RHEIN-MAIN-ZEITUNG
Interview für einen Artikel
Das folgende Interview wurde nicht im Wortlaut veröffentlicht, sondern bildete die Basis für einen RMZ-Artikel über www.maskulist.de und das 1. Antifeminismus-Treffen in Zürich, im Oktober 2010. Der Artikel erschien im Dezember darauf. Näheres dazu finden Sie hier.
Männerrechte
RMZ Seit Jahren kämpfen Sie als Publizist und Autor für die Sache des Mannes. Wie konnte es passieren, dass das „starke Geschlecht“ Männerrechtler braucht, die sich für die gesellschaftliche Stellung der Männer einsetzen?
MASKULIST Der Feminismus kam nicht allein, sondern als Teil eines Aufbruchs, dessen Axiome von der säkularisierten Nachkriegsgesellschaft mit der Intensität einer überwunden geglaubten Religiosität aufgenommen wurden: Feminismus, Umweltbewegung, naiv pazifistischer Multikulturalismus, das alles kam zusammen und bildete einen Dogmenkomplex, der als unhinterfragbar abgeliefert wurde. Er enthielt die Grundlagen jener Dogmatik, die heute Politische Korrektheit heißt.
Die Medien, die ja nach allen Erhebungen zu einem beeindruckenden Prozentsatz aus Anhängern dieses Aufbruchs bestehen, und deren Funktion als dominierende meinungsbildende Instanz in dieser Zeit ihr Zenit erreichte, etablierten einen Meinungsgötzen, dessen Hinterfragung den gesellschaftlichen Tod bedeuten konnte. Denken Sie an Esther Vilar und noch an Eva Herman – interessanterweise beide Frauen, nicht wahr? Für Männer nämlich wäre ein ähnliches Aufbegehren um ein paar Nuancen schwieriger.
Man kann heute sehr gut beobachten, wie dieser gesamte Ideologienkomplex, zu welchem der Feminismus gehört, ganzheitlich zu bröckeln beginnt. Stichworte hierzu: Thilo Sarrazin als Ernüchterer in Sachen Multikulturalismus, oder aber die immer mehr um sich greifende Skepsis gegenüber einer menschlichen Schuld am angeblichen Untergang des ökologischen Systems. Und Antifeminismus eben.
RMZ Männer sind in den Spitzenpositionen bei sämtlichen Wirtschaftsunternehmen und verdienen auch im bundesdeutschen Durchschnitt mehr als Frauen. Wiegt sich das männliche Geschlecht etwa angesichts dieser Fakten in einer trügerischen Sicherheit?
MASKULIST Den zwei oder drei Prozent Männern an den Spitzenpositionen gratuliere ich sehr gern und kann da sogar beruhigen: Das wird, wie ich denke, so bleiben, weil irgend jemand die Arbeit machen muß, die an diesen Spitzenpositionen anfällt. Denn, wären genug Feministinnen Willens oder fähig, Ähnliches zu leisten, hätten diese längst ihre eigenen Firmen mit Spitzenpositionen ganz ohne "gläserne Decken" gegründet, anstatt weiterhin ihre aggressive Bettelei nach Quoten in der Privatwirtschaft zu betreiben. Sollten sich also diese wenigen Männer in Sicherheit wähnen, hätte das wohl auch wenig Trügerisches.
Was aber die Sicherheit des Rests, der "kleinen Männer", betrifft, könnte sie mit der Sicherheit verglichen werden, in der sich Männer auf der untergehenden Titanic deswegen wähnen, weil ihr Kapitän männlich ist. Ich kann mir vorstellen, daß auf dem havarierenden Überseedampfer sogar alle Spitzenpositionen mit Männern besetzt waren. Trotzdem sollen dort Männer auf Männer geschossen haben, die sich beim Untergang einen Platz in den Rettungsbooten sichern zu wollen wagten. Am Ende soll es sogar etliche freie Plätze gegeben haben.
Daß Männer nun im bundesdeutschen Durchschnitt etwas mehr als die Frauen verdienen (nach neuen Berechnungen bloß 8 und nicht, wie bisher fälschlicherweise immer wieder behauptet wurde, über 20 Prozent), könnte doch gut damit zusammenhängen, daß sie selbst auch die Orte, die "Domänen", schaffen, in denen überhaupt verdient wird, was für ein unmittelbareres Verhältnis zu dem jeweiligen Sachgebiet spricht. Und es hat auch mit dem zeitintensiveren Einsatz der Männer in diesen Domänen zu tun. Das weiß jeder, auch der Feminist.
