DER MASKULIST
03.05.2003

"Amerikas erster Kriegsheld..."

C

hristian Liebig begleitete als FOCUS-Redakteur die US-Armee im Irak. Er war "einer der wenigen Deutschen, die als 'eingebettete Journalisten' mit der US-Armee während des Krieges unterwegs" waren. FOCUS-Chefredakteur Helmut Markwort stellte uns seinen "nachdenklichen Kollegen", Politologen und Wirtschaftswissenschaftler im Magazin vor; Untertitel im FOCUS-Tagebuch: "Respekt vor Soldatinnen"!1

Ob der Journalist von der "Hauptgefreiten Donna aus New York" und ihren "noch vielen" Kameradinnen wirklich deswegen so sehr beeindruckt war, weil sie "allesamt Freiwillige" waren und sich "in puncto Disziplin von den Männern nicht überbieten" ließen, oder ob es eingebetteten Journalisten aus politisch korrekten Höhen angeordnet wurde, lobend über den Einsatz der Frauen zu berichten, können wir letztlich nicht wissen.

Um Frauen aber, Soldatinnen, ging es in den Reportagen des Herrn Liebig auch weiterhin. Zwei Ausgaben später nämlich wurde ihnen ein ganzer Artikel gewidmet. Unter dem Titel "Amerikas Heldinnen" wurde dort vom Eintritt immer mehr junger Amerikanerinnen in die Armee berichtet, über 15 Prozent sollten sie mittlerweile sein. Im Krieg kämpfen sie zwar nicht in den Frontkompanien, riskieren aber auch ihr Leben auf Streifen, beim Fahren von Tanklastern durch "ungesicherte" Gebiete oder von Ambulanzpanzern an die Front. Dem Reporter und seiner Ko-Autorin kommt offenbar nicht in den Sinn, was denn ihre "Heldinnen" sonst im Irak zu suchen hätten, würden sie auch solchen Hilfsarbeiten nicht nachkommen.

Und da war noch jenes Spektakel um Frau Jessica Lynch, die zierliche junge Frau, die in Gefangenschaft geriet und die "in einer spektakulären Rettungsaktion von US-Spezialeinheiten aus einem Krankenhaus befreit wurde." Die publikumswirksame, aufwendige Aktion hatte Anfang April die Welt beeindruckt: Zur Ablenkung wurden irakische Stellungen in der Nähe des Krankenhauses unter Dauerbeschuß genommen, die Stromversorgung lahm gelegt. US-Elitesoldaten landeten mit einem Helikopter neben dem Krankenhaus, in welchem die 'Heldin' gefangen lag, schossen sich den Weg frei und wurden von einem Krankenhausmitarbeiter in das Zimmer der Soldatin geführt: "Wir haben das Mädchen", meldeten sie gleich über Funk. Am Helm eines der Befreier war eine Videokamera installiert, die jeden Schritt der Unternehmung aufnahm, und während SPIEGEL-Experten allen Ernstes bestritten, daß die Befreiung der blonden 'Heldin' eine PR-Aktion sei, kümmerte sich schon NBC um die Verfilmungsrechte dieser "lehrreichen, heldenhaften, packenden und spektakulären" Geschichte.

"Amerikas erster Kriegsheld ist eine Frau", so beginnt der FOCUS-Bericht von Christian Liebig und Caroline Mascher, als hätte sich "das Mädchen" selbst befreit und seine Kameraden mit sich.2

'Heldinnen', mal nüchtern

Über Frauen, auch Soldatinnen, ging es aber im FOCUS Nr. 15 auch in anderem Zusammenhang: Einige Seiten weiter nämlich unter "Das bevorzugte Geschlecht", stellte uns das Magazin das neue gleichnamige Buch des renommierten israelischen Militärexperten und -theoretikers Martin van Creveld wie auch das hier oft zitierte Buch des deutschen Medienwissenschaftlers und Geschlechterforschers Arne Hoffmann "Sind Frauen bessere Menschen?" vor.

Von den zahlreichen Beispielen der Männerdiskriminierung in Gegenwart und Geschichte, fällt in unserem hiesigen Zusammenhang jenes van Crevelds aus der russischen Armee, der einzigen Armee in der Geschichte, die (im Ersten Weltkrieg) eine Fraueneinheit aufzustellen versucht hatte, wonach aus dieser Einheit "mehr als fünf Sechstel desertierten, bevor sie auch nur die Front erreichten", ohne jeglichen "Versuch, sie daran zu hindern." Dagegen wurden Männer, "die unter Kriegstraumata litten... mit Elektroschocks behandelt und an die Front zurückgeschickt." (Ebd. S. 120).

Van Creveld befaßt sich hier nicht erstmalig mit Soldatinnen. Viel eingehender ist er in seinem Buch "Frauen und Krieg", erschienen 2001. Darin sieht er den "Triumphzug der Frauen" in den Kasernen eher als "Symptom und Ursache für den Niedergang des Militärs"! Facettenreich belegt er die Gründe, die physischen wie die moralischen. Wenn auch van Creveld die Ausnahmen militärischer Karrieren von Frauen nicht übersieht, bleibt ihm die Regel nicht verborgen. Resümierend zählte er einmal im 'Spiegel' die Gründe auf: "Körperlich können sich nur 20 Prozent der stärksten Frauen mit 20 Prozent der schwächsten Männer messen. Wie sich bei der Rekrutierung in den USA zeigte, sind Frauen im Schnitt 12 Zentimeter kleiner und 14,3 Kilo leichter als Männer, sie haben 16,9 Kilo weniger Muskeln und 2,6 Kilo mehr Fett. Sie sind zwar weniger empfindlich gegen Kälte, können aber schlechter bei Hitze mit schwerem Gepäck marschieren. Beim Werfen von Handgranaten, einer Waffe mit Zukunft in Stadtkriegen, hatten Frauen Schwierigkeiten oder drohten sich gar in die Luft zu sprengen, wie sich im Training zeigte. Als Frauen während der achtziger Jahre in der US-Militärakademie West Point gleichberechtigt geschunden wurden, erlitten sie zum Beispiel zehnmal so viele Ermüdungsbrüche wie Männer." Der Eintritt solcher Unzulänglichkeit in die Armeen höhle nach van Creveld diese aus.3

Ein ähnliches Bild von Soldatinnen konnte auch hierzulande der SWR in seinem Dokumentarfilm "Feldtagebuch - Allein unter Männern" zeichnen. Die Filmemacherin Aelrun Goette begleitete ein "Damenquartett acht Wochen lang um zu zeigen, was von den wohlfeilen Parolen übrigblieb, nachdem die Bundeswehr ihre Pforten auch für das andere Geschlecht geöffnet hatte." Denn, so wurde in der FAZ gewehklagt: "Der zunächst eifrig bekundete Wille, die Frauen behutsam einzugliedern in die Reihen der Männerdomäne, ist scheinbar verlorengegangen, von Nachsicht, gar Gnade fehlt jede Spur." Das hier gemeinte "Damenquartett", das "behutsam" in das Töten und Sterben aufgenommen werden sollte, bestand gänzlich aus Frauen, die sich "mehr aus Mangel an Alternativen als aus Überzeugung, für die Bundeswehr entschieden haben". Das schien aber der zuständige Hauptfeldwebel in den Manövern wenig zu berücksichtigen. Auch von der amerikanischen 'Heldin' Lynch ist bekannt, daß ihre Motivation für die Armee auf dem Wunsch beruhte, sich ein Studium anschließend finanzieren zu können. Andere Soldatinnen finden in der US-Armee ideale Bedingungen als alleinerziehende Mütter oder sehen dort einen Weg, um zu einer Krankenversicherung zu gelangen.

