DER MASKULIST
10.11.2010

Grund der Nominierung

E

Das Kinderhilfswerk PLAN und Ulrich Wickert erhielten die Lila Kröte Nr. 7, im November 2010

inem feministischen Plan schien uns das gleichnamige Kinderhilfswerk (PLAN) schon seit langem zu ähneln. Immer mehr nahm jeder Slogan, jedes Bild, jeder zu beherzende Text Bezug auf Mädchen; es dauerte nicht lange, bis die Sprache der Akteure festsaß: “Helfen Sie einem Mädchen!“, “Mädchen brauchen Ihre Unterstützung“.

Besonders tückisch ging solche Manipulationsstrategie von den Werbe-Auftritten des Ex-Nachrichtenmoderators und engagierten PLAN-Paten Wickert aus. Tückisch deswegen, weil er als Mann die feministische Botschaft unverdächtig in eine Selbstverständlichkeit einbettete, um sie dann, wie etwa im beigefügten Video, am Ende einer unschuldig scheinenden geschlechterneutralen Besinnlichkeit dem Hörer zu injizieren: "Helfen auch Sie einem Mädchen, werden Sie PLAN-Pate."

Vielleicht, Herr Wickert. Vielleicht aber helfen wir einem Jungen, und Sie haben einfach Pech!

Die Proteste aus der Männerrechtlerszene erbrachten wenig; man könnte fast meinen, sie erweckten bei PLAN und Herrn Wickert eine “Jetzt-erst-recht"-Stimmung.

In einem Erklärungsschreiben1 beteuerten sie dann, daß wir an PLANs Interesse auch an Jungen nicht zu zweifeln hätten. Mit Jungen arbeite PLAN sehr wohl zusammen, zumal sie eine wichtige Rolle für die Lösung von Kinderrechtsverletzungen an Mädchen (sogar an weiblichen Föten) spielen könnten, vor allem dann, wenn sie in gewissen Projekten nur mit Jungen “zu ihrem Bild von Männlichkeit, ihren Vorstellungen von Sexualität und ihrer Sicht auf Mädchen“ bearbeitet würden. Das klingt ja derart unverhohlen nach Hilfe für Mädchen und Umerziehung von Jungen!

Ist das nichts?


Das Begleitschreiben

Sehr interessantes Team,
sehr interessanter Herr Wickert!

Ihr Kinderhilfswerk meidet auf allen Ebenen seiner Öffentlichkeitsarbeit, Schicksale von Kindern männlichen Geschlechts äquivalent zu denen von Mädchen zu behandeln. Sowohl die Themenauswahl als auch die Darstellung in Ihren Artikeln lassen eine manipulative Konzeption durchscheinen, die aufgrund ihrer feministisch ideologisierten Sichtweise irritiert. Letztere besteht in der Tendenz, Macht über den Weg des Opfers anzuhäufen, wozu auch die frenetischen Aktionen gegen Gewalt an Frauen als kalendarische Kultereignisse in feministischen Systemen gehören.

In Ihren Erklärungsschreiben an Ihre zahlreichen Kritiker beteuerten Sie: "Plan fördert Jungen und Mädchen gleichermaßen, aber unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Benachteiligungen."

Doch wo in Ihren Texten lesen wir irgend etwas über spezifische Benachteiligungen von Jungen? Vielmehr scheint es, als befolgten Ihre Bestrebungen das Ziel, selbst Situationen, die größeres Leid, größere Gefahr oder größere Benachteiligung von Jungen aufzeigen, auf das Viktimisierungskonto der Mädchen gutzuschreiben.

Betrachten wir etwa die folgenden zwei Passagen aus Ihrem Artikel über Kinderhandel. Zur Betroffenheit von Jungen schreiben Sie:

"Gerade Jungen zwischen 14 und 17 Jahren lassen sich gern anwerben, weil sie endlich Geld verdienen möchten. Ihre Agenten sind wiederum oft selbst Jugendliche, die Opfer von Kinderhändlern waren… Die Jungen werden häufig nach Nigeria oder in andere Länder Westafrikas geschmuggelt. Sie müssen sehr lange auf den Feldern arbeiten. Sie werden von Aufsehern schlecht behandelt und geschlagen. Viele der Jungen arbeiten sogar nachts, meistens sieben Tage in der Woche und das über sechs Monate, ein Jahr oder noch länger. Nur wenige erhalten einen Lohn für ihre Arbeit."

Über Mädchen schreiben Sie: "Während die Jungen eher direkt von den Agenten angesprochen werden, läuft der Kontakt bei den Mädchen meist über die Familien. Sie arbeiten meistens als Dienstmädchen in Haushalten oder auf den Märkten. Mädchen haben es besonders schwer. Sie werden rücksichtslos ausgebeutet und häufig auch missbraucht."

Nun käme ja hier kaum ein Leser auf die Idee, daß die von Ihnen beschriebene Situation der Jungen eine rosigere als die der Mädchen sei. Denn warum sollte das Arbeiten "in Haushalten", wo man immerhin nachts sogar schläft, schlimmer sein als solches "auf den Feldern", wo man "von Aufsehern schlecht behandelt und geschlagen" wird und dies "sogar nachts, meistens sieben Tage in der Woche"?

