DER MASKULIST
12.12.2011

Grund der Nominierung

A

Die Friedrich-Ebert-Stiftung mit Barbara Stiegler aus dem Arbeitsbereich Frauen- und Geschlechterpolitik erhielten die Lila Kröte Nr. 8, im Dezember 2011

bermalig in den vergangenen Monaten hatte Dr. Barbara Stiegler, Berufsfrau und Leiterin des Arbeitsbereiches Frauen- und Geschlechterpolitik in der Abteilung Wirtschafts- und Sozialpolitik der Friedrich-Ebert-Stiftung, Broschüren publiziert und selbst eingeleitet, die antifeministische Männertendenzen als rechtsradikal verschrien und inhaltlich widerlegen sollten. Beide Argumentationsfelder gerieten reichlich dürftig.

Obwohl sich die Erzeugnisse durch Einfalt und gender-"wissenschaftliche" Naivität selbst bestrafen, wurde die Lila Kröte sichtlich angesprochen, denn der Gebrauch der (ohnehin mehrmals der Tendenziosität gerügten) Friedrich-Ebert-Organisation zu Zwecken des notorischen Geschlechtspatriotismus, der das angeblich sozialkompetentere Geschlecht heute beherrscht, erinnert stark an Oberflächenmerkmale der Amphibie, die im übertragenen Sinn auch zur Beschreibung der inneren Werte des Feminismus taugen.


Das Begleitschreiben

Sehr geehrte Frau Dr. Barbara Stiegler,
sehr geehrte Mitarbeiter der Friedrich Ebert Stiftung,

eine im Auftrag der EU-Kommission neu herausgegebene Untersuchung über die Präferenzen europäischer Mütter in Sachen Arbeitszeitgestaltung ergab (ähnlich wie einige Wochen zuvor eine aus Österreich), daß nur ein geringer Prozentsatz dieser Frauen (namentlich 11%) einen Vollzeitjob in jedem Falle anstrebt.1 Besonders beeindruckend: 84 Prozent der Mütter gaben an, ihre Kinder selbst noch im Jugendlichenalter nach der Schule nicht sich selbst überlassen zu wollen. 70 Prozent erklärten, bis zum 18. Lebensjahr ihres Nachwuchses keinen Ganztagsjob vorzuziehen.

So weit, so schlecht für den etablierten Feminismus, wenn er auch in Sachen Wirklichkeitswahrnehmung nicht gerade ein Sensibelchen ist. Doch es gibt Pikanteres noch: Bei einer Befragungsaktion des österreichischen Magazins 'profil' zu den Gründen, warum Frauen das traditionelle Modell bevorzugen, wollten viele der befragten Teilnehmerinnen anonym bleiben! Als Grund gaben sie an, es sei "eben nicht modern und cool, Hausfrau sein zu wollen."2

Denken wir nun hierüber etwas nach: Es existiert eine gestaltende Politik, welche (nach der Hinterlassenschaft einer ehemaligen, fatal selbstbewußten Frauenministerin von der Leyen, die aber kein einziges ihrer angekündigten demographischen Vorhaben umsetzte) einem Milliardenprojekt für Krippenplätze und Ganztagsbetreuung nachhängt, während Mütter lauthals beteuern, daß sie derlei teure Projekte gar nicht wollen oder benötigen. Und dies tun sie anonym, um nicht als Außenseiter zu gelten, obwohl sie die Mehrheit sind!

Ziemlich vertrackt das alles, werden Sie zugeben müssen, und ein Grund, die Frage aufzuwerfen, ob nicht "Männerrechtler und Familienfundamentalisten" am Ende die besseren Frauenversteher sind. Doch ich will Sie zunächst nicht zu so starkem Tobak verdonnern.

Deswegen werden wir uns hier mit der anderen Frage befassen, nämlich wie es zu der gesellschaftlichen Diskrepanz kommen konnte, die "normalen" Frauen im sogenannten freien Westen die freie Meinungsäußerung erschwert, während daselbst Minderheitenvertreterinnen mit aparten familiären und sexuellen Biographien und Vorstellungen ihre Frauenpolitik gegen das Begehren der Mehrheit durchsetzen.

