Die PISA-Bildungsschlappe - irgendwelche Fragen?
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ieder einmal ist es so weit; die Ergebnisse der internationalen Studie der Schülerleistungen liegen vor (04. 12. 2001), und die Bildungsverantwortlichen hierzulande zeigen sich eifrig betroffen von dem für die deutschen Schüler unrühmlichen Ergebnis, im letzten Drittel von 32 Teilnehmernationen angesiedelt zu sein. Lehrerverbände und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft besprechen erste Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden deutscher Schüler in der internationalen PISA-Leistungsstudie. "Im Zentrum stünden zunächst sieben Handlungsfelder, erklärte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, die baden-württembergische Amtsinhaberin Annette Schavan (CDU), am Mittwoch in Bonn" (AFP-Meldung).
Texte nicht nur lesen, sondern auch verstehen, interpretieren und bewerten, wie auch das Bewältigen von Rechenaufgaben, gehörten zum Testumfang. Anhand z. B. einer imaginären kontroversen Diskussion über Graffiti, die zwischen zwei Mädchen, "Helga" und "Sophia" stattfindet, sollen die Schüler das Verstehen der Intention eines Textes nachweisen. Kleine Rechenaufgaben, wie das Ermitteln der Flächengröße einfacher geometrischer Flächen oder das Bilden von Summen aus Münzen verschiedenen Wertes, kamen hinzu.
Zu den ersten Reaktionen auf das Fiasko gehörten die Forderung nach praxisbezogenerem Unterricht und "die besondere Förderung lernschwacher Schüler". Eine "Qualitätsoffensive für Bildung" gegen "ein überholtes Schulsystem", verkündete die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.
Zu den von der Kultusministerkonferenz erwogenen Maßnahmen zählten unter anderem a) ein umfassendes Programm für höhere Professionalität der Lehrertätigkeit, das praxisnahe Erstausbildung und Pflicht zur Weiterbildung des Lehrers einschließt und b) vermehrte Anstrengungen in der Lehr- und Lernforschung sowie in der fachdidaktischen Forschung. Experten, wie der Leiter der Bildungsforschung des Max-Planck-Instituts, machten vor allem die mangelnde Weiterbildung von Lehrern und fehlende pädagogische Konzepte an den Schulen für das schlechte Abschneiden in der Bundesrepublik verantwortlich.
Dieser nach den Ergebnissen der PISA-Untersuchung entbrannte Disput über die Leistungen der Schüler in Deutschland dürfte uns gerade hierzulande an vergleichbare Diskussionen erinnern, die sich immer wieder im Kreise der Bildungszuständigen, aber auch in den Medien in den letzten Jahren als aktuell hervortaten. Gemeint sind die Diskussionen um das veränderte Bild in der Erziehungslandschaft, ein Bild, das von der seit Mitte der neunziger Jahre konstatierten Überzahl junger Frauen an Schulen und Hochschulen wie auch deren besserem Abschneiden im Unterricht beherrscht wird. Es ist das Bild, das 1999 den Abgeordneten und ehemaligen Studiendirektor Hans Kern veranlaßte, eine Anfrage an seine Landesregierung zu stellen, ob Mädchen am Ende intelligenter seien als Jungen!
Wir wollen hier dieses Zusammentreffen des Anstiegs der weiblichen Präsenz in den Schulen mit der Krise im Bildungssystem nicht für voreilige maskulistische Schlußfolgerungen ausschlachten. Doch das Recht, uns nach dem Zusammenhang eines besseren Abschneidens von Schülerinnen mit einer allgemeinen Misere im Schulsystem zu fragen, sei uns vergönnt. Das ist schon deswegen berechtigt, weil Jungen außerhalb der schulischen Leistung, wo immer also in Freiheit und unter eigener Regie gedacht, geforscht erfunden oder entdeckt wird, dem Bild des intelligenteren Maskulinen eindeutig entsprechen! Auch läßt uns die Tatsache, daß nach den PISA-Studien Fächer wie Mathematik, ein Lehrfach, in welchem sich vorwiegend die Jungen hervortun, zu den vernachlässigten gehören, weiter aufhorchen.
Kein Grund also, im Rahmen des gerade ausgetragenen Disputs auf objektive Untersuchungen der Wirkungen jener Maßnahmen zu verzichten, die zur Förderung ausschließlich der weiblichen Klientel von Bildungseinrichtungen in dieser Republik immer vehementer in den letzten Jahren etabliert wurden.


