DER MASKULIST
03.11.2006

Grund der Nominierung

D

Ministerin von der Leyen erhielt die Lila Kröte Nr. 3, im November 2006

ie Bundesministerin für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, zudem amtliche Hüterin der Antidiskriminierungs- und Gleichbehandlungsdirektiven der Republik antwortete in einem Interview an die BERLINER ZEITUNG vom 29. 09. 2006 auf die Frage, ob sie die Sorge darüber teile, daß in der Bildung die "Jungs von den Mädchen abgehängt werden" mit den Worten: "Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen", und rechtfertigte sich leicht vorwurfsvoll: "Wären die Zahlen anders herum, würde kein Hahn danach krähen. Man würde es als Gott gegeben betrachten."

DER MASKULIST kommentierte diesen Vorfall auf seiner blog-ähnlichen Übersicht-Seite und stellte die entscheidenden Aspekte heraus, aus deren Sicht die Haltung der Ministerin nicht nur Sexismus, sondern am Ende auch Leistungsfeindlichkeit assoziiert. Der Kommentar ging als elektronische Post an das Ministerium.1

Etwas ausführlicher sind diese gleichen Aspekte im folgenden Begleitschreiben zur Vergabe der LILA KRÖTE-2006 an die Ministerin aufgerollt. Die Auszeichnung ging am 2. November raus.


Das Begleitschreiben

Sehr geehrte Frau Bundesministerin von der Leyen,

die sogenannten Überholprozesse junger Frauen auf der Bildungsstrecke wurden bereits in den neunziger Jahren thematisiert. Sogenannt deswegen, weil das bessere Abschneiden im Kindes- oder Jugendalter auch bloße passive Angepaßtheit an Lernbedingungen bedeuten kann, wie dies vielfach in Biographien von Genies deutlicht wird, deren schulisches Abschneiden nach üblichen Wertungen sie oft als geringer qualifiziert erscheinen ließe als jede angehende Wissenschaftsjournalistin. 

Es war eine Ihrer Vorgängerinnen, die anläßlich der Veröffentlichung der Ergebnisse aus der 14. Shell-Jugendstudie damit prahlte, daß Mädchen im Bereich der Schulbildung die Jungen überholt hätten, und dies als Bestätigung der Gleichstellungspolitik auf den Seiten Ihres Ministeriums präsentierte.

Ich schrieb damals (Sept. 2002) Ihrer Ex-Kollegin über das Paradoxe, "daß hier eine 'Gleichstellungspolitik' dadurch bestätigt sein will, daß sie einen Überholungsprozeß bewirkt hat" und unterstrich, daß dies "das Ergebnis einer 'geschlechtsspezifischen' Schulpolitik" sei, "die... Jungen in vielen Bereichen der erzieherischen Fürsorge immer mehr vernachlässigte und aussperrte."

Aus der Antwort Ihrer Vorgängerin ging eine für mein Verständnis erschreckende Absicht hervor, nach welcher wohl das Schulwesen so lange durch "Maßnahmen, die die Veränderung traditioneller Rollenbilder... zum Ziel haben", zum Nachteil der Jungen funktionieren sollte, bis beide Geschlechter in ihrer beruflichen Biographie etwa spiegelbildlich einander gegenüberzustehen gekommen sein würden. Diese Zielsetzung, die von einer suspekten Programmatik mit dem aufschlußscheuen Namen Gender-Mainstreaming getragen wird, erfordert die Umformung wichtiger Institutionen der Gesellschaft nach einem neu geschaffenen Geschlechterbild, das niemals zuvor in der Menschheitsgeschichte angetreten, sondern erst heute - und dies nach ausgesprochen bizarren ideologischen Vorgaben! Polit-Magie könnte man solches Ansinnen nennen, um spätestens hier der Gefährlichkeit gewahr zu werden, die Magie entfalten kann!

Und so lautete meine Antwort an die damalige Jugendministerin: "Die mißliche Lage der Jungen, Frau Dr. Bergmann, so lange zu ignorieren, bis die Hälfte der Führungspositionen - in der Wirtschaft , in der Technik, in der Armee oder wohin sonst die von Ihnen mit 'Gender-Mainstreaming' beschriebene Methode ihre geschlechtertechnokratischen Ambitionen trägt - weiblich besetzt sind, wäre fatal!"

Man stelle sich wirklich vor, Frau Dr. von der Leyen, welche strukturelle Verworrenheit sich in einer Gesellschaft ausbreiten würde, wenn jene Erscheinungsformen, die man die 'traditionellen Rollenbilder' nennt, und die man nach dem aktuellen politischen Gutdünken umkonfigurieren möchte, einer Tradition entstammen sollten, deren Ursprünge nicht erst auf dem Plateau der geschichtlichen Gesellschaften basierten, wie der Begriff "Gender" intendiert, sondern tiefergehende Wurzeln in unterschiedlichen Geschlechternaturen besäßen. Dann könnte das Desaster, das eine Leistungsgesellschaft ereilen müßte, die ihre Leistungsträger entgegen möglicher kognitiver und sonstiger Vorzüge und Vorlieben von Männern und Frauen in geschlechteranaloger Aufstellung formatieren möchte, dasselbe Desaster sein, das die Hochseefischerei bei ähnlichen Ambitionen ereilt hätte.