Und siehe da: Bei der Erläuterung der Mechanismen, die zur Entfaltung solcher Minderheitenwillkür eingesetzt werden, dürfen wir uns an Methoden Ihrer Stiftung halten und speziell des Arbeitskreises, dem Sie persönlich vorstehen. So erklären Sie selbst in der Präambel Ihrer Internet-Präsentation, "Strukturen und Diskurse" entsprechend verändern zu wollen, "damit Geschlechterverhältnisse… nicht von traditionellen Geschlechtervorstellungen geprägt werden". Mit amüsierender Offenheit geben Sie sogar Schritte Ihrer Taktik preis: "In Expertisen bereiten wir wissenschaftliche Erkenntnisse so auf [Kursives von mir], dass sie für die geschlechterpolitische Arbeit genutzt werden können."3

Der Begriff Manipulation schwebt so sichtbar über Ihren Mühen, und es erübrigt sich zu betonen, daß Ihre Aufbereitungen so aufbereitet sind, daß sie für Ihre "geschlechterpolitische Arbeit genutzt werden" können, die offensichtlich diametral gegensätzlich zu den Vorstellungen der oben angeführten europäischen Mütter steht.

Nun enthält für gewöhnlich das Vorgehen bei ideologischer Manipulation zwei Elemente: die Diffamierung der Gegenposition (hierzulande stets mit der Zuordnung des Gegners in die berüchtigte "rechte Ecke" – im Volksmund die "Nazikeule" genannt) und die entsprechende Zwangskatechese darüber, was man zu denken oder jedenfalls zu äußern hätte, um dem Angedrohten zu entgehen.

Diesem Schema getreu haben auch Sie, Frau Stiegler, in den Jahren 2010 und 2011 eine Aktion gegen Andersdenkende unterstützt (offensichtlich gar initiiert), die unter einem Mißbrauch von Begriffen wie "Expertise" und "Wissenschaft" ablief, der einen schaudern lassen kann, und der zu den häufig geäußerten Zweifeln an der Seriosität und Glaubwürdigkeit Ihrer Stiftung ermuntert:

In der Broschüre "Geschlechterkampf von rechts  - Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus radikalisieren"4 wird die Kritik an den feministischen Interventionen des Staates von ihrem Objekt, dem staatlichen Doktrin-Feminismus, abstrahiert und als ein Phänomen hingestellt, das für sich selbst existiert oder aus den Befindlichkeiten seiner Träger resultiert, die sich – warum auch immer – gern "radikalisieren" wollten. Jede Vorstellung, das, was Ihr Schreiber "sich radikalisieren" nennt, könnte auf eine Entschlossenheit hinweisen, die sich ihres eigenen moralischen Fundaments bewußt ist, wird mit einer Selbstverständlichkeit ausgelassen, die den Autor auf schon kitschige Weise als den Guten gegen die Bösen erstrahlen läßt, ohne daß ihm die groteske Selbstgefälligkeit peinlich wird, in der er sich selbst derart karikiert.

Passend dazu ist seine "Argumentation" durchweg nichts weiter als Meinung, seine Meinung, gefaßt in einem roh analytischen Rahmen, in dem diejenigen "rückwärtsgewandt" sind, die ihm entgegentreten;  mehrmals in seinem Pamphlet läßt er sein Unbehagen darüber aus, daß "Männerrechtler" sogar mit Begriffen umgehen, über welche Ihr Emanzipator gern das alleinige Umgangsrecht hätte. Ob er sich dabei einbildete, daß man diesen Anspruch respektieren müsse? Als einzig Verbleibendes in seinen Ausführungen dominiert am Ende ein Kreisen in sich selbst, ein Fabrizieren von "Beweisen", die allein im Rahmen der eigenen Voraussetzungen Beweise wären, aber paradoxerweise auch für andere als solche gelten sollen! Ein Beispiel:

"Frauen seien gar nicht mehr benachteiligt, die Frauenemanzipation sei abgeschlossen, der Feminismus habe sein Ziel längst erreicht", modelliert er auf Seite 7 eine von ihm selbst entworfene angebliche Position der Feminismuskritiker. "Unerklärt bleibt", fährt er dann fort, "wie sich diese Behauptung mit der nach wie vor existierenden – und bei einem beliebigen Blick in die Führungsetagen offensichtlichen – 'hegemonialen Männlichkeit' in zentralen gesellschaftlichen Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien in Einklang bringen lässt."

Hier wirft also jemand entstellte Positionen der "Männerrechtler" in einen chaotischen Topf, und wir sollen sie ihm "in Einklang bringen"!

