DER MASKULIST
11.07.2002

Jungen in der nachachtundsechziger Koedukation

S

chon in den neunziger Jahren wurde ersichtlich, daß Jungen die Problemgruppe im Bildungswesen sind. Dies wurde damals an auffälligen Reaktionen von Politikern deutlich. Dieses spontane Interesse zeitigte jedoch keine weiteren Konsequenzen.

Dank an Felix Stern für seine wertvolle Arbeit in "Penthesileas Töchter - Was will der Feminismus?", UNIVERSITAS Verlag.

Die Fakten, die damals Aufmerksamkeit erregten, waren das bessere Abschneiden der Mädchen im allgemeinen, die höhere Rate an weiblichen Abiturienten wie ihre größere Präsenz in höheren Bereichen der Ausbildung. Dagegen boten Jungen die meisten Hauptschüler, über 60 Prozent der Sonderschüler und eine doppelte Anzahl fehlender Schulabschlüsse. Achtzig Prozent der Legastheniker und die weitaus größere Anzahl der Kinder mit Konzentrationsdefizite (ADM-Syndrom) fanden sich zudem unter den Jungen.

Für Feministen und Feministinnen schien die Sache klar zu liegen: "Irgend etwas muß schon an den Genen anders sein", meinte einmal eine Pädagogin gegenüber dem SPIEGEL,1 und Frauenministerin Bergmann tippte zur gleichen Zeit im Fernsehen auf die Überlegenheit des weiblichen Gehirns.2

Wären diese biologistischen Erklärungen aber richtig, so wären die Leistungen der Jungen in Forschungs- und Studieninitiativen außerhalb der Schule nicht so gravierend erfolgreich, wie sie sind. In einem Experiment der Universität von Los Angeles waren die Lernerfolge der Jungen besser als die der Mädchen, solange beide Gruppen Lesen und Schreiben durch den Einsatz einer Lernmaschine beigebracht bekamen. Das Ergebnis kehrte sich aber um, als die Kinder normalen Unterricht von Lehrerinnen erhielten! Und es ist beobachtet worden, daß die Leistung der Jungen an höheren Schulen in dem Maß abnimmt, in welchem die Anzahl der Lehrerinnen zunimmt.3

Zu Zeiten, da sich Mängel in der Leistung von Schülerinnen zeigten, begnügten sich die Verantwortlichen nicht mit biologistischem Unsinn, sondern starteten umfangreiche Mädchenförderungsprogramme. Dabei sollte die Gestaltung des Unterrichts den Bedürfnissen der Mädchen angepaßt und Fördermaßnahmen für Mädchen bundesweit durchgesetzt werden.

Um solche Forderungen zu formulieren, mußten sich Feministinnen zu Prinzipien bekennen, die gänzlich anders lauteten als jene, mit welchen sie ihr Debüt als Frauenrechtlerinnen und angebliche Gleichberechtigerinnen gaben. Der Trug einer Forderung nach Gleichberechtigung, die eigentlich eine Bevorzugung der weiblichen Klientel im Sinn hatte, wurde schon Mitte der Siebziger, also kurz nach dem Auftritt des neueren Feminismus sichtbar. Denn von da an ging es schon nicht mehr um eine geschlechtsneutrale Gleichbehandlung von Jungen und Mädchen in den Schulen, sondern um eine geschlechterorientierte oder geschlechtsspezifische Jugendarbeit.

So war zu Beginn der Achtziger "Mädchensozialarbeit" bereits ein Begriff, Mitte der Achtziger schlüpfte diese Idee in die Jugendberichte der Regierung und brachte nach einer Tagung des Bundesverbandes Evangelischer Erzieher und Sozialpädagogen im Jahr 1988 ihr theoretisches Profil in die Fachliteratur ein. Etwas später, zu Beginn der neunziger Jahre, hatte sie sich im neuen Kinder- und Jugendhilfegesetz als Programm manifestiert. Gut Ding will Dauer! Doch was ist schon ein Jahrzehnt, wenn es darum geht, die Vernunft einer ganzen modernen Nation so zu umgehen, daß sie gar nicht stutzig wird, wenn Gleichbehandlung nur vorgeschoben wurde, um dann ins Gegenteil umzuschlagen?

Es konnte so niemanden verwundern, wenn daraufhin gestartete Aktionen zu Themen wie "Sucht, Gewalt, Lebensplanung" nun diejenige Gruppe ausschlossen, die, insbesondere im Zuge des inzwischen veränderten Klimas in der Gesellschaft, am meisten das Augenmerk der Verantwortlichen hätte auf sich ziehen müssen: die Jungen.

Die Ausgrenzung der Jungen aus Aktionen und Einrichtungen der Jugendsozialarbeit, die ohnehin als pädagogischer Sündenfall angesehen werden muß, entzog dazu Unmengen sozialer Mittel, die vom separatistischen Mädchenförderungswahn vereinnahmt wurden (fünf Millionen Mark Sondermittel im Jahr 1991!). Welche Ironie, wenn wenige Jahre später DGB-Untersuchungen über Gewalt an Schulen ergeben: "Die Aggression von Jungen ... sei auch Reaktion auf die veränderte Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern"! Dennoch wird mit der durch Ausgrenzung zusätzlich erzeugten Aggression immer munter für weitere Ausgrenzung argumentiert - Frei- und Schutzräume für Mädchen werden angefordert.

Die Zukunft ist weiblich, heißt es nun in Schulen, an Mädchenfilmtagen, in Mädchenkaffees, Mädchenzeitungen. Und diese Zukunft wird in Mädchenprojekten der Art "Männer-Popokneif-Aktion" wie eine, die von der SPD-Jugendorganisationen 'Die Falken' veranstaltet wurde, hieß, angestrebt; in der Presse sind "Mädchen in Sicht" und das, "Ohne daß die Jungs immer so blöd gucken"4 oder "ohne die blöde Jungenanmache", wie es sogar in einem katholischen Kirchenladen einmal später zu lesen stand!

Wie sehr die Anliegen solcher Projekte oft weniger das angegebene Ziel geschlechtsgerechter Edukation als eher eine aggressive Gangart gegen die maskuline Jugend intendierten, ergibt sich aus manchen Aussagen von Anwesenden bei der Initiierung solcher Programme. So berichteten drei Autorinnen im "Menschenkenntnis" von einer Kindergärtnerinnensynode in Winterthur am 24. Juni 1991, an welcher Prof. Dr. Luise Pusch, die feministische Sprachgelehrte, die wir hier unter "Begriffe", "Disput im Land der DicherInnen und DenkerInnen" kennenlernten, teilnahm. Während des Treffens bot diese einer Kindergärtnerin, "die Bedenken geäußert hatte, die Buben im Kindergarten zu brüskieren und bloßzustellen", als "Hilfestellung" den Vorschlag an, Buben sogar "Wunden" zuzufügen, wenn sie sich "frauenfeindlich" (?) verhielten. "Diese Verletzungen würden sowieso zu schnell wieder verheilen"!5

Der Kommentar eines deutschen Buchautors dazu: "Schon die Tatsache, daß Radikalfeministinnen ohne Erziehungserfahrung (Pusch ist lesbisch und kinderlos) und ohne Ausbildung sich als 'prominente Vortragsredner oder Diskutanten' vor der Fachöffentlichkeit zur Kinder- und Jugendarbeit äußern dürfen, beweist, daß es den pädagogischen Reformfeministinnen weniger um Fragen der kindergerechten Erziehung, sondern vielmehr um den feministischen Einstieg in die Erziehung geht."6

Slalomlauf der Damen - Hintergründe

Der zwielichtige Disput über eine Gleichbehandlung oder eine geschlechtsspezifische Behandlung in den Schulen spiegelt sich auch im Disput über eine Mono- bzw. Koedukation wider. Die Disputantinnen stellten dabei stets beide Bildungssysteme - je nach Bedarfslage - an den Pranger. Während sie in den früheren Diskussionen gegen die Monoedukation den Vorwurf erhoben, daß monoedukative Schulen "die Mädchen betrügen", monieren heute Feministinnen ebenso überzeugt an der Koedukation: Mädchen würden als "sozialer Schmierstoff" für die Jungen mißbraucht, indem sie mit unruhigen Jungen zusammengesetzt würden, um deren Sozialverhalten zu verbessern. Auch daß Mädchen im Wettbewerb mit den Jungen das Interesse an naturwissenschaftlichen Fächern verlören, ist häufig zu hören. Die Fächer natürlich, in welchen Jungen den Mädchen unterliegen, kommen in solchen Lamentos gar nicht zur Sprache.

