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"Kleine Männchen?" - Interview
Erschienen am 25. 7. 2007
Jeder redet über die neuen "Alphamädchen" und "Powerfrauen". Aber was ist mit dem
Mann? Er wird gezielt diskriminiert, meint der Männerrechtler Michail Savvakis im GQ.com-Interview
Michail Savvakis steht nicht gern im Rampenlicht. Er bezeichnet sich "im positiven Sinne als teamunfähig und eigenbrödlerisch" und hasst es, auf Fotos zu lachen. Aber wenn es um sein Lieblingsthema geht, blüht der in Frankfurt lebende Grieche auf. Savvakis ist ein Männerrechtler.
Seit sieben Jahren betreibt er unter dem Pseudonym "Der Maskulist" eine Webseite "zur Wahrung des maskulinen Ansehens". Außerdem gründete er die geschlechterpolitische Initiative MANNdat e.V. mit.
Die These des Maskulisten: Der Mann wird von der Politik und den Medien gezielt umerzogen und benachteiligt. Seine Mission: "Eine Abrechnung mit Begriffen, Thesen und Methoden radikalfeministischer Manipulation in Medien, Kultur und Gesellschaft".
VERMINTES GEBIET
Unreflektierter Geschlechterkampf und dumpfe Polemik aber sind nicht Savvakis' Ding. Der eloquente Anfangfünfziger denkt nach, bevor er sich äußert. Kein Wunder: Sein Terrain ist vermintes Gebiet, das Feedback auf seine Webseite nicht immer freundlich. Ein Telefon-Interview lehnte er ab. Wir befragten ihn per E-Mail. Seine Antworten geben wir ungekürzt wieder.
GQ.com In der Schule werden die Jungen von fleißigen, hoch motivierten Mädchen überholt, im Beruf verliert der Mann seine traditionellen Domänen an "Powerfrauen" und "Alphamädchen", im Privatleben schwankt er zwischen "Softie" und "Macho". Und bleibt dann oft allein. Steckt das männliche Geschlecht in der Krise?
Der Maskulist Wenn der Mann als unumstrittener Hauptträger, Bereiter und Instandhalter der gesamten Infrastruktur und als Hauptproduzent der allgemeinen wirtschaftlichen Leistung der Gesellschaft in einer Krise stecken würde, wäre das dann eine Krise des Mannes, oder eine der Gesamtgesellschaft? Und wäre es nicht reichlich abartig, eine solche Krise zu bejubeln, wie es just in den vergangenen Wochen gewisse Massenblätter taten?
GQ.com So unumstritten sind die Leistungen des Mannes ja nun nicht. Und wenn, dann werden sie auf patriarchalische Machtstrukturen zurückgeführt. Das derzeitige Hauptargument: Die Schlüsselpositionen der Wirtschaft seien nur zu elf Prozent mit Frauen besetzt, es gäbe also noch viel zu tun, damit Frauen ihr Potential überhaupt erst entfalten können...
Der Maskulist Wenn wir die gesellschaftlichen Verhältnisse, in denen Frau Merkel - nach den Worten einer bekannten Feministin – "an die Macht hochgespült" wurde, gleichermaßen patriarchalisch nennen, wie die unter militanten Islamisten, dann sollten wir uns fragen, ob etwas mit unseren Begriffen nicht mehr stimmt. Zudem klingt das Gerede über das unentfaltete Potential der Frauen ziemlich spekulativ. Glauben Sie, etwas noch Potential nennen zu dürfen, dessen Hauptargument in der Behauptung besteht, jahrtausendelang unterdrückt worden zu sein?
GQ.com Das Potential der Frau liegt also ganz traditionell am Herd und in der Kindeserziehung?
Der Maskulist Das hätte mancher Feminist gern so von mir gehört, um mich dann schnell als ewig Gestrigen und mit gewissem Recht zurückzuweisen. ‚Potential’ ist aber kein Anwendungsgebiet, sondern die Summe von Möglichkeiten. Diese Möglichkeiten haben sich heute für beide Geschlechter enorm vervielfältigt. Männer wie Frauen sind willkommen, ihren individuellen Platz in diesem Meer der Möglichkeiten zu suchen und zu finden.