Daß Sie in Entscheidungswillkür befinden oder zu befinden angeben, "Mädchen haben es besonders schwer", kann entweder als die zweifelhafte Meinung des Verfassers aufgefaßt werden, oder aber als ein Versuch - übrigens ein auffällig grober – emotionaler Manipulation. Ersteres wäre zwar falsch, aber verzeihlich; vor allem wäre es unbedeutend, weil ohne Auswirkung auf die Zusammensetzung Ihrer Aktivitäten.

Nur leider bieten gerade diese, insbesondere das Hausieren des Herrn Wickert im Internet mit seinen "Mädchen-brauchen-Ihre-Hilfe"-Motiven, anstößigen Hinweis auf einen vorsätzlich manipulativen Willen Ihrer Organisation. Dieser Wille stellt sich umstandslos als einer vor, der Menschen von dem Gedanken einen Jungen zu unterstützen, abbringen will, um ihnen den Gedanken lieber ein Mädchen zu unterstützen, einzupflanzen.

Es wird also ein Keil zwischen die Geschlechter geschoben, der widersinnigerweise Nächstenliebe anzeigen soll?

Sehr merkwürdiges Team,
sehr merkwürdiger Herr Wickert,

warum machen Sie das? Sind Sie sicher, daß Ihr Konzept ethisch verantwortbar ist? Ein Blick in Ihre Erklärung vermittelt kaum den Eindruck, daß sich Ihre Position allzu breitbeinig auf den Boden der Argumentation stellt. Sie schreiben, daß in Ihren "Programmländern Mädchen sehr oft immer noch wesentlich stärker benachteiligt" seien "als Jungen" (Kursives von mir).

Abgesehen davon, daß Sie diese Benachteiligung vor allem aus den beruflichen Chancen Ihrer Vergleichsgruppen ermitteln, und Sie somit abwegig vorgehen, weil Sie unter solchen Aspekten Frauen sogar in Ländern als benachteiligt klassifizieren müssen, in welchen die männliche Bevölkerung (auch oder gerade die junge) durch Kriege und Bürgerkriege bis auf 40 Prozent dezimiert worden ist.

Was heißt eigentlich: "sehr oft immer noch wesentlich stärker benachteiligt"? Wird nicht mit solchen und ähnlichen inflationären Sprüchen der Feministen auch die Situation in Deutschland täglich beanstandet? Wenn Sie wirklich festgestellt haben sollten, daß in Ihren Programmländern Mädchen "sehr oft immer noch wesentlich stärker benachteiligt" sind, dann hätten Sie nur eine Relation festgestellt, die Sie bestenfalls zu einer relativen Forcierung Ihrer Mädchenarbeit hätte bewegen dürfen.

Das könnte etwa bewirken, daß Sie meinetwegen ebenfalls "sehr oft immer noch wesentlich stärker" auf Benachteiligungen von Mädchen hinweisen. Dem Leser, dem Paten, müßte aber die Entscheidung überlassen bleiben, ob Sie damit im Recht sind oder nicht. Das aber wäre etwas ganz anderes, als die penetranten Bevormundungsversuche Ihres Zugpferdes Wickert, der mit erschreckender Selbstverständlichkeit meint, uns seine (sicher politisch und ideologisch ambitionierte) Meinung über die Situation der Geschlechter in der Welt eintrichtern zu müssen: "Mädchen brauchen Ihre Unterstützung."

Das stimmt nicht ganz, Herr Wickert: Jungen auch, Sie wissen das, Sie wollen es aber ausblenden. So etwas nennt man Propaganda!

Geehrter Herr Wickert, geehrtes Team!

Einmal im Jahr verleiht DER MASKULIST, eine Initiative gegen die feministische Korrumpierung der gesellschaftlichen Realität, die Lila Kröte. Diese geht als negative Auszeichnung an Menschen oder Institutionen, die, den Prämissen der feministischen Ideologie folgend, die Geschlechterlage so interpretieren, daß Interessen und Befinden von Jungen und Männern zu kurz kommen oder ausgeblendet werden sollen.

In diesem Jahr geht die 7. Ausgabe der Lila Kröte an Ihr Kinderhilfswerk PLAN und speziell an Herrn Ulrich Wickert.

Entsprechende Grüße


Text der Urkunde:

Geehrtes PLAN-Team,
geehrter Herr Wickert,

wie kaum eine andere Hilfsorganisation verpflichtete sich Ihr Kinderhilfswerk dem Vorsatz, weibliches Leid zu explizieren und männliches zu marginalisieren. Diese Haltung, welche das Individuum und somit den Menschen übersieht und statt dessen die biologisch definierbare Gruppe Geschlecht zum Austragungsort des Menschlichen macht, ist zutiefst inhuman, sie ist individuum- und somit menschenverachtend.

