DER MASKULIST
15.10.2007

S

tellen wir uns vor, es ist Geschlechterkrieg und alle gehen hin. Sogar die Männer! Wobei dies im Grunde einer Befriedungsmaßnahme gliche, denn, zögen die Männer geschlossen in den sogenannten Geschlechterkrieg, wäre dieser auch prompt zu Ende.

Und gar nicht unentschieden! Zu Ende ginge es auch mit all jenen Ikonen und Gespenstern des Feminismus, der seit Dekaden jedes erdenkliche Segment der Gegenwart wie ein verwilderter Köter besudelte, der, räudig durch die Gemächer seines dementen Besitzers streunend, keinen Winkel des Anwesens vor dem Geruch verschonte, mit dem er sie alle als sein eigen markierte: das Recht, die Bildung und die Wissenschaft, die Familie, die Moral, die Politik.

Feministen und Feministinnen wußten es schon immer. Sie wußten, daß sich ihr Entwurf nur deshalb entfaltete, weil sich der Mann nicht dagegen rührte; sie wußten, daß ihr Geschlechterkrieg nur bestand, weil er nicht wirklich einer war. Denn der Mann schwieg nicht nur all die Zeit, sondern, eingeengt im politisch korrekten Gehege, mit dem die agilen Welterneuerer und medialen Meinungspfaffen den Geist der Zeit umzäunten, sprach er sogar gegen sich, dachte so und handelte, lästerte über sich, bezichtigte und belästigte sich selbst, parodierte sich selbst abfällig und überzog sich mit seltsamem Selbsthaß.

Doch die Zeiten ändern sich. Auch das wußten Feministen und Feministinnen seit eh, und trachteten in typisch arglistigem Bedacht im voraus danach, sich des Wandels habhaft zu machen, ihn vorweg mit ihrem Begriff einzufassen und sich die Definitionsmacht anzueignen, um bei ersten Vorzeichen die Diffamierungs-Maschine anzuwerfen: "Backlash" (in etwa "Rücksprung") hieß das Wort, zum Beginn der Neunziger in den Kontext der Geschlechterkriegerinnen eingeführt.

Wenn auch Faludi, die amerikanische Autorin, die dies Wort für den Feminismus einheimste, einen subtileren, etwas psychologischen Rückschlag des "Patriarchats" in ihrem gleichnamigen Buch meinte (das Schlechtreden einer Karriereorientierung bei Frauen z.B.), ist es im Feminismus schnell zum populären Ausruf mutiert, mit dem empörte Aufgebrachtheit und sich aufrichtig gebärdende Betretenheit bei der Vergegenwärtigung unfeministischer Standpunkte zur Detonation gelangen. Wir kennen diesen Hang zum Hysterischen, zum alsgleich Beleidigten und präventiv Beleidigenden. Er ist ein direkter Nachkomme der feministischen Kritikunfähigkeit, die wiederum das verzogene und verwöhnte Töchterchen der urtümlichen Argumentationsarmut des Feminismus ist. "Keinen Ton weiter!", wird uns mit der Entgegnung "Backlash!" gedeutet und eine Abmahnung gegen frevlerisches Übertreten sakraler Berührungsverbote vermittelt. "Backlash!" - einmal ausgestoßen - heißt, dem Gegner Regelwidriges zu unterstellen, bevor er sich erklärte, ihm Niederlage zu attestieren, bevor er zum Kampf antrat, ihn moralisch zu unterbinden. "Backlash!", das ist ein Versuch des unredlichen, ja infamen Willens, den Scheinkrieg, den er anzettelte, auch allein zu inszenieren; eine Weiberstrategie, denn welche sonst trüge Hoffnung, den "Feind" durch Rüge zu erschöpfen?

So avancierte das putzige Wörtchen zu einem sehr ausdrucksreichen in Sachen Geschlechterkrieg gemäß unserer obigen Definition, wonach ein solcher nur so lang währt, wie sich das angegriffene Geschlecht nicht wehrt.

