DER MASKULIST
24.08.2008

Männer, Frauen, Strategien

E

ine häufige Formel, mit der feministische Ideologen das komplementäre Wesen der Geschlechter abtun, liegt in der Behauptung, daß die Unterschiede innerhalb der Geschlechter, also die Unterschiede innerhalb der Gruppe Männer und jene innerhalb der Gruppe Frauen beträchtlicher seien als die Unterschiede, die zwischen Männern und Frauen bestehen.

Dieser Beitrag enthält Gedankengänge, die bewußt und gern individuell gehaltenen Folgerungen gehorchen. Eine Art vergnügliches Selbstgespräch, das manchem Leser langatmig erscheinen mag oder in seiner Strukturierung erst allmählich ersichtlich. Einige der enthaltenen Ansätze sind zudem noch aufbaufähig. Es lese also das Ganze, wer will. Das Wort "Wesen" wird übrigens hier nicht in Unkenntnis, sondern in Opposition zu jenen meist positivistischen Auffassungen gebraucht, wonach es kein Wesen der Dinge gibt.

Wie irrelevant dieser Einwand ist, zeigt sich bei der Frage: Warum gruppieren wir denn Männer und Frauen nach eben diesen zwei Gruppenmerkmalen, wenn es beträchtlichere Unterschiede und somit beträchtlichere Ordnungskriterien als Mann und Frau gibt? Müßten wir nicht anhand der Gewichtung jener beträchtlicheren Unterschiede auch die Menschheit eher nach ihnen unterteilen als nach Mann und Frau? Und müßten sich nicht gerade die Leugner des Geschlechts aufgerufen sehen, diese andere Klassifizierung im Disput einzuführen, um dadurch uns, ihren Widerrednern, zu demonstrieren, daß man Essentielleres, Bestimmenderes und Bezeichnenderes als Mann und Frau gebrauchen kann, um den Menschen in seiner physischen und sozialen Realität einzuordnen? Ist es nicht unglaubwürdig, daß dieselben Genderisten, die behaupten, Geschlecht sei eine zu tilgende Illusion, zugleich angeben, in ihren politischen Programmen die Situation beider Geschlechter berücksichtigen zu wollen? Warum nicht gleich die Situation jener anderen Gruppen, die zum Vorschein träten, nachdem man das "gesellschaftliche Konstrukt" Geschlecht beiseite geschoben hätte, um damit der gesellschaftlichen Realität gerechter zu werden?

Wenn schließlich die Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer sein sollten als jene zwischen ihnen, müßten sie nicht umsomehr als kulturbedingt betrachtet werden und durch affirmative Maßnahmen auszugleichen sein?

Doch wäre solche Konsequenz wenig zuträglich für "Gender Mainstreaming" (so der anrüchige Name des politischen Programms des Feminismus in seinen späteren Mutationen). Denn Gender Mainstreaming ist das Instrument eines von den ideologischen Haltern der "Frauenbewegung" ausgehenden politischen Ansatzes, der Frauengleichstellung zum kulturethischen Gesamtprojekt mit evolutionär-anthropologischem Charakter erhebt. Um Frauen aber derart aufzuzüchten, braucht man sie, und das nicht als "Konstrukte", sondern schlicht in ihrer ganzen biologischen Leibhaftigkeit!

Etwas schwierig das Ganze, weswegen auch Menschen, die sich erstmals nach Gender Mainstreaming erkunden, ihre Verdutztheit mit Worten ausdrücken, wie die eines Lesers, der einst dem Maskulisten schrieb: "Auf der Seite des Ministeriums der Bundesregierung, wo ich mich über dieses Konzept informieren wollte, hatte ich den Eindruck auf den Seiten einer esoterischen Sekte gelandet zu sein, die einem mit äußerst seichten Worten und bizarren, unlogischen 'Thesen' ihr neues Erleuchtungskonzept vorstellt, und war ein bisschen erschrocken, dass so ein 'Programm'... - ganz real - von der Bundesregierung abgesegnet wird."

Nur ist da ein ganz bestimmtes Wort auf den Seiten sowohl des "Ministeriums der Bundesregierung" wie ferner auf nahezu allen Seiten, auf welchen "Gender Mainstreaming" vorkommt, das auffallend häufig im Verbund auftritt. Wer mit dem Wortfilter einer Suchmaschine die Suche nach "Gender Mainstreaming" plus jenem gemeinten Wort startet, wird es leicht als einen ziemlich unverzichtbaren Bestandteil der genderistischen Programmatik ausmachen können. Es ist das Wort "Strategie". Gender Mainstreaming wird von seinen Betreibern als eine Strategie verstanden und als eine solche eingesetzt.