Die Erläuterungen van Crevelds erinnern an die zahlreichen Polizeieinsätze mit weiblichen Polizisten, die man als Innenstadtbewohner immer wieder erleben darf: Man steht am Geldautomaten, plötzlich rauscht es grünlich von nebenher, und ehe die Schimäre um die Ecke entschwunden, erkennt man gerade noch den Polizisten im Einsatz. Drei an der Zahl hintereinander. Nicht so beim Vierten, denn er ist die obligatorische Frau in der Streife. Mit der sympathischen Entschlossenheit desjenigen, der das Unmögliche lang genug versucht hat, wandelt sie stufenweise das Rennen in Laufen um und schaut etwas verschmitzt in die Gegend, so als wüßte sie, daß sie gerade eben ein kleines Vergehen begeht. Das ermutigte den Betrachter zu einem direkten Kommentar: "Das ist doch nichts für Frauen!" Ihre Reaktion ließ annehmen, daß sie wohl eben das Vernünftigste gehört hatte, was man ihr in der letzten Zeit gesagt hat. Denn sie blieb nun ganz stehen, spreizte leicht die Arme nach beiden Seiten mit den Handflächen nach oben, wandte auch den Kopf gen Himmel - den Hals zwischen den Schultern eingesenkt - und durch wiederholtes Kopfschütteln brachte jene Symbolik der Körpersprache zum Ausdruck, die in Worten gefaßt, "kann ich denn was dafür?", bedeutete.

Das zeigte sie gelöster, als es jene beiden Polizistinnen auf der sommerlichen Freßgasse, einer Fußgängerzone in Frankfurt am Main, waren, deren rührige Eile den Kollegen vergeblich nacheiferte, die beim Rennen im Einsatz auch die Sorge um die zurückgebliebenen Kolleginnen tragen mußten: "Wo bleiben sie denn? Könnten sie doch gleich zuhause bleiben." Mobbing!, so wird wohl bei Feministen diese Äußerung berechtigter Sorge heißen.

Dagegen äußerte sich der strapaziöse Hauptfeldwebel des militärischen "Damenquartetts" in der SWR-Sendung absolut politisch korrekt. So sehr eigentlich nach den Vordersätzen allerneuester Ergebnisse der 'Gender-Studies', daß ihm Frau Judith Butler, die zur Zeit renommierteste einschlägige Philosophin und "Popstar der feministischen Philosophie", nach deren Ansichten das Geschlecht nicht eine anatomische Gegebenheit, sondern eine "linguistische Norm" oder ein "Kultur-Konstrukt" sei, dankbar sein müßte: Er sagte: "Man muß davon wegkommen, die Frau als Frau zu sehen". Na, also! Warum aber sollte man da von Frauen, die monatlich ein Vierfaches dessen, was die verpflichteten Männer verdienen, ihren Soldatinnenlohn nennen dürfen, nicht eine mindestens gleiche Leistung erwarten?4

1994 hob die US-Regierung die sogenannte Risikoregel auf. So wurden 90 Prozent der militärischen Aufgaben auch für Frauen zugänglich. Zu den 10 Prozent gehörten noch die Zulassung auf U-Booten und bei den Bodenkampftruppen. Militärexperte van Creveld erläuterte weiter oben die Gründe des Ausschlusses aus diesen Bereichen. Es sind dieselben, die auch weibliche Polizisten von besonders harten Einsätzen ausschließen. Solche Maßnahmen sind nicht nur deswegen sinnvoll, weil sie Frauen von Aktionen fern halten, denen sie nicht gewachsen wären, Frauen also schützen. Sie schützen auch Männer, die in harten Einsätzen, seien diese Männer auch der Doktrin nach perfekte Feministen, sich niemals von dem psychischen Ballast befreien könnten, daß in nächster Nähe eine Frau mit ihnen kämpft, die schwächer im Fall körperlicher Konfrontation, langsamer im Fall notwendigen Rückzuges, weicher zu jeder physischen (und trotz Legenden auch psychischen) Belastung ist; dazu das Wesen, dessen besonderer Schutz Männern jahrtausendelang als Bestandteil und ärgstes Anliegen ihrer Männlichkeit, die nirgends sonst solche Gültigkeit und geradezu elegischen Zuspruch wie bei der Armee erhielt, auferlegt wurde.

Frauen doch und Frauen aber - ein Trick!

Das Vorrücken der Frauen in die risikoreichen Bereiche der Armee wird von führenden Feministinnen befürwortet; der Ausschluß als konspiratives Männerverhalten angeprangert, das Männerdomänen vor Frauen schützen soll. Als im Januar 2000 der EuGH den Zutritt der Frauen in die Armee absegnete, bestimmte Bereiche aber - wie der Kampfschwimmer - von der Regelung ausgenommen wurden, wetterte EMMA in fast mitleiderregender Logizistik: "Kampfschwimmer. Ja, können Frauen denn nicht schwimmen? Oder können sie nicht kämpfen? Oder können sie, aufgrund weiblicher Hormone oder anatomischer Eigenheiten, nicht gleichzeitig schwimmen und kämpfen?"

Selten wird es fertig gebracht, so treffliche Beispiele logischen Geschwaders wider vernünftiges Denken herzustellen. Als ein solches Beispiel aber ist dieses EMMA-Zitat ein wahres Kunstwerk. Insbesondere wenn man bedenkt, daß es von der gleichen Person (der EMMA-Herausgeberin) stammt, die unlängst zuvor ihr Geschlecht das "falsche" nannte, falsch, wenn es darum ginge, nachts einen Park zu durchqueren. Wegen der lauernden 'Vergewaltiger' war gemeint. Bei der Armee aber und dann unter Wasser, kämpft es mit seinen potentiellen Vergewaltigern siegreich - die Armee macht das. Denn die Armee, die ist "identitätsstiftend für die Männlichkeit an sich", weiß EMMA und schließt: "Auch deswegen gehören Frauen in die Armee: um die Geschlechterrollen aufzubrechen..." Aber "dies logisch zu Ende zu denken, war lange Tabu." Sie zwar, die EMMA-Tante, habe es schon vor Jahrzehnten prophezeit, nur "da ging ein Aufschrei durch die Nation." (Hat ihn jemand gehört?) Doch "das 'Flintenweib' hat sich das Denken nicht verbieten lassen..." - Fatal für die Nation?