"Die Männer sind wieder da!" - Der lange Weg

Sehr zum Entsetzen einiger ihrer feministischen Schwestern sprach jedoch Faludi, ein Jahrzehnt nachdem sie ihr Backlash-Buch geschrieben hatte, leicht schwärmerisch von "männlicher Gelassenheit". Inzwischen hatte sie ein weiteres Buch geschrieben. Es war ein Buch über das "betrogene Geschlecht", womit das männliche gemeint war! Ein gutes Buch wäre es beinahe, machte es sich nicht die Kolportage der angeblichen Krise des Mannes zu eigen, die es so gar nicht gibt, wenn man an dem realen Stellenwert maskulinen Schaffens in der Welt festhält, anstatt sich mit feministischen Wunschbildern bald führender "Alphamädchen" in einer kommenden Dienstleistungsgesellschaft zu benebeln.

Es muß auch nicht dem politischen Geschmack eines jeden schmeicheln, daß die "männliche Gelassenheit", die hier von der Autorin gerühmt wurde, auf den US-Präsidenten Bush münzte, den Faludi das Entsetzen des 11. September 2001 meistern sah. Und solcher Einsatz entzückte sie nicht als einzige Frau. Es fiel uns schon einmal der Ausspruch auch jener anderen Dame aus dem Wirkungskreis des früheren US-Präsidenten Reagan auf, Peggy Nooman, die zum selben Anlaß ihre Anerkennung der lebensrettenden und lebensgefährlichen Aufbietung der Männer (insbesondere der Feuerwehrmänner) im Rahmen des tragischen Spektakels in die Worte faßte: "Die Männer sind wieder da!"1

Es wäre angebracht, dem Ausrufezeichen am Ende dieses letzten Satzes mehr als semantische Emphase einzuräumen. Ihm steht nämlich (schicksalhaft mit einem monumentalen Ungemach zu Beginn eines Jahrtausends verbunden) kulturpolitische Relevanz zu. Dies in Bezug auf die kulturpolitische Episode Feminismus. Denn, wo sollten die Männer bis dato verschollen gewesen sein, außer im Bewußtsein der Feministinnen? Vor allem aber: Was nötigte diese jetzt, die Männer aus der Verdrängung zu holen?

War es die Wirklichkeit? Oder war es die Not? Es war beides! Es war die Wirklichkeit mit ihrer Not, ja mit ihren Nöten, eine Wirklichkeit, die der Westen nicht mehr akzeptieren zu müssen glaubt. Denn der Westen weiß, wie man sich der Not entledigt. Aller Nöte! Er installiert gerade die keimfreie Wirklichkeit, die alle Not tilgen soll und zu diesem Zweck am besten gleich alle Spannung respektive Differenz und Unterschied. Seit der Westen beschloß, daß die Ausdrucksformen des Wirklichen bloße Konstrukte sind, die auch wegkonstruiert werden könnten, tragischer noch: seit er sich den Blick dafür versperrte, daß er mit der Aufhebung ihrer Ausdrucksformen auch die Wirklichkeit selbst demontiert, können ihn nur größere Nöte von seinem präventionistischen Kurs abhalten, in dem alles eingeebnet werden soll, was sich gegen seine soziotechnokratisch korrekten Utopien verdächtig macht. Das kann natürlich ein teurer Umweg werden.

Fast eine Tautologie, das zuletzt Gesagte; Umwege sind nämlich ohnehin teurer: Wenn der Frauenschutzwahn so weit das Frauenwohl absichern soll, daß er noch den Schatten des unliebsamen Ex-Partners verfolgt, wie es die Innovationen der letzen Jahre in Sachen Gewaltschutz bis hin zu den Anti-Stalking genannten Maßnahmen garantieren sollen, dann intendiert der Staat keimfreie Reagenz-Beziehungen, substanzlose Zusammenkünfte, die fern aller Selbstverantwortung und sittlichen Symbiose ihre Verfallsfrist absitzen. Und der Verfall solcher Beziehungen, in welchen der Schutz des einen Teils einen solchen Absolutheitsanspruch erhebt, daß der andere Teil unweigerlich entwertet und entrechtet werden muß, fällt immer häufiger besonders dramatisch, besonders aufsehenerregend aus. Demjenigen Staat wird gewiß einmal eine satte demographische Rechnung zugestellt.

