Die ideologische Abstammung der Femalistinnen wird
uns im benannten Artikel des 'Spiegels' doch nicht ganz geheim gehalten: "Immer
mehr Anthropologinnen, Archäologinnen, Affenforscherinnen und Ärztinnen
sind seit den siebziger Jahren in die Universitäten
geströmt. In den Laboren und draußen im Feld haben sie in den vergangenen
Jahrzehnten das männliche Deutungsmonopol exorziert. Ihr Blick auf
die Bedeutung der Frau in Evolution, Biologie und Medizin ist radikal
erweitert und erneuert."1
Es fällt auf, daß die Wissenschaftsgebiete, denen sich die strebende
Weiblichkeit der Femalistinnen bemüßigt
zeigt, weniger die abstrakt-theoretischen sind. Es werden zumeist
solche bevorzugt, die man "empirisch" nennt, die also auf
Anschaulichem beruhen und die vor allem Interpretation zulassen oder
gar erfordern. Ähnlich wie die Interpretation des besten Teiles der
Männlichkeit als eines Schlauches, oder die andere des Affenpaschas
als eines auf die Duldung seiner Affendamen angewiesenen Gigolos.
Das Profil allgemeiner Geschlechteransichten ist bei den Femalistinnen eher diffus. Der Grund ist ein etwas zögerlicherer
Umgang mit dem Begriff des Unterschiedes der Geschlechter, den sie,
gemäß den Anliegen der neunziger Jahre, aufrecht erhalten wollen.
Gleichheiten und Ungleichheiten von Mann und Frau müssen im ideologischen
Oszillator stets so hingeschaukelt werden, daß Männliches und Weibliches
gemäß den Doktrinen des aktuellen Feminismus gedeutet werden können.
Besondere Undeutlichkeit und gedankliche Instabilität verursacht
die allgegenwärtige Neigung, das Weibliche durch die diversen dialektischen
Felder gegebener geschlechtlicher Polaritäten zu jenem krönenden
Abschluß hinzumanövrieren, in welchem ihm sogar das Prädikat besonderer
evolutionärer Verdienste verliehen werden soll.
Als schwierig erweist sich zudem der Umgang mit jener weiteren Differenzierung
der Geschlechter in ein biologisches und ein kulturelles Geschlecht
(Sex und Gender), welche die zusätzliche
Forderung dem Disput aufzwingt, beide Aspekte in die jeweilige Diskussion
passend einzubringen. Eine Option, die dem feministischen Argument
eine doppelte Zunge ermöglichen sollte, ihm aber am Ende auch einige
Fallen stellt!
Wäre so die 'männliche Aggression' allein biologisch bedingt (etwa
durch die Wirksamkeit des Hormons Testosteron), würde sie den Neue-Frau-Designerinnen dort fehlen, wo sie in der Form
von Bestimmtheit, Tüchtigkeit, Dominanz und Durchsetzungsvermögen
erscheint. Hastig werden also die Hormone nochmals durchgegangen
und die passenden Beispiele angeblicher weiblicher Dominanz aus dem
Tierreich herbeigerafft, in einer fieberhaften, überzeugungsarmen
Suche nach dem möglichen "Jedoch", nach dem "Wahrscheinlich-eher",
nach dem rettenden "Aber"-Glauben.
Lohnend dagegen scheint eine biologistische Fixierung dort angebracht,
wo jene altbekannten und bis zum Überdruß fabulierten Habseligkeiten
behauptet werden, mit welchen die Weiblichkeit zur Eroberung der
Zukunft ausgestattet sei, und die wie im Schlager als besonders ausgeprägte "Kommunikativität", "Teamfähigkeit" und "soziale
Kompetenz" gelobt werden, garniert oft mit jener vermeintlichen "besonderen
Sprachbegabung" der Frauen.
Ein "vernetztes Denken", so wird der Umstand beschrieben,
der bei Frauen bedingt, daß mehrere Gehirnareale auf beiden Hemisphären
für die gleiche mentale Aufgabe belastet werden, die beim Manne weniger
Einsatz erfordert. Obwohl wir wissen, daß der Denkprozeß ein abstrahierender ist!
