DER MASKULIST
06.01.2002

Prof. Hameisters Anliegen

E

s war ein Gespräch über Intelligenz - man stelle sich das vor! -, und das in einem renommierten Tageblatt,1 in welchem auch folgende Frage fiel, eine Frage, über deren Intelligenzgehalt der Leser überrascht sein dürfte: "Kann ein Mann intelligenter sein als seine Mutter?"

An sich gar keine schlechte Frage, könnte man meinen, bedenkt man, daß sie Teil eines Interviews war, das als Artikel in der FR den Titel "Das dumme Männer-Chromosom" trug, und von Mann an Mann gestellt wurde, nämlich vom FR-Mitarbeiter Lucian Haas an den Professor für Humangenetik der Universität Ulm, Horst Hameister.

Doch kein Grund, hier über den Intelligenzstand des Fragestellers zu schmunzeln, denn die Frage des Herrn Haas war berechtigt. Nämlich bestens geeignet, um den verworrenen Hergang der Gedankenkonzeption unseres Professors als einen solchen auszuweisen. Denn Professor Hameister machte es sich nicht leicht. Nicht aber deswegen, weil die in diesem Interview zu behandelnden Fakten etwa zu kompliziert gewesen seien, sondern vielmehr, weil das Anliegen des Professors, zu welchem die gebrauchten Fakten hinmünden sollten, ein ziemlich gewagtes war: Es bestand darin, nachzuweisen, daß die Evolution der Intelligenz auf unserem Planeten den Frauen zu verdanken sei, den Männern aber, so Prof. Hameisters Forschungsergebnis, nur 'sehr Enttäuschendes und Entblößendes' zukäme.

Für den Beobachter des Einflusses femosexistischer Gedankentauglichkeit in der wissenschaftlichen Forschung der letzten Jahrzehnte liegt hier etwas Erfreuliches vor, denn das Vorgehen Prof. Hameisters macht uns deutlich, daß sich die Invasion der "frauengerechten" Forschungs-Scharlatane der neueren Zeit offensichtlich auf dem Rückzug befindet.

Kamen sie doch noch vor wenigen Jahren mit der Entdeckung der weiblichen Überlegenheit durch ein dickeres Corpus Collosum, jene Balkenverbindung der beiden Gehirnhemisphären, die Frauen ein vermeintlich "vernetztes" Denken ermögliche, Männer aber zum "linearen" Denken verdamme; und versuchten es nur etwas später amerikanische Forscher durch den Masse-Vergleich der weißen und grauen Gehirnmasse der Geschlechter, um mit den Ergebnissen den Frauen sogar eine höhere mathematische Begabung zu attestieren!

Doch selbst der ödipalen Blindheit 'frauengerechter' Forschungspiraterie an den diversen Universitäten konnten die wirklichen Fakten auf Dauer nicht ohne Verlust des wissenschaftlichen Ansehens ihrer Träger verborgen bleiben: Das erheblich ausgeprägtere räumliche Bewußtsein des Mannes, sein virtuoser Umgang mit anschauungsfremden Inhalten (Zahlenverhältnissen, abstrakt-theoretischen Gedanken), seine höhere Gehirnströmung, seine Reaktionsfähigkeit, sein objektorientierter Sprachgebrauch, nicht zuletzt die offenkundigen Ergebnisse von Intelligenztests und einiges mehr, als wir an dieser Stelle anführen wollen, stellten wohl allmählich diese Forscher vor die Wahl zwischen ihrem Wunsch, als Wissenschaftler ernst genommen zu werden, und dem Wunsch, Lakaien eines modischen, populären Klischees zu sein.

Schnell schwanden auch die Gerüchte der 'neueren Forschungsergebnisse' vom Professor Besserweiß an der Universität Frauenlob. Doch nichts war umsonst! Von alledem blieb immer etwas haften, und Feminismus nimmt auch Reste mit verschlingender Dankbarkeit und beeindruckendem Verwertungsgeschick entgegen. Wer will sich heute schon die Mühe machen, zwischen Kommunikativität und Geschwätzigkeit oder zwischen der sozialen Kompetenz eines angeblich höheren EQs und dem Mangel an Selbstreflektion zu unterscheiden? Die Damen trugen ihre Trophäen mit dem Segen der 'Wissenschaft' und dem Rummel von Gruner+Jahr emsig heim und erklärten diese kurzerhand zu den Tugenden, die einmal die "Zukunft" unseres Planeten "weiblich" gemacht haben werden.