Ein erster assoziativer Spaziergang mit diesem Begriff führte uns leicht zu dem Begriff "Kriegsführung" (Stratege = Feldherr, General), was ja im Vokabular des Feministen anheimelnd klingen mag – man denke nur an seinen "Geschlechterkrieg". Gleichwohl ist auf den offiziellen Seiten der Gendermainstreamer jedoch nirgends von Krieg die Rede - ganz im Gegenteil: Dort klingt alles eher nach Übergang zu einer friedlichen Phase der Geschlechterpolitik, in welcher, davon wird allenthalben schwadroniert, die Interessen und Anliegen sehr wohl auch der Männer in den Blickpunkt der Politik treten sollten.

Fragt man sich allerdings, welche Projekte oder auch nur Ansätze davon infolge einer Wahrnehmung männlicher Interessen in den Jahren des Gender Mainstreaming gestartet wurden, glaubt man, das Wort "Blickpunkt" mit "Fadenkreuz" ersetzen zu müssen: Zu der Kaltschnäuzigkeit, mit der Politiker beider Geschlechter männlichen Benachteiligungen begegnen, gesellte sich als Aktion höchstens noch jenes zweifelhafte Bildungsprojekt namens "Neue Wege für Jungs", in welchem ministeriell geförderte psychologische Jungenschädiger das Selbstbewußtsein der Jungen mit ideologischen Kopftritten in der Hoffung malträtieren, es einmal so geschädigt zu haben, daß Mädchen unbehindert das Luft- und Raumfahrtzentrum übernehmen können. Ob solches mit "Strategie" gemeint ist?

Jedenfalls enthält "Strategie" auch "Überlistung", oder weist darauf hin, daß der Weg vom Ansatz zum Ziel kein geradliniger und kein gänzlich offengelegter sein würde. Auch kein sehr kurzer – eine Strategie beruht auf langfristigem Planen. Strategie setzt zudem einen widerstrebenden, gegnerischen Faktor voraus, der zur Abwicklung des strategischen Konzepts übergangen, ausgeschaltet oder umgewandelt werden sollte. Offensichtlich dürfte auch sein, daß die "Gender Mainstreaming-Strategie" mit jenen Unterschieden zusammenhängen müßte, die wir hier anfangs streiften: die angeblich kleineren Unterschiede zwischen den Geschlechtern und die vorgeblich größeren innerhalb derselben.

Liegt vielleicht hier etwas im Argen? Waren wir bereits dabei, ein Gutteil gendermainstreamingscher Strategie zu durchkreuzen, als wir entgegneten, daß, wenn es tatsächlich beträchtlichere Unterschiede als das Geschlecht gäbe, wir gefälligst auch die Sprache nach ihnen zu richten hätten?

Von der Unterschiedlichkeit der Unterschiede

Es liegt auf der Hand, warum manche Unterschiede keine Bewegung entfachen (oder auch konstruieren lassen) können, andere aber doch: Erstere sind kleiner! Dies auch dann, wenn sie "größer" sind. Größer nämlich können sie zwar gemäß der eigenen Variationsspanne sein, kleiner dennoch, hinsichtlich ihrer Bedeutung. Den Bewanderten erinnert das leicht an die aristotelische Kategorienlehre, wonach eine die Substanz (das Wesen) betreffende Eigenschaft nicht gleichen Rang in der Bedeutungsskala erhält wie eine prädikativen (also Zustand oder Qualität betreffenden) Charakters. Ein stereotypes Beispiel der Verdeutlichung in den einschlägigen Abhandlungen lautet: "Sokrates ist ein Mensch" gegenüber "Sokrates ist bleich". Da Menschsein gravierender (wesensbezeichnender) als Bleichsein ist, würde niemand auf die Idee kommen, bleiche Vertreter irgendeiner außermenschlichen Art in größere sokratische Nähe zu bringen als etwa rotbackige Philosophiestudenten. Auch wenn die Rotbackigkeit der letzteren womöglich einen größeren Unterschied zu des Philosophen Blässe aufweisen sollte als es etwa Meeresquallen täten.