Oder wenn der Mädchenförderwahn die Bildung derart krümmt, daß die Anerkennung der maskulinen Intelligenz, die für nahezu hundert Prozent aller denkerischen Aufschlüsse im technischen Bereich steht, auf das Konto jener fiktiven "Alphamädchen" umgebucht werden soll, die den Sommerlochphantasien des Spiegel-Magazins alljährlich entsteigen, dann bekommt auch der Spiegel-Bildungsstaat jenen Mangel an fehlenden Fachkräften zu spüren, die das selbe Magazin in darauffolgendem Heft beklagt!

Solche lebenswichtigen Bereiche erst in Trümmern liegen sehen zu müssen, bevor wir bereit sind, uns psychologisch und politisch die Rückkehr der Männer, sprich die Umkehr vom Feminismus anzutreten, würde nicht nur dem Staat und so auch allen Bürgern teuer zu stehen kommen; es wäre zudem ethisch unverantwortbar. Damit ist auf die Parallelen angespielt, denen entlang die faktische Verdrängung des Maskulinen, die Verdrängung also seiner Leistung, zugleich mit seiner ethischen Leugnung verläuft. Und auch dazu lieferten uns jene Ereignisse nach dem Terroranschlag des 11. September markantes Beispiel. Wir finden es in der besorgniserregenden Besorgnis jener Feministinnen, die für die dramatische Wiederkehr der Männer an ihre gefährlichen Erretter- und Beschützerposten (ca. 300 von ihnen starben unter den Trümmern der einstürzenden Türme bei den damaligen Feuerwehreinsätzen) nicht versöhnlichen Dank, sondern nur die Sorge einer moralischen Überflügelung artikulierten und in beständigen Statements ihre Bangigkeit davor zum Ausdruck brachten, männliches Heldenturm könnte wieder gut ankommen und die "Frauensache" gefährden. Hart aber fair der Kommentar des einst sich angewidert gezeigten Maskulisten dazu: "Männer könnten wieder entgegen den Zielen jener politisch korrekten Schäbigkeit, mit der ihre ethische Präsenz beschädigt werden soll, im ehrenrettenden Erretterlicht erscheinen, und das gäbe, obwohl mit dem eigenen Leben bezahlt, kein willkommenes Aufwallen in den brodelnden Seelchen der femirassistischen Penisneiderinnen weltweit."

Denn gute Feministinnen haben zwar ein hervorragendes feministisches Gewissen, doch oft eben nur dieses und keines sonst. Solchen kann es dann gleichgültig sein, welche Werte jeweils in welchen Verkettungen konkurrieren und welcher Werteverlust auf solchen Konkurrenzfeldern vonstatten gehen kann. Ein feministisches Ergebnis avanciert so zum erstrebenswerten Ziel und willkommenen Resultat, ganz gleich welche Auswirkungen es jenseits seines feministischen Auftrags verursacht.

"Es ist nicht schlimm" eben, wenn die Studienerfolge junger Männer geringer ausfallen als die der jungen Frauen, befand einst die Ministerin für Feminismus und Jugend, dieselbe Dame, die ein andermal gestand, daß Männer, junge wie ältere, 97 Prozent aller Patente anmelden, was bedeutet, daß ihr schulischer Mißerfolg mit einem globalen Abnehmen der allgemeinen wirtschaftlichen Leistung der Zukunft einhergehen muß. "Es ist nicht schlimm", weil es gut ist, gut für jene desaströse Gesinnung, nach welcher alles gut ist, was für Männer schlecht, und deren Übernahme in das konservative politische Bild Ministerin von der Leyen einmal "spannend" nannte.

"Wozu brauchen wir noch" Frauen?