Etwas Herbstliches dagegen, etwas roströtlich-Depressives schwebt über dem etwas verzögerten Auftritt Prof. Hameisters. Schade! Man wird nicht mehr sagen, Frauen seien intelligenter, rechenbegabter oder ähnliches. "Männer sind häufiger bei den Fällen mit besondes niedrigem IQ, aber auch bei den Fällen mit besonders hohem IQ zu finden", muß selbst der frauengerechte Wissenschaftler heute gestehen. Ein Verdruß?

Aber keine Niederlage! Denn wo man schon den Frauen nicht ein politisch korrektes Intelligenzmaß forscherisch anzudichten vermag, versucht man ihnen eben zum Ausgleich die Männerintelligenz zu schenken! Wie verläuft dieser Versuch?

Der Mensch, Mann oder Frau, besitzt 22 plus 1 Chromosomenpaare. Die 22 Paare bilden sich aus 22 Chromosomen, die der Mensch vom Vater erbt, und 22 Chromosomen, die von der Mutter stammen. Diese 44 Chromosomen gehören für Mann und Frau zur Grundausstattung. Um die biologistische Sprache Prof. Hameisters zu benutzen, "haben damit Männer eine der Frauen... ebenbürtige Ausstattung mit Intelligenzgenen" (Oh, vielen Dank Professor!), denn diese Chromosomen enthalten die meisten der Intelligenzgene, fünf Sechstel davon!

Zu dieser Grundausstattung von 22 Chromosomenpaaren kommt sowohl beim Mann wie auch bei der Frau ein weiteres Chromosomenpaar hinzu, welches ebenfalls aus einem Chromosom vom Vater und aus einem von der Mutter zusammengesetzt ist. Weil dieses 23ste Chromosomenpaar - anders als die 22 anderen - für das Geschlecht bestimmend ist, heißt es auch das "Geschlechtschromosom". Schon Grund genug, daß Feministen gleich aufmerken...

Dieses Geschlechtschromosom besitzt wichtige Eigenschaften für die embryonale Entwicklung. Es bietet aber außerdem noch eine höchst interessante geschlechtsspezifische Auffälligkeit bei vorembryonalen genetischen Vorgängen, sprich bei der Vermählung des Spermiums mit der Eizelle. Denn während die Mutter nur in der Lage ist, eine Art Geschlechtschromosom für das 23ste Chromosomenpaar beizusteuern (ein aufgrund seiner Aufbauform X-Chromosom genanntes Chromosom), vermag die Spermienflut des Vaters dem genetischen Prozeß zwei Varianten anzubieten: Entweder ein zusätzliches X-Chromosom oder ein (ebenfalls auf Grund seiner Form so genanntes) Y-Chromosom.

Eine kleine Hymne an das Y-Chromosom

Im ersteren Fall der gleichartigen Chromosomen (XX) wird aus dem Embryo eine Frau. Bei ihr aber bleibt fortan nur eines der beiden X-Chromosomen aktiv. Erst durch die Verbindung beider Arten von Chromosomen (XY), durch die Einwirkung also einer nach Vielfalt hin orientierten Beteiligung von Chromosomen beider Arten und den in ihnen enthaltenen Gen-Varianten, werden jene grandiosen Prozesse im Mutterleib ausgelöst, welche Forscher veranlaßten, die Mannwerdung als einen "speziellen" Prozeß im Mutterleib zu bezeichnen, als "eine Art Kampf gegen innewohnende Trends in Richtung Weiblichkeit", als ein Aufheben des "normalen", "einfachen" Weges, der ohne die rabiate Einmischung des Y-Chromosoms ausschließlich zur Entstehung von Frauen führen würde! Auch sind fortan beim Mann - anders als bei der Frau - beide Chromosomen aktiv.