Was also will der Feminismus, indem er im Zickzack durch die Systeme läuft, um einem jeden aus jeweils verschiedenen Gründen Vorbehalte zu bekunden? Betrachten wir diesen widersprüchlichen Sachverhalt etwas präziser:

In bezug auf die Monoedukation wurde lamentiert, Mädchen würden betrogen, d. h. Mädchen bekämen etwas nicht, was ihnen zustünde, sie würden bewußt benachteiligt. Da sich nun im Laufe der koedukativen Jahre gezeigt hat, daß Jungen auf Grund der ausufernden und jungenausgrenzenden Mädchenorientierung den kürzeren ziehen, wird nicht nur die Situation der Jungen konsequent ignoriert, sondern das lukrative Wehklagen der angeblichen Mädchenbenachteiligung auf Koedukation umgestellt!

Die Gleichstellung der Mädchen ist schon übers Ziel erreicht (Zahlen und Fakten haben wir bereits genannt); also kann es fortan nur um die weitere Verschlechterung der Situation der Jungen gehen, sprich um eine weibliche Vormachtstellung im Bildungswesen.

Wir wollen an dieser Stelle etwas anhalten, um uns die Attraktivität zu vergegenwärtigen, die Bildungsbereiche für den Feminismus als Bastionen seiner Durchsetzung ausüben. Der Grund dafür ist, daß seine 'Erfolge' allesamt konventioneller, aber nicht substantieller Art sind, d.h. sie entstehen nicht vermöge seiner Kraft, sondern über Abmachungen (wie z.B. Quotenregelungen), Gesetzeszwänge und andere separatistische Sondermaßnahmen (Frauenparkplätze, -bäder, -bibliotheken, -werkstätten, -taxis, -friedhöfe und was sonst FrauenLesbenMädchen-Fördertüten alles enthalten). Weil solche Eroberungen jedoch keiner wesenseigenen Kompetenz im Individuum oder im Kollektivum "Frau" entstammen (grob gesagt: Frauen haben noch nie ein Parkhaus oder eine Bibliothek gebaut, nicht einmal eine ernstzunehmende Partei gegründet, obwohl Feminismus so hochpolitisch sein will und faktisch das größere Wählerpotential auf seiner Seite hätte!), begreift der Feminismus alles was er erreicht, als ein immerwährendes Provisorium, das ihm erhalten bleiben soll.

Das kann natürlich stressig werden.

Wie konserviert man aber eine Baracke, die nicht aus eigener Festigkeit bestehen kann? Sie wird verankert. Gesetze und Bildungsbereiche sollen die effizientesten Verankerungsinstrumente des Feminismus werden, und das sind sie auch in erschreckendem Maß schon geworden. Durch erstere sucht er seine Zwänge im privaten und öffentlichen Verhalten zu durchsetzen, durch letztere will er den Heranwachsenden seine Ideen einbleuen. Weil eine solche Unterwanderung die Jungen erreichen soll, gelingt sie natürlich am besten in der Koedukation.

Schon zu Beginn der neunziger Jahre wurden Arbeitskreise und Projektinitiativen auf Kultusministerebene eingerichtet, um geschlechtsspezifische Unterrichtskonzepte für so neutrale Fächer wie Naturwissenschaften zu entwickeln. (Nicht etwa lernschwache Gruppen wurden jedoch für die Umsetzung solcher Konzepte ins Visier genommen, sondern allein geschlechtsspezifische Voraussetzungen). Eine weitere Bestrebung dieser Arbeitskreise, deren Mitglieder auch aus "Frauen aus dem außerschulischen Bereich", also feministischen Funktionärinnen bestanden, war es, die feministischen Doktrinen zur 'Unterdrückung der Frau' im Geschichtsunterricht einzubetten, um so die soziokulturelle Rechtfertigung all der Fördermaßnahmen im Denken der Schüler zu installieren und nicht zuletzt ein geschlechterorientiertes Schuldgefühl bei Jungen zu erzeugen!

Dabei sollte Mädchenförderung reibungslos bis zum Eintritt in die Karriere ablaufen, während des weiteren Aktionen zur "Berufsorientierung und Lebensplanung für Mädchen (und Jungen)" (die Klammern im Originaltext!) konzipiert wurden, um eine Kooperation zwischen Arbeitsämtern, Schulen und Mädchenfunktionärinnen anzubahnen, deren Sinn die rechtzeitige Berufsberatung der Mädchen gegen Ende ihrer Ausbildung war. An jene Tradition knüpfen auch Projekte der Art Girls' Day an.7

Obwohl also die Mädchen mit der Koedukation bestens bedient werden, weil so ihre Förderung sich wunderbar mit einer Behinderung der Jungen kombinieren läßt, flackern in feministischen Kreisen immer wieder Gesuche nach Monoedukation auf. Was bedeutet das?

Zum Teil sind solche Forderungen belanglos und dienen nur als Ausdruck jener immerwährenden Unzufriedenheit, mit der Feminismus die eigene Unzulänglichkeit therapiert und die wir an anderer Stelle eine "institutionalisierte Unbefriedigtheit" genannt haben. Zum anderen aber drücken diese Forderungen Absichten aus, die im ultraradikalen Kreis gewisser Feministinnen etabliert sind und die in ihren Wunschträumen den Mythos ihres einstmaligen angeblichen Matriarchats in die Zukunft transferieren und eine Vorherrschaft der Weiblichkeit in allen Bereichen anstreben.

Es sind jene Kreise um Andrea Dworkin und andere Kultgestalten des Ungeistes, die den Zeugungsvorgang als unnatürlich definieren und den Haß auf den Mann als ihre "wichtige" Angelegenheit erachten. So gut sie können, sind Frauen dieser besonderen Art selbst daran beteiligt, gesellschaftliche Systeme zu verändern. Schlimmer aber noch ist, daß sich deren Impulse in den Köpfen derjenigen bewußt oder unbewußt einzunisten scheinen, die mit konkreten Mandaten vom Wähler ausgestattet sind.

Im Sinne dieser Zielsetzungen soll in den Schulen eine mädchengerecht geschneiderte Koedukation zunächst beibehalten werden, wobei diese - durch ihre geschlechterorientierten Maßgaben - die Mädchen bei der Entfaltung ihres 'höheren', aber bisher 'unterdrückten' Potentials fördern soll, bis dann Hochschulen nach Art US-amerikanischer Womens' Colleges den Überfrauen den letzten Schliff bis zum Endsieg durch die Besetzung entscheidender Posten verpassen.

Dabei spielen vor allem technische Fächer, sonst als Domänen männlicher Destruktivität verschrien, eine wesentliche Rolle, weil das Verfügen über technisches Knowhow als eine Möglichkeit der Machtentfaltung angesehen wird.

In den späteren Neunzigern wurden in Nordrhein-Westfalen von der dortigen rotgrünen Landesregierung aufwendige Pläne zur Gründung einer Frauenuniversität geschmiedet. Während der Expo-2000 in Hannover fand ein "Reformprojekt" der Internationalen Frauenuniversität mit Zentrum in Hannover und insgesamt sechs Projektbereichen an verschiedenen norddeutschen Hochschulen statt, das zunächst einmalig für drei Monate anberaumt war.

"Eine überwältigende Erfahrung" taufte die Dekanin des Projektbereiches Hamburg die zeitlich begrenzte Zusammenkunft der ca. 900 Frauen so unterschiedlichen Couleurs wie Alters (zwischen 23 und 70 Jahren) aus 60 Ländern. Nicht ganz unterbleiben konnte jedoch in dem Bericht der Dozentin jene ganz spezifische Problematik, die Feminismus seiner Jüngerinnen dadurch auferlegt, daß er sich selbst zum herausragenden Projekt seiner eigenen Unternehmungen macht. Zum Thema "Die Genderperspektive im Studium" lesen wir im gleichen Pamphlet:

"Die diesbezüglichen Erwartungen der Teilnehmerinnen waren ganz unterschiedlich... Sollte es um feministische Theorie gehen, um Frauenforschung, um Aktionen im Interesse von Frauen, um Vernetzung zwischen Frauen? Tatsächlich spielten alle diese Aspekte eine wichtige Rolle. Es ergab sich aber kein einheitliches Bild. Was Feminismus bedeutet, stellt sich im Norden, Süden, Osten und Westen unterschiedlich dar... Frauen aus postkommunistischen Ländern meinen, in ihren Gesellschaften gäbe es keine Probleme, dies sei eine Frage des Kapitalismus und so weiter. Deutlich wurden auch Unterschiede in der Argumentation zwischen allein lebenden Frauen und solchen, die in Familien eingebunden sind... Und es ging die wissenschaftlich-praktische Arbeit nahtlos über in Betrachtungen über die Belange von Frauen im allgemeinen, wie sie sich in verschiedenen Kulturen stellen. Eine ganz einmalige Gelegenheit!" (Der Text war temporär im Internet verfügbar.)

