Die Materie bittet zur Kasse - Ursprünge des Mat(e)riarchats
Geist und Materie - könnten wir dies Paar auslassen? Der Antagonismus dieser beiden Aspekte als Kontrahenten in der Kosmogonie oder in der Bildung von Prioritäten im Bewußtsein durchzieht die Geistesgeschichte der westlichen Welt von der Naturphilosophie der Vorsokratiker bis zum heutigen Disput über das Verhalten der Quanten im Experiment und des menschlichen Gehirns beim Agieren. Und es mußte sich eine ganze Menge Geist im Gemüt des Menschen manifestieren, bevor das Bedürfnis zur Einheit mit dem Sein der äußeren Materie durch ein neues ausgeglichen sein würde: das Bedürfnis zur Einheit mit dem theoretisch-subtilen Kontinuum gedanklicher Beschlüsse und Projektionen, zur Einheit eben mit dem Geist. Erst dieser letztere, der blinde Passagier im frühen Individuum, der, wie aus dem Nichts angetreten, seine wundersame Alchemie der Ich-Bildung bis hin zum Gold der gewordenen Person betrieb, bot den einzigen Ansatz einer möglichen Befreiung aus der durch bloß materielle Anschauung des Seins auferlegten Schuld. Denn nur im Geist veränderte sich Altes und Neues entstand, wirklich Neues, nirgends bis dahin Vorhandenes. Nur im Geist könnten Prinzipien, die in der Natur das eiserne Diktat des Immergleichen erfüllten, neu gesehen werden und Aspekte hinzu gewinnen, die den Menschen vom Fatum der gnadenlos stummen und starren Materie erlösen konnten. Und so geschah es, daß der Mensch dem Fluch seines Ich nicht anders begegnete als mit der Flucht nach vorn in Richtung immer weiterer Ich-Entfaltung.
Fast hätten wir die Begriffe errungen, die uns zum Verständnis jener Urzeit gereichen könnten, die in der ideologischen Schlampigkeit der Gegenwart das 'Matriarchat' genannt wird. Doch nur fast, denn ein weiterer, das Bewußtsein dieser paläologischen Strukturen prägender Sachverhalt, der in der Kultur-Anthropologie für gewöhnlich geringere Beachtung findet als er verdient, ist das Verhältnis von Licht und Dunkelheit, als Faktoren anfänglicher Bewußtseinsbildung. Der evolutionäre Gang des Menschen nämlich, jener Gang "aus den chthonischen Regionen unbewußter Körperlichkeit…, zu den lichten Höhen des abstrakten Gedankens", wie wir ihn hier genannt haben, war in der Tat auch im physischen Sinn ein Gang in immer mehr Licht; jede entscheidende Phase wurde von veränderten Lichtverhältnissen begleitet. Der aufrechte Gang wie das Verlassen der düsteren Wälder, beides Veränderungen, die den Menschen in neue Lichtverhältnisse stellten. Ähnlich aber, wie sich das Auge nach erfahrener Dunkelheit erst allmählich ans Licht gewöhnt, trug auch der Mensch das Dunkle lange in seiner Entwicklung nach; die letzten prähistorischen Phasen wie noch die ersten historischen waren geradezu nachterfüllt. Und diese Nacht brachte ihre Elemente dem jungen Bewußtsein nahe, und prägte es - ähnlich wie die Materie - mit ihrer schauerlichen Dialektik.
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