Diesen durch das Y-Chromosom (genauer durch sein "sry" genanntes Gen) ausgelösten Prozeß im einzelnen zu beschreiben, wäre wahrhaft poetische Wissenschaft, würde aber zugleich weiter führen, als es notwendig ist, um den Ansichten Prof. Hameisters adäquat zu begegnen. Wir wollen also hier nur in aller Kürze Wesentliches erwähnen:

Die Wirkungsweise dieses Prozesses gegen den "normalen" Naturgang in Richtung Frau ist ein (nach den Worten eines bekannten Endokrinologen) "langes, risikoreiches Unterfangen", weil sein Erfolg, zumindest bis zur Sicherung der maskulinen Ressource Testosteron, durch eine Ambivalenz gekennzeichnet ist, durch eine ständige Gefährdung der Ergebnisse dieses Prozesses, eine Gefährdung, die nur durch enorme Akribie des Vorgehens im molekularen Bereich und exakte Wahrung der Dosierungen bei der Produktion und Anwendung geeigneter Proteine gebannt werden kann, um das Ziel Mann nicht zu verfehlen. Wie ein genialer Seiltänzer schreitet der durch unseren mikrobiologischen Männerfreund (das Y-Chromosom) ausgelöste Prozeß vorwärts, sein Seil gespannt in einem Labor, in welchem er beim präzisen Voranschreiten zugleich mit beiden Enden seiner Balancierstange Faktoren nach Belieben ordnet, verwirft oder entstehen läßt, weiteren Genen Anstöße mitteilt, die sich dann - ihrer Art entsprechend - in den gleichen Prozeß einbinden. Es ist, als habe die Natur ihren Meister gefunden, der sie jetzt zu seinem Tummelplatz macht oder zu seiner alchimistischen Werkstatt, in welcher nicht geruht wird, bis das Gold, das so wertvolle und ebenfalls tüchtige Testosteron, in passender Menge seinen Part aufnehmen kann.

Wären wir also in der Lage, so etwas wie einen biologischen Stolz zu empfinden, wozu biologistische Auslegungen wie die Prof. Hameisters deutlich anstiften, hätten wir jeden Grund, stolz auf die Taten unseres genialen Künstlers im sich gerade der Wissenschaft eröffnenden, noch trüben Schaffen der Natur im Mutterleib zu sein! Und sollten wir einen Helden unter den Chromosomen suchen, einen Perseus, der dem naturhaften Treiben einer sich gemäß ihrer Veranlagung ewiglich wiederholenden Weiblichkeit ein Ende setzt; einen Herkules, der einen Amazonen-Staat vernichtet, um der menschlichen Evolution zu dienen; sollten wir uns nach einem Bezwinger, Überwinder im mikrobiologischen Kosmos umschauen, wäre es nicht anders möglich, als das Y-Chromosom dazu zu erwählen!

Es ist nicht allein die Y-Form also, die dieses Chromosom den Feministen sehr früh zu einem Dorn im Auge werden ließ.

Denn außer dem Unbehagen, das diesem Menschenschlag Kompetenz und Dynamik des Y-Chromosoms bei seinem Wirken bereitet, gibt es da noch etwas. Ein vorsichtig tabuisiertes Problem nämlich. Das ist: Die Existenz und Vorgehensweise des Y-Chromosoms widerlegt mit ihrem fulminanten Akt den ideologischen Leitsatz des neueren Feminismus:

Denn das Vorhandensein des Y-Chromosoms als einer reinen Tat der Natur zur Schöpfung von Maskulinität, dazu als einer solchen, die zum Prinzip des Weiblichen nicht parallel verläuft, sondern diametral entgegensteht, ja nur vollführt werden kann, indem die Entstehung des Weiblichen negiert und vereitelt wird, spricht Bände gegen die feministische 'Überzeugung', Geschlechterpolaritäten seien der Natur unbekannt und entstünden lediglich durch den Einfluß der Kultur. Das Y-Chromosom setzt durch sein Sein und Wirken die beiden politisch korrekten Begriffe "Gender" (politisches Geschlecht) und "Sex" (natürliches Geschlecht) in das gehörige Zwielicht, in welchem eine vernünftig korrekte Sprache die beiden Begriffe als zweifelhaft durchschauen muß.

Mehr noch: Überraschenderweise entstehen durch die durch das Y-Chromosom ausgelösten Prozesse schon im Mutterleib Bilder und Verhaltensweisen, welchen mit überzeugender Eindeutigkeit Eigenschaften entsprechen, die im späteren maskulinen Verhalten ihre vollkommene Widerspiegelung finden, wenn auch diese Eigenschaften in der politischen Korrektheit der Gegenwart (ähnlich wie das Y-Chromosom in der politisch korrekten Wissenschaft) verdrängt oder negiert werden. Das wird unverkennbar deutlich in Sätzen, die oft bei Äußerungen zu diesen Sachverhalten vorkommen: So wird z. B. vom Testosteron als dem Inbegriff des Maskulinen auch bildhaft als von einem "Macho in Molekülform" gesprochen, oder es wird von Wissenschaftlern verglichen: "Männlein werden ist ein aktiver Vorgang, Weiblein wird man von allein" (passiv, ohne eigenes Zutun).

