Ob es Frau Susi Erdmann und ihrer
gewichthebenden Bremserin heute (längst zwei Jahre nach der geäußerten
Zuversicht) gelingt, ihr Bob-Gefährt allein, ohne die Hilfe vermeintlicher "Machos",
zu heben, wissen wir nicht. Falls es noch nicht der Fall sein sollte,
hätten die Damen vielleicht nicht fleißig genug geübt. Doch was würde
das auch bringen? Schwere Sachen, die frau nicht
heben kann, wird es immer geben; auch solche, die man nicht
wird heben können. Und sollten einmal besonders erpichte Damen ihr
200-Kilo schweres Gefährt oder auch andere Lasten der Gravitation
zu entreißen vermögen, was dann?
"Identitätsstiftung",
so nennt EMMA-Chefin jenen mystischen
Vorgang, der Frauen dadurch ein höheres Selbstwertgefühl vermitteln
soll, daß sie ihre Unzulänglichkeiten im Licht des Vergleichs mit
männlicher Überlegenheit betrachten dürfen! So sollen nach der Theorie
der Herausgeberin etwa Soldatinnen seelischen Aufwind dadurch bekommen,
daß sie in den Kasernen wie im Einsatz erleben dürfen, wie sehr sie
besonderen Schutz benötigen und annehmen müssen, um ihre Beteiligung
an der Tat des Mannes zu überleben. Nicht, daß EMMA dies so darlegt;
kann aber vom denkenden Leser nicht anders verstanden werden.1
Nun sind wir der zentralen Frage,
der wir bisher nachspürten, nah. Wir haben nämlich in unserer Analyse
des Emanzenmännerhasses den delikaten Problempunkt und Kern des kollektiven
weiblich-emanzipatorischen Dilemmas erreicht. Und dieses Dilemma
stellt
sich in der Frage dar: Ist die Emanzipation (und damit
auch Würde) der Frau erst
dann erreicht, wenn Frauen die Tat oder Leistung des Mannes vollbracht
bzw. wiederholt haben, oder
ist die Emanzipation (bzw. Würde) der Frau auch unabhängig von einer
der männlichen gleichzusetzenden Leistung möglich?
Der etwas ältere Feminismus war
klug genug oder aber weniger verwöhnt, um sich bedenkenlos Widersprüchen
auszuliefern. Der Feminismus der siebziger Jahre ging in seinem Disput
zwar vom Gedanken einer defizitären Präsenz und Leistung der Frau
in gewissen Bereichen aus. Er lehnte aber rigoros und zu Recht das
Leistungsprinzip als Bedingung einer Geschlechtergleichwertigkeit
ab! Er zeigte sich damit klug, weil er so Würde und Gleichheit der
Frau unabhängig von Großtaten einer Lara Croft,
einer Jessica Lynch oder furchterregender ARD-Kommissarinnen beanspruchen
durfte. Wir haben an vorangegangener Stelle beschrieben, wie sich
in den achtziger und neunziger Jahren die Ikone der 'neuen Frau'
wandelte und über Gebiete als kompetent zu geistern begann, die bis
dahin typisch männliche hießen. In der Comic-Industrie, in welcher
die bizarren Überweltheldinnen einen explosiven Boom erlebten, der
klassische männliche Comic-Helden fast verdrängte, hat sich dieser
Wandel am besten dort gezeigt, wo er hin gehört und wo er einzig
gedeihen kann - in der Paranormalität der Fantasy-Welten.
So scheint die heutige Situation
auf dem Gebiet vorsätzlicher Überschätzung und hemmungsloser Euphemie
der weiblichen 'Stärken' weit jenseits der Realität angelangt zu
sein. Wir werden einige Beispiele erwähnen und auch der Frage nachgehen,
was das den Frauen zubringt. Zunächst aber wollen wir zum Zwecke
unserer Analyse weiterhin die Sicht der Feministinnen darüber im
Visier behalten. Hilfreich dazu ist jener Artikel aus EMMA-Online vom
April 2003, der die muskulöse Frauenfußballweltmeisterin von 1999 Brandi Chastain feierte, wie diese, indem sie "ihr Trikot über
den Kopf reißt", nicht nur ihren "schwarzen Sport-BH zeigt" (schon ärgerlich,
daß sie ihn nicht nach dem Geheiß der frühen Emanzen verbrannt hatte;
die Zuschauer wären sicher noch entzückter gewesen), sondern noch
dazu "Quadrizeps, Bizeps und Latissimus dorsi" - so
die fachlichen Bezeichnungen gewisser Muskelpartien.