Wenn dieser Anspruch des Feminismus, sich bei Bildungsanlässen selbst als Hauptprojekt zu profilieren, schon unter Feministinnen solche mühsam kaschierte Uneinigkeit bereitet, wie zersetzend müßte er bei diesem Anspruch erst auf die gesamte Bildungslandschaft wirken? Und welche teure Wege mag er noch beschreiten wollen, um immer neuere scheinbare Unterdrückungen und Behinderungen der Frau zu umgehen, die allesamt bloß eine Projektion seines Unvermögens, jemals anzukommen, sein werden?

Und wenn, wie Genderforscherinnen behaupten, ein "jedes Phänomen", eine "jede Frage" von uns "zu einer spezifischen Frauenforschung gemacht werden kann",8 dann müßte auch der Begriff von Wissenschaft neu definiert werden, und den sollen ausgerechnet die Frauen der Menschheit stiften, die sich nicht einmal darüber einig werden können, was sie dann unter sich anstellen sollen, wenn sich eine so massive Gelegenheit dazu bietet, wie das "Reformprojekt" Frauenuni-2000! So lange könnten wir sicher warten.

Es ist ja auch nicht teuer: sechs läppische Millionen Mark hatte die Ministerin für Bildung und Forschung, Bulmahn, für die drei Projektmonate zur Verfügung gestellt. Was ist das schon angesichts der 400 Millionen, die seinerzeit von der nordrhein-westfälischen Landesregierung für die Gründung einer regulären Frauenuni veranschlagt wurden? Und wurden nicht zur gleichen Zeit nach Schätzungen, die der SPIEGEL aufgreift, über 2 Milliarden Mark durch die Mammut-Ausstellung Expo-2000 in den Sand gesetzt, wofür Expo-Chefin Birgit Breuel mit der niedersächsischen Landesmedaille, der höchsten Auszeichnung des Landes, geehrt wurde? "Dabei besteht wenig Anlaß zum Schulterklopfen, schon gar nicht bei Breuel. Ein vertraulicher Bericht des niedersächsischen Landesrechnungshofs wirft ihrem Expo-Management schwere Fehler vor", so SPIEGEL ONLINE dazu.9 Frau an der Spitze aber – das weiß SPIEGEL ONLINE vielleicht nicht - ist eben gut, auch wenn das Ergebnis schlecht war.

Fragt man sich nun, was während dieser Jahre, in welchen die Damen ihren ideologischen Slalomlauf zwischen Mono- und Koedukation oder zwischen einer geschlechtsneutralen und einer geschlechterorientierten Pädagogik frei choreographierten, um so ihre Widersprüche als relevante Elemente in die Diskussion einbringen zu können, mit Jungen und Männern geschah, wird man versucht sein, hier vom männlichen als vom betrogenen Geschlecht zu sprechen.

Die "Schuld" der Väter

Daß Jungen und Männer keine Probleme haben, sagt ja niemand. Wie sollte das auch gesagt werden können, wenn das männliche Geschlecht zugleich als "Auslaufmodell" der Zivilisation oder als Fehler der Schöpfung gelten soll? Männer und Jungen haben Probleme, aber auch etwas, was die Gesellschaft dazu zu berechtigen scheint, diese Probleme zu übersehen: Männer haben die Schuld.

Kollektive Schuldzuweisungen kennen wir sonst nur als religiöses Dogma oder als den totalitären Vorwurf der Repräsentanten eines vermeintlich höheren Menschentums gegenüber anderen. In beiden Fällen dient Schuldzuweisung einer Rechtfertigung übler Machenschaften. Sie ist Theodizee, wo sie Gott für die Übel in der Welt rechtfertigen, oder schäbige Propaganda, wo sie Machtansprüche bevorzugter Geschlechter oder Rassen geltend machen will.

Feminismus war nie besonders religiös - zumindest da nicht, wo er Relevanz für politische Wirksamkeit anstrebte. Wir dürfen ihn also totalitär nennen. Die "Schuld" der Väter hat sich längst auf die Jungen in Schule und Gesellschaft übertragen. Dieser Sachverhalt wirft früh seine Schatten auf die Erziehung. Es beginnt schon damit, daß mädchenhaftes Verhalten gelobt, favorisiert und zum Standard erhoben wird, sodaß die ersten Beschäftigungen, denen Jungen und Mädchen in der Schule nachgehen müssen, mädchengerecht sind; Bewegungsdrang, Vitalität und Krafterprobung unter den Jungen werden verpönt und als unartiges Frühstadium von Machogehabe interpretiert. Nicht aber, wenn Mädchen sich so verhalten. Dann ist es konform zu der angestrebten Starke-Mädchen-Zucht, denn Mädchen sollen erstarken, während es "fast politisch unkorrekt ist, ein Junge zu sein", wie es eine amerikanische Psychologin es einmal ausdrückte.

Daß derartiger Ungleichbehandlung ein Verkennen von Potentialen zugrunde liegt, von Potentialen, die dort künstlich hervortreten sollen, wo sie in geringerem Maß vorkommen, und dort unterdrückt, wo sie Zuhause sind und nur noch geformt, aber niemals negiert werden dürften, ist wohl ein skandalös-unökonomischer Umgang mit menschlichen Ressourcen und der pädagogische Fehltritt unserer Zeit schlechthin!

Es handelt sich hier um eine Asymmetrie, deren Falschdenken dieselben Stadien des Widersinns durchläuft, die wir schon in früheren Erörterungen feministischer Methodik kennenlernten. Zuerst taucht die angebliche Gleichberechtigungsforderung auf, Erziehung soll für beide Geschlechter gleiche Chancen bieten; der Begriff geschlechtsneutral wird gern benutzt. Die durch entsprechende Gesetze und Programme erreichte Plattform der angeblichen Gleichbehandlung dient dann als Startbahn für das Gegenteil - die geschlechtsspezifische Behandlung. Es heißt dann z.B.: "Parteiliche Mädchenarbeit muß zum integralen Bestandteil der gemischt-geschlechtlichen Erziehung gemacht werden ... Freiräume für die Arbeit mit Mädchen und Frauen müssen auch im Rahmen koedukativer Angebote und Einrichtungen entwickelt und geplant werden".10 Nachdem also jegliche Berücksichtigung männlicher Belange als nicht mädchengerecht eliminiert wurde, ist der Weg frei, um die Bildung allein nach den Ansprüchen des "spezifisch Weiblichen" zu gestalten, und objektive Betrachter müßten hier schon aufmerken. Statt dessen wurden und werden enorme Summen ausgegeben, damit ausschließlich Frauen ihre Frauen- und Mädchenstudien vorantreiben können, als wäre das Männliche nichts Geschlechtspezifisches oder sonstwie keiner einzigen Studie würdig. Und das obwohl erkannt wird, daß "die Aggression von Jungen...auch Reaktion auf die veränderte Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern" sei, also noch viel mehr auch Reaktion auf jungenausgrenzende Maßnahmen im Rahmen dieser Rollenverteilung. Nun wird als Nächstes Weibliches dort sublimiert, wo es den Mädchenzukunftsmacherinnen frommt (Kurzschluß der beiden Gehirnhälften + "mehr soziale Kompetenz" = Die Zukunft ist weiblich usw.), und dort kompensiert, wo es als hinderlich empfunden wird (Selbstverteidigungskurse nur für Mädchen und "Männer-Popokneif-Aktionen" damit Jungen an Selbstbewußtsein einbüßen, Verheimlichen der Fertilitätszeit damit junge Frauen nicht auf die Karriere verzichten wollen).

Der Krieg gegen Männer wird in die Bildungsstätten hineingetragen, "Jungmachos" werden aus Jugendeinrichtungen, aus kostenlosen Selbstverteidigungskursen der Volkshochschulen und wegen ihrer "blöden Jungenanmache" (neokatholisch) auch aus kirchlichen "Mädchenkaffees" ausgeschlossen.