Und erinnert uns die doppelte Ausstattung der Väter sowohl mit einem X- wie auch mit einem Y-Chromosom, nicht geradezu an die von Thomas Mann in "Josef und seine Brüder" erwähnte Vorstellung der Ägypter, wonach Weiblichkeit in gewissem kultischen Sinn nur Weibliches, Männlichkeit aber Männliches und Weibliches (XY) zugleich enthält?

Kein Zweifel: Der Feminist und seine wissenschaftlichen Lakaien haben das Y-Chromosom gleich so fürchten gelernt wie im Volksmund der Teufel das Weihwasser. Und schnell fiel das Unschuldige in Ungunst. "Genetischen Müll" waren zunächst die Forscher dieser Gesinnung nur bereit im Y-Chromosom zu entdecken. Das waren noch Zeiten! Heute dagegen kommt man nicht umhin, schüchtern einzugestehen: "Dort liegen nur unglaublich viele Gene, die die Fortpflanzungsfähigkeit des Mannes bestimmen", aber "gar kein" Intelligenzgen. Diese Feststellung soll dann "für uns Männer enttäuschend und entblößend" sein (Prof. Hameister). Schauen wir mal, ob dies wirklich so ist:

Intelligenzgene - welche denn?

Bevor wir nun beginnen uns zu schämen, liebe Freunde, wären wir sicher berechtigt, uns für die genauere Definition derjenigen Gene zu interessieren, aus deren erlauchtem Kreis die Gene unseres Y-Chromosomchens so unhöflich ausgeschlossen werden, um draußen vor der Tür ihren 'enttäuschenden und entblößenden' Stand zu beweinen:

Wir erfahren dabei, daß Intelligenzgene die Gene genannt werden, deren gegebenenfalls fehlerhafter Zustand eine geistige Behinderung bedeutet. Doch diese Definition wird schon dadurch relativiert, daß während nach ihr rund 1000 Gene bisher als Intelligenzgene identifiziert werden konnten, man die Anzahl der Gene, "die an der Entwicklung von Intelligenz und anderen Gehirnfunktionen beteiligt sind", auf "rund 24.000, also über die Hälfte der menschlichen Gene" schätzt! Ferner "ist der Einfluß der Gene auf die Intelligenz... ein heikles Thema" (Prof. Hameister). Ein noch nicht genügend gesichertes also.

Weil dies noch nicht genügend gesichert ist, sind wir gut beraten, zusätzliche Information aus der gegenwärtigen Gehirnforschung zu konsultieren.

Untersuchungen an der gleichen Universität, an welcher Prof. Hameister seine Professur innehat (Universität Ulm), brachten in den letzten Jahren Belege dafür, daß die Gehirnbildung ihre geschlechtstypischen Eigenschaften nicht - wie bis dahin angenommen - allein hormonellen Einflüssen verdankt, sondern durch hormonunabhängige Information gesteuert wird. Anders gesprochen, "weiß" eine jede Gehirnzelle von Anbeginn, ob sie eine männliche oder eine weibliche ist. Die Zellbiologen, die die entsprechenden Versuche gemacht haben, gehen davon aus, daß die dafür nötige Information durch eben jenes männermachende sry genanntes Gen transportiert wird, ja, sie haben bereits nachgewiesen, daß embryonale Gehirnzellen das sry-Gen unseres mikrobiologischen Helden "ablesen". Auch ist sry-Information im Hypothalamus und in der Großhirnrinde erwachsener Männer nachgewiesenermaßen vorhanden. Vermutlich also konstituiert diese Information das männliche Gehirn nicht nur, sondern hält es auch lebenslang als ein solches aufrecht!

(Gesetzt, der Informationsfluß innerhalb der Ulmer Universität ist nicht ein sehr miserabler, ist anzunehmen, daß Prof. Hameister auch diese "heiklen" Ergebnisse bekannt gewesen sind.)

