Doing Backlash!
S
tellen wir uns vor, es ist Geschlechterkrieg und alle gehen hin. Sogar die Männer! Wobei dies im Grunde einer Befriedungsmaßnahme gliche, denn, zögen die Männer geschlossen in den sogenannten Geschlechterkrieg, wäre dieser auch prompt zu Ende.
Und gar nicht unentschieden! Zu Ende ginge es auch mit all jenen Ikonen und Gespenstern des Feminismus, der seit Dekaden jedes erdenkliche Segment der Gegenwart wie ein verwilderter Köter besudelte, der, räudig durch die Gemächer seines dementen Besitzers streunend, keinen Winkel des Anwesens vor dem Geruch verschonte, mit dem er sie alle als sein eigen markierte: das Recht, die Bildung und die Wissenschaft, die Familie, die Moral, die Politik.
Feministen und Feministinnen wußten es schon immer. Sie wußten, daß sich ihr Entwurf nur deshalb entfaltete, weil sich der Mann nicht dagegen rührte; sie wußten, daß ihr Geschlechterkrieg nur bestand, weil er nicht wirklich einer war. Denn der Mann schwieg nicht nur all die Zeit, sondern, eingeengt im politisch korrekten Gehege, mit dem die agilen Welterneuerer und medialen Meinungspfaffen den Geist der Zeit umzäunten, sprach er sogar gegen sich, dachte so und handelte, lästerte über sich, bezichtigte und belästigte sich selbst, parodierte sich selbst abfällig und überzog sich mit seltsamem Selbsthaß.
Doch die Zeiten ändern sich. Auch das wußten Feministen und Feministinnen seit eh, und trachteten in typisch arglistigem Bedacht im voraus danach, sich des Wandels habhaft zu machen, ihn vorweg mit ihrem Begriff einzufassen und sich die Definitionsmacht anzueignen, um bei ersten Vorzeichen die Diffamierungs-Maschine anzuwerfen: "Backlash" (in etwa "Rücksprung") hieß das Wort, zum Beginn der Neunziger in den Kontext der Geschlechterkriegerinnen eingeführt.
Wenn auch Faludi, die amerikanische Autorin, die dies Wort für den Feminismus einheimste, einen subtileren, etwas psychologischen Rückschlag des "Patriarchats" in ihrem gleichnamigen Buch meinte (das Schlechtreden einer Karriereorientierung bei Frauen z.B.), ist es im Feminismus schnell zum populären Ausruf mutiert, mit dem empörte Aufgebrachtheit und sich aufrichtig gebärdende Betretenheit bei der Vergegenwärtigung unfeministischer Standpunkte zur Detonation gelangen. Wir kennen diesen Hang zum Hysterischen, zum alsgleich Beleidigten und präventiv Beleidigenden. Er ist ein direkter Nachkomme der feministischen Kritikunfähigkeit, die wiederum das verzogene und verwöhnte Töchterchen der urtümlichen Argumentationsarmut des Feminismus ist. "Keinen Ton weiter!", wird uns mit der Entgegnung "Backlash!" gedeutet und eine Abmahnung gegen frevlerisches Übertreten sakraler Berührungsverbote vermittelt. "Backlash!" - einmal ausgestoßen - heißt, dem Gegner Regelwidriges zu unterstellen, bevor er sich erklärte, ihm Niederlage zu attestieren, bevor er zum Kampf antrat, ihn moralisch zu unterbinden. "Backlash!", das ist ein Versuch des unredlichen, ja infamen Willens, den Scheinkrieg, den er anzettelte, auch allein zu inszenieren; eine Weiberstrategie, denn welche sonst trüge Hoffnung, den "Feind" durch Rüge zu erschöpfen?
So avancierte das putzige Wörtchen zu einem sehr ausdrucksreichen in Sachen Geschlechterkrieg gemäß unserer obigen Definition, wonach ein solcher nur so lang währt, wie sich das angegriffene Geschlecht nicht wehrt.
"Die Männer sind wieder da!" - Der lange Weg
Sehr zum Entsetzen einiger ihrer feministischen Schwestern sprach jedoch Faludi, ein Jahrzehnt nachdem sie ihr Backlash-Buch geschrieben hatte, leicht schwärmerisch von "männlicher Gelassenheit". Inzwischen hatte sie ein weiteres Buch geschrieben. Es war ein Buch über das "betrogene Geschlecht", womit das männliche gemeint war! Ein gutes Buch wäre es beinahe, machte es sich nicht die Kolportage der angeblichen Krise des Mannes zu eigen, die es so gar nicht gibt, wenn man an dem realen Stellenwert maskulinen Schaffens in der Welt festhält, anstatt sich mit feministischen Wunschbildern bald führender "Alphamädchen" in einer kommenden Dienstleistungsgesellschaft zu benebeln.