Es mutet vielleicht heroisch an, wenn Feministinnen ihre Geschlechtsgenossinnen in das Feuer bzw. unters umkämpfte Wasser zwecks "Identitätsstiftung" befördert sehen wollen: "Daß man - und demnächst auch frau - bei der... Bundeswehr auch richtig sterben kann, das scheint noch nicht ganz angekommen", ermahnt das Blättchen seine nach Identität schmachtende Leserinnenschaft.5 Doch die Befürchtung ist zweifelhaft. EMMA weiß, was wir alle wissen: daß Frauen selten, wesentlich seltener als Männer einen gewaltsamen Tod sterben. Selbst in der Armee. Denn es gibt keinen Bereich, den Frauen 'erobern' und in welchem der glorreiche Einzug der besonders Schützenswerten nicht unter der Schirmherrschaft ihrer Schutzengelinnen stattfände. Beispiel öffentlicher Dienst? 60 Prozent Frauen, aber Frauen als Straßenkehrer? Fehlanzeige. Dabei hätten sie angeblich Vergleichbares jahrtausendelang und unter 'Doppelbelastung' fleißig geübt! Beispiel Polizei: 15 Prozent Frauen. Wieviel Prozent verletzter Polizistinnen notieren wir jährlich? Wie viele Feuerwehrfrauen hat New York? Wie viele starben unter den Trümmern vom 11. September? Usw. usw.

Der Trick wurde auf diesen Seiten des öfteren erläutert, er ist einfach, ja einfältig. Zuerst schreitet in die zu erobernden Bereiche immer die Förderengelin voran, ihr Name: Geschlechtsneutralität. Auf ihrem Banner steht geschrieben daß "Frauen im Prinzip alles können, was Männer können". Auch das hat ihr EMMA besorgt (ebd.) Man beachte: "Im Prinzip" - hübsch vorsichtig ausgedrückt. Stellen wir nun zwecks Verdeutlichung diesen Satz in eine passendere Umgebung. Einer stünde etwa vor Picasso und behauptete: "Im Prinzip können alle Menschen malen", oder vor Bach um klarzustellen, daß doch alle Menschen "im Prinzip" musizieren können. Erkennen wir die Nichtigkeit des Satzes? Sie erinnert uns an die Anekdote aus dem Leben Goethes, in welcher er gefragt wird, was denn ein Mensch tun müsse, um so gute Gedichte zu schreiben wie er. Der Dichter (zu Recht) schroff: "Man muß dafür nicht etwas tun, sondern man muß dafür etwas sein!" (Erinnerungszitat). Gleiche Prinzipien nämlich erfüllen verschiedene Menschen so höchst unterschiedlich hinsichtlich Qualität, Schnelligkeit und Effizienz wie Menschen eben unterschiedlich sind.

Aber "etwas sein", ist das nicht Identität? Freilich, und diese wird nach EMMA gestiftet! Z. B. in der Armee, nämlich: Dadurch, daß Frauen dort das machen können, was Männer machen, kriegen sie Identität gestiftet, die Frauen dann befähigt, das zu sein, was Männer sind, um das machen zu können, was Männer machen. EMMA hat das Perpetuum mobile erfunden und niemand hat's gewürdigt!

Zu schade nur, daß es nicht so recht damit klappen will, weil, kaum hat die Förderengelin ihren Job gemacht, schon tritt die Schutzengelin auf die Bühne und mahnt geschlechtsspezifische Besonnenheit an. Ihr Motto lautet: "Es gibt keine geschlechterneutrale Wirklichkeit!" (Bundesfrauenministerium). Das hört die eben abgetretene Förderengelin und kichert sich ins Fäustchen; das habe sie ja auch schon gewußt, sie mußte nur so tun, als ob sie es nicht wußte, um erstmal das Kasernentor aufzuknacken. Nun aber, da die Frauen eingetreten sind, kann wieder die das feine kleine Geschlecht schützende Besonnenheit einkehren. Und solches Theater immer wieder und auf allen Bereichen, am hellichten Tag und vor aller Welt seit dreißig Jahren. Wenn das kein Kulttheater ist...

Frau Verena von Weymarn hatte Jahrzehnte vor dem EuGH-Urteil in der eigenen Biographie erlebt, wie Frauen schon damals in der Armee bevorzugt wurden. Sie wurde die erste Frau in der deutschen Militärgeschichte im Generalsrang, nämlich Chef des Stabes des Sanitätsamtes der Bundeswehr in Bonn-Beuel. Dies wohlgemerkt zu einer Zeit, da es kaum sonst Frauen in der Bundeswehr gab und obwohl die Bundeswehr selbst für den Bereich Frau von Weymarns (Sanitäter) Frauen noch heute nur eingeschränkte Einsatzfähigkeit einräumt; sie nämlich für die Bergung von Verletzten als ungeeignet erachtet! Frau Verena von Weymarn brachte im Jahr 2000 ihre Freude über die Entscheidung des EuGH, Frauen in die Armee einzuführen, zum Ausdruck und sprach sich zugleich für eine Beibehaltung der Männerwehrpflicht in heiteren Zusammenhängen aus; sie begrüßte, daß Frauen "in Zukunft sagen" können: "Ich darf mit gleichen Rechten in die Bundeswehr gehen, wenn ich will und geeignet bin." Das sei der "eigentliche Fortschritt", den die Europa-Richter eingeleitet hätten. Im gleichen Interview räumte Frau von Weymarn ein, daß Frauen allerdings keine Sonderstellungen in Einsätzen einnehmen, sondern auch mit der Waffe "ganz vorn" eingesetzt werden sollten. Sonst würde bei den männlichen Kameraden der Eindruck entstehen, "wir sind für die Drecksarbeit da". Diese Äußerung nahm einmal SPIEGEL ONLINE als Anlaß für einen irreführenden Untertitel, nach welchem Leser meinen könnten, die Generalin plädiere für eine Wehrpflicht auch für Frauen: "Die einzige Generalin der Bundeswehr, Generalarzt Verena von Weymarn, begrüßte das Urteil des Europäischen Gerichtshofes. In Fragen der Wehrpflicht, die auf jeden Fall bestehen bleiben müsse, Ausnahmen für Frauen zu machen, sei 'nicht gut für die Truppe'".6