Damit entpuppt sich das Y-Chromosom als der Urheber des Betriebssystems in demjenigen Gehirn (dem männlichen), welches lt. Prof. Hameister bei reibungsloser Funktion die 'häufigeren Fälle besonders hohen IQs' gewährleistet und - wie andere Untersuchungen zutage bringen - eine einige Male häufigere mathematische Begabung als in weiblichen Gehirnen ermöglicht. Der Urheber also einer Plattform, auf welcher die Anwendungen (allgemeine Intelligenz) mit dem eben beschriebenen Erfolg laufen können und auf welcher die anderen sog. Intelligenzgene (soweit Intelligenz von Genen überhaupt bestimmt wird) ihr Können demonstrieren dürfen! Würden wir den Hersteller eines so bewährten Betriebssystems vor den Herstellern diverser Anwendungsprogramme und anderer Soft- oder Hardware diskriminieren und ihm 'Entblößendes und Enttäuschendes' anlasten wollen, nur weil beim Fehlverhalten dieser anderen Programme kein Zusammenhang mit einem Defekt in seinem Betriebssystem nachweisbar ist, oder eher die Stabilität seiner Plattform würdigen?

Prof. Hameisters wahrer Hammer!

Leser, die den vor wenigen Wochen ausgebrochenen Medienrummel um Prof. Hameisters Ansichten etwas genauer verfolgt haben, werden sicher erkennen, daß der Kern seines zweifelhaften Frauenlobs noch nicht in dem bisher Behandelten gänzlich aufgegriffen worden ist. Denn Prof. Hameister dichtet ja der Frau nicht, wie frühere feministische Ausleger, eine höhere Intelligenz an, sondern versucht nur, natürlich auf dubiosen Wegen, die männliche Intelligenz der Frau gewissermaßen zu überweisen. Das ist es, was uns erfreulicherweise auch erkennen läßt, daß es um den Wissenschafts-Feminismus allmählich etwas enger wird.

Die Antwort des Professors auf die Frage des Herrn Haas (FR) "Wie kommen Sie darauf, daß wir dank der Frauen immer intelligenter werden?" lautet: "Nun zeigen die Genkarten des Human-Genom-Projektes, daß auf den X-Chromosomen [jenen also, deren doppeltes Vorhandensein den Embryo weiblich beläßt] besonders viele Intelligenzgene liegen."

Es wird also zunächst auf das üppige Vorhandensein von Intelligenzgenen im X-Chromosom hingewiesen, das Mann und Frau besitzen, die Frau aber doppelt anstelle eines zusätzlichen Y-Chromosoms. Sodann: "Damit kommt der Partnerwahl, die besonders vom weiblichen Geschlecht ausgeübt wird, eine herausragende Rolle bei der Entwicklung der Intelligenz zu. In den vergangenen Millionen Jahren haben sich die Frauen offenbar immer intelligente Partner gewünscht. Und das würde ich gern als Kompliment an die Damenwelt weitergeben..."

"Damit", dadurch also, daß in jenem Chromosom, welches Frauen doppelt besitzen, "besonders viele Intelligenzgene liegen", sind Frauen nicht etwa selbst intelligenter als die Männer geworden, sondern lediglich daraufhin veranlagt, intelligente Partner auszuwählen - eine mögliche Wirkung des gleichen Chromosoms beim Manne kommt hier gar nicht erst in Betracht!

Selbst wenn wir - der Einfachheit halber - die Frage dahingestellt sein lassen, ob Frauen in der grauen Vorzeit, in den späteren Frühzivilisationen oder im jüngeren sog. Patriarchat tatsächlich die Partnerwahl trafen, bliebe noch die andere Frage, ob Frauen als Hauptakteure bei der Partnerwahl auch tatsächlich geneigt sind, den intelligenteren Partner für sich zu wählen.

Es fallen einem bei dieser Frage Untersuchungen ein, wonach Frauen während der Zeit ihres Eisprungs und besonders dann, wenn sie den Willen zur Schwangerschaft verspüren, weniger Lust auf intellektuell interessante Männer als vielmehr auf Männer mit äußeren betont maskulinen Zügen empfinden, auf Männer mit einem kantigen Gesicht etwa, oder mit einem Dreitagebart. Und als ich neulich in Arne Hoffmanns "Sind Frauen bessere Menschen?" stöberte, stieß ich innerhalb dieser interessanten Faktensammlung auf eine Umfrage des Instituts für rationelle Psychologie unter tausend Frauen in der ersten Hälfte der neunziger Jahre. Das Ergebnis: 93% der Frauen wünschten sich beim Partner eine stattliche Größe, 87% muskulöse Arme, 81% ein großes Glied, 74% breite Schultern, 73% ein männliches Gesicht und nur etwa 20% wünschten sich einen intelligenten Partner! "Wer dem Schönheitsideal junger Frauen entsprechen will, braucht Muskeln wie Arnold Schwarzenegger und einen Schwanz wie ein Maultier" belustigte sich ein TAZ-Journalist über die Ergebnisse.

