Die mißverständliche Formulierung im vorangegangenen Beitrag über
die Anwendung der 200 Mio. Euro, die das
Bildungsministerium
zur
Verfügung
stellte, könnte
auch eine Ausdrucksweise jener bekannten Vereinnahmungshaltung sein,
mit
der bewegte Frauen Ressourcen gern verteilen wollen.
Gemeint ist die Ungeniertheit feministischer Verteilmodalitäten,
wie sie sich beispielsweise einmal in der FAZ, Ende 2002 zeigte: "Frauenbüros
wollen mehr Geld", hieß der Artikel mitten in der
Finanzmisere des Beginns der zweiten rotgrünen Legislaturperiode.1 Der Gründe erster: "Für die Chancengleichheit von Mädchen und
Jungen in Erziehung, Bildung und Ausbildung", wird zu einer
Zeit beteuert, in welcher allmählich auch dem desinteressierten Landesbewohner
aufgegangen sein dürfte, daß spätestens seit den verheerenden PISA-Ergebnissen
im Dezember 2001 eher eine Förderung der Jungen anstünde, denn -
wie Pisa-Koordinatorin Petra Stanat gegenüber SPIEGEL-Online bestätigte, "es
seien die Knaben, die Deutschland im Weltmaßstab so tief runterziehen,
dass Politiker seit Monaten von einer neuen Bildungskatastrophe sprechen."2
Der zweite Grund: In Zusammenhang mit dem Gewaltschutzgesetz seien "die
Aufgaben der Frauenschutzhäuser ausgeweitet, gleichzeitig" aber,
seien "die Mittel gekürzt", beschwerte sich in dem Artikel
Frau Barbara Akdeniz, Frauenbeauftragte der Stadt Darmstadt. Kurze
Erklärung für den uninformierten Leser: Das Gewaltschutzgesetz trat
Anfang 2002 mit dem Ziel in Kraft, Männer, die von ihren Partnerinnen
oder Ehefrauen wegen Gewalt angezeigt wurden, unter Umgehung sogar
des Rechtes auf Unschuldsvermutung(!) der gemeinsamen Wohnung zu
verweisen. Der Verkaufsslogan der damaligen Justizministerin Däubler-Gmelin: "Der
Schläger geht, die Geschlagene bleibt". Eines der Ziele des
skandalösen Gesetzes war, Frauenhäuser als Fluchtstätten für mißhandelte
oder angeblich mißhandelte Frauen unter Inkaufnahme einer teilweisen
Entrechtung des Mannes überflüssig zu machen. Nun verlangen die Betreiberinnen
solcher Häuser mehr Zuwendungen mit der Begründung, die Aufgaben
hätten sich nach Einführung des Gesetzes ausgeweitet!
Wie lange mag
es wohl noch bis zu jener Gesundung der öffentlichen Sprache dauern,
welche das Gebot einer forschen Ablehnung solcher Forderungen salon-
und politikfähig gemacht haben wird?
Was nun das Interesse der Feministinnen an den Wissenschaften betrifft,
ist es weder in der Theorie noch in der Praxis ein wissenschaftliches,
sondern ein feministisches. Es geht auch nicht darum, kompetenten
Frauen Zugriff zu Wissenschaftsberufen zu ermöglichen. "Zu den
fest etablierten, schätzungsweise mehreren tausend Frauenberufsberatungsstellen
und Seminarangeboten weiblicher Berufsberatung kommen rund 1300 kommunale
Frauengleichstellungsstellen hinzu (zum Teil mit mehrfacher Besetzung)
sowie die vielen Frauenbeauftragten in Behörden und Ämtern",
notiert Felix Stern schon Mitte der Neunziger.3 Was ein
solcher Moloch nicht erreicht, das darf nicht mehr ein Ziel heißen.
Worum es vielmehr geht, ist in den folgenden Worten zum besten wiedergegeben: "Dabei
geht es um Forschung von Frauen, Forschung für Frauen und Forschung über
Frauen", ein Satz, der wiederholt in den Programmen auftaucht.
Dieses Prinzip (das sich zum Glück nicht mehr auf den Seiten des
Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt finden läßt) stellt nicht
nur - durch die geradezu masturbatorische Selbstbezogenheit der erwähnten
Klientel - jede Absicht einer für wissenschaftliche Arbeit unentbehrlichen
Neutralität in Frage. Das macht auch höchst mißtrauisch, wenn man
bedenkt, welche Ablehnung Technik, abstraktes Denken, und 'männliche'
Logik als 'destruktive Instrumente des Patriarchats' sonst im feministischen
Disput erfahren haben. Selbst in den einschlägigen Texten zur Durchsetzung
erträumter Privilegien in Bereichen der Technik lassen es die Damen
nicht ohne derartige Bemerkungen wie die etwas weiter oben auf sich
beruhen, nach welcher die Neigung der Jungen zu "Zahlenreihen" und
zum spielerischen Umgang mit dem Computer gegen die vermeintliche
Nützlichkeits- und Ergebnisorientierung der Mädchen stehen soll.