Nun, wir würden wahrscheinlich etwas mehr als nur einen Klang dabei aufwenden: Erstens sagt kein "Männerrechtler" und erst recht kein "Maskulinist", daß der Feminismus sein Ziel längst erreicht hätte und die Frauenemanzipation abgeschlossen sei, sondern wir alle sagen, daß der Feminismus sein Ziel niemals wird erreichen können, da er Männer und Frauen völlig verkennt, weswegen seine geschlechtertechnokratischen Interventionen der Gesellschaft schaden. Denn dabei werden die Geschlechter aufgrund ihres naturgemäß unterschiedlichen Präferenzen- und Leistungsspektrums (ob auf der Gorch Fock oder im Kreißsaal) gemäß einem ethischen Schisma polarisiert, das etwaiger männlicher Leistungsdominanz eine Schuldzuweisung unterschiebt und etwaiger weiblicher Mindereffizienz einen Opferstatus.

"Erreicht", so sprechen "Männerrechtler" und "Maskulinisten", wurde lediglich das, was der Feminismus anfangs als sein Ziel vortäuschte: die Gleichberechtigung. Es gibt heute kein einziges Gesetz, das Frauen (in welchem Bereich auch immer) weniger Rechte einräumen würde - eher wohl Männern! Da nun Rechte Optionen sind und keine Verpflichtungen, wäre somit die Aufgabe des Staates gegenüber den Geschlechtern erfüllt. Doch rasch wurde aus Gleichberechtigung Gleichstellung, da Feministen wenig Ansatz bei den Frauen erkannten, sich zu "emanzipieren", bloß weil man es ihnen ermöglicht hatte. So sollten sie vom Staat emanzipiert werden, er sollte sie nicht bloß durch das Gesetz gleichberechtigen, sondern durch politische Willkürmaßnahmen und eine ganze Menge Männerentrechtung ("positive Diskriminierung") gleichstellen.

Damit etablierte sich das, was Maskulisten (um das Wort jetzt mal richtig zu schreiben), den Staatsfeminismus (auch Feminat) nennen. Der Rest ist Geschichte, es ist die Geschichte einer Pervertierung des Staatswesens in allen Bereichen, einer Pervertierung des Öffentlichen und Öffentlich-Rechtlichen, des Arbeitsmarktes, des Bildungs- und Familienwesens, des Rechtswesens und der Gerichtsbarkeit.

Daß nun die Frauen, die vom Staat gleichgestellt werden müssen, weil sie von alleine weder in Führungsetagen gelangen noch selbst welche erschaffen, dort auch weniger repräsentiert sind, muß nicht in Einklang mit den Aussagen der Maskulisten gebracht werden, sondern ergibt sich als natürliche Konsequenz ihrer Aussagen!

So viel zu nur einem ganz typischen Entwurf Ihres engagierten Experten. Den Eindruck, daß Herr Gesterkamp nur zu einem formalen Gegenüberstellen der Geschlechter im Sinne eines geometrisch erfaßten Vergleiches in der Lage ist, aber umfassendere Sichtweisen meidet, hatte ich bereits vor einigen Jahren. Damals kritisierte er einen Artikel der JUNGE FREIHEIT in einer linken Tageszeitung. Da nun ein größerer Teil des von ihm kommentierten Artikels sich mit einer Veröffentlichung von mir beschäftigte, Herr Gesterkamp aber mit keinem Wort darauf zu sprechen kam, gewann ich schon damals den Eindruck, daß er globalanalytische Ausführungsweisen ziemlich konsequent ignorierte. Auch ein daraufhin gestarteter Kontaktversuch meinerseits (per E-Mail) scheiterte.5

Übrigens argumentieren alle Ihre Autoren und Autorinnen auf dem eigenen weltanschaulichen Plateau und gebärden sich dabei, als gingen sie von allgemeinen Positionen aus. So will eine von ihnen in Ihrer nächsten Broschüre vom März 2011 ("Gleichstellungspolitik kontrovers - Eine Argumentationshilfe",6 Seite 9) die Menschen "losgelöst von einem Denken" machen, "das nur zwei… Geschlechter kennt." Würde sie nun mehr konkrete Geschlechter kennen, müßte sie doch auch in der Lage sein anzugeben, wie viele Geschlechter es sind, oder aber sie weiß nicht, wovon sie spricht. Außerdem müßte sie erklären, mit welchem Recht sie den Begriff Geschlecht von dem der Zeugung abkoppelt, und beliebige Voraussetzungen anstelle setzt.

Versuchen Sie doch einmal selbst, Frau Stiegler, außerhalb des merkwürdigen Biotops Ihrer Gender-"Experten", dort nämlich, wo der Alltagsmensch seinen praktizierenden Verstand einsetzt, bei den "Müttern" vielleicht von weiter oben, die sicher nur Söhne oder Töchter als ihre Kinder wahrnehmen, versuchen Sie dort etwas von der Geschlechtervielfalt Ihrer Expertinnen unterzubringen. Sie wissen, Sie würden nur Spott ernten. Und Sie wollen allen Ernstes diesen Unfug als "Argumentationshilfe" gegen unsere entspannt realistische Betrachtung des Männlichen und des Weiblichen einsetzen?