Doch nicht, daß gleichzeitig auch etwas für Jungen entstünde! Was bedeutet das, nachdem sie, die Jungen, als die offenkundigen Verlierer erkannt worden sind?

"Ich wollte wissen", schrieb die bekannte Autorin Karin Jäckel in einem offenen Brief an die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Frau Dr. Bergmann im März 1999, "...wohin sich meine drei Söhne hilfesuchend wenden sollten, falls sie in Not gerieten und ähnliche Unterstützung benötigten, wie sie Frauen in breitester Fülle selbstverständlich gewährt werden. Zur Antwort habe ich neben einer interessanten Informationsquelle über sexuelle Gewalt gegen Kinder - worin allerdings in Ignoranz der Fakten nahezu ausschließlich von Mädchen die Rede ist - eine Fülle feministischer Platitüden erhalten..."

Doch Ministerinnen wie Frau Bergmann zeigen sich darin als ausgezeichnet, mit "Platitüden" zu antworten, wenn es um Fragen der Jugend- und Geschlechterpolitik geht. Interessant ist in diesem Sinn auch jene offene Korrespondenz mit Frau Bergmann um die Anti-Gewalt Kampagne ihres Ministeriums "Mehr Respekt für Kinder". Die von Plakaten unterstützte Aktion stellte Gewalt gegen Jungen aus höchst unterschiedlichen Aspekten als Gewalt gegen Mädchen dar und welche Aspekte das waren, erfährt der Leser im folgenden Abschnitt eines offenen Briefes der Online-Zeitschrift für Männer- und Jungenarbeit "Switchboard" an die Ministerin:

"Worüber wir allerdings sehr erstaunt und auch besorgt sind, ist die von Ihrem Ministerium vertretene Auffassung, die sich auf dem Jungen-Plakat wiederfindet in der Textzeile: 'Wer Schläge einsteckt, wird Schläge austeilen'. Wieso belässt man es nicht dabei, auch Jungen als Opfer von Gewalt anzuerkennen? Wieso werden verletzte Jungen unmittelbar als spätere Schläger benannt? Wieso müssen Jungen erst als gefährlich erscheinen, bevor man ihre Schmerzen sieht? ... Wieso wird bei den Mädchen von 'Demütigung', 'entwürdigenden Bestrafungen' und 'seelischen Verletzungen' gesprochen, bei dem Jungen hingegen vom 'Teufelskreis der Gewalt'? Die Botschaft, die damit ankommt, ist: Jungen dürfen nicht geschlagen werden, weil sie sonst selbst einmal (zurück)schlagen werden. Was jedoch untergeht, ist: Jungen dürfen nicht geschlagen werden, weil auch sie ein Recht auf gewaltfreie Erziehung haben!"11

Daß Jungen und Männer nicht als Opfer gelten dürfen, ist die konsequente Maßnahme der an sie gerichteten Schuldzuweisung und hängt gewiß mit der Absicht zusammen, maskuline Rechte zu unterdrücken, in kühneren Vorstellungen sogar: zu eliminieren! Denn "Opfer" bezeichnet den Status des Individuums, zu dessen Gunsten eine rechtsstaatlich funktionierende Justiz zu funktionieren hat. Und die Funktionsstörungen, die dem Apparat in den letzten Jahrzehnten durch feministische Gesetzgebung in bezug auf Männerrechte zugefügt wurden, könnten den Stoff für viele Bände liefern. Daher werden wir uns in dieser Abhandlung nur mit demjenigen Teil der Gesetzgebung befassen, der die Situation der Jungen betrifft.

"Schuld", aber keine Väter

Zur gleichen Zeit, in der sich ein solches jungenfernes und zum Teil jungenfeindliches Klima in den Bereichen der Erziehung ausbreitete, fanden in der übrigen Gesellschaft Veränderungen statt, welche die moralische Destabilisierung von Jungen zusätzlich förderten.

Der Bereich der Familie wurde durch eine Reihe von Anpassungen und Veränderungen der Abtreibungs-, Scheidungs-, Unterhalts- und Sorgerechtsgesetze zu einer Domäne weiblicher Willkür umgewandelt, in der die Bedeutung der Vaterschaft und die Rechte der Väter entkräftet wurden. Es scheint fast, als sei ein primäres Prinzip aus Valerie Solanas "Manifest zur Vernichtung der Männer" - die Zerschlagung der Vaterschaft - früh von den feministischen Gesetzesmachern aufgegriffen worden:

1. Das alleinige Recht der Frau, darüber zu entscheiden, ob ein bereits gezeugtes Kind ausgetragen oder abgetrieben werden sollte, war sicher der erste Schritt in diese Richtung. Vergessen wir nicht: Die Zeit jener massiven Proteste um den Paragraphen 218, dem Gesetz, nach welchem die Tötung ungeborener Menschen bestraft wird, gilt für viele Feministen als der offizielle Start der Frauenbewegung hierzulande. Entscheidend zugunsten dieser feministischen Bewegung hatte damals ein von der Gruner+Jahr-Wochenzeitschrift STERN initiiertes Medienspektakel gewirkt. Nach dem Vorbild einer Aktion des französischen Magazins NOUVEL OBSERVATEUR erklärten in einem Artikel der genannten deutschen Zeitschrift einige hundert Frauen aus der Bundesrepublik - worunter sich auch prominente befanden - schon mindestens einmal abgetrieben zu haben.

Wir werden uns hier weder mit ethischen noch mit publizistischen Besonderheiten jenes Aktionismus befassen. Von Bedeutung ist zunächst allein, daß sein arglistiger Erfolg (das Gesetz blieb, konnte aber leicht umgangen werden) die Elternschaft auf das durch den Vorgang der Geburt konkretisierte, naturhafte Mutter-Kind-Verhältnis reduzierte und die subtilere, in der anschaulich unauffälligen Zeugung begründete ideellere Verwandtschaft, die Vaterschaft, ausklammerte! Was dies kulturgeschichtlich bedeutet, werden die Geister der leichtfertigen Weltverbesserer, denen solches glückte, gewiß niemals erfassen wollen oder können.

Doch nicht nur diese nicht. Brisanter noch ist die Haltung bestimmter kirchlicher Institutionen, die in ihrem säkularisierenden Drang nach Modernität erheblich zur Durchführung und Festigung solcher Veränderungen beitrugen, ohne je über die Bedeutung zu reflektieren, die in den spirituellen Grundlagen ihrer eigenen Theologie jenes ideelle Verhältnis einnimmt, das sie im uralten Kult vom "Vater und Sohn" als das Fundament ihrer religiösen Identität ewiglich predigten.

2. Auf eklatante Weise wurde Vaterschaft weiter durch Beschlüsse und Verordnungen entsinnlicht, die in Meldungen wie die folgende einen Ausdruck erhalten: "Mit einer einfachen Unterschrift kann ein Mann zum Vater werden und auch zur Zahlung von Kindesunterhalt verpflichtet werden. Diese Erfahrung hat ein Zeitsoldat aus Zweibrücken nach einem am Donnerstag veröffentlichten Urteil des Pfälzischen Oberlandesgerichtes (OLG) gemacht. Aus Liebe hatte der junge Mann vor einiger Zeit per Urkunde die Vaterschaft für das siebenjährige Kind seiner Freundin anerkannt, obwohl das Kind gar nicht von ihm stammte. Die beiden hatten dabei zunächst auch vereinbart, dass die Mutter auf Unterhalt verzichte. Doch die Frau hielt sich später nicht mehr an die Vereinbarung und beauftragte das Jugendamt, Unterhalt für sie einzufordern. Der Mann fühlte sich hintergangen und focht die Vaterschaft an, hatte aber damit weder beim Familiengericht noch beim OLG Erfolg. Der OLG-Senat entschied, die Mutter habe nicht arglistig gehandelt und bei einer Vaterschaftsanerkennung komme es auf die biologische Richtigkeit der Anerkennung ohnehin nicht an."12

3. Wie sehr die Willkür der Mütter und der Paragraphen dem Prinzip der Vaterschaft übergeordnet wurde, wird auch in den Fällen sogenannter 'untergeschobener Kuckuckskinder' deutlich, Fällen also, in welchen Frauen, die einen Mann fälschlicherweise als den Vater ihres Kindes angegeben haben, ebenfalls keine Konsequenzen ihres Betrugs seitens des Gesetzgebers zu befürchten haben. Und wie wenig dabei Männer in ihrem Recht auf Selbstbestimmung ihrer Vaterschaft und Kinder in ihrem Recht auf Kenntnis ihrer wahren Abstammung in Betracht gezogen werden, zeigte sich in einer Pressemitteilung des rechtspolitischen Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Geis, vom 26. Feb. 2002. Darin beklagte er die Kosten, die solche Taktiken dadurch verursachen, daß Kinder ausländischer Frauen "kraft Gesetzes die deutsche Staatsangehörigkeit erlangen und die vormals ausreisepflichtigen Mütter einen Anspruch auf Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung mit laufender Hilfe zum Lebensunterhalt nach den Vorschriften des Bundessozialhilfegesetzes erwerben". Allein aus diesen Gründen, nicht aber auch weil dadurch Männer Opfer vom Betrug werden könnten, sei "die Bundesregierung dringend aufgefordert, in aller Kürze gegen diese in allen Bundesländern aufgetretene Missbrauchspraxis vorzugehen und einen Gesetzentwurf vorzulegen, der die Anerkennung der Vaterschaft gegenüber nichtehelichen Kindern von der tatsächlichen Abstammung abhängig macht"!