Aber die Hoffnung der Generalin, Frauen würden sich militärisch ertüchtigen, um ihren Kameraden bei der "Drecksarbeit" beizustehen, wurde nur wenig später von einer anderen Kasernendame, der damaligen CDU-Wehrbeauftragten Claire Marienfeld reichlich gedämpft. Auf die 'Spiegel'-Frage hin, ob nun (nach dem EuGH-Urteil) der Weg für eine Generalin auch der Panzertruppe geebnet sei, erwiderte sie prompt: "Für eine Generalin, ja." Aber rätselhafterweise folgte direkt darauf: "Umfragen nach dem Urteil [des EuGH] zeigen, dass die Frauen zwar für Gleichbehandlung sind, aber nur eine verschwindend kleine Minderheit tatsächlich an der Waffe und zum Kämpfen ausgebildet werden möchte. Ich persönlich bin weiter skeptisch, Frauen in Kampfeinheiten zu schicken."7 Generalinnen also ja, aber bitte nicht über den Weg durch die Kampfeinheiten? Eher die Ernennung also beim Friseur oder im Fitneß-Studio zelebrieren? Nun ja, für's Aerobic wird schließlich auch reichlich Disziplin verlangt.

Generalinnen mit verminderter Einsatzfähigkeit, weibliche Beauftragte für Soldaten (man denke nur, wie Feministinnen den einzigen männlichen Gleichstellungsbeauftragten einst aus ihrer Mitte herausekelten) und - zeichnen wir ein Dreieck - weibliche Generalanwältinnen beim EuGH wie Christine Stix-Hackl, nach deren Gutachten die Wehrpflicht nur für Männer mit skandalösen Begründungen beibehalten wird - armes Patriarchat!

Der in internationalen Militärkreisen hochgeschätzte Experte van Creveld, aber auch unsere nüchternen Überlegungen hier, lassen uns allmählich ein Bild weiblicher Präsenz in den Armeen und sonstigen exekutiven Einheiten erkennen, das immense Unzulänglichkeit und zweifelhaften Realitätsbezug aufweist. Doch es gibt weitere Beeinträchtigungen.

Zersetzungsprozesse

Im März 2003 erschütterte die US-Luftwaffe ein sog. Sexskandal. Dutzende weiblicher Kadetten einer Eliteakademie meldeten, Opfer erzwungener Sexualhandlungen und daraufhin erfolgter Einschüchterung geworden zu sein. Vier Offiziere wurden versetzt, zwei von ihnen durch weibliche ersetzt. Falls sich weitere 'Schuldige' zur Zeit der Prozesse im gerade lodernden Irakkrieg befänden, hätten sie nach ihrer Rückkehr die Konsequenzen zu tragen. Zur künftigen Vorbeugung von Sexualstraftaten sollten Überwachungssysteme in den Räumen installiert werden und Wachleute nachts und an den Wochenenden die Runde machen. Die kommenden Jahrgänge sollten übergangsweise nach Geschlechtern getrennt werden! Nach Verlautbarungen des zuständigen Staatssekretärs im Pentagon sollen 56 Fälle von sexuellen Übergriffen seit 1993 bekannt geworden sein.8

Daß Verbrechen und Übertretungen in der Armee wie anderswo bestraft werden sollen, ist keine Frage. Doch hier entsteht eine Polarisierung, die nur durch den Einlaß von Frauen in Armeen entstehen konnte und die vor allem deswegen Anlaß zu Beachtung gibt, weil sie Wesen und Funktion der Armee auf delikate Weise betrifft. Während bis dato die Armee als einheitlicher Körper bestand, dessen Funktion einzig Beschützen und Verteidigen war, spaltet sich nun in ihr ein Teil ab, der selbst beschützt und verteidigt werden soll! So entsteht mitten in ihr ein ihr wesensfremder, mehr als das: ein sie zersetzender zweiter Körper. Was strahlt er in den Gesamtkörper aus? Eine mit Vorwurf verbundene Forderung. Beides gilt Männern und zwar sehr konkret, nämlich der Männlichkeit selbst, wenn auch zuerst einer überbordenden Version derselben.

Gerade aber Männlichkeit ist ja wohl das Kapital der Armee. "Eine Armee aus Männern ist eine Armee, eine Armee aus Frauen dagegen kaum", hieß es einmal innerhalb einer interessanten Korrespondenz mit dem Bundeswehrverband. Der leere EMMA-Spruch, daß "Frauen im Prinzip alles können, was Männer können", ist - wie wir sahen - kein guter Grund, die Geschlechter zu verwechseln. Auch nicht die linguistische Metaphysik Frau Butlers und anderer Quer-Köpfinnen (Frau Butlers Geschlechtertheorien gehören in der Tat und zu Recht einer 'Queer-Studies' genannten philosophischen Richtung).

Der Schutz des zu beschützenden Teils der Armee von dem beschützenden wird in Friedenszeiten aus der Ächtung spontaner, gelegentlich allzu vitaler Männlichkeit bestehen, aus der Eindämmung also dessen, womit Armeen sich bisher hervortaten. Van Creveld dazu: "Die Armeen verläpperten Potenzen durch unzählige Vorschriften, Einrichtungen von Hotlines und Sensibilisierungstraining: mit dem Effekt, dass in einer Organisation, die das Prahlen mit der Männlichkeit von jeher toleriert habe, Männer in 'Eunuchen' verwandelt worden seien ­ und die Verwirrung groteske Formen angenommen habe: 'Es gab Sexismus durch Tun und Sexismus durch Unterlassen'."9

Im Ernstfall (Krieg) gesellt sich dem inneren Schutz vor den eigenen Kameraden der äußere vor dem 'Feind' hinzu. Schließlich wäre es keiner Armee genehm oder auch möglich, täglich Hollywood-Stoff zu liefern, indem sie gefällige Blondinen aus ihren Verliesen befreit. Wir wissen auch wenig darüber, wie sich die Befreiung Jessica Lynch's auf die Situation anderer zur Zeit Gefangener durch z. B. Repressalien, erhöhte Bewachung und stärkere Gefährdung ausgewirkt hat. Sollte solche Annahme stimmen, können wir den Vorgang zu recht als ethisch fragwürdig und als den Prinzipien des Militärs zuwider betrachten, nach welchen stets der einzelne zu Gunsten des Ganzen untergeordnet wird.