Doch genug all der Fakten! Wir werden als nächstes erkennen, daß unsere, ich hoffe für manchen Leser nützlichen Ausführungen, gar nicht vonnöten wären, um die Intelligenz-Theorie Prof. Hameisters in das richtige Licht gerückt zu sehen. Das Hervorragendste an der Fehlleistung des Universitätsprofessors brauchen wir nicht müßig im verwirrenden Gewimmel der Fachbegriffe zu suchen, in dem Gewimmel, das auch zu der Frage führte, die der FR-Mitarbeiter unserem Experten stellen mußte. Denn der wirkliche Hammer in den Thesen Prof. Hameisters ist, daß der Wissenschaftler in seiner verwegenen Spitzfindigkeit den eigentlichen Faktor der Intelligenz-Evolution völlig aus den Augen verlor, und das ist die Intelligenz selbst!

Es ist die Intelligenz selbst, die als aktive innere Tat, nach Art einer Lawine, das eigene Ausmaß beim bloßen Fortschreiten ausdehnt. Jener urmenschliche Trieb, der sich in den Worten "Zwar weiß ich viel, doch will ich alles wissen" (Faust I) ausdrückt, jene Neigung, das Was, Wie und Warum aller Dinge zu ergründen, ist der Motor der Intelligenzwerdung, und er bedarf nicht eines evolutionären Balls mit Damenwahl, um zu bestehen. Es ist die Intelligenz selbst das Perpetuum mobile, das, aus eigener Notwendigkeit heraus getrieben, sich selbst seine Gründe und seine Objekte schafft. Mag diese Intelligenz durch Gene, durch die Sterne oder die Elohims angeregt worden sein: Der Funke genügt, um aus dem Urtrieb nach Wissen jenen Wissenschaftstrieb in den Zivilisationen zu installieren, der mehr vielleicht als jede andere menschliche Gabe sich aus sich selbst heraus entwickelt und nicht aus vermeintlich evolutionär wirkenden frommen Wunschträumen des Partners.

Indem Prof. Hameister in seiner Intelligenz-Forschung die Intelligenz vergaß, gebärdet er sich wie jener Forscher, der ein fahrendes Automobil gewahrt und, weil in die gleiche Richtung, in welcher dieses fährt, sich ein leichter Wind andeutet, schließt, daß es die Brise ist, die das Vehikel vorantreibt, und gänzlich übersieht, daß dieses selbst einen Motor besitzt!

Gewiß, Forschung kann auch anstrengend sein. "Durch die ganze elektronische Datenverarbeitung werde ich gequält, meine Intelligenz aufs Stärkste anzustrengen...", beschwert sich unser Spezialist (ebd.).

Vielleicht zu lang verkannte Urlaubsreife? Wir empfehlen dem Experten Entspannung und das Abwerfen unnötigen Ballasts. Den Damen seines Herzens könnte er vielleicht lieber Rosen schenken anstatt der männlichen Intelligenz und so dem Streß - zumindest der Beweislast fraglicher Einschübe in seinen Forschungsergebnissen - entgehen. Denn der Professor sollte sich schonen! Und uns auch.

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Quellen, Anmerkungen:

1. FRANKFURTER RUNDSCHAU, 11. 12. 2001, "Das dumme Männerchromosom"

Dieser Beitrag wurde per E-mail dem Rektor der Universität Ulm, Prof. Dr. rer. nat. Hans Wolff und der Arbeitsgruppe Prof. Dr. Hameisters empfohlen. Die Arbeitsgruppe besteht aus Prof. Dr. Hameister selbst und folgenden Personen:
Frau Dr. biol. hum. Hildegard Kehrer-Sawatzki,
Frau Dr. biol. hum. Monika Wilda,
Frau Dr. Biol. Bettina Schreiner,
Frau Beate Fischer,
Frau Alexandra Killian,
Frau Antje Kollak und
Frau Helene Spöri.
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