Folgen wir dem Text der von des
Weibes testosteronischem Aufbau berauschten
EMMA, handelt es sich hier um erste evolutionäre Indizien eines bahnbrechenden
Mutierens der Weiblichkeit zu herkulischem Titaninnentum;
eines Vorganges, der ein "Sprung über die dritte Hürde" genannt
wird. "Die erste Hürde", die hier von der postfeministischen
Weiblichkeit als bereits genommen gilt, war die von "Bildung
und Wissen", werden wir unterrichtet. "Die zweite Hürde
waren Besitz und Geld."
"Bildung und Wissen" -
das hat EMMA richtig erkannt - stellen in der Tat (neben Familie
und Vaterschaft) die erste Station staatsfeministischer Verwüstungen
dar, nach EMMA die erste überwundene "Hürde" im Ansturm
des Feminismus gegen die Integrität der westlichen Systeme. Warum
war das so? Weil diese Gebiete von den politischen Hütern in der
Meinung, nicht viel damit zu zerstören, als erste zum Experiment progressistischer Neuerungen
freigegeben wurden. Es ist nicht von ungefähr, daß das Familien-
und Jugendministerium in den letzten Jahrzehnten zu einer traditionellen
Frauendomäne bei allen Parteien avancierte. Und wir dürfen vermuten,
daß Bildung und Justiz weitere Kandidaten für diese Tradition liefern.
Die Kultusministerkonferenz hat an ihrer Spitze traditionell nur
Frauen, selbst die Gewerkschaft für Bildung und Wissenschaft ist
frauengeführt. Das Klischee der mütterlich erziehenden Frau mag man
sich dabei rechtfertigend zunutze gemacht haben.
So wurden diese Posten bisher
von der jeweiligen Legislative und den verantwortlichen Instanzen
als eine Art Ersatzopfer dem Feminismus feilgeboten, offenbar in
der Meinung daß frau dabei weniger anrichten
könnte, als in anderen Führungssegmenten wie etwa in solchen von
Wirtschaft und Finanzen. Man spricht ja auch von 'weichen' Ministerien
oder gar, wie Kanzler Schröder es einmal ausdrückte, vom "Ministerium
für Frauen und Gedöns". Es hat nun wenig Sinn, den Schlaf jener
Genossen unterbrechen zu wollen, die schon in den Neunzigern Anfragen
an ihre Landesregierungen darüber stellten, ob nun die Jungen dümmer
als die Mädchen seien, oder was sonst in der Erziehung falsch liefe,
und die noch heute nicht kapiert zu haben scheinen, daß jene Hürde
der Bildung und des Wissens nicht deswegen vom Mädchentum genommen
wurde, weil letzteres zur geistigen Supermacht mutiert wäre, sondern
weil die Bildung so weit pervertierte, und die Jungen so weit vernachlässigt
wurden.
Und darüber, daß "Bildung
und Wissen" exakt während jener Zeit, da Mädchen das Herz des
Staates und der Erziehung gewannen und sich an den Universitäten
Frauenbibliotheken und an den Ministerien Frauen- und Mädchenförderprogramme
mit 'Jungen-Popokneif-Aktionen' einrichteten, den Bach runter gingen,
haben wir auf diesen Seiten schon einige Trauerlieder singen können.
Besonders ist diese sukzessive Schwächung mentaler und ethischer
Grundlagen bis zum Jahr 2002 in Beiträgen unter "Zeitgeschehen" beschrieben,
und in der Reihe "Die Brunnenvergiftung" wurden die Wirkungen
frauenorientierter Maßnahmen in wissenschaftlich-technischer Berufsausbildung
als zersetzende Faktoren aufgezeigt.
Während also Frauen die Hürde
Bildung "ganz... genommen" haben, erklärt EMMA weiter,
wurde "die Hürde Geld halb" von den Frauen "genommen".
Damit ist sicher das alte Lamento darüber wieder aufgetischt, daß Frauen
heute immer noch nicht die Hälfte der Chefsessel in der Wirtschaft
besetzen. Das Thema hatten wir schon und warum die Politik lieber
einen Teufel täte, als ihr eigentliches Heiligtum, die Wirtschaft,
auch noch der experimentierfreudigen Gender-Sibyllen anzuvertrauen,
dürfte geklärt sein - wir gehen hier nicht weiter darauf ein.
Interessant
im hiesigen Zusammenhang ist vielmehr EMMAs "dritte
Hürde", die von den Frauen als letzte eingenommen werden soll.
Diese "dritte und letzte" Hürde heißt dort "die Körperhürde"!