Zu den Zahlenreihen der Damen hingegen steht offenbar die Zahl 40
irgendwie an prominenter Stelle. Nach den Resolutionen des Fünften
EU-Rahmenprogramms im Bereich der Forschung, technologischen Entwicklung
und Demonstration (FTE), das 1998 für fünf Jahre angelaufen war,
sah die Kommission vor: "Damit die Forschung den Bedürfnissen
der Frauen gerecht wird, muss eine Beteiligung der Frauen mit einem
Anteil von mindestens 40% in allen Gremien auf sämtlichen Ebenen
der Durchführung und Verwaltung der Forschungsprogramme angestrebt
werden." 40% soll es auch bei der Vergabe von Stipendien geben!
Ob die Viererzahl einer Inspiration nach dem legendären Unterfangen
der Quadratur des Kreises entsprang, wissen wir nicht. Auf jeden
Fall dürfen wir wohl diese Fixierung im Rahmen der Methoden verstehen,
mit welchen 'Frauen der Technik neue Impulse geben' wollen?
Was verlangen diese Zahlen? Wie sind solche Forderungen zu bewerten?
Vor allem: wie sehen sie in Zusammenhang mit dem Sachverhalt aus,
daß im Bereich z.B. der IT-Systemelektronik noch im Jahr 2002, ein
Jahr vor Ablauf des EU-Rahmenprogramms, erst 4 Prozent Frauen unterwegs
waren? Was würde geschehen, wenn junge Frauen mit all den Projekten
und Programmen, die gegenwärtig laufen, veranlaßt würden, tatsächlich
eine Anzahl Anwärterinnen für die anvisierten Positionen zur Verfügung
zu stellen, die dann - gemäß den verabschiedeten Resolutionen - Männern
per Dekret vorgezogen werden müßten?
Ginge es nach Umweltminister Trittin und den Grünen, hätten wir
dann Geschlechtergerechtigkeit erreicht. Was wir aber tatsächlich
gemacht hätten, wäre: Das Desaster der Grundschulen auf die höheren
Bildungs- und Forschungsebenen zu übertragen; dem durch die PISA-Studien
erkannten Elend der Grundschulen zu Metastasen in die Gebiete von
Wissenschaft und Forschung zu verhelfen! Zur Verdeutlichung wiederholen
wir den weiter oben formulierten angeblichen Befund der Shellstudie,
um ihn anschließend etwas umzuschreiben: "Für Mädchen steht
vor allem die Nützlichkeit und das Ergebnis im Vordergrund. Jungen
hingegen sehen den Computer dagegen oft selbst als Spielzeug
und interessieren sich für Computersprachen und Zahlenreihen." Achtung,
wir transformieren: "Mädchen wollen vor allem einen Computer
lediglich benutzen. Jungen hingegen wollen den Computer darüber hinaus erkunden,
ihn noch einmal selbst erfinden."
Im Spielen des Kindes und insbesondere im Spielen der Jungen begegnet
uns der Kreativitätsprozeß höchst persönlich. Warum aber „insbesondere
im Spielen der Jungen“? Der Grund hängt (unter anderem) mit der oft
zitierten früheren Reife der Mädchen zusammen. Zumeist wird diese
auf ihre biologischen Ausdrucksformen hin berücksichtigt, auf die
frühere körperliche Stabilisierung etwa. Psychologisch bedeutet sie
aber auch einen früheren Abschluß der Wirklichkeit, eine frühere
Vervollständigung jener existentiellen Basis, auf welcher sich das
Individuum fortan einrichtet, ohne sie mehr zu errichten; auf welcher
es sich befindet, sie aber nicht mehr erfindet. Jungen finden zur
etablierten Wirklichkeit viel später, denn sie haben viel länger
die Not und das Vergnügen, sie spielerisch fortzuführen.
Man denke hier an die Intensität, mit welcher sich junge Männer
technischen Apparaturen hingeben, während gleichaltrige Frauen mit
'diesen Dingen' nur so viel zu tun haben, wie es eben für "die
Nützlichkeit und das Ergebnis" erforderlich ist - Musik hören
oder Emails an Freundinnen schicken - ansonsten aber sich fast ausschließlich
mit der äußeren Selbstgestaltung (Schminke, Kleider) und dem emotionalen
Inneren (Gefühle, Beziehungspläne, Unterhaltung) beschäftigen.
Zudem ist das Interesse der Jungen und Männer an Technik eine mentales.
Was Jungen daran fasziniert ist, daß in diesen Geräten konsequente
Gedankenfolgen stecken. Diese letzteren interessieren junge Männer
auch ohne die Stütze der technischen Apparaturen, in welchen sie
enthalten sind. Dann sind es reine gedankliche Spekulationen. Es
dauert nicht lange innerhalb einer Gesellschaft von jungen Männern,
um von der Oberfläche des alltäglichen Gesprächs in jene Bereiche
der Vision überzugehen, in welchen das Sinnieren über Elektrische
Felder, Sonnengeburten, Schwarze Löcher oder die Modalitäten der
Quantenwahrscheinlichkeit das Gespräch für viele Stunden beherrschen.