Hätte unser Denken nicht die Fähigkeit, Gefühlsareale beim Denkprozeß auszuschließen,
wäre die Erstellung differenzierter, von Empfindungen zunächst gelöster
Gedankengänge unmöglich. Vermutlich wird durch das 'vernetzte
Denken' auch die Möglichkeit des Gehirns eingeschränkt, gleichzeitig
heterogene Aktivitäten auszuführen (eine logische Folgerung), und
neuere Untersuchungen New Yorker Forscher lassen sogar darin die
Quelle jenes Weiß-nicht-warum-Schmerzes,
den man Depression nennt und der häufig mit Angstzuständen und "psychischen
Krisen" verbunden ist, vermuten.
"Frauen nutzen Hirn komplexer", lautete nichtsdestotrotz
der Meldungstitel zu diesem Ergebnis beim N-TV-Nachrichtenportal
in nett beschönigender Korrektheit.2 Vielleicht hilft solche Beschönigung gegen Depressionen? Vermutlich
so sehr, wie die Werbung für ein HiFi-Gerät, dessen beide Kanäle
unangenehmer Interferenzen unterliegen, gegen den Ärger des Käufers
helfen würde, wenn es darin
hieße: "Sie hören auf beiden Kanälen mehr!" Was ja auch
stimmen würde.
Ähnliche vernünftige Einwände neutralisieren mit Leichtigkeit auch
alle restlichen Tugenden weiblicher Zukunftsträchtigkeit. Aber die
Damen wurden nicht allein gelassen. Ein ganzes Arsenal männlicher
Wissenschaftler entfaltete zur gleichen Zeit und auch schon vorher
- sei dies aus wirtschaftlichem Kalkül, aus Geltungsbedürfnis oder
aus ideologischem Starrsinn heraus - ein buntes, jämmerliches Häufchen profemininer und
antimaskuliner Theorien und akademistischer 'Besichtigungen
der männlichen Spezies', die sich gerade noch bis zu ihrer ersten
leisen Hinterfragung als lebensfähig erweisen würden.
Die Femalistinnen, sprich Wissenschaftsfeministinnen,
und ihre männlichen Schleimer betreiben gewiß keine Wissenschaft.
Wären in ihnen auch nur Rudimente von wissenschaftlichem Gewissen
vorhanden, gäbe es die genialischen Auswüchse ihres zweckgefärbten
Suppenkochens nicht. Vielmehr wollen sie den Feminismus zu einer
interdisziplinären Instanz hochzüchten, der es vorbehalten bleibt,
per Diktat anzugeben, was in Wissenschaft und Forschung als korrekt
angesehen werden darf. Und sie betreiben noch etwas anderes:
Vergleichen wir doch einmal den universellen Anspruch des Wissenschaftsfeminismus
in dem Satz: "Alles ist anders, als die Herren der Schöpfung
immer glauben machen wollten" oder in dem Vorhaben, "den
gesamten Wissensschatz der Menschheit" neu zu ordnen mit
jener Absicht in den Zielsetzungen des Gender-Mainstreaming, "sämtliche
allgemeinen politischen Konzepte und Maßnahmen einzuspannen".
Es klingt doch alles recht totalitär, nicht wahr? Gibt es da weitere Ähnlichkeiten?
Ja!
Betrachten wir in diesen beiden Konzepten den Zukunftsbegriff. Die
Umordnung vom "gesamten Wissensschatz der Menschheit" soll
die wissenschaftliche Erleuchtung erbringen, die eine jener Femalistinnen als
das Fazit äußert: "Die Zukunft gehört den Frauen."3 Dies
mutet wie ein evolutionäres Geplapper an, das leicht belächelt
werden könnte. Je besser man aber den subtilen, hinterlistigen Geist
im feministischen Vorgehen kennt und die ideologischen Zusammenzwänge
allmählich zu erkennen beginnt, die ihm Wirksamkeit verleihen, desto
mehr vergeht einem dabei die Lust zum Lachen. Zukunft nämlich ist
im sozialpolitischen Kontext unmittelbar mit beruflichem Aufstieg
verbunden. Und wozu sollen im Sinne des Gender-Mainstreaming "sämtliche allgemeinen politischen
Konzepte und Maßnahmen" eingespannt werden?