Ähnlich ignorante Anmaßung erlebte ich einmal im Mai 2007, als ich im Mainzer Staatstheater eine sog. Live-Sendung mitverfolgte, die eben dieses Thema, den angeblichen "Alphamädchen"-Boom, besprach, mit Gästen, die darüber befinden sollten, ob es nun an der Zeit wäre, eine Jungenförderung oder gar eine Männerbewegung zu begrüßen. Vermutlich sollte demnach die Sendung ursprünglich "Brauchen wir jetzt eine Männerbewegung?" oder ähnlich heißen. Und es ist sehr wahrscheinlich jene Gravitationskraft gewesen, die öffentliches weibliches Denken so oft dem Bann des Dümmlich-Impertinenten unterwirft, die dafür sorgte, daß der Titel der Sendung am Ende "Wozu brauchen wir noch Männer?" lautete!

Es war nicht auf Anhieb auszumachen, warum die Moderatorin sich selbst, und anders als die Männer, die immerhin die gesamte technische und organisatorische Plattform geschaffen hatten, auf der sie nun ihre blödsinnige Frage präsentieren durfte, als unersetzlich empfinden sollte. Unweigerlich und abrupt jedenfalls sprang aus meinem Mund nach der Nennung des unzweckmäßigen Sendetitels, wozu wir Männer brauchten, die einsilbige Frage "Wer?" – sollte heißen, wer ist "wir"? Und während ich, da wir "Zuschauer" ja im Vorfeld der Aufzeichnung zur Teilnahme angeregt worden waren, damit rechnete, bald mit am Podium (nebst aus Berlin eigens zu diesem Anlaß angereisten Philosophinnen) zu sitzen, winkte die Moderatorin harsch mit der geläufigen Ablehnung ab, dies sei "... jetzt egal." Ich widersprach vergeblich.

Daß allerdings die Frage, wie nun das "Wir" genauer zu identifizieren sei, das nach dem Gebrauchswert der Männer grübelt, nicht nur mich bewog, zeigte bald im Gespräch auch der eingeladene bundesweit bekannte und respektierte Talkshow-Gast und angesehene Professor der Psychologie, der sie ebenfalls, wenn auch etwas modifiziert, stellte: "Sie nicht? Brauchen Sie keine [Männer]?", fragte er die Moderatorin, die ihn mit wahrnehmbarem Unbehagen ähnlich schnell und ähnlich garstig abfertigte wie mich. Sie habe die Fragen zu stellen, hieß in etwa ihre Reaktion.

Frau Anke Hlauschka, so ihr Name, war sichtlich unvorbereitet. Sie war auf das Elementarste unvorbereitet, auf die nächstliegende Frage nämlich, die der Titel ihrer Sendung, mit der sie eine beträchtliche Anzahl von Einwohnern des Landes in ihren Haushalten behelligt, unweigerlich erzeugen muß! Somit ergab sich eine ironische Situation: Kaum sind "die Männer wieder da" (in der Sendung nahm auch der Vorsitzende einer jungen Männerrechtsorganisation teil, die sich u. a. um die Belange der Jungen in der Bildung kümmert), und schon läßt der feministische Instinkt die Frage aufkommen, wozu man sie denn brauche! Instinkt aber denkt leider so wenig wie die, die ihn spontan zur Artikulation bringen. Die Frage nach dem Gebrauchswert der Männer sollte nur Maske sein, weswegen die ARD-Mitarbeiterin perplex reagierte, als andere auf den inhaltlichen Anspruch der zur Erstellung dieser Maske verwendeten Begriffe plötzlich bestanden. - Pech!

Was aber verbirgt die Maske? Es ist zur Überheblichkeit mutierte Furcht! Die natürliche Furcht des Feminismus vor dem Mann nämlich, der ersterem als sein Träger das Fortbestehen gewährt, irisiert mit einer pathetischen Überheblichkeit, die eben diese Angst überspielen und zugleich suggerieren soll, der Feminismus sei autark genug (emanzipiert eben), um auf die Gewähr des Mannes verzichten zu können; der Beweis: Er kann eben mit den Männern (verbal) umspringen wie er möchte. Und das geht natürlich (leider nicht nur verbal) in den Breitengraden des ausgestreckten Feminats gut. Dieser Überheblichkeit adäquat zu entgegnen, hieße aber im Rahmen ausgeweiteter feministischer Definition "Gewalt", dagegen liefe das Beschwichtigen der Furcht, die Feminismus vor dem Mann empfindet, auf jene Selbstunterwerfung hinaus, mit der uns politisch korrekte männliche Nestbeschmutzer durch ihre Selbstbezichtigungstiraden von Zeit zur Zeit anwiderten.