Verweilen wir etwas bei diesem Ausdruck und erinnern uns an jene
Stelle im Vorwort dieser Ausführungen, an der wir das Problem Körper
als ein essentielles Problem insbesondere lesbischer Feministinnen
aufzeigten. Der Schlußsatz jener Überlegungen im zweiten Teil unseres
Vorwortes (veröffentlicht knapp drei Jahre vor dem hier kommentierten EMMA-Artikel)
lautet: "Denn selbst wenn es [den Feministinnen] gelingen sollte,
die Allgegenwart des Mannes auf einer Erde, auf welcher seine Städte
stehen und von welcher aus seine Visionen bereits das All bereisen,
zu verdrängen: Eine Erinnerung, eine sehr derb manifestierte gar,
ja eine geradezu körperliche bliebe da immer bestehen, nämlich der
Körper selbst!"
Der Körper (des Mannes und der
Frau) ist keineswegs - wie EMMA weiter vorgibt - "eine Tatsache,
die die Anhänger eines natürlichen Unterschieds zwischen den Geschlechtern
in Zeiten grassierender Emanzipation ["grassierender" ist
gut und könnte von uns stammen!] als allerletzten Joker aus dem Ärmel
ziehen." Denn so wenig, wie sich "die Anhänger eines natürlichen
Unterschieds zwischen den Geschlechtern" solchen "Joker" selbst
in die Ärmel stecken mußten, sondern dies die Natur besorgte, so
wenig müssen sie ihn auch vorsätzlich "aus dem Ärmel ziehen",
um etwa die Anhänger einer natürlichen "Geschlechtergleichheit" damit
zu betrügen. Der Körper des Menschen ist keine von irgendwelchen
Anhängern erdachte "Tatsache", sondern eine ohne alles
dümmliche Beiwerk des zweiten Teils des EMMA-Satzes bestehende "Tatsache",
und zwar "eine sehr derb manifestierte gar", wie hier schon
trefflich ausgedrückt.
Der Körper nämlich des Menschen
mit seinen existentiellen, zu Intentionen erwachenden Impulsen, die
den mühseligen evolutionären Weg vom Trieb zur Empfindung und von
dort zum Gedanken und darüber hinaus - über Bewußtheit und Reflexion
- bis hin zur Idee in der Lage sind zurückzulegen, um sich so legitim
mit dem noch nicht Erschauten zu verbinden, ist der Garant aller
relevanten anthropologischen Entwicklung und zugleich das Grab all
jener blutleeren Intellektualismen, die, ohne diesen legitimen Weg
geistigen Werdeganges gehen zu wollen, uns von Zeit zu Zeit aus den
vernebelten Luftschlössern der Ideologien heraus attackieren. Der
Körper und sein zum Individuum aufgekeimtes Ich waren das Grab des
Kommunismus wie aller Totalitarismen, und dieses Team, der Körper
und das Ich von Mann und Frau, werden auch das Grab des Feminismus
werden!
Wenn auch anzuzweifeln ist, daß 'Naturemanzen'
das eben Aufgeführte begreifen, ahnen werden sie es schon. Deswegen
das bemüht zuversichtliche Angehen der "Körperhürde" als
einer letzten, bald genommenen.
Doch wenden wir uns dem weiteren EMMA-Text zu;
schon sehr aufschlußreich der folgende ganze Satz (Kursives von uns): "In
dem Hürdenlauf auf dem Weg zur Gleichberechtigung ist deshalb
nachdem die Frauen im letzten Jahrhundert die Hürden Bildung ganz
und die Hürde Geld halb genommen haben das dritte und letzte von
den Frauen zu überspringende Hindernis vor der Zielgeraden zur
wirklichen Geschlechtergleichheit die Kraft, die Körperhürde.
Und die Frauen sind auf dem Sprung."
Konventionelle "Gleichberechtigung" wäre
also gar nicht das Ziel des Feminismus. Weitere Hindernisse müssen übersprungen
werden bis hin "zur wirklichen" (gemeint kann in diesem
Kontext nur die körperliche sein!) "Geschlechtergleichheit".
Da diese "wirkliche Geschlechtergleichheit" über das Überspringen
auch der "Körperhürde" genommen zu werden hat, bleibt kein
Zweifel darüber bestehen, daß EMMA erst dann zu ihrer vollen Würde
und Emanzipation gekommen sein will, wenn es zwischen Mann und Frau
keine den Körper betreffende männliche Überlegenheit mehr geben wird!
Zwar wird in einem anderen Satz das Wort "vielleicht" vorsichtig
zitiert: "Es drängt sich... der Verdacht auf, dass vielleicht letzten
Endes überhaupt kein nennenswerter Kraftunterschied zwischen Männern
und Frauen besteht", schreibt die Autorin. Doch dieser Anflug
von Nüchternheit, welchen das flüchtige "vielleicht" dem
Leser vielleicht vortäuscht, neutralisiert sich im übrigen
Text vollständig.2