RMZ Worin bestehen die dramatischsten Auswüchse der Männerfeindlichkeit?
MASKULIST Auf der ethisch-rechtlichen Ebene. Sicher möchte ich damit die verheerenden Auswirkungen auf anderen Gebieten nicht unterschätzt haben. In der Bildung etwa, die heute so entmännlicht ist, daß man nach Fachkräften schmachtet und "Alphamädchen" bekommt, deren Höchstleistung oft in der öffentlichen Selbstbeweihräucherung besteht.
Die ethischen Diffamierungsbestrebungen aber, die Versuche, die Geschlechter im sittlichen Kontinuum jeweils als ein gutes und ein böses zu polarisieren, und das allmählich auf die Gesetzgebung zu übertragen, ist das perfideste und gefährlichste Gesicht, das man von Feminismus zu sehen bekam.
Das beginnt mit einer unverhohlenen Höherbewertung weiblichen Leids, die längst von Menschenrechts-, Hilfs- und Kinderhilfsorganisationen als zentrales Prinzip übernommen wurde. Gender-Referentinnen oder anders genannte feministische Funktionärinnen sitzen heute überall mit im Boot solcher Hilfswerke. Wie ich in meinem Buch "Medusa schenkt man keine Rosen" gezeigt habe, wurden bereits innerhalb von Amnesty International Stimmen laut, wonach Frauen aufgrund allein ihres Frauseins besondere Rechte beanspruchen sollten, und die deutsche Sektion derselben Organisation startete im Jahr 2002 unter Führung damals der Feministin Barbara Lochbihler eine sog. Rußland-Kampagne mit dem Titel "Folter und Mißhandlungen an Frauen, Kindern und ethnischen Minderheiten sowie der Tschetschenien-Krieg"! Beachten Sie bitte, mit welcher unverfrorenen Zielgerichtetheit hier gerade diejenigen ausgelassen werden, die zumeist, wenn nicht sogar ausschließlich unter Folter und Verfolgung in der genannten Region litten: die jungen Männer um das berüchtigte "wehrfähige" Alter herum.
Mir gelang damals eine erste kleine Kampagne gegen die große Amnesty, immerhin aber eine, die von dem Menschenrechtsmoloch offenbar gespürt wurde. Und gerade in diesem November verlieh ich meine 7. Lila Kröte an das Kinderhilfswerk PLAN und seinen Paten Ulrich Wickert wegen des dort auffälligen Vorsatzes, "weibliches Leid zu explizieren und männliches zu marginalisieren".
Aufzuzeigen, wie sehr sich diese Tendenz, den Mann durch eine kultische Viktimisierung der Frau ethisch zu hintergehen, in politischen Programmen und bereits in der Gesetzgebung (insbesondere bei der angeblichen Bekämpfung häuslicher Gewalt) europäischer Länder findet, würde hier zu weit führen. Es ist das offenkundige Anliegen meiner Texte, daß die männliche Bevölkerung endlich in dieser Hinsicht aufwacht.
RMZ Verletzt die Diffamierung des männlichen Geschlechts durch den Feminismus gar Menschenrechte?
MASKULIST Ach, wo denken Sie hin! Als ich im Rahmen meiner bereits erwähnten Aktion gegen Amnestys Frauenfolter-Suggestionen einen Sprecher des Vereins fragte, warum seine Organisation nicht endlich eine internationale Kampagne gegen die Zwangsmilitarisierung und Zwangsrekrutierungen des männlichen Geschlechts in nahezu der ganzen Welt startet, antwortete er, Wehrpflicht sei von der UNO nicht als Menschenrechtsverletzung kodifiziert.
Und haben Sie je eine UNO-Resolution gelesen, die sich neben der sexuellen Selbstbestimmung aller möglichen Gruppen und Untergruppen, "Frauen und Mädchen" natürlich ganz vorn, auch das schaurige Kapitel der Jungen - ausschließlich Jungen! - anschneidet, die in manchen Ländern als Sexsklaven malträtiert werden? Vergessen Sie es also mit den "Menschenrechten für alle", solange sie vom sachwaltenden Zeitgeist "kodifiziert" werden, der heute alle Entscheidungsebenen durchdringt.
