Die Emanze im Pissoir
DER MASKULIST lobte daraufhin in einer höflichen E-Mail die Wiesbadener Megafrau für ihre Bemühungen um uns Männer und traute sich dabei auch zu etwas Kritik, die darauf beruhte, daß Männer, die sich ihrer gegenwärtigen Situation bewußt sind, ganz andere Sorgen als die mit dem Stehpinkeln verbundenen hätten, zumal ja Männer doch auch sitzen können, was als ausgleichender Faktor nicht unterschätzt werden sollte. Er fragte dann auch bei der Gelegenheit gleich, ob Frau Ahlers etwas über die Anzahl der bundesweit eingesetzten Frauenbeauftragten sagen könnte, wie über die Kosten, die sie diesem Staat verursachen. Doch damit konnte Frau Ahlers nicht dienen, schrieb eine ihrer Mitarbeiterinnen zurück; dies sei vielleicht eine Frage des Finanzministeriums - und das ist sie ja auch tatsächlich. Fragt sich nur, wann das Finanzministerium endlich beginne, das zu realisieren.
Ob Herr Schwerma etwas an Identität einbüßt, wenn er, genötigt vom umfassenderen 'Geschäft' seiner Kreatürlichkeit, Wasser im Sitzen lassen muß, verrät er nicht. Bekanntlich aber praktizieren es Männer genauso seit Urzeiten wie das Stehpinkeln, und wir können uns beglückt fühlen, daß zu unserer Zeit Leuchten wie der Piss-Gelehrte Schwerma durch ihre "sozialwissenschaftlichen, psychologisch-psychoanalytischen und politikwissenschaftlichen" Geistesblitze die Großartigkeit dieser Gabe - des Pinkelns auch im Sitzen - in unser Bewußtsein rufen. Indem wir allerdings feststellen, daß Männer beide Disziplinen beherrschen, drängt sich uns die Frage auf: Warum sollten dann ausgerechnet wir Männer ein Problem - mit welcher der beiden Positionen auch immer - haben? Im Stehen hat Mann sich etwas Aufwand erspart, im Sitzen hat ein Mann sogar Vorteile besonders hellhörigen Räumen gegenüber...
Es kann auch nicht ein ernstes Problem von Ehefrauen sein, welches Beziehungen so nachhaltig gefährdet, daß es in einem Land der Geburtenrückgänge und der Aufhebung der Familie ein Politikum werden könnte. Und nicht allen Ernstes ein Pleitenfaktor für Wohnbaufirmen, sonst gehörten gemäße Installationen im Wohnungsbau schon längst zum guten Ton. Wie aus dem bisher zum Haß gegen die Männer Aufgeführten deutlich hervorgegangen sein dürfte, ist das Problem der männlichen Stehpinkelei (ähnlich wie das Problem Penis überhaupt) dort anzusiedeln, wo alle geschlechtspezifische Problematik ihre Heimat hat: Bei den eifrigen Lauscherinnen und Lauschern jener "sozialwissenschaftlichen, psychologisch-psychoanalytischen und politikwissenschaftlichen" Referate, bei den rührigen Teilnehmern jenes unsäglichen Aufsehens der geistesverwirrten nachachtundsechziger Zeit, welches sie die Geschlechterdebatte nennen. Und damit bei den Feministen und vor allem den Feministinnen allein!
_____________________