4. Daß allerdings selbst die "tatsächliche Abstammung", die biologische Vaterschaft, keineswegs der Kompetenz und Entscheidungsfreiheit des Vaters obliegt, zeigte sich im Urteil des Bundesgerichtshofes vom Januar 2001, wonach Väter selbst dann Unterhalt für ihre Ehefrau zahlen müssen, wenn diese sich gegen den erklärten Willen des Mannes mit dessen Samen künstlich befruchten läßt. Zu diesem Urteil hieß es in damaligen Meldungen: "Nach drei erfolglosen Versuchen teilte der Mann seiner Gattin mit, dass er keine weiteren Versuche wünsche, da er sich trennen und zu einer anderen Frau ziehen werde. Die Ehefrau entschloss sich dennoch zu einer erneuten künstlichen Befruchtung mit dem tiefgefrorenen Sperma ihres Mannes und wurde dieses Mal schwanger. Trotz dieser Art von 'Samenraub' muss der geschiedene und wieder verheiratete Mann Unterhalt für seine Ex-Gattin zahlen. Die Frau habe sich durch die Schwangerschaft 'nicht mutwillig über wesentliche Vermögensinteressen des Ehemannes hinweggesetzt', entschied der BGH."

Interessant sind dabei die Begründungen des BGH, die sich zuerst auf einen "Verstoß gegen die eheliche Treuepflicht" des Ehemannes berufen, um gleich darauf diese moralische Argumentation zu verwerfen, weil bekanntlich - und das ist auch eine Errungenschaft der Gesetzesflickerei nach 1977 – Schuldverhalten hinsichtlich der Treue nicht mehr in Unterhaltsprozessen zu bewerten ist. Warum aber überhaupt die Erwähnung eines Verstoßes, der schon seit über fünfundzwanzig Jahren als keiner gilt? Weil man zwar keine 'schmutzige Wäsche' mehr 'waschen' will, wie es bildhaft hieß, als das Schuldprinzip aus den Familiengesetzen verschwinden sollte; man kann sie aber schon mal, die 'schmutzige Wäsche', ruhig vorführen, wenn sie die des Mannes ist. Es könnte ja etwas hängenbleiben, was für den Laien (das Volk) eine rechtliche Schuld des Mannes imitiert, und so das Urteil gegen ihn psychologisch rechtfertigt! – Das sind Tricks...

Porentief dagegen wird parallel zu dieser dezenten Positionierung des Mannes in Schuldnähe die 'schmutzige Wäsche' der Frau gewaschen. Dort soll nichts von Willkür zu sehen sein, nichts von Betrug, nichts von Verletzung der Entscheidungsfreiheit einer anderen Person; kein Gedanke soll auf Gewalt durch rücksichtsloses, im Leben eines anderen Menschen derart einschneidendes Vorgehen hindeuten, obwohl das in der Verfügung über eine so intime Ressource wie das Sperma der sich widersetzenden Person bestand! Und natürlich: Sämtliche im §1579 aufgezählten Fälle, die den Ausschluß des Unterhaltsanspruchs wegen grober Unbilligkeit gerechtfertigt hätten, sind nach Meinung des BGH für den Fall eines solchen Samenraubs nicht hinlänglich. Man springt mit einem Mann um, wie frau es will. Selbstverwirklichung, auch die des Mannes, dessen Leben mit dem einer Frau irgendwie gekoppelt ist, das ist Frauensache.

5. Mit dem Voranschreiten solcher moralischen Entwertung der Vaterschaft wuchs auch das Ausmaß an faktischer Vaterlosigkeit in der Gesellschaft. Hier kurz das Profil der gesetzlichen Veränderungen, die solches teils ermöglichten teils verursachten: Durch den Wegfall des Schuldprinzips (1977), mit dem auch die Frage nach dem erziehungsgeeigneteren Elternteil fiel, konnte das Kind auch dem Partner zugesprochen werden, dem die Zerstörung der Ehe zu verdanken war. Da zu jener Zeit (bis 1982) gemeinsames Sorgerecht nicht möglich war (auch wenn beide Eltern es wollten), wurde das Kind nur einem Elternteil zugeteilt, zu ca. 90% der Frau. Erst 1982 wurde ein gemeinsames Sorgerecht prinzipiell möglich, allerdings entschieden die Gerichte nur dann für ein solches, wenn beide Partner dies wollten. Der Mann blieb so erpreßbar. Mit dem 1998 in Kraft getretenen Kindschaftsrechtsreformgesetz wurde zwar das gemeinsame Sorgerecht in Scheidungsprozessen zur Voraussetzung, blieb allerdings auf Antrag eines der Ehegatten weiterhin anfechtbar. Und die Zusammenführung des Sorgerechts mit dem Unterhaltsrecht, wonach der sorgeberechtigte Partner auch Anspruch auf Unterhalt hat, machte "die Beute Kind" in den sog. Sorgerechtskriegen begehrt, mit dem Ergebnis, daß sich durch diese letzteren Reformen wenig zugunsten der unterhaltspflichtigen Väter änderte, wie Untersuchungen, gezielte Väteraktionen und neuerdings auch Medienberichte belegen.

Die Vaterlosigkeit wuchs so zu einem gesellschaftlichen Phänomen heran, das nicht nur und nicht erst auf diesen Seiten thematisiert wurde. Die Bedeutung dagegen der Vatergestalt in der Erziehung - besonders von Jungen - ist unbestritten. In kürzlich, nach dem Fall von Erfurt13 veröffentlichten Studien der FU Berlin zur Jugendkriminalität ist die Rede davon, daß Widerstandsfähigkeit gegen Haß und Gewalt bei Jugendlichen dadurch entsteht, daß man "ihr Ich, ihre 'Persönlichkeitsressourcen' stärke." Dabei ist die Bedeutung des Vaters nicht bloß herausragend. Um als Vorbild für ein gediegenes Ich zu dienen, sollte sie sogar Stärke und Autorität besitzen!

"Die Jugendlichen hielten meist traditionelle Werte hoch. Sie seien leistungsorientiert, sie betonten die eigene Individualität, seien aber auch zum sozialen Engagement bereit. Im Zentrum ihres Lebenskonzepts stünden Beruf und Familie, letztere idealisiert als Ort von Liebe, Treue, Verläßlichkeit." In Gruppengesprächen straffällig gewordener Sechzehn- bis Zwanzigjähriger während eines sozialen Trainings am Institut für Sozialpädagogik der Technischen Universität Berlin zeigte sich demnach: "Die jungen Gewalttäter hatten schwache oder an den Kindern nicht interessierte Väter, von denen sie enttäuscht waren und die sie verachteten... Sie hätten sich aber 'Phantom-Väter' zusammenphantasiert... Gewalt hätten sie als Ausdruck von Potenz idealisiert. Im Laufe des zweijährigen sozialen Trainings hätten sich diese jungen Gewalttäter dann verändert, wenn es gelungen sei, tragfähige Beziehungen zu den Sozialarbeitern aufzubauen. Sie konnten ihnen dann auch Grenzen setzen... Keiner von ihnen wurde mehr gewalttätig..."!14

Das erinnert uns an die Ermahnung eines in Sachen Jugendkriminalität spezialisierten Hauptschullehrers im SPIEGEL: "Unter den vaterlosen Jungs sind die größten Zeitbomben."15

Genug, um zu den Fragen überzugehen: Wenn eine schwache oder gänzlich fehlende Vater-Präsenz einen derartigen erzieherischen Mangel bedeutet, wie müssen wir jene gesetzlich initiierte Wegbereitung der Schmälerung von Vaterschaft ansehen, die wir hier eben skizzierten? Und welche Nachlässigkeit ist einem Erziehungssystem zuzuschreiben, das in seinen geschlechterorientierten Programmen einer dreißigjährigen weltverbesserischen Aufklärung nicht einmal ein noch so kleines Studienprojektlein über den Mangel an männlichen Lehrkräften in den Grundschulen und eventuell damit verbundenen Problemen bei der Sozialisation von Jungen auf die Beine stellen konnte, aber Millionen ausgibt, damit Tanten aus aller Welt sich in Mammutveranstaltungen darauf einigen dürfen, daß sie eigentlich gar nicht so recht wissen, was sie wollen sollen?

