DER MASKULIST
02.11.2008

Grund der Nominierung

E

Bildungsministerin Schavan erhielt die Lila Kröte Nr. 5, im November 2008

nde 2007 gab das Bundesministerium für Bildung und Forschung eine Studie heraus, die vermittelte, was Jahre zuvor in anderen Ländern eruiert und einst auch hierzulande als Ergebnis einer Internationalen Untersuchung1 formuliert worden war: Der ethische Aspekt der Verweiblichung, die Höherbewertung also weiblichen Verhaltens und der ritualisierte Vorsatz seiner Förderung, waren in den Schulen längst derart verfestigt, daß Jungen, weil sie das sind, schlechtere Noten bei gleicher Leistung bekamen und seltener zugunsten einer gymnasialen Weiterbildung beraten wurden.

An sich ein Hammer, wenn man bedenkt, daß sich hier ein schwarzes Loch im Bildungssystem zeigt, in dem potentielle Fachkräfte, das eigentliche Kapital einer Industriegesellschaft, einfach so verschwinden. Ganz abgesehen von der Diskriminierung in diesem Sachverhalt, die, ginge sie eine jede andere Gruppe an, schnell das Ausmaß eines sozialen Skandals angenommen hätte. SPIEGEL ONLINE widmete dem Ergebnis kaum 20 Zeilen.2

Ein Hammer auch, daß die Chefin des Ministeriums, in dessen Auftrag die Studie zusammengestellt wurde, dieselbe Anette Schavan ist, die schon im Jahr 2001 als Kultusministerpräsidentin mit den Ergebnissen jener alarmierenden Pisa-Studie konfrontiert worden war, die den ersten offiziellen Anstoß bot, das Problem der männlichen Jugend im gegenwärtigen Schulsystem zu thematisieren.3

Und da wir bei den "Hämmern" sind, ein weiterer Hammer: Die Studie, die mit dem Versprechen Schavans, Jungen damit "gezielt fördern" zu können, in Auftrag gegeben wurde, verschwand sofort nach ihrem Erscheinen aus den Seiten des Ministeriums, um erst nach Anfragen einiger organisierter Männer wieder zur Verfügung gestellt zu werden.

Mehr hierzu ergibt sich in der geführten Korrespondenz des Maskulisten mit Schavans Ministerium, abrufbar auf diesen Seiten.4


Das Begleitschreiben 

Sehr geehrte Frau Ministerin Schavan,

anbei erhalten Sie die Lila Kröte. Die Lila Kröte ist eine negative Auszeichnung, die jährlich an Menschen oder Institutionen verliehen wird, die Männer- oder Jungendiskriminierung im ethischen oder faktischen Sinn betreiben, begünstigen oder befürworten. Die Lila Kröte wird als Urkunde mit Wasserzeichen vergeben und sucht ihren Empfänger unter Berücksichtigung der Ereignisse der letzten zwölf Monate aus.

Grund zu Ihrer Nominierung lieferte die offenbare Befangenheit, mit der Sie geschlechtsspezifische Anliegen fördern. Während Sie als Bundesministerin millionenschwere Projekte initiieren, um Hochschulen mit mehr Professorinnen auszustatten, verfallen Sie in Gleichgültigkeit gegenüber Studienergebnissen, die belegen, daß Jungenpotentiale im Schulsystem untergraben werden.

Entsprechend unerträglich gestaltete sich dabei Ihr Vorwand, mit dem Sie eine angebliche Rücksicht auf die "Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern" als Grund dieser Ihrer Tatenlosigkeit anführten.

Mit freundlichen Grüßen


Text der Urkunde:

Sehr geehrter Frau Ministerin Schavan,

obwohl Sie als ehemalige Vorsitzende der Kultusministerkonferenz die vielbesprochene "Jungenmisere" in der Schule früh als Herausforderung der heutigen Bildungspolitik erkennen konnten; obwohl Sie seit Ende 2007 durch die Studie "Bildungsmisserfolge von Jungen und Berufswahlverhalten bei Jungen/männlichen Jugendlichen" eine Benachteiligung von männlichen Schülern als bedeutenden Grund dieser Mißerfolge ausmachen konnten und obwohl Sie diese Studie mit dem Versprechen angekündigt hatten, "gezielt fördern" zu wollen, legten Sie Apathie an den Tag.

Ihre Erklärung, für Initiativen zu dieser Problematik seien wie für alle "Angelegenheiten, die die Schulen und Hochschulen betreffen, ausschließlich die Länder zuständig", ist angesichts der aufwendigen Aktionen, mit welchen Sie sich zentralistisch zugunsten weiblicher Förderung gerade im Hochschulbetrieb einsetzten, nicht tragbar. Zudem steht sie in Widerspruch zu der vorgebrachten Intention, mit den Ergebnissen der Studie gezielte Förderung leisten zu wollen.

Diese bigotte Haltung richtet sich nicht nur gegen das bedeutendste Leistungspotential der Zukunft eines Industrielandes und stellt sich so als bildungs- und forschungsfeindlich dar. Zugleich bietet sie eine von höchster politischer Stelle aus betriebene Jungenfeindlichkeit, für welche Sie und Ihr Ministerium die Lila Kröte erhalten, eine jährliche negative Auszeichnung für männer- bzw. jungenfeindliches Verhalten in Politik und Gesellschaft.

Dies ist die fünfte Ausgabe dieser Auszeichnung in Folge.

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Quellen, Anmerkungen:

1. "Jungen werden in der Benotung benachteiligt!" MASKULIST-Beitrag vom 5. Nov. 2005
2. "SCHUL-UNTERSUCHUNG - Jungen werden bei den Noten benachteiligt." SPIEGEL ONLINE-Artikel vom 21. Dez. 2007
3. "Die PISA-Bildungsschlappe - irgendwelche Fragen?" MASKULIST-Beitrag vom 12. Dez. 2001
4. Siehe meine Korrespondenz mit Schavans-Ministerium im Sommer 2008 hier