Gedanken zur Geschlechterdifferenz
Männer, Frauen, Strategien
E
ine häufige Formel, mit der feministische Ideologen das komplementäre Wesen der Geschlechter abtun, liegt in der Behauptung, daß die Unterschiede innerhalb der Geschlechter, also die Unterschiede innerhalb der Gruppe Männer und jene innerhalb der Gruppe Frauen beträchtlicher seien als die Unterschiede, die zwischen Männern und Frauen bestehen.
| Dieser Beitrag enthält Gedankengänge, die bewußt und gern individuell gehaltenen Folgerungen gehorchen. Eine Art vergnügliches Selbstgespräch, das manchem Leser langatmig erscheinen mag oder in seiner Strukturierung erst allmählich ersichtlich. Einige der enthaltenen Ansätze sind zudem noch aufbaufähig. Es lese also das Ganze, wer will. Das Wort "Wesen" wird übrigens hier nicht in Unkenntnis, sondern in Opposition zu jenen meist positivistischen Auffassungen gebraucht, wonach es kein Wesen der Dinge gibt. |
Wie irrelevant dieser Einwand ist, zeigt sich bei der Frage: Warum gruppieren wir denn Männer und Frauen nach eben diesen zwei Gruppenmerkmalen, wenn es beträchtlichere Unterschiede und somit beträchtlichere Ordnungskriterien als Mann und Frau gibt? Müßten wir nicht anhand der Gewichtung jener beträchtlicheren Unterschiede auch die Menschheit eher nach ihnen unterteilen als nach Mann und Frau? Und müßten sich nicht gerade die Leugner des Geschlechts aufgerufen sehen, diese andere Klassifizierung im Disput einzuführen, um dadurch uns, ihren Widerrednern, zu demonstrieren, daß man Essentielleres, Bestimmenderes und Bezeichnenderes als Mann und Frau gebrauchen kann, um den Menschen in seiner physischen und sozialen Realität einzuordnen? Ist es nicht unglaubwürdig, daß dieselben Genderisten, die behaupten, Geschlecht sei eine zu tilgende Illusion, zugleich angeben, in ihren politischen Programmen die Situation beider Geschlechter berücksichtigen zu wollen? Warum nicht gleich die Situation jener anderen Gruppen, die zum Vorschein träten, nachdem man das "gesellschaftliche Konstrukt" Geschlecht beiseite geschoben hätte, um damit der gesellschaftlichen Realität gerechter zu werden?
Wenn schließlich die Unterschiede innerhalb der Geschlechter größer sein sollten als jene zwischen ihnen, müßten sie nicht umsomehr als kulturbedingt betrachtet werden und durch affirmative Maßnahmen auszugleichen sein?
Doch wäre solche Konsequenz wenig zuträglich für "Gender Mainstreaming" (so der anrüchige Name des politischen Programms des Feminismus in seinen späteren Mutationen). Denn Gender Mainstreaming ist das Instrument eines von den ideologischen Haltern der "Frauenbewegung" ausgehenden politischen Ansatzes, der Frauengleichstellung zum kulturethischen Gesamtprojekt mit evolutionär-anthropologischem Charakter erhebt. Um Frauen aber derart aufzuzüchten, braucht man sie, und das nicht als "Konstrukte", sondern schlicht in ihrer ganzen biologischen Leibhaftigkeit!
Etwas schwierig das Ganze, weswegen auch Menschen, die sich erstmals nach Gender Mainstreaming erkunden, ihre Verdutztheit mit Worten ausdrücken, wie die eines Lesers, der einst dem Maskulisten schrieb: "Auf der Seite des Ministeriums der Bundesregierung, wo ich mich über dieses Konzept informieren wollte, hatte ich den Eindruck auf den Seiten einer esoterischen Sekte gelandet zu sein, die einem mit äußerst seichten Worten und bizarren, unlogischen 'Thesen' ihr neues Erleuchtungskonzept vorstellt, und war ein bisschen erschrocken, dass so ein 'Programm'... - ganz real - von der Bundesregierung abgesegnet wird."
Nur ist da ein ganz bestimmtes Wort auf den Seiten sowohl des "Ministeriums der Bundesregierung" wie ferner auf nahezu allen Seiten, auf welchen "Gender Mainstreaming" vorkommt, das auffallend häufig im Verbund auftritt. Wer mit dem Wortfilter einer Suchmaschine die Suche nach "Gender Mainstreaming" plus jenem gemeinten Wort startet, wird es leicht als einen ziemlich unverzichtbaren Bestandteil der genderistischen Programmatik ausmachen können. Es ist das Wort "Strategie". Gender Mainstreaming wird von seinen Betreibern als eine Strategie verstanden und als eine solche eingesetzt.