Und dieses Dilemma spiegelt eine humanethische Ungereimtheit wider: Das Natürliche, die Furcht (des Feminismus wie der urtümlichen Frau) vor dem Mann soll durch feministische Politik getilgt werden; das Unnatürliche, die Überheblichkeit (des Feminismus wie der gezüchteten Powerfrau) soll als politisch gewollte Ermächtigung Entfaltungsmöglichkeiten erhalten.

Wir wollen jetzt nicht ergründen, auf welchem Weg solche Kompensationsmechanismen in der Geschlechterpolitik als Frauenförder- vor allem aber hier als Frauenschutzmaßnahmen eingerichtet wurden. Was sich aber als Resultat der gesetzgeberischen und polizeilichen Einengung des Mannes in den verschiedensten Anti-Gewalt-Strategien herausstellt, erinnert an jene Szene aus "Gullivers Reisen", an welcher das Zwergenvolk der Liliputaner eifrig Pfähle um den ohnmächtigen havarierten Riesen in die Erde schlägt, die dicht genug angelegt sein sollen, um Gulliver so wirkungsvoll daran zu fesseln, daß die Zwerge vor ihm, nachdem er zu sich gekommen sein würde, keine Furcht zu haben brauchten. In politischen Berichten ist oft von "Verankern" irgendwelcher Rechte die Rede. Hört sich ähnlich an.

Nur kann solche Verankerung - etwa von Frauenrechten – dann auf Gulliver demütigend wirken, wenn sie nicht von den Zwergen selbst in einem Augenblick der Schwäche ihres vermeintlichen Feindes vorgenommen wurde, sondern von einer höheren Instanz, dazu von einer solchen, vor der auch Gulliver bedürftiger Zwerg ist, dem ebenso wie den anderen Zwergen ein Schutz zuteil werden sollte, der aber - zwecks Ermächtigung der kleineren Zwerge gegen Gulliver - letzterem unterschlagen wird. Solche Kränkung, die ein Staat verursacht, der nicht bloß, wie es dem zivilisatorischen Prinzip entspräche, das Potential des Stärkeren dort hemmt, wo es die Rechte des Schwächeren mißachtet, sondern noch dazu die Würde des Stärkeren der Ermächtigung des Schwächeren zum Fraß hinschmeißen zu dürfen meint, setzt sich oft in Haß, Empörung und Verzweiflung fort.

Früchte solcher Verzweiflung: Männer, die sich am Schreibtisch der Jugendamtmitarbeiterin erschossen, solche, die sich auf den Treppen eines Justizgebäudes anzündeten, oder solche, die ihre Familien infolge von Scheidungsurteilen auslöschten, gab es in den vergangenen Jahren verstärkt. Gerade dieser Tage (Anfang Oktober 2007) lief der Prozeß jenes Irakers, der seine geschiedene Gattin auf so drastisch bestialische Art exekutierte, daß man zu allem Grauen das Erstaunen nicht unterlassen kann: Kopfstiche mit anschließendem Benzinübergießen und Anzünden bei noch lebendigem Leib! Und dies vor den Augen des fünfjährigen Sohnes!

Es ist ein Jahr seit der Tat vergangen, Zeit genug, um jede Möglichkeit sowohl emotionaler wie auch taktischer Beweggründe in Richtung Reue im eigenen Inneren erwogen zu haben; doch von Reue keine Spur! "Mit Stolz", schrieb die Presse, habe er "vor dem Münchner Schwurgericht einen sogenannten Ehrenmord an seiner Frau nur wenige Stunden nach der Scheidung gestanden." Die Gründe seiner makabren Beharrlichkeit berichtete SPIEGEL ONLINE so: "Die deutschen Gesetze seien schuld, 'dass nur die Frauen Rechte haben. So werden sie hochnäsig und meinen, sie könnten alles tun'... Er habe großen Respekt vor Frauen. 'Ich habe auch weibliche Tiere mit mehr Respekt behandelt', betonte er.

