"Respekt vor Soldatinnen" - Nachtrag zum Irak und mehr
"Amerikas erster Kriegsheld..."
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hristian Liebig begleitete als FOCUS-Redakteur die US-Armee im Irak. Er war "einer der wenigen Deutschen, die als 'eingebettete Journalisten' mit der US-Armee während des Krieges unterwegs" waren. FOCUS-Chefredakteur Helmut Markwort stellte uns seinen "nachdenklichen Kollegen", Politologen und Wirtschaftswissenschaftler im Magazin vor; Untertitel im FOCUS-Tagebuch: "Respekt vor Soldatinnen"!1
Ob der Journalist von der "Hauptgefreiten Donna aus New York" und ihren "noch vielen" Kameradinnen wirklich deswegen so sehr beeindruckt war, weil sie "allesamt Freiwillige" waren und sich "in puncto Disziplin von den Männern nicht überbieten" ließen, oder ob es eingebetteten Journalisten aus politisch korrekten Höhen angeordnet wurde, lobend über den Einsatz der Frauen zu berichten, können wir letztlich nicht wissen.
Um Frauen aber, Soldatinnen, ging es in den Reportagen des Herrn Liebig auch weiterhin. Zwei Ausgaben später nämlich wurde ihnen ein ganzer Artikel gewidmet. Unter dem Titel "Amerikas Heldinnen" wurde dort vom Eintritt immer mehr junger Amerikanerinnen in die Armee berichtet, über 15 Prozent sollten sie mittlerweile sein. Im Krieg kämpfen sie zwar nicht in den Frontkompanien, riskieren aber auch ihr Leben auf Streifen, beim Fahren von Tanklastern durch "ungesicherte" Gebiete oder von Ambulanzpanzern an die Front. Dem Reporter und seiner Ko-Autorin kommt offenbar nicht in den Sinn, was denn ihre "Heldinnen" sonst im Irak zu suchen hätten, würden sie auch solchen Hilfsarbeiten nicht nachkommen.
Und da war noch jenes Spektakel um Frau Jessica Lynch, die zierliche junge Frau, die in Gefangenschaft geriet und die "in einer spektakulären Rettungsaktion von US-Spezialeinheiten aus einem Krankenhaus befreit wurde." Die publikumswirksame, aufwendige Aktion hatte Anfang April die Welt beeindruckt: Zur Ablenkung wurden irakische Stellungen in der Nähe des Krankenhauses unter Dauerbeschuß genommen, die Stromversorgung lahm gelegt. US-Elitesoldaten landeten mit einem Helikopter neben dem Krankenhaus, in welchem die 'Heldin' gefangen lag, schossen sich den Weg frei und wurden von einem Krankenhausmitarbeiter in das Zimmer der Soldatin geführt: "Wir haben das Mädchen", meldeten sie gleich über Funk. Am Helm eines der Befreier war eine Videokamera installiert, die jeden Schritt der Unternehmung aufnahm, und während SPIEGEL-Experten allen Ernstes bestritten, daß die Befreiung der blonden 'Heldin' eine PR-Aktion sei, kümmerte sich schon NBC um die Verfilmungsrechte dieser "lehrreichen, heldenhaften, packenden und spektakulären" Geschichte.
"Amerikas erster Kriegsheld ist eine Frau", so beginnt der FOCUS-Bericht von Christian Liebig und Caroline Mascher, als hätte sich "das Mädchen" selbst befreit und seine Kameraden mit sich.2
'Heldinnen', mal nüchtern
Über Frauen, auch Soldatinnen, ging es aber im FOCUS Nr. 15 auch in anderem Zusammenhang: Einige Seiten weiter nämlich unter "Das bevorzugte Geschlecht", stellte uns das Magazin das neue gleichnamige Buch des renommierten israelischen Militärexperten und -theoretikers Martin van Creveld wie auch das hier oft zitierte Buch des deutschen Medienwissenschaftlers und Geschlechterforschers Arne Hoffmann "Sind Frauen bessere Menschen?" vor.
Von den zahlreichen Beispielen der Männerdiskriminierung in Gegenwart und Geschichte, fällt in unserem hiesigen Zusammenhang jenes van Crevelds aus der russischen Armee, der einzigen Armee in der Geschichte, die (im Ersten Weltkrieg) eine Fraueneinheit aufzustellen versucht hatte, wonach aus dieser Einheit "mehr als fünf Sechstel desertierten, bevor sie auch nur die Front erreichten", ohne jeglichen "Versuch, sie daran zu hindern." Dagegen wurden Männer, "die unter Kriegstraumata litten... mit Elektroschocks behandelt und an die Front zurückgeschickt." (Ebd. S. 120).