RMZ Seit zehn Jahren betreiben Sie die Internetseite maskulist.de. Wie war die Resonanz bisher? Glauben Sie, bisher etwas bewegt zu haben?
MASKULIST Ich bin damals einem Impuls gefolgt, den zur selben Zeit auch andere zu spüren begannen. Wir alle fanden im Laufe der darauf folgenden Jahre zunächst virtuell zusammen und entfalteten einen Disput, der in den letzten etwa drei Jahren auch auf die restlichen Medienplattformen überzuspringen anfing.
Die Resonanz meiner eigenen Homepage hat mich selbst oft überrascht. Von Hunderten von Zuschriften kann man kaum eine Handvoll auslesen, die meine Arbeit beschimpften, kaum eine davon enthielt ernstzunehmende Kritik.
Wenn man sich die eisige Einsamkeit vorstellt, in der ich, nicht ganz ohne Bange, meine ersten unverblümt antifeministischen Beiträge ins Netz stellte, und dann das erwärmende Beisammensein ziemlich genau 10 Jahre später in Zürich, zum Ersten Antifeminismus-Treffen, mit den vielen Menschen, die einem herzlich die Hand drücken wollten, den Referenten anderer Gruppen und dem Medienecho, dann wird einem klar, daß wir etwas erreicht haben: einen ziemlich geglückten Umstieg vom Netz in die Welt.
RMZ Viele einflussreiche, männliche Persönlichkeiten der Zeitgeschichte (z. B. Jean-Paul Sartre) haben den Feminismus unterstützt. Sind die Männer also zum Teil selbst schuld an der momentanen Situation?
MASKULIST Ja, und (wenn auch natürlich der genannte Philosoph in direkter Verbindung zu Simone de Beauvoir steht) ich würde dazu gar nicht mal den französischen Existentialismus allein bemühen wollen. Das Hervortreten des Feminismus auf jener Strecke materialistisch-philosophischer Entwicklungen, die zwischen Marx/Engels und Herbert Marcuse liegt, als das endgültige Instrument, durch welches man die Gesellschaft in ihrer herkömmlich-bürgerlichen Form zersetzen wollte, folgte einer sehr durchsichtigen Dramaturgie.
In meinem Züricher Vortrag betonte ich, "daß alle Macht und alle Freiheit", die der Feminismus genießt, "nur eine Konvention ist, die durch den Willen der Männer aufrechterhalten wird." Und auch anderswo stellte ich früher schon klar, daß Feminismus im Grunde gar nicht bekämpft werden müßte, wenn einmal die Männer antifeministisch genug wären, um ihn einfach fallenzulassen. Bezeichnend dazu ist auch, daß in meinen Texten öfter das Wort "Feminist" als "Feministin" vorkommt.
RMZ Wenn der Ist-Zustand defizitär ist, wie sollte das gesellschaftliche Zusammenleben zwischen Mann und Frau bestenfalls aussehen?
MASKULIST So, wie es auszusehen hätte, wenn Männer und Frauen ihre Rechte und Chancen selbst verwirklichen würden, und nicht für die eine Hälfte der Staat.
RMZ Innerhalb der Bundesregierung gibt es Bestrebungen, arbeitslose Männer in traditionellen Frauenberufen einzusetzen. Ist dies ein Schritt zur Gleichberechtigung des Mannes oder eine Form der Demütigung?
MASKULIST In erster Linie ist das Ausdruck der Trägheit der politischen Masse oder der Unbelehrtheit der politischen Klasse. Die können es eben nicht lassen, jede Gelegenheit, die sich bietet, als eine wahrzunehmen, die dem Ziel dessen, was Volker Zastrow einmal in der FAZ "politische Geschlechtsumwandlung" nannte, dienen sollte.
Ob das für den Einzelnen eine Demütigung bedeutet, hängt sicher vom Einzelnen ab. Wenn auch nicht das Geringste dagegen einzuwenden ist, daß ein Mann sich selbst für einen Beruf entscheidet, der zumeist von Frauen ausgeführt wird, steckt in diesen Bestrebungen eine gehörige Portion Abwertung individueller Neigungen und Möglichkeiten. Und es ist, wie immer solche ideologisch bedingten Programmatiken nun mal sind, kontraproduktiv.