Sorgen um den Schutz der Soldatinnen vor 'Vergewaltigung' in Gefangenschaft, kursieren gegenwärtig parallel mit den Phantasien einer Eignung derselben für Spezialeinheiten, für Einheiten also, die besonders riskant vorgehen, da sie zum Teil harte Geheimoperationen oft bis in die gegnerischen Reihen durchzuführen haben. Was bedeutet das? Unlängst klärte uns Frau Karin Reber in der 'Rheinischen Post' über das Dilemma auf: "Dass... auch Frauen an der Front im Einsatz sind, hat eine Debatte um die Gefahren, denen Soldatinnen ausgesetzt sind, entfacht", lesen wir, so als wären die Gefahren an der Front etwas gerade erst Entdecktes. "Die Befürchtung, weibliche Kriegsgefangene könnten etwa vergewaltigt werden, ist groß." Klartext: Die Befürchtung, daß sie im Krieg, wie EMMA besorgt ermahnte, "auch richtig sterben" könnten, ist wohl eher klein. Dagegen werden Männer nicht nur ebenfalls in Gefangenschaften und Gefängnissen - sogar innerhalb der eigenen Staaten - vergewaltigt, sondern es wird bei ihnen auch ordendlich gestorben. "Viele Frauen", fährt Frau Karin Reber fort, "die schon länger in der Armee dienen, reagieren darauf jedoch ungehalten. Sie befürchten, ihre Karrierechancen könnten geschmälert werden. Deshalb wollen sie nicht anders behandelt werden als ihre männlichen Kollegen."10

Doch!, Frau Reber, genau das wollen sie, die Soldatinnen: "anders behandelt werden als ihre männlichen Kollegen"; sonst würden nicht "die meisten von ihnen", wie Sie bald darauf zu berichten wissen, in "Versorgungstruppen... oder... administrativen Aufgaben" unterkommen. Oder, um den deutlicheren Hinweis Frau Claire Marienfelds nochmals zu gebrauchen: "Generalin, ja... aber nur eine verschwindend kleine Minderheit [von Frauen möchte] tatsächlich an der Waffe und zum Kämpfen ausgebildet werden. Ich persönlich bin weiter skeptisch, Frauen in Kampfeinheiten zu schicken."

Armeefrauen wollen nämlich zugunsten ihrer "Karrierechancen" nicht etwa entgegen eines besonderen Schutzes sondern unter diesem Schutz auch dort eindringen, wo aufgrund größerer Risiken, die freilich nur die Männer tragen sollen, entsprechende Vorteile resultieren, die mit den harten Einsätzen (der Männer) verbunden sind. Und das möglichst "behutsam", wie in der FAZ geraten wurde. So könnte frau mit etwas Glück einmal ihren Orden inklusive fette Offizierinnenrente dafür bekommen, daß sie einst mit der PC-Maus erfolgreich den Ort markierte, an welchem gerade ihre männlichen Kollegen ihr Blut und Eingeweide riskierten!

Stellen wir also den Gesamtaufbau geschlechtsspezifischer Betroffenheiten in einer politisch korrekten Armee zusammen: Die Anwesenheit der besonderes schützenswerten und faktisch zu schützenden Gattung verfremdet durch Spaltung einerseits das Wesen der Armee selbst und wendet sich zugleich moralisch - ausgehend von wenigen Einzelfällen, die, wo nicht erfunden, dann sicher genüßlich hysterisiert wurden ("Sexismus durch Tun und Sexismus durch Unterlassen") - gegen das der Armee eigentliche menschliche Kapital, gegen das männliche Selbstverständnis. Der Spaltung also folgt hier die moralische Schwächung des starken Teiles der Gesamtkörperschaft von dem schwachen. Und noch immer betrachten wir die Armee nicht im Einsatz.

Genau im Einsatz aber wirken die Diskrepanzen zwischen der von der Natur gebotenen Andersbehandlung der Frauen (siehe Gründe weiter oben) und der politisch diktierten angeblichen Gleichbehandlung verheerend. Raten wir, welchem Teil der Armee dabei die dadurch entstehende Belastung zukommt. "Während Frauen 'ohne besonderen Schutz' nicht bestehen könnten, müßten Männer im Ernstfall als Ausgleich für weibliche Schwäche zusätzliche Strapazen auf sich nehmen. Umfragen und Studien belegen in van Crevelds Augen, dass allenfalls ein Zehntel der Soldatinnen bereit sei, sich für Kampfeinsätze zu melden, also 'freiwillig das zu tun, wozu die Organisation geschaffen wurde, der sie angehören'... ein 'Experiment in politischer Korrektheit', so Creveld, 'das in dieser Form einmalig in der Geschichte ist'".11

Denken wir an die verwirrten Polizisten im oben erwähnten sommerlichen Einsatz in Frankfurt am Main, die nach vorn der Diebesspur folgen und zugleich nach hinten Ausschau nach den vermißten Kolleginnen halten müssen. Es erinnert an jenen gelungenen Witz, den einst, als es die ersten gemischten - Mann und Frau - Streifen in Frankfurt gab, der Freund beim Anblick der stolzierenden Politesse an der Seite ihres Kollegen riß: "Weißt Du, früher gingen Polizisten immer zu zweit auf Streife, heute sieht man sie des öfteren auch zu anderthalb. Das sind doch merkwürdige Sparmaßnahmen!"

In unserem Beispiel wurden die männlichen Polizisten von ihrem Arbeitgeber schlicht betrogen. Ressourcenentzug, lebensgefährdende Arbeitsbehinderung. Während sie, nach den politisch korrekten Angaben des Amtes, zu viert auf Streife geschickt wurden, verbleiben sie da wo es brennt ganz schön zu zweit. Die erhöhte Gefahr müssen die beiden männlichen Polizisten aus eigenen Kräften und in eigener erhöhter Anstrengung kompensieren. Eine Beschwerde über unzumutbare Zustände hätte obendrein die Gleichstellungsbeauftragtin vermutlich in solche Hetze gegen die betrogenen Gesetzeshüter versetzt, daß sich die Männer sicher genötigt gesehen haben, lieber die 'Klappe zu halten'. Wer wird hier ausgenutzt? Wer unterdrückt?

Zurück zum Militär: Van Crevelds "zusätzliche Strapazen", die Soldaten "als Ausgleich weiblicher Schwäche" auf sich nehmen müssen, können im Einsatz tödlich sein! Soweit für Soldatinnen Einsatzposten extra geschaffen wurden, damit man Sinn für eine weibliche Beteiligung vortäuscht, geht dies auf finanziellen und organisatorischen Aufwand der Armee. Wie aber, wenn die Soldatinnen alle bereits vorgesehenen leichteren Posten eingenommen hätten, die sonst männliche Soldaten unter sich aufteilen könnten, um sich die Härte des Krieges etwas abzumildern und ihre Überlebenschancen zu erhöhen? Dann müßte eine jede Frau, die in die Armee eintritt und so einen dieser Posten besetzt, im Ernstfall logistisch gesehen einen Mann daraus verdrängen und ihn Situationen tödlicher Gefährdung näher bringen. Unter solchen Aspekten wäre zu bedenken, ob wir der Anwesenheit von Frauen in Armeen eine parasitäre, für die Armee moralisch spalterische, für den männlichen Soldaten gar tödliche Wirkung zuzuschreiben hätten. Van Crevelds "Experiment in politischer Korrektheit" wäre somit ein Weg, Frauen Karrierechancen einzuräumen, die man einen Gang-über-Leichen par excellence nennen müßte. - Respekt?