Ohne nun die Kategorienlehre Aristoteles' weiter bemühen zu wollen, lassen wir als erkannt gelten, daß Eigenschaften, die zwischen den Mitgliedern diverser Vergleichsgruppen beliebig große Unterschiede ausmachen können, nicht unbedingt Entscheidendes über den Unterschieds- bzw. Ähnlichkeitsgrad zwischen den Vergleichsgruppen selbst aussagen. "Größere" Unterschiede erzeugen nicht zwangsläufig auch gewichtigere Differenzen, so daß es wenig nützt, wenn Feministen größere Unterschiede innerhalb der Geschlechter gebrauchen, um damit den Unterschied zwischen den Geschlechtern zu neutralisieren. Und dies mißlingt, weil der Unterschied zwischen den Geschlechtern – so setzen wir zunächst voraus – wesenhafter als etwaige Unterschiede innerhalb derselben ist.

Soll dies eine Vermutung bleiben, oder haben wir einen Weg, das Wesenhafte, und so auch das Wesen selbst, näher zu beleuchten?

Ontologie des Typischen

Es gibt in der eingehenden Betrachtung der Dinge, die man mit dem heute beinahe abwertenden Wort Philosophie umschreibt, einen gewissen Perspektivwechsel, der das eine Mal vom Einzelnen ausgeht und daraus Verallgemeinerung folgert, umgekehrt jedoch das Einzelne vom Allgemeinen her ableitet. Was sich somit wie ein einfaches Hin und Her anhört, ist nicht ganz ohne Überraschungen.

Wo solche Betrachtung abstrakte Gegenstände angeht (Begriffe), spricht man im ersten Fall von Induktion und im zweiten von Deduktion. Bei konkreten Entitäten spricht man eher vom Ausgangspunkt des Individuums und von dem der Spezies oder Art, also von seiner Verallgemeinerung. So sind auf dem induktiven Weg auch die Begriffe entstanden, indem man alle sich häufig wiederholenden Merkmale zu einer gemeinsamen Art oder Kategorie zusammenfaßte, die schließlich begrifflich dargestellt (benannt) wurde. Auch "Männer" und "Frauen" klassifizierte man deswegen so, weil sie sich anhand vorhandener Merkmale (zunächst einmal äußerer Natur) am besten so klassifizieren ließen.

Doch dieser induktiven Führung haftet einige Unschärfe an, die auch in der Geistesgeschichte rege Auseinandersetzung hinsichtlich ihres Erkenntniswertes verursacht hat. Dieser Disput soll uns hier nicht beschäftigen. Was für uns in bezug auf Geschlechterfragen interessant erscheint, ist eine deutlich wahrnehmbare Divergenz zwischen den individuellen Vertretern einer Gruppe und dem Wesen derselben, also der maßgebenden Idee, nach welcher die Gruppe (als die Verallgemeinerung der betreffenden Individuen) sprachlich identifiziert, benannt wird.

Während jeder einzelne Kieselstein seine gesamte Art repräsentiert und als ihr plakativer Vertreter im Lexikonartikel über "Kies" nachgebildet sein kann, sind unter den Myriaden seinesgleichen so unterschiedliche Formen, Farben und Beschaffenheiten vorhanden, daß man an einen verbindlichen Begriff für Kieselstein Zweifel hegen könnte, was man jedoch nicht tut. Viel gravierender dürften Abweichungen innerhalb komplexerer Ergebnisse der Evolution sein. Bei Wesen mit geistigen, seelischen und charakterlichen Eigenschaften wie den Menschen, dürfte das Spektrum der möglichen Andersartigkeiten so ausgedehnt sein, daß die Einteilung in lediglich zwei Geschlechter wie eine zu einfache Devise erscheinen mag, eine für den modernistischen Elan der Soziologisten als überholt erscheinende.

Das Volumen an Variationen von Ähnlichkeiten und Unterschieden mag so den Blick für das Verbindliche trüben. Denn (das Beispiel mit den Kieselsteinen ließ uns das erkennen): Einerseits fließen nicht alle Eigenschaften, die Individuen einer Art aufweisen, auch unweigerlich in die maßgebliche, die Art bezeichnende Idee (Wesen) ein. Nicht alle Einzelwesen sind gleichermaßen arttypisch. Offensichtlich setzt in den Individuen die Naturgeschichte nicht bloß die Art fort, sondern gibt sich - und zwar ausschließlich in ihnen - betont experimentierfreudig. Umgekehrt spiegeln sich ebensowenig die arttypischen Eigenschaften einer Gattung auf jeden einzelnen Vertreter derselben wider. Nicht ein jedes Individuum ist auch gleichermaßen ein charakteristischer Repräsentant seiner angestammten Gruppe.