RMZ Werbung und Medien entwerfen in festen Zyklen immer neue Bilder vom „modernen Mann“ (Metrosexueller, Whinster, etc.). Wie stellen Sie sich den Idealtypus des „modernen Mannes“ vor?
MASKULIST Wenn Sie einmal gedanklich-experimentell Horst Seehofer neben Michael Jackson stellen würden, würde Ihnen vielleicht etwas schwindelig werden angesichts der sich eröffnenden Möglichkeiten, anders zu sein und dennoch eben ein Mann.
Freilich wandeln sich die Geschlechter je nach Bedingungen und Möglichkeiten ihres Zeitalters. Es ist, glaube ich, in "Mythos Männermacht" von Warren Farrell, wo beschrieben wird, wie sich die wilden Wikinger binnen kurzer Zeit zu friedlichen Bauern wandelten, nachdem sie sich auf einem fruchtbares Stück Land niederlassen konnten. Die Jahre des Friedens und des Wohlstandes in der westlichen Welt hat eben Männer hervorgebracht, die auch ihr Äußeres intensiver pflegen. Das drückt aber eher Situationsbedingtes als Idealtypisches aus, weswegen ich auf die von Ihnen genannten Charakterisierungen weniger eingehen möchte.
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Antifeminismus
RMZ Ist der Maskulismus zwangsläufig ein Antifeminismus?
MASKULIST Ja!
RMZ Wo sehen Sie – abgesehen von der geschlechtsspezifischen Ausrichtung der Argumente und Ziele - die Hauptunterschiede zwischen Maskulismus und Feminismus?
MASKULIST Maskulismus bedient sich keinerlei Theorie, weil er die Welt nicht nach theoretisch postulierten Mustern umgestalten möchte, sondern sich gerade solchen Umgestaltern in den Weg stellt. Und der polarisiert nicht die Geschlechter, er verlangt nichts von den Frauen. Er verlangt vom Staat, damit aufzuhören, von den Geschlechtern etwas zu verlangen und diese auf polarisierende Weise zu manipulieren.
Maskulismus definiert Konservatismus als das Bedürfnis nach Vergewisserung, daß die Evolution einer Kultur keine Sprünge aufweist, sondern sich in organischer Kontinuität entfaltet. Der Feminismus ist ein solcher Sprung.
RMZ Sie betrachten den Feminismus in Ihren Artikeln sehr differenziert. Muss man also zwischen dem „guten“ und dem „schlechten“ Feminismus unterscheiden? Wenn ja: Wo liegen die Unterschiede?
MASKULIST Den Feminismus lasse ich mir gefallen, von welchem der Staat seine Finger läßt. Weitere Differenzierungen mag es geben, wären aber eher unwesentlich.
RMZ Mit welchen Widerständen sahen Sie sich von feministischer Seite angesichts des 1. Internationalen Antifeminismus-Treffens konfrontiert?
MASKULIST Es wurde ja in der schweizerischen Presse genug darüber berichtet, wie im Vorfeld unseres Treffens linke LesbochaotInnen ihrem Charisma der Wändebeschmierung und der Einschüchterung Andersdenkender ordentlich nachgegangen sind. Was macht das schon? Der wunderbare René Kuhn und seine ebenso wunderbaren Mitstreiter, Urs Bleiker allen voran, die sich übrigens allesamt als dankbare Beobachter von maskulist.de auswiesen, ermöglichten die Veranstaltung an geheimem Ort. Daß man dort aufgrund der erschwerten Umstände nach zwei schlaflosen Nächten ankam, um aber einen Vortrag zu halten, der erstmalig das Wort "Antifeminismus" ein "so schönes Wort" nannte, was macht das schon? ...
Regionales
RMZ Gibt/Gab es auch in Frankfurt regionale Aktionen zu Maskulismus/ Antifeminismus?
MASKULIST Nein, leider! Es wäre aber auch nicht möglich gewesen. Bedenken Sie, daß unsere Aktivitäten, anders als die auf institutionalisierten Sesseln festsitzenden Funktionärinnen des Feminismus, allesamt nebenberufliche Aktivitäten sind, die sozusagen zwischen Tür und Angel geschehen. Man nimmt sich etwas Urlaub für ein Treffen oder einen freien Tag, um eine längere Sache endlich fertigzukriegen.