Dummer Witz und schlechter Rat

Wir verzichten hier darauf, die Problematik der Jungen um jene Überlegungen zu erweitern, die gegenwärtige, allgemeine Männerhaßklischees in ihren Wirkungen auf Jungen beziehen. Diese Hysterie, die hier schon eingangs gestreift wurde, wird auf diesen Seiten ohnehin auch in Zukunft von unterschiedlichen Aspekten thematisiert werden. Auch müssen die Bücher über den Wahn 'Tote-Männer = Gute-Männer' erst noch geschrieben werden und sie werden besser und interessanter sein als die der 'Erfolgsautorinnen' des Unfugs.

Dagegen haben hierzulande noch Vorträge Konjunktur wie der von Prof. Dr. Christian Pfeiffer (Kriminologe und zurzeit Justizminister in Hannover), der Alarm gegen das eigene Geschlecht auf eine Weise schlägt, in der mancher Leser Züge einer Volksverhetzung erkennen könnte. Das Konzept des SPD-Ministers lautet kurz gefaßt: Die Dominanz des Mannes gefährdet das Überleben der Menschheit, weil alle Bedrohungen: Bevölkerungszuwachs, Umweltverschmutzung, Terror und Krieg, vom Mann ausgehen. Außerdem erkennt man auch anhand der Kriminalstatistiken, daß Frauen die 'besseren Menschen' sind. Deswegen müssen Frauen an die Hälfte - oder vielleicht mehr - der "Ressourcen" (gemeint ist politische Macht) herangeführt werden.

Aber nicht gleich! Erstens deswegen nicht, weil sie noch "unter Druck" stehen, nämlich "beweisen zu müssen, dass sie den Männern an Härte und Durchsetzungskraft keineswegs unterlegen sind." Das heißt also, Pfeiffer erkennt auch in machtausübenden Frauen "Härte". Als Beispiel benutzt er die "eiserne Lady" der Briten, Frau Thatcher, die ja bekanntlich im Falklandkrieg ein paar hundert Menschen (natürlich allesamt "Machos") draufgehen ließ. Einhergehend mit diesem Beispiel wird aber der Gedanke suggeriert, Frauen wären so nur "unter Druck" und niemals aus eigener freier Einsicht – wie Pfiffig!

Zweitens dürfen Frauen deswegen noch nicht an die Macht, die ihnen Demokraten wie Pfeifer und andere Nichtmachos galant entgegenstrecken, denn sie, die Macht, erst geschält werden muß: Zu viele "gefährliche Macho-Kulturen" nämlich gebe es noch auf unserem Erdball, als daß man Frauen nachts allein an die Macht schicken solle. Das solle erst geschehen, nachdem "die westlichen Demokratien" dieses Problem gelöst haben werden. Es ist klar, welche Länder dabei gemeint sind. Es klingt, als sollte Feminismus doch noch einen legitimen Grund für einen Krieg der Kulturen liefern, um durch ihn zu seinem Endsieg zu gelangen.

Bis dahin werden aber die Demokraten des Westens leider noch Macho genug zu sein haben, um dem Gleichen im Osten schlagfertig begegnen zu können, sollten aber währenddessen immer nichtmachohafter werden, um die bevorstehende Schichtübergabe an die Weiblichkeit nicht zu verweigern. Auch die Mittel zu solcher Läuterung zögert der Minister nicht uns zu vermitteln. Darunter fällt "Weinen nicht unterdrücken"!16

Ein sehr sensibler Prozeß, wenn man bedenkt, daß mit zunehmender Weinerlichkeit direkt proportional die Einsatztauglichkeit gegen Macho-Krieger abnehmen könnte, die ja auch in Zukunft sicher nicht allein per Mausklick anzugehen sein würden. Also, liebe Freunde, es besteht wenig Grund, gleich mit dem Heulen zu beginnen, es sei denn, die Ausführungen des preisgekrönten Kriminologen und Politikers bieten dem einen oder anderen unter uns den Grund dazu. Wir sollten auch nicht an dieser Stelle weiter in die Gedankengänge und Interpretationen des Denkers einsteigen, um die Gründe heraus zu fischen, welchen seine Welterlösungsvorschläge ihre Beschaffenheit verdanken. Ein andermal gern. Vorerst genügt es, die erschreckende Selbstverständlichkeit, mit der Männerhaß als repräsentatives politisches Gedankengut gegenwärtig fungieren darf, festzustellen.

Und um nicht den Eindruck zu hinterlassen, daß hier parteilich ausgeteilt wird (der niedersächsische Justizminister ist ein SPD-Mann), sollte auch des etwas weniger epischen aber nicht minder eindeutigen 'frauenfreundlichen' Fernsehauftrittes des CDU-Politikers Heiner Geißler kurz gedacht werden, dessen Liebfrauenpredigt (Inhalt in etwa wie oben) von der beschönigenden Trübe, in der weibliches politisches Gebaren (als hätte es Thatcher und Albright nie gegeben) in mütterliche Sensibilität eingetaucht werden soll, in die heiter bis wolkige Witzelei überging: Männer hätten mit Wolken gemeinsam, daß ihr Verzug einen schöneren Abend bescherte.17

Oder vielleicht eher eine gute Nacht, Herr Geißler? In seligem Tiefschlaf? Zwar werden Politiker nicht vor allem zu dem Zweck gewählt, uns guten Geschmack vorzuführen. Aber auch inhaltlich scheint in unserem Fall dieses Peinlichen schlechter Witz zu versagen. Denn mit dem Verzug der Männer aus den Erziehungsbereichen sieht es offenbar ganz anders aus, als uns die seicht-rhetorische Selbstgeißelung des CDU-Politikers nahelegen möchte. Wenn auch nicht nur abends.

"Die Grundschule braucht Männer"

Es ist wirklich kein Satz aus dem 'Maskulisten', sondern der Titel eines unlängst in der FAZ erschienenen Artikels!18 Auf die Mängel, die hier Ende des Vorjahres anhand der Diskussion um die Ergebnisse der internationalen Schülerleistungsstudie PISA aufgezeigt wurden (Siehe hier unter "Zeitgeschehen", "Die PISA-Bildungsschlappe - irgendwelche Fragen?"), nämlich die enorme Überzahl von Lehrerinnen in Grundschulen mit all den daraus resultierenden Nachteilen für die Sozialisation und Leistung insbesondere der Jungen, wird im Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung von Politikern und Verbandsvertretern (des deutschen Grundschulverbandes, des hessischen Verbands der Lehrer, des Elternbundes Hessen) mit Alarm schlagenden Worten hingewiesen. Selbst die "unterschiedliche Lesefähigkeit von Jungen und Mädchen" wie auch das "mangelnde Interesse an Naturwissenschaften" werden mit dezenten Vorbehalten darauf zurückgeführt.

Ob es die PISA-Studien sind, die uns im sensiblen Bereich der Bildung einen geeigneten Indikator des geschlechtsspezifischen Desasters bescheren, mit welchem die ideologische Penetranz der letzten Jahrzehnte die westlichen Gesellschaften heimsuchte? Denn die Diagnosen der Experten in der FAZ sind auf dem besten Weg, nicht nur die Unzuträglichkeit der physischen Abwesenheit von Lehrern in den Grundschulen aufzudecken. Daß diesen Experten mehr faul zu sein scheint als nur das Fehlen von Lehrern dort, zeigt sich in Bemerkungen über Kinder, die "leider nicht mehr aus intakten Familien [kommen], sondern mit alleinerziehenden Müttern [leben]", die "Zeitbomben" unseres Jugendgewalt-Spezialisten vom 'Spiegel'. Die "männliche Autoritätsperson" wird auch hier als "wichtiger Baustein in der Erziehung" wiederentdeckt; schreckhafte Feministen wie der niedersächsische Minister und Kriminalist von weiter oben, Christian Pfeifer, sähen hier vielleicht die "Machos" wieder in den Schulen unterwegs. Aber das macht gar nichts...