Unzählige Foren im Internet, die an solchen Bedürfnissen ausgerichtet
sind, fungieren als nahezu ausschließliche Männerforen.
Es sei noch nebenbei gesagt, daß in diesem Zusammenhang auch einer
der Faktoren für die größere Gefahr erkannt werden sollte, der Jungen
unterliegen, sich dem Drogenkonsum anzunähern. Es hat viel mit der
Neugierde auf das eigene denkende Wesen zu tun, Neugierde auf die
Räume des Bewußtseins selbst.
Männer führen dieses jungenhafte Element im Erwachsenenleben weiter,
soweit die Anforderungen und Pflichten, die ihnen in den meisten
Systemen auferlegt werden, seine Fortführung erlauben. (Wir wagen
an dieser Stelle sogar zu behaupten, daß nahezu alle Krisen im Männerleben
mit einem Ablassen von solcher Art Kindesgemüt im Manne zusammenhängen!)
Vom "Kind im Manne" ist oft die Rede: "Das Kind im
Manne, das Kind im Künstler, ...kann man nicht das großartig Kindliche,
jenes Ewig-Knabenhafte auch wiederfinden in der jahrelangen Selbstkasteiung
des mächtigen Künstlers durch philosophische Spekulation...?" sinniert
Thomas Mann über ein berühmtes Dichter-Genie in "Versuch über
Schiller" im Jahr 1955.
Mit "Männer brauchen das" warb ein Magazin für populäre
Wissenschaft und Technik und nannte sich mutig noch im Jahr '98 ein "Männermagazin"! "Männer
wollen immer alles besser wissen" hieß es verflachend im Text. "Kein
Wunder also, daß P.M. mit 1,2 Millionen Lesern... eines der großen
Männermagazine in Deutschland ist." Und wie zur Entschuldigung
seiner politisch unkorrekten Behauptung zeigte sich das Werbeteam
bemüßigt, ein abmilderndes Maß an Ironie in der Anzeige zu integrieren: "Ich
liebe einen Klugscheißer", verkündet die im Bild erscheinende
Blondine zugleich scherzend wie herabwürdigend. Das mußte wohl sein,
damit sich Emanzen nicht beim Werberat gleich verabreden - oder hatten
sie es damals getan?
Entschuldigen müssen sich aber viele: Entschuldigen muß sich die
Lektorenjurie, die zuwenig weibliche Lyrik auszeichnet, der verdiente
Kritiker, der in seinem Kanon zuwenig Autorinnen empfiehlt und renommierte
Zeitungen, die zuwenig Sachbücher von Frauen durch Frauen rezensieren.
Zum letzteren Thema scheute sich einmal die Frankfurter Rundschau
nicht davor, einen Artikel sogar zu bringen, dessen sachliche Bezogenheit
eher Grund gäbe, das zu unterlassen: In dem Artikel illustriert die
Autorin (unter dem Kürzel sez) die Unterrepräsentierung der Frauen
in diesem Bereich mit einer Frau "auf der Bahnhofstoilette,
wo ein Mann im Anzug in das Handwaschbecken pinkelt" und die
Dame daher nicht an das Waschbecken kommt.4 Peinlich sicher
nicht für den pinkelnden Mann.
Beachten wir den Sachverstand, der sich hier seines Ausschlusses
aus der Sachbuchliteratur beschwert: In jedem Bahnhof gibt es bekanntlich
getrennte Herren- und Damentoiletten, und welcher Mann - außer ein
Exhibitionist - würde ein Waschbecken (dazu noch in der Gefahr eines
plötzlichen Damenerscheinens) einem Pissoir oder auch einem Klosett
zu solchem Zweck vorziehen? Die Autorin bezichtigt des weiteren unerschrocken
die prominentesten deutschsprachigen Zeitungsverlage, "nach
Art der englischen Clubs in früheren Jahrhunderten" vorzugehen.
Warum fragt sich denn diese sich offensichtlich in eine Männertoilette
verirrt habende Dame nicht eher, woran es liegt, daß Frauen nicht
ihre eigenen Bahnhofstoiletten bauen? Warum ihre 'mutigen', 'besseren',
'starken', edlen und was alles Geschlechtsgenossinnen, die in der
Printmedienwelt mit einem Übermaß an Frauentiteln absolut überrepräsentiert
sind und die in ihren Veranstaltungen mit Stolz verkünden: "Wir kommen
ohne Männer aus, in unserem Verlag arbeitet kein einziger Mann!"
(so in der Medienfrauentagung 2002 die Vertreterin eines Wohnmagazins),
kaum ein ernst zu nehmendes sachliches Medium herzustellen in der
Lage sind, das sich der weiblichen "kühnen Kraft der Welterklärung" widmet?
Weil das nach Einsatz und Verantwortung riecht und beides nur gut
ist, wenn es von Männern getragen wird, frau aber nur leichtfertig
daher meckern dürfen möchte und sich beschweren, daß Mann sie nicht
umsonst mitnimmt?