Hinzu kommt: Mein Interesse galt bisher erstmals der globaleren Vernetzung. So hatte ich mich eingesetzt für die Entstehung von MANNdat und sprang sofort auf, um der Interessengemeinschaft Antifeminismus (IGAF) einen Beitrag zum Kongreß abzuliefern. Die Zeit, mich auch regional zu binden, hätte ich nie gehabt. Allerdings wurde ich in Zürich diesbezüglich von Männern aus der Nähe Frankfurts angesprochen und gedenke bald den Kontakt zu ihnen herzustellen, um zumindest mit ihren Vorstellungen bekannt zu werden...
RMZ Sie verleihen jedes Jahr die „Lila Kröte“. Welche regionale Persönlichkeit hätte Ihrer Meinung nach diese Auszeichnung verdient?
MASKULIST Ich möchte Ihnen diese Antwort lieber ersparen. Denn was wäre, wenn der Name eine besondere Bekanntheit in Ihren redaktionellen Gefilden genösse?
RMZ Wie bewerten Sie den Einfluss feministischer Gruppierungen (Uni Frankfurt + Marburg) in der Region?
MASKULIST Über meine Würdigung des feministischen Einflusses in den Bildungseinrichtungen habe ich mich in diesem Interview natürlich nicht allzu ausführlich äußern können. Sollte sich aber Bedarf nach weiterer Präzisierung meiner Ansichten bei den beiden Unis äußern, würde ich gern dort mit den Frauenbeauftragten einen antifeministischen Vortrag vereinbaren. Ob vielleicht Ihre einflußreiche Redaktion so etwas auf die Beine stellen könnte?
Biographisches
RMZ Sie argumentieren in Ihren Texten methodisch sehr versiert und auf einem hohen intellektuellen Niveau. Woher stammen Ihre fundierten theoretischen Kenntnisse (Studium, eigene Beschäftigung, etc.)?
MASKULIST Haben Sie besten Dank für diese Wertschätzung meines Stils und Inhalts. Ich denke, mir hilft eine gewisse Freude auf innere, also Bewußtseinsprozesse, die ich hege, seit ich denken kann. Und meine "theoretischen Kenntnisse" sind eher das Ergebnis einer Funktion, die bei mir bewirkt, daß ein jeder Inhalt eine Stellung im Kognitiven einnimmt, die ihn mit allen anderen Inhalten verbindet, für alle anderen Inhalte sichtbar sein läßt. Das hilft, Sachverhalte passend zu strukturieren. Mit konventioneller Bildung hat all dies weniger zu tun.
RMZ Seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Thema? Gab es einen konkreten Auslöser?
MASKULIST Gegen Ende der Neunziger erkannte ich, daß ich Jahre lang etwas verdrängte. Ich verdrängte zuzugestehen, daß die Auffälligkeiten des Feminismus ein gesellschaftliches Problem darstellten und nicht belächelt, sondern angezeigt werden sollten. Als ein Niemand hatte ich mich mehrmals an Redaktionen durch Leserbriefe gewandt, die nie abgedruckt wurden. Ich nahm mir also vor, sie in das damals noch neue Medium Internet zu stellen und begann eine Erklärung, eine Art Vorwort dazu zu schreiben. Nach wenigen Absätzen wurde mir klar, mit welchem Stoff ich mich da eigentlich eingelassen hatte, welche Verästellungen sich zu allen möglichen Sach- und Wissensgebieten auftaten.
Und da entschloß ich mich ein Schriftwerk entstehen zu lassen, das selbst dann noch lesenswert und ja, relevant wäre, wenn der Feminismus Geschichte sein würde.
RMZ Wie sehen Ihre weiteren Pläne aus? Planen Sie ein neues Buch?
MASKULIST Gegenwärtig beschäftigen mich sehr intensiv gewisse Strömungen der Neuzeit, die sich geeignet zeigen, jene Mentalität der zügellosen Selbstkritik im Bewußtsein des abendländischen Menschen zu installieren, die heute als Patriarchat-Haß, also Haß gegen die eigene kulturelle Wurzel, fröhliche Urstände feiert. Und der Stoff könnte durchaus ein zweites Buch ergeben.
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