GQ.com Womit haben Sie dann ein Problem?
Der Maskulist Sie sollen es erstens selbst als Individuen erreichen und nicht als begünstigte Gruppe einer politischen Umerziehung, und zweitens sollen sie es im Bewusstsein tun, dass der Mangel an solchen Möglichkeiten in der Vergangenheit keineswegs eine männliche Schuld darstellt. Da hätten wir dann schon mal das Gemeckere weg, und das wäre für uns alle sehr entspannend nach vier Jahrzehnten irrationaler Vorwurfshaltung und Geschlechteranfeindung.
GQ.com Werden wir doch mal konkret: Woran machen Sie die Umerziehungsmechanismen fest?
Der Maskulist An den Quoten überhaupt schon mal und besonders deutlich an vorausgreifenden Quoten. Mit "vorausgreifenden Quoten" meine ich eine Quotierung, die Frauen über das Maß ihrer tatsächlichen Präsenz hinaus in einem Bereich bevorzugt, um diese dadurch zu erhöhen. So etwas ist auch in der Bundeswehr der Fall. Frauen sollen Soldatinnen werden wollen. Weil sie es aber offensichtlich doch nicht so sehr wollen, wie man will, trat – ich glaube Anfang 2005 - ein Gesetz in Kraft, das sich wieder einmal mit dem Zusatz "Gleichberechtigung" oder "Gleichstellung" in seinem Namen schmückte, das ich aber "Soldatinnenbesserstellungsgesetz" nenne. Das sieht eine Anzahl von Offizierinnen in der Armee vor, die prozentual ein Vielfaches des tatsächlichen Anteils der Soldatinnen ausmacht.
GQ.com "Frauen werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt eingestellt" - wie es in den Stellenausschreibungen heißt ...
Der Maskulist Vor allem auch bevorzugt befördert! Ja, die Frauen sollen dadurch angelockt werden, dass ihnen Vorteile auf Kosten des anderen Geschlechts in Aussicht gestellt werden. Das nenne ich den Versuch einer Umerziehung. Und zu diesem Ziel nimmt der Rechtsstaat sogar Diskriminierung der Männer in Kauf. Die zweite gleich in diesem Ressort, eine erste ist ja bereits die einseitige Wehrpflicht! Ich sehe hierin eine rechtsethische Verwegenheit, milde gesagt, verursacht durch geschlechterpolitische Maßnahmen.
GQ.com Worauf führen Sie diese Entwicklungen zurück?
Der Maskulist Das wäre eine lange Geschichte, die mit den kulturpolitischen Umwälzungen der Nachkriegszeit zusammenhinge. Außerdem mit doktrinären Ideologien, die in der Begradigung der Geschlechter eine Art anthropologischer Vervollkommnung sehen. Ursprung dieser Tendenzen waren materialistische Ansichten, die in einer gleichmäßigen Neuaufteilung der materiellen Ressourcen und der Aufgabenbereiche das Mittel entdeckt zu haben glaubten, um die Menschheit zu ihren Gunsten hin umzuplanen. Die Anwendung dieser Methode auf die Geschlechter kam später, nämlich erst mit dem Ausbruch jener Jugendrevolten, die sich in den berühmten Achtundsechzigern auch gegen die Väter, die "Patriarchen", richteten. Die Konservativen sprangen auf diesen Zug während der Kohl-Ära auf. Die Medien besaßen inzwischen eine entscheidende Macht. Und sie waren nahezu allesamt pro-feministisch.
GQ.com Sie spielen auf die weit verbreitete Überzeugung an, nach der Mann und Frau nicht von Geburt an unterschiedlich sind, sondern erst nach bestimmten gesellschaftlichen Normen "konstruiert" werden. Was macht Sie so sicher, dass die so genannte Gender-Theorie nicht stimmt?
