zu dem Organ und seinen Befindlichkeiten begleitet, fast so als hätten auch sie einen, würden ihn aber längst nicht mehr brauchen. Unter dem Deckmantel des Mitleids zu ihren unter diesem Zepter der Männlichkeit leidenden Schwestern legitimieren sie die theoretische Vereinnahmung eines Diskurses, in welchem sie sich so geben, als würde man gerade als Emanze das meiste über den Penis verstehen wie auch über die Lust- und Leidenschaftswirkungen, die sein vielfältiger Einsatz im Sex bei heterosexuellen Frauen auslöst. Über Fragen, etwa wie sich das Glied während des Koitus zu verhalten hat, oder welche Dicke und welche Länge das Optimum für den Verkehr böten, maßen sich die Frauenfrauen zu entscheiden an. Dabei ist die Tendenz radikal reduktionistisch: Ginge es nach diesen Sexualforscherinnen und Geschlechterberaterinnen, hätte sich das gute Teil der Optimallänge-Angaben ihrer 'Studien' zufolge gar nicht erst erigieren brauchen; seine Hängegröße würde schlicht genügen. Zumal Penetration höchstens bei der Absicht einer Zeugung entschuldbar ist, ansonsten aber nur eine 'patriarchale' Methode, Frauen die Unterwerfung unter die maskuline Macht demonstrativ vorzuführen. Was sein Verhalten betrifft, dürfte sich der Penis im Inneren der Weiblichkeit soviel Aktivität erlauben wie der Dieb, der auf trockenem Laub schreitet und das Knistern vermeiden will.
Da aber jeder Mensch, der einen Penis hat, welcher schon mal bei der einen oder anderen Frau Unterschlupf finden durfte, keineswegs auch die Erfahrung machen mußte, daß Frauen die Meinung und das Empfinden ihrer aufdringlichen Beschützerinnen teilen, wird es wohl eher sein, daß sich in den Optimallänge-Angaben und in der Penetrationsächtung der Feministinnen der Wunsch ausspricht, den Penis ersatzweise dort mindestens theoretisch zu reduzieren, wo er nicht faktisch abgeschafft werden kann. Es haben es manche Frauen mit dem Penis nicht leicht!
Vermutlich kommt das, was Katharina Rutschky in ihrem klugen Buch "Emma und ihre Schwestern" die "kastrative Intention" der Feministinnen nennt, bereits im Titel jenes ersten sog. Bestsellers der hiesigen sog. Frauenbewegung vor, in welchem es sich um 'den kleinen Unterschied und seine großen Folgen' handeln sollte (selbst nie in Händen gehabt). Frau Rutschky jedenfalls entdeckte darin einen "sarkastischen Blick auf den Penis", einen Blick, der nicht dazu geeignet wäre, "das Rätsel der Geschlechterbeziehungen und ihres Beharrungsvermögens", das also, was die Autorin des 'kleinen Unterschieds' angeblich am brennendsten interessiert, zu lösen. Und auch nicht dazu geeignet, das Dogma der Gewaltnatur des Penisses gebührend zu vertreten, wenn letzterer das eine Mal "als das Schwert Excalibur" der 'patriarchalen' Gewaltdynastie "imaginiert wird", das andere Mal aber bloß der "Zipfel" sein soll, über welchen "Häme... gegossen wird".1