"Für Schweinezucht und Bundeswehr" - Eine kleine Identitätsstiftung

Christian Liebig konnte das FOCUS-Heft, in welchem auf Seite 32 sein (mit der Kollegin Caroline Mascher zusammen verfaßter) Artikel "Amerikas Heldinnen" erschien, nicht mehr lesen. Hätte er aber dies tun können, hätten ihn sicher auch die ernüchternden Betrachtungen des Militärtheoretikers van Creveld über 'Heldinnen' einige Seiten weiter hinten zum Nachdenken angeregt. Einen "nachdenklichen Kollegen" nannte ihn sein Chef ja. Doch just an dem Tag, an welchem des FOCUS 15te Ausgabe erschien, am 7. April 2003 also, starb Christian Liebig bei einem Bombardement südlich von Bagdad.

Typisch Mann!, möchte man sagen, denn obwohl die Preise für die besten Kriegsberichterstattungen säuberlich und korrekt an Frau und Mann verteilt wurden, waren die Todesplätze für Journalisten allesamt männlich besetzt, wie man dem Magazin der nachfolgenden Woche auf Seite 48 entnehmen konnte: Die männlichen Konterfeis aller elf im Irakkrieg umgekommenen Journalisten sind dort abgebildet. Des Heftes Hauptteil bestand jetzt aus einer Homage an den getöteten FOCUS-Mann. Prägnantes aus seiner Biographie, Berichte, Anekdoten, Bilder. Auch sein mit einer Kollegin geteiltes Arbeitszimmer war zu sehen. "Ob dieser Tod damit beginnt", erwischte ich das eigene Sinnieren grübelnd, "daß Männer selten den Fensterplatz bekommen?"

Über 150 sollen nach offiziellen Angaben die auf der Seite der Alliierten im Irakkrieg Gefallenen gewesen sein. Manche behaupten, sie seien mehr, kämen nur nicht in der Aufzählung vor, weil sie nicht US-Bürger sondern Gastarbeitersoldaten aus Mexiko und nahen Ländern der Großmacht gewesen seien, die für eine Green-Card in den USA kämpften. Wir erfuhren nicht, wie viele 'Heldinnen' es unter den Getöteten gab. Es ist aber anzunehmen, daß, gäbe es welche, wir es ganz bestimmt erfahren hätten. Denn wo das Leidenskonto der Weiblichkeit um ein paar mehr Opfer oder auch um eine jede nebensächliche Leistung aufgestockt werden kann, lassen frauenbewegte Berichterstatter keine Gelegenheit aus.

Sie wird unter fünftausend Männern, die den Hochwassern Paroli bieten von der Kamera aufgesucht, wie sie mit ihrem Säckchen Sand das Land errettet. Sie wird vor dem Denkmal mit dem Fähnchen glänzen, das zur Gedenkfeier der Abertausend-Männer-Opfer-Schlacht wehen soll. Und bist du nicht aufmerksam, so brauche ich Gewalt: Ich nehme mir zehn Sekunden Fernsehzeit und lasse die Einstellung so lang auf sie ruhen, bis du sie ganz bestimmt gefressen hast. Schau hier: sie, die Arme, sie, die Schwache, sie, die Frau; hättest's gedacht? Sie kann es "im Prinzip" ja auch! Ist dir jetzt endlich das Gehirn gewaschen?

War da gerade die Rede von "fünftausend Männern"? Falsch, nicht "Männern", fünftausend "Mann", heißt das. Denn "Männer", sie könnten sich ja als Individuen verstehen, und es bestünde Unbehagen, denn Individuen lassen sich keine Innere Führung diktieren, sondern haben selbst eine, und diese könnte wenig von Zwangsdiensten halten. Also: "Mann", "fünftausend Mann", so wie: "fünftausend Rindvieh". Allein Masse taugt für solch Geschäft, nicht Identitäten. Steht eigentlich nach der Öffnung der Kasernen für "das bevorzugte Geschlecht" noch immer auf den Kartoffelsäcken die Abnehmerschaft so deutlich wie einst adressiert? - "Für Schweinezucht und Bundeswehr"?! Die Schrift hatte sicher jahrelang niemand gemerkt. Nicht daß einer denkt, das Militär hierzulande würde auf so niederträchtige Methoden der Demoralisierung greifen, in welchen Bundeswehrangehörige im gleichen Atemzug mit Schweinen vorkommen sollten. Das hatte nur niemand gemerkt, was da auf den Kartoffelsäcken stand. Aber jetzt, wo die Damen da sind, ist möglicherweise aufgefallen, daß der Verdacht politischer Inkorrektheit aufkommen könnte, bezieht die Adresse doch Säue nicht genügend mit ein. (Wenn auch das Wort "Schwein" geschlechtsneutral ist; doch wer weiß?)

Denn Frauen wollen nun mal die gleiche Identität gestiftet bekommen. Und das können sie ja auch. Auf jeden Boden können gleiche Samen fallen; ob sie gedeihen und was daraus wird, das ist eine andere Sache. Nicht jeder Boden läßt Gleiches ersprießen. "Wozu sich abmühen und frühzeitig sterben?", las ich neulich irgendwo die der Feder einer Dame entflossene Weisheit. "Dafür sind doch die Männer da!". Männer und Verantwortung sind ein gutes Gespann. In Schweden, im größten Frauenverein Europas, wo Frauen zwar schon längst in die Kasernen und überall hin dürfen, ihnen aber dafür der Job unter der Laterne verboten wurde, zahlt z. B. die Zeche nur der Freier! Regelrechte Verfolgungsaktionen werden gegen Freier gehalten, bis hin zur gezielten Abgabe des Strafbescheids an die Privatadresse, damit der Herr Probleme mit der Gattin bekommt. Die Staatin Schweden als Blockwärterin und böswillige Klatschbase? Zwar gehen wir davon aus, daß Damen gerade in Schweden gehörige Portionen von Identität bereits gestiftet bekamen; mit Verantwortung für das eigene Tun hat Identität aber offenbar hier nichts zu tun. Jedenfalls nicht bei Frauen - schon mal in Schweden. Wenn Frauen dort Huren werden, können sie selbst nichts dafür. Haben nichts dafür zu können. Verantwortung verschiebt sich mit judikativem Elan auf die Freier und bleibt dort rasten. Der einzige Fall, in welchem der Anbieter straffrei bleibt, aber der Konsument belangt wird. Und über diesen Zaubertrick, der die dem Dekolleté der Damen entnommene Verantwortung in die Brieftaschen der Herren hinein zaubert, entzückt sich das gleiche EMMA-Heft, das Frauenverantwortung in Armeen propagiert (2/2000)!

