"Ich möchte einen Mann zu
einer blutigen Masse geprügelt sehen, mit einem hochhackigen Schuh
in seinen Mund gerammt wie ein Apfel in dem Maul eines Schweins."1 Dieses
Zitat von Andrea Dworkin legt eine für Radikalemanzen charakteristische
Meditation dar. Die bekannte amerikanische Feministin kämpfte gegen
Pornographie und setzte zusammen mit anderen Feministinnen Gesetze
in Kanada durch, unter deren Zensurbestimmungen nachträglich und
ironischerweise auch ihre eigenen Bücher fielen!
Den Stil Frau Dworkins könnte
man einen melancholischen und irgendwie genüßlich 'traumatizistischen'
nennen. Gegen Männer herrscht eine entschiedene Aggression. So meint
Frau Dworkin glatt, es sei für Frauen 'sehr wichtig, Männer zu töten'!
Frauen dagegen werden stets bemitleidend behandelt, sie erscheinen
zumeist als chancen- und willenlos: "Weiblich sein in dieser
Welt heißt, daß wir der Möglichkeit einer menschlichen Wahl beraubt
sind, und zwar durch Männer, die es lieben, uns zu hassen." Frau
Dworkin läßt sich in unzähligen morbid-düsteren Ergüssen über Sex
(Fick) aus, in welchen "Folter" und "Penetration" als
quasi Synonyme auftreten oder der Zeugungsprozeß als "unnatürlich" oder
als reiner "Ausdruck von Klassenüberlegenheit" des Mannes
fungiert.2
Was geht im Inneren Frau Dworkins
vor? Das ist deswegen interessant, weil sie das seelische Elend des
Feminismus in seiner Ausprägung einer männerhasserischen Fixierung,
wie er in den Reihen jener Schwesternschaft im Gefolge Valerie Solanas
auftrat, augenfällig personifiziert. Sollten wir daher nicht Frau
Dworkins erstes Zitat aus purer Freude am Gebrauch unserer Erkenntnismöglichkeiten
kurz einmal analysieren?
Es ist in eine dramatische und
in eine - sagen wir - poetische Phase eingeteilt. Das Attribut der
ersten dieser Phasen dürfte jener unglückselige Mann sein, der "zu
einer blutigen Masse geprügelt" auftritt. Der Leser wird schwer
annehmen können, daß das blutige Ergebnis auf eine weibliche Tat
rückführbar sein könnte. Freilich könnte auch eine Frau mittelbar,
unter Anwendung von List oder externen Mitteln, so etwas bewirken,
sicherer noch könnten dies mehrere Frauen, die sich für den guten
Zweck zusammenschlössen. Frauen- und Lesbenromane und Filme
der neueren Art bieten solche Heldinnentaten an. Doch wird die spontane
Interpretation für Frau Dworkins Wunschbild mit aller Wahrscheinlichkeit
einen Mann als den Verursacher des heißbegehrten Zustandes des männlichen
geprügelten
Opfers annehmen. Die Autorin als Frau und damit das Weibliche
schlechthin treten hier zurück, diese Tat ist Männersache.
Nun ist es aber doch die Autorin selbst, bzw. die Sorte Frau, die
sie repräsentiert,
welche sich den "zu einer blutigen Masse" geprügelten Mann
ersehnt: "Ich möchte einen Mann zu einer blutigen Masse
geprügelt sehen". Das Dworkin-Weibliche ist also von dem ausgeschlossen,
was es erreichen möchte; nimmt nicht an der Tat teil, die das erwünschte
Ergebnis herbeiführt. Ob solches Unvermögen der Grund ist,
warum Frau Dworkin meint: "Weiblich sein in dieser Welt heißt,
daß wir
der Möglichkeit
einer menschlichen Wahl beraubt sind, und zwar durch Männer"?
Und erkennt sie vielleicht aufgrund solcher Resignation jene "Klassenüberlegenheit" des
Mannes an, über welche sie melancholisch nachsinnt?
Aber die Autorin weiß sich zu
helfen. Auf malerische Weise wird ein Attribut der Weiblichkeit jener
zweiten (wir nannten sie die poetische) Phase ihrer Vision aufgebunden,
im "hochhackigen Schuh" nämlich, der aus dem Mund des Gewaltopfers
dekorativ ragen soll. Und diese Bereicherung des blutig präparierten
Opfers muß nicht ein Mann, sondern könnten gewiß auch Frau Dworkin
oder sonst welche Frauen erbracht haben.
Rekapitulieren wir also die symbolischen
Zusammenhänge: Hier ist eine erwünschte männliche Tat vollbracht,
die nachträglich weiblich besetzt wird!
Versuchen wir nun die - hier blutige
- Tat moralisch zu neutralisieren. Daß sie nämlich blutig ist, entspricht
dem Gemüt der feministischen Autorin. Männertaten müssen nicht blutig
sein; was wir um uns herum sehen, die gesamte 'patriarchale' Welt,
ist nur zum geringsten Teil blutrot. Sie ist vielmehr eine grandiose
Sammlung ausgeführter Ideen, die dem menschlichen Leben Instrumente
zu seiner Bewältigung und des weiteren zu seiner Transformation in
die Hände geben, sie ist zivilisatorische Tat. Zu dieser Tat
haben Frauen (warum soll sie sonst Patriarchat heißen?) auffallend
wenig beigetragen. Im Feminismus nun durchleben wir gerade die Phase,
in welcher diese zivilisatorische Tat ihr weibliches Attribut aufgesetzt
bekommen soll.
Dafür sind 'starke Frauen' unterwegs.
Sie setzen in etwa der vollendeten Tat des Mannes allzu gern einen "hochhackigen
Schuh" - vermutlich in lila-rosaer Farbe - auf. Denn sie sind
'emanzipiert', heißt es, und seit sie das sind, 'erobern' sie am
Strick 'Männerdomänen', von Männern aufgebaute Einrichtungen, männlich
geprägte Taten. Sie haben die Medien, die Politik, die Universitäten,
das Militär 'erobert' und jeweils einen "hochhackigen Schuh" darauf
gesteckt - mehr kaum! Je zahlreicher sie in diese Domänen eintraten,
desto mehr verkamen die letzteren: Mit der hohen Präsenz von Frauen
in den Medien ging auch jene Verflachung im Informationswesen einher,
die manche 'alte Hasen' des Journalismus heute anprangern; in der
Politik und in der Gesetzgebung führte sie zu den Zuständen, die
man allmählich als Gefahren für Rechtsstaat und Demokratie erkennt;
in der Bildung, im Militär, überall kann man das direkt proportionale
Verhältnis der Zunahme von "hochhackigen Schuhen" zur
Selbstverfremdung des jeweiligen Gebietes wahrnehmen, wie auf diesen
Seiten vielfach erläutert wurde.