Diese alten und jetzt wieder neuen Erkenntnisse der Pädagogen werfen ein ganz besonderes Licht auf die gesamte Struktur der Entwicklungen nach den Siebzigern. Und in diesem Licht sehen wir Erziehung und Bildung als Teile in einem größeren Block, als Mitgerissenes in einer umfassenderen Umwälzung. Versuchen wir doch ein wenig die Fragen zu erkennen, die sich in diesem Licht zeigen.

Welche Wandlung hat die Familie in den letzten Jahren erfahren, jener Ort, der nach der Schellstudie 'im Zentrum des Lebenskonzepts von Jugendlichen als Ort von Liebe, Treue und Verläßlichkeit' steht? Ist sie nicht zum Status einer mit Leichtigkeit kündbaren Wohngemeinschaft unterschiedlichster Couleurs verkommen, belastet sogar mit dem Ruf eines Tatorts, in welchem es gefährlicher zugehen soll als im Straßenverkehr; eines Tatorts, gegen den neuerdings der Polizeiapparat mit gesonderten Sensibilisierungsprogrammen ausgestattet wurde, Programmen und Gesetzen, die alles ignorieren mußten, was über häusliche Gewalt tatsächlich ermittelt wurde, um so ihre sexistische Ausrichtung gegen den Mann anwenden zu können?

Welche "männliche Autorität" mit "Erziehungswert" kann aus einem Begriff der Vaterschaft resultieren, dessen Relevanz genau so auf einem unüberlegten bürokratischen Akt beruhen und mit der Willkür der Mutter stehen und fallen kann?

Mit welchem Gestammel will man einem intelligenten Kind erklären, warum das Leben eines gezeugten Geschwisterchens mit der Selbstverständlichkeit beendet werden kann, mit welcher eine Zyste entfernt wird, in der Diskussion aber über den Gebrauch embryonaler Stammzellen in der Wissenschaft mit frommen Begriffen über Würde und Wert des menschlichen Lebens pharisäerhaft operiert wird?

Mit welchem Selbstwertgefühl sollen junge Männer in die Zukunft blicken, wenn Sykophanten in der Herabwürdigung des Maskulinen ihr Lieblingsspiel treiben und dies ungehindert aus allen Kanälen der Unterhaltung, des populär-wissenschaftlichen Berichts oder gar der politischen Stellungnahme herausposaunen dürfen, während sie sofort geächtet, ja in ihrer Funktion verenden würden, richtete sich ihre Hetze gegen eine jede andere Bevölkerungsgruppe?

Die wunderbaren Jungen!

"Die meisten Jungen bevorzugten Sport, bei dem sie Mann gegen Mann kämpfen können... und haben... Spaß daran, den Gegner zu besiegen..." (Prof. Dr. Christian Pfeiffer, siehe oben). Dem hier nochmals zitierten Politiker genügt offenbar diese Feststellung, um seine Schlußfolgerung der genetisch besseren Mädchen zu ziehen. Was "Gegner besiegen" bedeutet, fragt er sich nicht; es ist für ihn abgemacht: das Ausleben von Aggression. Dabei hätte er nur einmal um die Ecke zu denken brauchen und sich zu fragen, was das Prinzip eines fairen Wettbewerbs in dem - als von jeglichen destruktiven Umtrieben freien idealisierten - Sport bedeutet. Aber mit seiner einfachen Interpretation hat der SPD-Mann nicht einmal den größten Bock geschossen; es gibt Schlimmeres: Der Wiener Verhaltensforscher Karl Grammer hätte hier gewiß aggressives Balzverhalten diagnostiziert. Denn Aggression wie auch jegliche Form maskuliner Kreativität gehören nach Grammer dem Balzverhalten der Männer an, alles vom überschauenden und übermenschlich waltenden Weib eingefädelt. "Selbst wenn Männer einmal etwas Kreatives hervorbringen", hat es für Grammer keine andere Grundlage als den Wunsch, das Weib für beglückende Kopulationen zu gewinnen.19

Das trefflichste vielleicht im Gesamtkonzept des Wiener Forschers dürfte dieser kleine, eben zitierte Nebensatz sein. Aber trefflich deswegen, weil es Herrn Grammer selbst aufs beste in seiner tendenziös-obskurantistischen Neigung zu erkennen gibt. Wir fragen: Sollte ein Mitbewohner unseres Planeten, der den Satz: "Selbst wenn Männer einmal etwas Kreatives hervorbringen" gebraucht, und das im Rückblick auf all die Entwicklungen, die das vorangegangene Jahrhundert in solchem Tempo und in solcher Vielfalt auf der Basis eines nahezu ausschließlich maskulinen geistigen Strebens hervorgebracht hat und die er als Wissenschaftler aus ziemlicher Nähe mitbekommen haben dürfte, im Ernst als Kandidat für kompetenten Beitrag in diesem Kulturprozeß angesehen werden, oder sollte ihm viel mehr von zuständiger Stelle zu einem Taxischein oder dergleichen verholfen werden, damit er seinen Unterhalt etwas adäquater bestreiten kann?

Das Besiegen des Gegners (Wettbewerb), das Manövrieren in den riskantesten Situationen auf dem Skateboard (Erkundung der möglichen Reaktionsfähigkeit), das Halten des Unterarms bis zum Geht-nicht-mehr im Eiswasser (Erkundung der möglichen Selbstdisziplin), das alles hat mit Grenzen zu tun, und Grenzen sind da, wo sich die Wirklichkeit ihrem Ende zuneigt, also da, wo sie neu entstehen, sich erweitern soll. Das Kollektiv erlebt dergleichen in den Errungenschaften der Technik oder in den Sportrekorden.

Daß junge Männer sich derart exponieren (und dafür zahlen sie auch ihren Preis: ein Drittel mehr Jungen verunglücken beim Spielen) liegt an dem eben beschriebenen Reiz, dem einzig möglichen Fluß der Zeit nachzugehen, und der fließt gen Zukunft, ins Neue über, das dadurch ergattert wird, daß wir bereits Bestehendes (das Alte) bis zur Erfahrung seiner Grenzen ausloten, überwinden und - je nachdem - verwerfen oder neuen Bedingungen unterstellen. Es war schon immer der Duft der Zukunft und des Werdens, der Evolution selbst, und weniger jener des Weibes, was große Akte maskuliner Kreativität zeitigte, das ist denn auch der Grund, warum wir noch heute Da Vinci mehr als Casanova ehren. Und das Gefährliche: Je weniger dies geschieht, wie neue 'Denker' uns glauben machen wollen, desto weniger zukunftsträchtig werden wir sein!

Daß Kreativität und Destruktivität nah beieinander wohnen, ergibt sich aus der Sache selbst und war bekannt bevor Grammers und andere auftraten, um uns zu sagen, warum. Gerade an diesem Punkt setzt die Erziehung an. Wer durch Bildung (=Gestaltgebung) so gestaltet und ausgerichtet wird, daß er sich für die Erbauung des Neuen wert und kompetent weiß, wird sich dem Neuen zuwenden und so den Prinzipien des Entstehens; er wird kreativ sein. Wer sich unwert fühlt, wird seine Potentiale dem Prinzip des Vergehens widmen, wird zerstören wollen. Wenn "Zukunft" in Erziehungseinrichtungen "weiblich" genannt wird, läuft sie Gefahr, böse zu werden, und je stärker die Potentiale der Jungen sind, desto böser!

Zitat aus einem Leserbrief an den "Maskulisten": "Unsere Gesellschaft versucht, sich über Quoten und Falschinformationen dazu durchzuringen, der Frau eine Stellung zu verschaffen, die weder Mann noch Frau... gerechtfertigt erscheint. Daran krankt unsere Gesellschaft... Der Grund für die vielen Mädchen, die [im Gegensatz zu den jungen Männern] das Abitur machen und an die Universitäten stürmen? Man fühlt sich als Mann heute minderwertiger. Man sieht die offensichtlich stärkeren Triebe ..., die sich bemerkbar machen... aber nicht 'raus' dürfen. Männer werden heute schon kraft Rechtsstaat diskriminiert. Denn das Prinzip des Mannes wird heute als das des Bösen gesehen... Niemand fragt nach den Ursachen für Männergewalt. Behandelt werden lediglich die Symptome. Niemand kümmert sich um Männerforschung... Dass wir Probleme haben... dass auch wir Männer Opfer sein können..."