Verteidigungsministerinnen dagegen können wohl selbst etwas dafür, daß sie es werden, und übernehmen dann auch die Verantwortung. Die wird nicht auf die Männer übertragen. In 'modernen Staaten' sind Verteidigungsministerinnen der absolute Renner. Ihnen werden zur Identitätspflege die Heere der zwangsverpflichteten Kanonenleckerbissen feil geboten. Diese Rolle wird allein von Männern übernommen. Wenn es nach einem bestimmten SPD-Wissenschaftler und Politiker ginge, brauchten die Damen das 'Instrument' so lange, bis viele viele "Macho-Kulturen" bekehrt oder sonstwie durch harte Überzeugungsarbeit von den Femi-Kulturen unschädlich gemacht worden sind.12 Was Macho- und Femi-Kulturen sind? Dem Thema passend sind "Macho-Kulturen" solche, in denen man behaupten darf, daß kein Mensch Frauen in der Armee braucht, und Femi-Kulturen sind solche, in denen man das auch wissen, aber niemals behaupten darf! Das ist natürlich nur eine von vielen möglichen Definitionen.

Für die Operationen westlicher Ritter und Damenrächer leisten nun offensichtlich Zwangsrekrutierte eine ganze Menge. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Wolfgang Schneiderhan, lobte das neulich: "Wehrpflichtige leisten im wahrsten Sinne des Wortes unbezahlbare Dienste." Ja, was glaubt er denn, warum es so lange gedauert hat, bis die Sklaverei abgeschafft wurde? Unbezahlbares, das noch dazu nicht bezahlt werden muß, galt zu allen Zeiten als prima Sache!

Kirke's Alptraum

Neulich aber, da wehte eine von wenigen bemerkte, leise kurze Brise durch das Land. DIE TAGESZEITUNG summierte das Ereignis im Titel: "Junge Männer strafen Schröder [den amtierenden Bundeskanzler der SPD] ab." Es wurden darin die Analysen jener Landtagswahlen in Hessen und Niedersachsen aufgeführt, die wenige Monate nach der Bundestagswahl vom September 2002, bei welcher die Linke einen mühsamen Wahlsieg errang, stattfanden (am 2. Feb. 2003), und bei denen die SPD eine nie da gewesene Schlappe einstecken mußte. "Dem Institut Infratest/dimap zufolge" berichtet das Berliner Blatt, "waren es vor allem die jungen Männer zwischen 18 und 24 Jahren, die sich der CDU zuwandten: In Hessen... sackte die SPD bei den jungen Männern... auf 19 Prozent und in Niedersachsen auf 27 Prozent ab."13

Lassen wir die Frage beiseite, was junge Männer von der SPD-Gegnerpartei CDU zu erwarten hätten. Geschlechtsspezifisch war aber dieser Wink allemal, denn daß Feminismus schon immer linker Areale zugerechnet wurde, ist sicher kein Thema. "Junge Männer" waren es also, die vorerst der Partei einer Frau Däubler Gmelin ('Männer sollen durch die Wehrpflicht gehindert werden, damit Frauen vorankommen'), einer Frau Christine Bergmann ('Jungen wurden von den Mädchen überholt', 'Mädchen haben einen dickeren Zwischenbalken im Gehirn), und der Herren Gabriel ('Frauen sind klüger als wir Jungs') und Pfeifer ('Die Dominanz des Mannes gefährdet die Menschheit') den Rücken kehrten. Paßt das etwa nicht?

Erleben wir also endlich den Beginn einer dringenden Bewußtwerdung? Kurz vor eben genannten Wahlen hatte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eine weitere Perle in die Kette der Entscheidungen gegliedert, die wir im vorangehenden Beitrag dieser Kolumne das allmähliche 'Zerschlagen der Vaterschaft' nannten.14 Es war das Urteil, das unverheirateten Müttern das alleinige Sorgerecht einräumte und die Väter 'wilder Ehen' vom Sorgerecht ausschloß.

Nun aber, nach diesen Februar-Wahlen konnte man ein etwas verlegenes, noch ungeübtes Stochern zunächst an den Modalitäten um die Wehrpflicht beobachten. Die verantwortlichen Politiker stellten weitere Verkürzungen der Dienstzeit zur Debatte, senkten die Heranziehungsgrenze vom 25. auf das 23. Lebensjahr und milderten so wesentliche Faktoren der Arbeitslosigkeit männlicher Jugendlicher. Dies noch zusätzlich durch die Zurückstellung der Heranziehung von Abiturienten und Fachoberschülern mit einem Ausbildungsvertrag, wobei nach der Berufsausbildung eine Einberufung nur noch bis zum 25. Lebensjahr möglich ist. Die Heranziehung verheirateter Männer wurde gänzlich abgeschafft. Wieder mal der Staat und die Frauen Backe an Backe: Wer dem 'bevorzugten Geschlecht' als Ernährer oder potentieller Zahlesel dient, braucht dem Staat ja nicht zu dienen. Nun, sei es drum; der Wink zeigt schon in die richtige Richtung. Die Orientierung ist nur noch etwas trunken. Dreißigjährige Gehirnwäsche hat wohl mit Liebe etwas gemeinsam: Sie beide machen - die letztere wenn es nach dem Volksmund ginge, die erste aber ganz sicher - blind. Da muß man sich erstmal behutsam neuen Lichtverhältnissen anpassen.

Da überstürzt sich nicht etwa die Republik? Denn da kam noch: "Das Bundesverfassungsgericht hat die Rechte leiblicher Väter gestärkt"! Darüber berichtete am 29. Apr. 2003 das ZDF: "Das Gericht erklärte mit seinem Beschluss eine 1998 neu gefasste Vorschrift für verfassungswidrig, wonach der leibliche, aber rechtlich nicht anerkannte Vater vom Kontakt mit seinem Nachwuchs ausgeschlossen ist... Weder die Interessen des Kindes noch die der Mutter stünden dem Recht des Vaters entgegen, sich auch rechtlich als Vater anerkennen zu lassen, befand das Gericht." Mann war so etwas ja gar nicht mehr gewöhnt: Daß Rechte von Vätern nebst den Interessen von Kindern und Müttern überhaupt als Ding erscheinen dürften. Nur gemach, die Ställe des Augias sind mächtig groß!