Beachten wir dies am Beispiel des Menschen selbst: Auf die Frage nach seinem Wesen gilt die Antwort, daß der Mensch nicht bloß eine mit Bewußtsein begabte Existenz führt, sondern daß er überdies auch eine sich selbst in dieser Bewußtheit reflektierende Identität darstellt: ein selbstbewußtes Ich. Diese Aussage über ihn gilt zwar unabdingbar. Doch wird eine wachende Selbstbewußtheit von den verschiedenen Menschen so unterschiedlich aufrecht erhalten, daß man demnach Menschen durchaus unterschiedlichen Evolutionsepochen zuordnen könnte.

Zwischen der intuitiv gesegneten und kulturhistorisch geschulten Begabung, die intensiv danach strebt, teure Erkenntnisse aus den weltweiten Bewußtwerdungsprozessen in das eigene Erleben zu implementieren und dem leichtlebigen Sinnenmenschen, der sein ganzes Sein in der trüben Getriebenheit seiner Empfindungsnatur widmet, liegen (mag auch einem diese Differenzierung als "elitär" erscheinen) Unterschiede, deren plötzliche Aufhebung für letzteren einem Schock oder aber einer Erleuchtung gleichkäme. Dennoch gehört auch er derselben Menschheit an, jener Gattung, deren Wesen eben die Selbstbewußtheit ist bzw. sein sollte.

Diese Betrachtung stellt bei der Suche nach dem Wesen die Gruppe, also das Allgemeine, in den Mittelpunkt. Sie zeigt: Ganz gleich wie erheblich Individuen sich bei der Entfaltung eines ihnen zugesprochenen Wesenhaften beteiligen, drückt sich dieses letztendlich in dem aus, was die Gruppe als Ganzes erzeugt oder zeitigt. In diesem Sinn kaufen sich Männer Werkzeuge und Zeitschriften für Technik, Frauen dagegen Schuhe und eben Frauenmagazine. Daß sich einzelne Frauen irgendwo in diesem Universum auch im Straßenbau verdingen, oder daß einige männliche Sonderlinge vielleicht Frauenpresse vorziehen, tut dem konstanten Sachverhalt - Männer und Frauen verhalten und betätigen sich anders - keinen Abbruch; ebenso wenig wie die vermeintlich "größeren" Unterschiede, die sonst innerhalb dieser beiden Gruppen existieren sollen.

Im Verhalten und Wirken des Kollektivs gelangen die arttypischen Muster wie fest eingebrannt zum Vorschein und zeigen sich als Duktus des der Spezies wesenhaft Immanenten. Im Individuum präsentieren sich dieselben Muster seltener vollständig, sondern zumeist nur teilweise, manch einmal gar nicht. Wir nennen eine Person, die das konkret Arttypische personifiziert, vielleicht "urtümlich", "originär" oder einen "Typus".

Diese dramaturgische Strukturierung der Verhaltensmodi läßt erkennen, welche Destruktivität gesellschaftliche Maßnahmen bewirken, die dem Individuum das Arttypische oder umgekehrt der Gruppe das Verhalten eines als ideal empfundenen individuellen Prototyps (Ikone) aufzwingen wollen. In beiden Fällen haben wir es mit einer Gesinnung zu tun, die ein nivellierendes, totalitär ausgerichtetes Anliegen verfolgt. Es sind die beiden Aspekte des Kollektivismus, der seine Ziele nur auf Basis einer grundlegenden "Gleichheit aller" florieren sieht. Sicher erkennen wir hier das Feminismussyndrom mit seinen Quotenregelungen.

Die "tatsächliche Gleichberechtigung" als Nivellierung und Verfremdung

Allerdings resultiert aus alledem auch für uns ein Dilemma: Wie ist es nun letztendlich möglich, eine Kultur zu verwirklichen, in welcher der Förderung aller individuellen Besonderheiten Rechnung getragen werden kann, ohne jedoch die Ausdrucks- und Produktivkraft des Kollektiv-Wesenhaften zu gefährden oder zu nivellieren?

Die Gefährdung, die in der eben gestellten Frage artikuliert wurde, wäre inflationärer Art. Sie bestünde darin, einer jeden individuellen Eigenheit (je nach Bedarf einer positiven oder einer negativen) Gruppenrelevanz aufzubürden. Der Anblick einer großen Frau in Begleitung eines kleineren Mannes gereichte dann zu dem Schluß, Frauen seien größer als Männer. An sich eine absolut verfehlte Sicht. Wie fataler es aber noch wäre, würde diese verleitete Induktion als Ansatzpunkt für politische Maßnahmen angesehen werden!

