Die ARD in Zeiten des Maskulismus
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rgendwann im vergangenen April hörte ich kurz vor den Radionachrichten einen Werbetrailer, an dessen Ende Männer als "herumirrende Gockel" bezeichnet wurden. Er sollte Appetit auf eine neue "frauenaffine" Serie der ARD machen. Titel: "Eine für alle – Frauen können's besser". Ich mußte dabei lachen, während ich spontan sagte: "Oh, es gibt Ärger!" Und der Frohsinn steigerte, je klarer mir meine Reaktion wurde: Lachen über eine männerfeindliche Werbesequenz der ARD?
| "Eine ähnlich lautende Kritik wie Ihre hat uns bislang nicht erreicht." Die ARD-Zuschauer-redaktion im Mai 1999 auf Kritik des 'Maskulisten' an ihrem männerfeindlichen Programm. |
Zehn Jahre war es her, auch diese Feststellung überraschte mich: Damals – es begann auch im Monat April - konnte ich nicht über dergleichen lachen. Verdruß und Frust, den ich geradeso in Ironie zu transformieren vermochte, flammten oft auf während einer wochenandauernden Aktion, die hier als "Korrespondenz mit der ARD" gespeichert ist.1 Ich protestierte in einem längeren Briefwechsel gegen die männerverachtende Schleimigkeit, mit der der öffentlichrechtliche Sender in einer Serie über "Lauter tolle Frauen" die Geschlechter mit Titeln wie "Nur ein toter Mann ist ein guter Mann" spaltete, um sich kriechenden Einlaß in den Allerwertesten minderbemittelter Weiblichkeit zu sichern.
Zehn Jahre waren also seither vergangen, in denen die ARD nichts gelernt hatte, was mir aber jetzt (und das war der Punkt) ihr Problem zu sein schien und nicht meines. Denn ich belächelte nun das Ganze, wissend, daß die Initiatoren der Werbekampagne, die, wie es sich herausstellte, auch weitere Nettigkeiten für Männer auf Lager hatten, nicht mit allem würden lachen können, was ihnen ihre kurzsichtige Anbiederei noch bescheren könnte. Anders als vor zehn Jahren, als die ARD meine Kritik außer mit einigen flachen Floskeln auch mit der Begründung abwehrte: "Eine ähnlich lautende Kritik wie Ihre hat uns bislang nicht erreicht."
Denn das Erste Deutsche Fernsehen erreichte jetzt Kritik; so viel davon, daß sie schon mal von anderen Medien wahrgenommen wurde. Zumal auch der Deutsche Werberat mit einer Beschwerde gegen die sexistische Werbung involviert wurde, die Männer außer mit "herumirrende Gockel" auch mit "Versager" und "lebende Verkehrshindernisse" betitelte. In der Vorausschau zu einem der Abende punktete außerdem der Satz: "Als sie alle [gemeint sind die Frauen] feststellen, dass Männer eigentlich Schweine sind, solidarisieren sie sich…" Luzid kommentierte diesen Satz im ARD-Online-Forum einer der sich dort eingefundenen Männer mit der Bemerkung: "'SIND' - also kein Konjunktiv, wie es bei indirekter Rede nötig wäre, sondern Indikativ, also eine 'Tatsachenfeststellung'".
Schön, zu erwähnen, daß als dieser Kommentar fiel, der kommentierte Satz bereits aus dem Text des Senders entfernt und durch den folgenden ersetzt worden war: "Als sie ihren Frust über die Männerwelt entdecken, solidarisieren sie sich…" Ein Armutszeugnis indessen für Herrn Herres, da ja hierbei die Leichtfertigkeit aufflog, nach der man beim Sender dieses Herrn von sich aus eher Männer Schweine nennt als Frauen frustriert.
Apropos Herres: das ist der zuständige Programmdirektor. Volker Herres wurde im November 2007 von den ARD-Intendanten zum Programmdirektor der Anstalten berufen und trat das Amt im November des nachfolgenden Jahres an. Zwei Monate vor seiner Berufung hatte Herres als damaliger Programmdirektor des Norddeutschen Rundfunks die im Jahr 2003 zur beliebtesten Moderatorin Deutschlands ermittelte Tagesschausprecherin Eva Herman entlassen. Eva Herman hatte sich bereits im Jahr 2006 ihren Vorgesetzten gegenüber als problematisch erwiesen, als sie ihr literarisches Eintreten gegen den Feminismus in Form der Publikation "Das Eva-Prinzip" vorgestellt hatte. Im August desselben Jahres wurde sie als Sprecherin der Tagesschau beurlaubt.