Der Maskulist An sich meine Erfahrung mit den Geschlechtern. Weil das aber natürlich als subjektiv abgewertet werden kann, füge ich hinzu: vor allem die gezielte Einseitigkeit der politischen Anwendung des Genderismus. Wenn nämlich das Geschlecht ein bloß leicht zu verlernendes "Konstrukt" wäre, dann fehlten mir die Damen nicht vor allem auf den Etagen der Macht, sondern auch in den Bautrupps, die diese Etagen erst einmal hochziehen müssen, in brennenden Panzern bei der Befreiung ihrer unterdrückten Schwestern aus "patriarchalischen" Fesseln, im Straßen-, Schienen- und Städtebau, in der Hochseefischerei, beim Löschen brennender Reaktoren oder stürzender Wolkenkratzer, und da der öffentliche Dienst sie vorzugsweise zu beschäftigen scheint, auch ruhig mal beim Straßenkehren (jahrtausendelange Übung angeblich vorhanden).
Ach ja, auch endlich in ihrer Beteiligung beim Anmelden von Patenten. Patente "Alphamädchen", die sie jetzt sind! Ich las dieser Tage im Forum von MANNdat über eine besorgte Mitteilung der Frauenministerin, wonach dies in bloß drei Prozent aller angemeldeten Patente der Fall ist. Und schon winkte das nächste teure Gender-Mainstreaming-Projekt zur Abmilderung dieses Umstands am Horizont. Als ziemlich kostspielige "Alphas" könnten einem diese Mädchen langsam vorkommen – finden Sie nicht?
Da lobe ich mir die Jungen, die ohne Pracht, Prunk und Mediengetöse alljährlich vor der hohen Politik stehen, um nahezu alle Preise für jugendliche Kreativität und Erfindungsgeschick in wohltuender Selbstverständlichkeit verliehen zu bekommen. Ist Ihnen schon mal das Geschlechterverhältnis bei solchen Veranstaltungen aufgefallen? Und haben Sie sich schon mal gefragt, wie es zugleich sein kann, dass Mädchen die Zukunft und Jungen das Versagen zugesprochen bekommen? Könnte sich hier nicht ein kultureller Defekt andeuten? Solches scheint mir die Gender-Theorie zu sein.
GQ.com Wie kam es zu Ihrem Engagement für die Männer? Gab es ein Schlüsselerlebnis?
Der Maskulist Wohl kein bestimmtes. Eher eine sich allmählich vollziehende Verdichtung suspekter Beobachtungen. Sicher mutete es etwas albern an, als ich mir – irgendwann in den Achtzigern – um eine damalige Freundin zu überraschen, spontan vornahm, sie in der Veranstaltung in der Frankfurter Alten Oper aufzusuchen, in der ich sie wusste, um dann mit ihr gemeinsam noch etwas zu unternehmen, mir aber der Eintritt verweigert wurde – es war eine Frauenveranstaltung. Doch ich erinnere mich gut, dass mich das überhaupt nicht berührt hatte. Ich fand es lediglich etwas schrullig. Der Leseabend einer Frauenkrimi-Autorin im Hause des S. Fischer-Verlags ein Jahrzehnt später berührte mich bereits schon etwas mehr.
Es begannen mich Buch- und Artikeltitel zu interessieren, aus denen oft eine verächtliche Männerfeindlichkeit träufelte. Vielleicht war ich zu jener Zeit besonders empfänglich für solche Beobachtungen. Mein Leben begann sich aus dem Sog linksalternativer Kultur- sprich Kneipenkreise zu lösen, und der Wunsch nach Form statt der dort definierten "Freiheit" wuchs. Mit ihm auch die Bereitschaft, die Hinterlassenschaften jener Epoche in der Gesellschaft unter die Lupe zu nehmen. Ich wußte, dass ich etwas zu vermelden hatte, weil ich Zusammenhänge sah, die nirgends im gesellschaftlichen Disput auftraten. Mich mit Leserbriefen zu vermitteln scheiterte, sie wurden nie beachtet. So ging ich ins Internet.