In Ihren Erklärungen gegenüber zahlreichen Protesten verstärken Sie nur den Eindruck Ihrer Voreingenommenheit indem Sie bestätigen, daß für Sie Jungen vor allem aus dem Grund interessant sind, weil “sie eine wichtige Rolle für die Lösung“ von Kinderrechtsverletzungen an Mädchen spielen. Jungen scheinen Ihnen verdächtige Subjekte zu sein, deren “Bild von Männlichkeit", deren "Vorstellungen von Sexualität" und deren "Sicht auf Mädchen“ Sie mißtrauen, ohne primär sie, die Jungen, selbst, als bedürftig und verletzbar zu erachten.

Diese schaurige Logistik, mit welcher Sie das Leid der Menschen ideologisch verwalten wollen, anstatt es unvoreingenommen zu lindern, disqualifiziert Sie als eine Organisation, in der Menschlichkeit vor jedem anderen Anliegen Vorrang haben sollte, und unterstützt den Verdacht, daß Ihnen der Export einer westlich geprägten Ideologie mehr bedeutet als die Hilfe an Kinder, die Hilfe brauchen.

Zudem begehen Sie, indem Sie Jungen das Recht nehmen, primär das Subjekt eigener Verletzung und nicht der vermeintliche Grund der Verletzung anderer zu sein, selbst eine Menschenrechtsverletzung.

Grund genug, damit in diesem Jahr die nunmehr 7. Ausgabe der Lila Kröte, einer negativen Auszeichnung für Männer- und Jungenfeindlichkeit, hiermit an Ihr Mädchenhilfswerk PLAN und seinen diensteifrigen Paten Ulrich Wickert vergeben wird.

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Quellen, Anmerkungen:

1. Das Erklärungsschreiben von Plan:

 

"Plan setzt sich in den Programmländern für die Umsetzung der Kinderrechte ein und möchte mit seiner Arbeit die Lebensbedingungen von so vielen Kindern wie möglich (das betrifft Jungen und Mädchen gleichermaßen) verbessern. Hierbei spielt der Genderansatz eine wichtige Rolle, der auf die Erreichung der Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen abzielt.

Wir verstehen, dass Ihnen das Schicksal der Jungen, die unter schweren Kinderrechtsverletzungen leiden, am Herzen liegen. Plan fördert Jungen und Mädchen gleichermaßen, aber unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Benachteiligungen. Wir setzen uns dafür ein, dass Mädchen und Jungen gleiche Rechte und Chancen erhalten. Selbst bei spezifischen Benachteiligungen von Mädchen, wie die Abtreibung weiblicher Föten, arbeitet Plan deshalb nicht nur mit den Mädchen und Frauen, sondern ebenso eng auch mit Jungen und Männern zusammen, da sie eine wichtige Rolle für die Lösung dieser Kinderrechtsverletzung spielen. In Brasilien wiederum hat Plan im letzten Jahr ein Projekt nur mit Jungen durchgeführt. Mit den 14 bis 18-Jährigen wurde zu ihrem Bild von Männlichkeit, ihren Vorstellungen von Sexualität und ihrer Sicht auf Mädchen gearbeitet. Aufgrund des partizipativen und kindorientierten Ansatzes achtet Plan bewusst darauf, dass weder Mädchen noch Jungen ausgegrenzt werden.

Plan setzt sich vor Ort deshalb nicht nur für die Rechte der Mädchen, sondern ebenso für die der Jungen ein. Trotzdem sind in unseren Programmländern Mädchen sehr oft immer noch wesentlich stärker benachteiligt als Jungen. Wir sehen es deshalb als notwendig an, in unserer Öffentlichkeitsarbeit auf ihre besondere Situation aufmerksam zu machen und über spezielle Projekte Diskriminierungen, die sie nur aufgrund ihres Geschlechtes erleiden, abzubauen. Hierauf macht Plan Deutschland mit seiner Mädchen-Kampagne aufmerksam und stellt gezielt Mittel zur Verfügung. Ziel all dieser Aktivitäten ist jedoch, Gleichberechtigung für Jungen und Mädchen zu erreichen.

Der Abbau von Kinderrechtsverletzungen, egal ob sie Jungen oder Mädchen betreffen, steht im Mittelpunkt der Arbeit von Plan. Denn sie alle haben ein Recht auf Bildung, auf eine angemessene Gesundheitsversorgung, auf Schutz vor Gewalt und Ausbeutung als auch auf Beteiligung an für sie relevante Fragen.

Mit freundlichen Grüßen

Plan International ist als eines der ältesten Kinderhilfswerke in 48 Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas tätig, unabhängig von Religion und Politik. In der Entwicklungszusammenarbeit finanziert Plan nachhaltige und kindorientierte Selbsthilfeprojekte, hauptsächlich über Patenschaften sowie über Einzelspenden und öffentliche Mittel. Mädchen werden besonders gefördert, damit sie gleiche Chancen erhalten wie Jungen. Plan Deutschland betreut mehr als 280.000 Kinderpatenschaften und erreicht so in den Programmgebieten über zwei Millionen Menschen. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen hat Plan Deutschland das DZI Spenden-Siegel zuerkannt.

Mit der Mädchen-Kampagne unter der Schirmherrschaft von Senta Berger macht Plan Deutschland seit 2003 auf die Situation von Mädchen weltweit aufmerksam."