Werfen wir doch einen Blick in die Medienwelt, um jungenfeindliche Entwicklungen bloßzustellen, die inzwischen so selbstverständlicher Teil der Unterhaltung sind, daß sie ihr Gift uneingeschränkt verabreichen dürfen: Es steckt schon ein System dahinter, wenn die weiblichen "Strolche" mit Genugtuung feststellen: "Sind Jungen doof!". Es stecken auch Überlegungen dahinter, wenn der Held Herkules im gleichnamigen Zeichentrickfilm nur noch als der dämliche, aber muskulöse Handlanger der intelligenten Amazonentochter herumfuchtelt. Wie böswillig aber die tonangebenden Absichten solcher Darbietungen wirklich sind, wird in den Produktionen zum besten gegeben, die nicht vorgegebene Vorlagen wie die legendäre Herkules-Chronik verfremden (Herkules vernichtete eigentlich den Amazonenstaat), sondern frei ihre Inhalte erfinden. Erhellend ist der besorgte Kommentar eines zweifachen Vaters, der sich einmal im Internet über diesbezügliche ARD-Gepflogenheiten äußerte:

"Ich möchte... auf ein Thema aufmerksam machen, welches in der aktuellen Geschlechterdebatte eindeutig zu kurz kommt... Dabei handelt es sich um das in den Medien ablaufende 'Neue-Männer-Zucht-Programm', besser bekannt als Kinderfernsehen. Als Vater zweier Kinder musste ich mir in der Vergangenheit schon den einen oder anderen Beitrag ansehen, bei dem mir ob der Unverfrorenheit und Schamlosigkeit der Macher(innen) die Spucke wegblieb. Was ich aber letzten Samstag... zu sehen bekam, schlägt dem Fass den Boden aus.

Es handelt sich dabei um eine Sendung der ARD mit dem Namen 'fabrixx'. In solcher Brutalität und Offenheit ist mir jungenfeindliche feministische Propaganda noch nie zu Gesicht gekommen. Ich habe leider nur die Hälfte der Sendung gesehen, aber genug um mein Blut zum kochen zu bringen. Klare Rollenverteilung: Jungen sind schlecht und Täter, Untermenschen, ...Mädchen sind bedroht, Opfer und überlegen. Beispiel: Ein Mädchen zerrt einen Jungen am Kragen durch den Raum, knallt ihn heftig vor einen abgestellten PKW. Der Junge jammert und weint, wehrt sich aber nicht. Sie schreit unablässig auf ihn ein, will irgendeine Information von ihm. Als sie ihn würgt(!), gibt er nach. Später fallen Sprüche unter den Mädchen: 'Du hast richtig gehandelt, er hat es nicht anders verdient. Der versteht es ja gar nicht anders. So muss man den behandeln' usw."

Was wohl die Damen der Kultusministerkonferenz zu den rabiaten Methoden meinen, die das öffentlichrechtliche Medium zur Jugenderbauung ausstrahlt, wäre sicher von Interesse. Schade nur, daß sie sich um so weniger um solches zu kümmern haben! Denn es hat sich schon oftmals gezeigt, daß "die Gedankenfülle, mit der die ARD ihre Unterhaltungskonzeption vornimmt",20 dringend von verantwortlicher Stelle begutachtet werden sollte.

Nachtrag

In diesem Text wurde vor allem versucht, Mißstände aufzuzeigen, die junge Menschen in den ersten Jahren ihrer Sozialisation betreffen. Mißstände in den höheren Bereichen der Bildung wurden in dieser Abhandlung nicht angegangen. Täten wir das, würden wir auch erkennen, daß der Grund des Versagens ein umfassenderer als der Feminismus allein ist, ja daß Feminismus selbst der Ausdruck einer umfassenderen Krise ist und keineswegs ihr Verursacher. Diese Thematik würde aber den Rahmen der hiesigen Betrachtungen sprengen.

Den Übergang allerdings zu ihr, können wir dort angedeutet sehen, wo in den Gesprächen nach dem Erfurter Massaker Stichworte von seiten derjenigen fielen, die sich nicht bloß mit einer Bekämpfung des Gewaltphänomens an seiner Peripherie abfinden wollten. Es soll uns nicht stören, wenn dies zumeist Kleriker waren; die Gilde hat vielleicht in ihrem konservativen Kokon erhebliche Attacken gegen den Menschen überlebt und kann uns heute womöglich etwas sagen. So kritisierte der Kölner Kardinal Joachim Meisner, daß jungen Menschen immer weniger Werte vermittelt würden. Immer weniger Menschen fühlten sich von der Gesellschaft akzeptiert. "Und wer sich nicht geliebt fühlt", kommentierte ein evangelischer Bischof, "gerät rasch in Verzweiflung."

Tatsächlich sind Werte wichtig für die Anliegen der Zukunft, denn wenn nichts wert ist, in die Zukunft transzendiert zu werden, warum soll es Zukunft überhaupt geben, außer um in ihr die einzig verbleibende 'Qualität', die Befriedigung egozentrischer Triebe, zu entfalten? Werte aber haben etwas Homöopathisches, sie gedeihen nur auf Wertvollem! Selbstwertgefühl zu vermitteln ist daher das primäre Anliegen einer verantwortungsvollen Menschengestaltung (=Bildung).

Personen, die die eine Hälfte der Menschheit zum Feind oder zum mißratenen Teil derselben erklären, sollten geächtet, wenn nicht sogar als Volksverhetzer wahrgenommen werden; wir können uns diese nicht leisten, sie sind dunkle Wolken und müssen sich - soll es Zukunft geben - verziehen.

Das Selbstwertgefühl nur eines der Geschlechter in den Vordergrund zu stellen ist destruktiv, gleich welches Geschlecht damit gemeint wäre. Bemühungen in solcher Hinsicht haben in Schulen nichts zu suchen. Fördermaßnahmen sollten deswegen paritätisch sein; keine Veranstaltung "nur für Mädchen" ohne auch eine, die Jungen ebenso als eine Gruppe mit spezifischen Problemen und Anliegen berücksichtigt, denn geschlechtsspezifische Mißstände gibt es für beide Geschlechter, für Jungen - wie gesehen - mittlerweile mehr!

Übrigens würden Maskulisten in speziellen Veranstaltungen für Jungen auf "Frauen-Popokneif-Aktionen" eventuell verzichten. Männer sind ja nicht so!

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Quellen, Anmerkungen:

1. DER SPIEGEL Nr. 25, 21. 06. 1999, S. 77
2. N 3, "Talk vor Mitternacht", 05. 07. 1999
3. Arne Hoffmann über Koedukation in "Sind Frauen bessere Menschen?", S. 426
4. Artikeltitel im WIESBADENER KURIER, 11-12. 03. 1995
5. MENSCHENKENNTNIS (seit 2002 eingestellt) Heft 7-8/1991, Zürich, Artikel: "Zum gesellschafts- und wertezersetzenden Charakter des Feminismus"
6. Felix Stern, "Penthesileas Töchter - Was will der Feminismus?", S. 219, UNIVERSITAS Verlag
7. "Frauen machen Schule. Projekte, Maßnahmen und Angebote zum Thema Gleichberechtigung", Niedersächsisches Kultusministerium, Niedersächsisches Frauenministerium, Hannover 1994
8. Wörterbuch der Soziologie, Stuttgart 1989, "Frauenforschung"
9. SPIEGEL ONLINE am 28. 05. 2001
10. "Mädchensozialarbeit: eigenständiger Ansatz und Querschnittsaufgabe", Bundesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit, Bonn 1990
11. Die gesamte Korrespondenz und die Antworten der Ministerin fanden sich einst auf den Seiten unter http://www.switchboard-online.de
12. STUTTGARTER ZEITUNG, 07.04.2000
13. Hier, "Essays", "Girls' Day and the Day after"
14. FAZ, 10. 05. 2002, "Ohne Anerkennung zur Macht"
15. DER SPIEGEL Nr.19, 06. 05. 2002
16. DIE ZEIT Nr. 16, 2001, "Machos, Feinde der Menschheit"
17. NDR-Talkshow am Freitag, 03. 05. 2002
18. FAZ, 03. 06. 2002, "Die Grundschule braucht Männer"
19. DER SPIEGEL Nr. 36, 03. 09. 2001, "Immer auf der Balz"
20. Hier, "Briefe", "Korrespondenz mit der ARD"