Denn die große Frau hat ja allemal das Recht so groß zu sein, wie sie eben ist. Schlimmer noch: auch kleinere Frauen haben dasselbe Recht, welches aber in den Biographien dieser Individuen aus begreiflichen Gründen keinen Einfluß nehmen konnte. So sind diese alle zwar "gleichberechtigt", nur ist es "bis zu ihrer tatsächlichen Gleichberechtigung", bis zum Zeitpunkt also, an dem eine politisch erwünschte Anzahl von Frauen größer als Männer wären, "noch ein langer langer Weg!" – Erkennen Sie die Melodie?

Nun gibt es zum Glück noch kein politisches Programm, das es explizit auf die Begradigung anatomischer Differenzen von Männern und Frauen abgesehen hätte. Der antike Riese Prokrustes verdingt sich heute mit seinem berüchtigten Bett (auf welchem er die Menschheit dadurch zur Gleichheit er-zieht, daß es die einen darauf nach demselben Maß amputiert, nach welchem er die anderen gewaltsam streckt), auf sublimerem Gebiet, etwa im Bildungsbetrieb. Lassen Sie uns, liebe Leser, diesem sagenhaften Gleichsteller in die Gebiete seiner höheren Weihen folgen.

Während all der Jahre, in denen Prokrustes' MetzgerInnen in der Bildungspolitik wüteten, konnte sich ein untrügliches Bild jener Nivellierung herstellen, die wir als Ergebnis falscher induktiver Schlüsse heraufkommen sahen. Doch nicht einmal von induktiven Schlüssen sollte eigentlich hier die Rede sein. Am besten von gar keinen "Schlüssen". Eher wäre es gerecht, von einem induktiv/deduktiv voranschreitenden Verwüstungswillen zu sprechen, der Mädchen alternierend als Gruppe oder Individuen stets so ins Visier nimmt, daß eine jede dieser beiden Ansichten Bevorzugungsmaßnahmen für die jeweils andere einfordert.

Das geht ungefähr so: Mädchen lesen besser, weil sie als einzige etwas zu lesen bekommen, gemeint ist etwas, das sie lesen wollen. Da nun Mädchen besser lesen, sind Mädchen bessere Schüler. Da sie so allgemein bessere Schüler sind, bekommen sie auch im Einzelnen bessere Noten – egal wo. Auch werden ihnen höhere Bildungsstufen empfohlen usw.1 Was mittlerweile daraus geworden ist, läßt sich in die Formel bringen: Verfall der Herausbildung von Fachkompetenzen bei proportional dazu wachsenden Frauenbildungserfolgen.

Und während dabei dubiose Zukunftswissenschaftler den Aufgang des Weibes feiern, anstatt den Zerfall von Potentialen zu beklagen, erlauben wir uns einen Schluß, diesmal einen richtigen, zu ziehen, dazu einen, der sich als Ergebnis der hiesigen Überlegungen und zugleich als Antwort auf das oben formulierte Dilemma zeigen lassen kann: Gleiche Rechte mögen bestenfalls als Optionen rechtens sein. Sobald begleitende Maßnahmen staatlicher Prägung die Verwirklichung dieser Rechte im Sinne jener fragwürdigen Forderung nach "tatsächlicher Gleichberechtigung" für eine sozialtechnokratisch ausgemachte Gruppe erwirken sollen, geschieht gesellschaftliche Pervertierung, die das betroffene System zweckentfremdet.

Es dürfte sogar nach diesen Betrachtungen auch die Frage als berechtigt erscheinen, ob denn selbst die optionale formale Gleichberechtigung, die als Heilige Kuh moderner Rechtsstaatlichkeit das eigene üppige Unwesen zum Abgrasen der verschiedenen gesellschaftlichen Ressorts durch alle politischen Korridore treibt, in jedem Falle legitim wäre. Schließlich sind ja Menschen unterschiedlich. Sowohl zwischen den Geschlechtern als auch innerhalb derselben. Nur eben daß diese letzteren Unterschiede größer sein sollen, dennoch irgendwie in Ordnung und politisch korrekt. Warum eigentlich?

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Quellen, Anmerkungen:

1. Gemeint ist die Studie des Bildungsministeriums "Bildungs(Miss)erfolge von Jungen und Berufswahlverhalten bei Jungen und männlichen Jugendlichen", aus dem Jahr 2007