Geehrte Frau Stiegler, ich könnte hier beliebig mit der Explizierung weiterer heiterer Stellen aus den beiden Schmähschriften Ihres Arbeitskreises fortfahren. Doch lieber möchte ich es uns, auch der Kürze halber, ersparen. Statt dessen erhalten Sie und die Friedrich Ebert Stiftung die Lila Kröte für das Jahr 2011. Die Lila Kröte ist eine negative Auszeichnung an Menschen oder Institutionen, die sich in einem Jahresrückblick als besonders emsig in der Diffamierung und Bekämpfung der "Männerechtler und Maskulinisten" erwiesen haben.

Die Vergabe ist zwar virtuellen Charakters und besteht endgültig in der Dokumentation auf meiner Homepage. Dennoch geht sie immer zusätzlich als gedrucktes Dokument an den Empfänger. Auch hier liegt sie bei, die 8. in Folge.

Mit freundlichen Grüßen


Text der Urkunde:

Geehrte Frau Dr. Stiegler,
geehrte Mitarbeiter der Friedrich Ebert Stiftung,

in diesem und im vergangenen Jahr ging vom Arbeitsbereich Frauen- und Geschlechterforschung Ihrer Organisation eine intensive Kampagne gegen Vertreter feminismuskritischer Positionen innerhalb von Männerrechtsinitiativen aus.

Ihre Versuche einer Diffamierung dieser Menschen als rechtslastig radikalisiert und auch die desperate Argumentation gegen ihre Thesen waren rein dogmatisch und dort unterbelichtet, wo sie sich der scheinwissenschaftlichen Positionen sogenannter Genderstudien annahmen, einer Disziplin, deren Bestreben die Installierung ideologiehöriger wissenschaftswidriger Thesen im universitären Lehrstoff ist.

Hand in Hand gingen dabei die Interessen gewisser profeministischer Zirkel, die seit Jahrzehnten eine Fortpflanzung feministischer Anliegen in Männerkreisen als "kritische Männerarbeit" verkaufen, mit den Interessen jener Vertreter bizarrer Gesellschaftstheorien, die auf der einen Seite das Geschlecht als Bestimmungsfaktor gänzlich verwerfen, jedoch allenthalben von Männern und Frauen sprechen und alle ihre Forderungen innerhalb dieses Dualismus formulieren.

Hand in Hand gingen daher in Ihren Angriffen auch die Bigotterie und die Unwissenschaftlichkeit des Feminismus, stellvertretend für seinen ethischen und geistigen Charakter.

Mit alldem haben Sie sich und Ihre Stiftung zu überzeugenden Anwärtern der Lila Kröte fürs Jahr 2011 gemacht, einer negativen Auszeichnung an die Gegner der neueren Bewegungen gegen die Kontamination der Gesellschaftssysteme mit der "geistlosesten Ideologie aller Zeiten", dem Feminismus.

Dies ist die 8. Ausgabe des Negativpreises.

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Quellen, Anmerkungen:

1. Die 'Mütter-Studie' der EU-Kommission
2. "Traumberuf Hausfrau?", profil.at, 19. 11. 2011
3. http://www.fes.de/wiso/content/frauen.php
4. "Geschlechterkampf von rechts..."
5. Meine E-Mail an Thomas Gesterkamp im Jahr 2008
6. "Gleichstellungspolitik kontrovers - Eine Argumentationshilfe"
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Berichtigung

Ich hatte im Begleitschreiben und im Gewirre der dokumentarischen Fülle, mit der ich während der Entstehung umging, einen Artikel der 'Jungen Freiheit', den Thomas Gesterkamp "in einer linken Tageszeitung" (nämlich in der TAZ) besprach, mit dem ebenfalls in der 'Jungen Freiheit' früher erschienenen Artikel "Trottel und Opfer" verwechselt, den Gesterkamp in seinem hier kritisierten Pamphlet "Geschlechterkampf von rechts" erwähnte.

Das ist sicher eine unbedeutende formale Unstimmigkeit, die ich dennoch lieber korrigiert wissen möchte, bevor jemand versucht, darauf überzogene Kritik-Ansprüche zu begründen.

Veröffentlicht am 22. 12. 2011