Die sture, unverfrorene und rücksichtslose Politik endloser Ausgrenzung des anderen bei Selbstbevorzugung (man denke nur an den Frauenfriedhof-Skandal im Norden), gepaart mit der vehementen Diffamierung und Herabwürdigung des Maskulinen bei vollem Orchester hat den Bogen des Feminismus überspannt. Werden Penthesileas Waffen langsam untauglich? Der Artikel von FOCUS über van Crevelds und Hoffmanns Bücher wurde von der feministischen Öffentlichkeit auffallend wenig wahrgenommen. Vereinzelte Frauen, die in Leserbriefen oder im Internet-Austausch die Darlegungen der beiden Autoren eher zögernd zu relativieren suchten, wurden von vielen munteren Männern mit Leichtigkeit zum Schweigen gebracht. Viele Männer meldeten sich zu Wort, das war neu! Dagegen blieb der große Aufschrei "Uuunver-schääämt-heit!" erstmals aus. Die Emmas erscheinen eher auf das Aussitzen eingestimmt. Kommt jetzt die 'Männerbewegung'?

Van Creveld scheint nicht davon auszugehen. Und er hat recht! Denn sollte eine entstehen, weil publik wurde, die Frau werde bevorzugt, hätten wir eine gleich nach dem Titanic-Untergang oder nach der Aufzählung der Millionen toter Soldaten in den beiden Weltkriegen. "Schließlich", archaisiert der Historiker, sei es in Ordnung, da "wir alle von einer Frau zur Welt gebracht [wurden], und in gewisser Weise zahlen wir nur eine Schuld zurück". Van Creveld sieht anstatt einer Männerbewegung eher eine erneute Geschlechtertrennung auf uns zukommen, die den ausufernden Belästigungsvorwürfen der Frauenfrauen ein Ende setzen würde. Angesichts der Maßnahmen, welche die amerikanische Eliteschule traf, die nach den 'Vergewaltigungsprozessen' die folgenden Jahrgänge wieder nach Geschlechtern zu trennen trachtet, könnte seine Sicht viel Wahres enthalten.

Ein neuer Akzent aber wird sich in den Medien durchsetzen - ein Anfang. Zwischen van Crevelds Anerkennung der mütterlichen Geburt und jener Geistesreife, die, wie in den Sternstunden des geistigen Lebens unseres Planeten, wieder den Wert der subtileren wesenhaften väterlichen Zeugung wahrnimmt, liegt eine ganze Strecke geistigen Strebens. Und daß Frauen keine besseren Menschen sind, dürfte dabei nicht unser einziges Argument bleiben.

Indessen sollten sich Feministinnen mit einer ganzen Menge 'gestifteter Identität' warm anziehen. Nur bitte mit keiner weiblichen. Denn es könnte Krieg geben.

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Quellen, Anmerkungen:

1. FOCUS Nr. 13, 24. 03. 2003
2. FOCUS Nr. 15, 07. 04. 2003
3. DER SPIEGEL Nr. 16/2001, "Einmaliges Experiment"
4. FAZ, 20. 06. 2002, "Problemchen"
5. EMMA 2/2000, "Vor der Kaserne..."
6. SPIEGEL ONLINE am 12. 01. 2000
7. DER SPIEGEL Nr. 11/2000
8. SPIEGEL ONLINE am 27. 03. 2003
9. Siehe Punkt 3
10. RHEINISCHE POST, 15. 04. 2003, "Politische Umschau"
11. Siehe Punkt 3
12. Hier, "Essays", "Chronik einer Miß-Bildung", "Dummer Witz und schlechter Rat"
13. TAZ, 04. 02. 2003
14. Hier, "Essays", "Chronik einer Miß-Bildung", "'Schuld', aber keine Väter"
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Nachtrag: Auf einen April hereingefallen? Neues zur Jessica Lynch

Das Spektakel um die junge amerikanische Soldatin Jessica Lynch (siehe Beitrag oben) verblaßte in den darauffolgenden Wochen erheblich, denn es stellte sich heraus, daß es hinsichtlich seiner Glaubwürdigkeit eher seinem Ereignisdatum - dem 1. April - Rechnung zu tragen schien.

In einer Dokumentation der WASCHINGTON POST, in der die Umstände der Gefangennahme und Befreiung der jungen Frau rekonstruiert wurden, traten diverse Zweifel in das Szenario zutage. Die Version, wonach die zierliche 'Heldin' vor ihrer Gefangennahme das Magazin ihres Sturmgewehres geleert und dabei mehrere Angreifer getötet haben soll, wobei sie mit mehreren Schüssen und Messestichen selbst schwer verletzt worden sei, weicht allmählich einer anderen, nach welcher sich Lynch ihre Knochenbrüche, die Wirbelverletzung und ihre Verwundung am Kopf während eines Autounfalls zuzog, in dem sie und andere Soldaten, als sie unter Beschuß gerieten, in ihrem ungepanzerten Jeep mit einem amerikanischen Sattelschlepper kollidierten .

Die Behandlung Lynchs durch die Ärzte und Schwestern im irakischen Militärkrankenhaus, aus dem sie 'gerettet' wurde, war "so gut es ging... Ohne diese Hilfe wäre die junge Frau heute wohl nicht mehr am Leben"! Und da zu jener Zeit die irakischen Kämpfer und Funktionäre der Baath-Partei, die einst die Einrichtung als Basis benutzt hatten, längst - aufgrund der nahenden amerikanischen Truppen - "aus dem Staub" waren, bleibt umstritten, "ob die dramatische und telegene Rettungsaktion... in der Nacht zum 1. April riskant und notwendig oder eine bloße Inszenierung... war." Ginge es nach einem Arzt des Krankenhauses, hätte man das errettete Mädchen "kurz nach der 'Hollywood-Aktion'... ohne großen Aufwand einfach mit einem Sanitätsfahrzeug abholen können."

"Die amerikanischen Streikräfte bleiben aber bei ihrer Darstellung..." Und auch alle großen Fernsehstationen, die sich "um die Exklusivgeschichte und vor allem natürlich um das Exklusivinterview mit der bekanntesten Soldatin des letzten Irak-Krieges" bemühen. Letztendliche Klarheit über den tatsächlichen Ablauf zu schaffen, wird allerdings als schwierig erachtet. Denn die einzige Person, die dergleichen vermöchte - Frau Lynch selbst -, "leide an einem partiellen Gedächtnisverlust, heißt es einmal, dann wieder, sie könne sich sehr wohl an das meiste erinnern" (FAZ, 18. Juni 2003, "Zweifel an Rettung von Jessica Lynch").

Veröffentlicht am 25. 06. 2003