GQ.com ... und wurden "Der Maskulist" ...
Der Maskulist Ja, "Maskulist" bot mir ein griffiges Wort, um kurzerhand Antifeminismus zu signalisieren. Es war ein formal-parodistischer Einfall. Andere machen sich heute mehr Gedanken über dieses Wort. Dafür ist dies oft alles, was sie in Sachen Männerpolitik machen. Auf meiner Homepage definiere ich einen der Hauptunterschiede meines Maskulismus zum Feminismus so: "Der Maskulismus erhebt keine Anklage gegen das andere Geschlecht, sondern gegen eine aufgesetzte Ideologie und den im Zuge ihrer Anwendung entstandenen realen Staatsfeminismus. So beeinträchtigt sein Protest nicht das Verhältnis der Geschlechter; er belastet das andere Geschlecht nicht mit Vorwurf, er schürt nicht Haß oder Ablehnung gegen dieses. Die Geschlechter bleiben im Maskulismus – anders als im Feminismus – in komplementärer und kompatibler emotionaler, kultureller und produktiver Aufeinanderbezogenheit." Ich denke, das ist wesentlich.
GQ.com Was könnte man Ihrer Meinung nach tun, damit das Verhältnis zwischen den Geschlechtern wieder ein besseres wird?
Der Maskulist Beide Geschlechter müssen begreifen, dass es sie zum einen als parallel lebende Kollektive gibt, zum anderen als vereinzelte Individuen. Die Unterschiede und Gleichheiten drücken sich auf der individuellen Ebene viel variabler aus, als es auf der kollektiven der Fall ist: Eine einzelne Frau, die selbst größer als manche Männer ist, liefert eben weder den Beleg dafür, dass Frauen größer als Männer sind, noch den dafür, dass es politisch erstrebenswert wäre, einer soziologistisch verordneten Prozentzahl von Frauen zu einer willkürlich festgelegten Größe verhelfen zu müssen. Von ähnlichen Zielen aber wimmelt es geradezu in der sog. Geschlechterpolitik, die sich ja längst die Anmaßung zu eigen machte, sich "Gleichstellungspolitik" zu nennen.
Ihre destruktiven, marktschreierisch ausgerufenen Zielsetzungen generieren seit Jahrzehnten in der Gesellschaft die Botschaft, die Welt sei nicht in Ordnung, solange nicht vierzig oder wie viel Prozent Frauen hier oder dort säßen. Ständig werden in Medien einzelne weibliche Vertreter präsentiert, die, seien sie in ihrem individuellen Fall Erbinnen von Verlagen, bevorzugt eingestellte Fernsehmoderatorinnen, quotierte Politikerinnen oder auch mal tatsächlich erfolgreiche Unternehmerinnen, zu Ikonen stilisiert, ein gesellschaftliches Soll unterstellen, das es zu erreichen gelte.
Es sagt doch niemand, dass eine Frau sich nicht auch auf dem Rasen bewegen und gemäß bekannter Fußballregeln pfeifen kann. Aber warum soll die fragende Vernunft untersagt sein, die den Ehrgeiz irgendwelcher Altherren der Fußballpolitik, ihre politisch korrekte Pflichtigkeit mit der Einstellung einer Schiedsrichterin getan zu haben, anhand weiterer Erwägungen prüft? Zum Beispiel Erwägungen, die einen etwaigen teuren Umbau sanitärer Einrichtungen beträfen. Oder aber den rabiaten Abbruch mit originären Formen einer bewährten Tradition zugunsten einer politisch diktierten Symbolpräsenz. Es sagt auch niemand, dass nicht auch Frauen ein Flugzeug steuern könnten. Aber wer würde es auf sich nehmen, hier, wo ein Desaster schmerzlich spürbar wäre, eine Quote festzulegen?
Frauen und Männer sollten also damit leben, dass das andere Geschlecht gebietsweise Vorsprünge haben wird. Wer dafür Demut braucht, soll sie üben. Und die Politik sollte sich da heraus halten!
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