"MÄNNERBEBEN"
Interview für Arne Hoffmanns Buch
Das Buch erschien im November 2007
"Es sieht aus, als wäre Antifeminismus auf dem weg zu seiner Salonfähigkeit." Diesen Satz aus meinem Interview nahm Arne Hoffmann als Titel unseres Gesprächs für sein Buch MÄNNERBEBEN. Hier die ersten zwei Sequenzen des Interviews:
Hoffmann Michail, wie bist du eigentlich zur Männerbewegung gestoßen? Ab wann hattest du den Eindruck, dass hier etwas schief läuft im Verhältnis der Geschlechter?
Der Maskulist Der Eindruck verdichtete sich während der zweiten Hälfte der neunziger Jahre derart, dass man das Übersehen der Situation nicht mehr Gelassenheit nennen konnte, sondern Ignoranz nennen musste - oder Feigheit. Zu einer Männerbewegung stieß ich allerdings damals nicht. Es gab einsame anonyme Internetseiten mit Feminismuskritik, es fand sich auch ein Portal männlicher Scheidungsopfer. Aber von einer Männerbewegung zu sprechen, ist ohnehin nicht leicht für denjenigen, der selbst in der sogenannten Frauenbewegung nur ein konstruiertes Medienereignis sieht, das einer ideologisch gesteuerten Politik den gesellschaftlichen Körper mimen sollte.
Hoffmann Was meinst du damit?
Der Maskulist Der politische Veränderungswille, der als Bestandteil insbesondere der linken Politik aus den Intentionen postmarxistischer "praxistheoretischer" Konzepte schöpfte, verlegte in der Zeit nach dem Krieg sein Austragungsfeld, weg von den wirtschaftlichen, auf die psychologischen, anthropologischen, ethnologischen oder soziologischen Felder. Er erkannte den Wert der gesellschaftsbildenden Software, könnte man sagen. Es klingt etwas ironisch, aber es ist in der Tat so, als sei Marxismus im Lauf seiner späteren Aufarbeitung umgewendet worden, als hätte er sich doch noch vom Sein auf das Bewusstsein, von außen nach innen oder vom Haben (Kapital) auf das Sein verlegt. Und was der Mensch ist und nicht etwa hat, das ist nun mal vor allem, also auch vor jedem anderen Unterschied wie Hautfarbe oder Größe das Geschlecht. Mann und Frau mussten so ins politische Labor zur Untersuchung. Und das zu einer Zeit, da die westliche Intelligenz hart mit den Institutionen und Leistungen ihrer Vergangenheit, die allesamt auf das Konto des Mannes gingen, abrechnete. Das Bild des Vater-Tyrannen war indessen kulturanalytisch wie tiefenpsychologisch dingfest gemacht worden. Der Gedanke, dass Feminismus, der ja schon von Anbeginn dem Konzept der Weltverbesserer angehörte, nicht mehr warten sollte, bis ihn ein vollbrachter Sozialismus auf den Plan gerufen hätte, sondern selbst als primäres Ziel und zugleich Mittel fungieren könnte, drängte sich geradezu auf. Zumal die Polarität zwischen Sozialismus und Kapitalismus immer brüchiger wurde, auch weil letzterer die Prosperität garantierte, die notwendig für teure gesellschaftliche Experimente war. Eine "Frauenbewegung" musste also her und deswegen gab es sie dann auch: Eine Tomate flog, erwischte einen Homosexuellen und verwundete so das "Patriarchat". Eine Titelstory wurde etwas später aus Frankreich importiert: "Wir haben abgetrieben", beichteten darin einige Frauen, die deswegen wirklich nichts mehr zu fürchten hatten, dem Magazin "Stern". Fortan gab es nur noch Frauenbewegung. Als obligatorisches Frauen-Lesben-Grüppchen bei der Demo, vor allem aber im "Stern", im "Spiegel", im Fernsehen, bald auch in der "Bild". Aber nicht als originäre Aktion von Frauen, die nun aus welchem Grund auch immer erstarkt, eine neue Entschlossenheit gegen die "Männerwelt" aufbrachten. Damit hätten sie höchstens den Erfolg der Frauenpartei von heute erreicht. Das rechte Lager übernahm später den "neuen Gedanken" aus progressistischen Zwängen und bereicherte ihn zusätzlich um die alte lyrisch-konservative Beschützer/Opfer-Idylle. Das alles wurde so zu einer ziemlich giftigen Mischung für die Männer. Es war also eine neue Politik, die Geschlechterpolitik, welche die neue Frauenbewegung anstiftete, und nicht andersherum. Ich weiß, dass der Gedanke vielen neu ist...
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