Seine Frau habe im Jahr 2005 eine Vergewaltigung erfunden und ihn von der Polizei auf die Straße setzen lassen. Den gemeinsamen Sohn habe er nicht mehr sehen dürfen. 'Weder mein Stamm noch der Stamm meiner Frau lässt so etwas zu', sagte er ... Er habe eine Familie gründen wollen, aber sie habe ihn verraten: 'Das verbietet meine Kultur und meine Religion' … Sie habe ihm nach der Scheidung noch den Stinkefinger gezeigt…"2

So inakzeptabel die irrationale, haarsträubende Tat dieses Mannes ist, so selbsterklärend wird dabei die Gemütssituation eines Menschen, dessen Empörung darüber, daß der Rechtsstaat ihm keine Möglichkeit ließ, sich vor einer Frau zu verteidigen, die seinen Lebensplan vernichtete, ihn zur Bestie machte: "Ich wurde ein Jahr und zwei Monate lang verbrannt. Ich wollte, dass sie das auch erlebt", sagte er noch.

Kein Zweifel, es gibt bessere Lösungen.

Wir machen Backlash!

Doch der Staat ist emotional inkompetent und die Politik, anders als mancher Männerrechtler glauben möchte, ist nicht unser geeignetster Gesprächspartner. Politiker, zumal gegenwärtige, sind oft phantasie-, ja seelenarme Marionetten eines Zeitgeistes, der sich, im Körper eines ausufernden medialen Apparates inkarniert, selbst bestimmt und selbst verwaltet. Und nicht nur sich selbst bestimmt er, sondern auch eben jene Politik, von welcher hier die Rede ist. Entscheidungen, die Politiker beider Geschlechter aufgrund medialen Zwangs trafen, und die manches Mal bis hin zur mentalen Liquidierung eigener Parteiangehöriger reichten, fanden immer wieder statt. Auch der Feminismus hat sich der Politik als Medieneingebung aufgedrängt. Insbesondre den einst Konservativen, die einem manchmal eifriger noch erscheinen, als die ursprünglichen ideologischen Erfinder der Lehre aus anfänglich linken universitären Kreisen.

Was immer "Backlash" auch sonst bedeuten mag, es klingt passend. Back-was-auch-immer, ein jegliches Zurück, scheint vonnöten zu sein. Dies nicht weil Antifeminismus rückständig wäre, wie Feministen selbstgefälligerweise gern annähmen, sondern weil das Vorwärts in einer Sackgasse immer erstmal ein Rückwärts ist. Nach diesem Motto sollte sich ein gepflegter, aufrichtiger Backlash gestalten. Eindringlich sollten seine Thesen sein; der Zeitgeist und seine Organe, die Medien, verstehen sich auf Sensation, Event und Druck! Nicht zimperlich sollte der Vortrag ausfallen, um Gottes Willen bloß nicht: "Feminismus ist gut, aber..."


Feminismus ist schlecht; sein Gift verrichtet in den westlichen Gesellschaften soviel, wie sonst antiwestlicher Terrorismus gern von außen erreichen möchte: Zersetzung! Es wird mit ihm kein Konsens beabsichtigt, sondern sein Rausschmiß aus allen Orten, worin er sich parasitär einnistete. Und unsere Antithesen zu seinen Gesuchen zielen nicht darauf ab, ihn von etwas zu überzeugen oder zu etwas zu gewinnen, sondern lediglich darauf, ihn im Bewußtsein eines jeden Menschen, der sich selbst ernstnehmen und von anderen ernstgenommen werden möchte, zu verunmöglichen.

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Quellen, Anmerkungen:

1. Hier, "Männerhaß intim", "Revolte gegen die eigene Selbstverachtung"
2. "Geständnis im 'Ehrenmord'-Prozess – 'Sie hat es verdient'", SPIEGEL ONLINE, 04. 10. 2007