Und alles spricht dafür, daß die Genderideologie in die Irre führt, und daß die Mädchenerfolge in den Schulen von den gesellschaftlichen Notwendigkeiten isolierte Trumpfe sind, die weder den Fachkräftemangel in den ausdrücklich technischen Bereichen lindern, noch den Jungen in den vielfältigen Wettbewerbsveranstaltungen in punkto Kreativität und Erfindungsgabe das Wasser reichen können, wie Sie doch sicher beobachten.

Aus diesem Grund wäre, wie ich Ihnen vor einigen Tagen (am 17. Oktober) durch elektronische Post mitgeteilt hatte, zu wünschen, daß der viel gerühmte Bildungserfolg der Mädchen gegenüber den Jungen endlich als das begriffen würde, was er im Grunde ist: Ein allgemeiner Bildungsmißerfolg, der dringend als Problem erkannt werden sollte. Sie dagegen finden "es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen", vertrauten Sie der BERLINER ZEITUNG in einem Interview an, das auf den Seiten der Bundesregierung zu lesen ist, und sagten hinzu: "Wären die Zahlen anders herum, würde kein Hahn danach krähen."

Sehr geehrte Frau Bundesministerin, es sollte doch kein "Hahn" erst krähen, bevor man den Mißstand in der Bildung erkennt, den ich gleichermaßen wie einst einer SPD- nun einer Unionsministerin - hoffentlich nicht vergeblich - aufzuzeigen versuche. Vorausgesetzt, man traut Männern wie Frauen (zumal in wichtigen Positionen) die nötige Objektivität zu.

Doch verbleiben wir noch ein bißchen im Tierreich, denn ich möchte Ihnen heute eine Kröte vorstellen - die LILA KRÖTE. Die LILA KRÖTE ist eine negative Auszeichnung, die an Personen bzw. Einrichtungen vergeben wird, die Männer oder Jungen ungleich behandeln und ihre Rechte und Chancen in der Gesellschaft als zweitrangig erachten oder gar - ideologischen Vorgaben willfahrend - in Frage stellen. Die LILA KRÖTE wird als Urkunde mit Wasserzeichen vergeben und berücksichtigt bei der Auswahl ihres Empfängers die Ereignisse der letzten zwölf Monate.

Aus oben erläutertem Anlaß geht sie dieses dritte Mal an Sie und liegt anbei.


Text der Urkunde

Sehr geehrte Frau Bundesministerin von der Leyen,

im Interview mit der BERLINER ZEITUNG, das sich auf der Internetseite der Bundesregierung mit Datum vom 29. September 2006 findet, äußerten Sie zum vieldiskutierten Bildungsdefizit der jungen Männer: "Ich finde es nicht schlimm, dass Mädchen in Sachen Bildung an den Jungen vorbeiziehen. Wären die Zahlen anders herum, würde kein Hahn danach krähen. Man würde es als Gott gegeben betrachten."

Diese Aussage aus dem Mund einer amtierenden Person, deren Ressort die Interessen der Jugend beider Geschlechter vertritt, zudem mit der Zuständigkeit versehen, Antidiskriminierungs- und Ungleichbehandlungsmaßnahmen einzuleiten, verwirrt gleich mehrfach:

1. Sie bagatellisiert geschlechtsorientierte Ungleichbehandlung der Jugend im Bildungswesen.

2. Sie ignoriert die Bedeutung jenes Potentials in unserer hochtechnisierten Gegenwart, das trotz allen anderswollenden Versuchen der Bildungspolitik weiterhin vor allem von Jungen bzw. Männern garantiert wird.

3. Mit Ihrer Behauptung, es "würde kein Hahn danach krähen", wenn Mädchen in der Bildung unterlägen, übergehen Sie mit verwunderlichem Elan eine ganze Etappe neuerer Geschichte, während der, wo nicht das Krähen der Hähne, dann doch – um Ihr Bild zu übernehmen – das Gackern zahlloser Hühner auf der politischen Bühne der letzten Jahrzehnte, die ausschließlich die Belange von "Frauen und Mädchen" protegierten, nahezu alle Bereiche, von der Familie über die Bildung bis hin zum Militär, gesetzgeberisch umkrempelte und mit der Durchsetzung weiblicher Sonderrechte zum Teil entdemokratisierte.

Mit Ihrer im obigen Sinn inhaltsreichen Äußerung lieferten Sie die Voraussetzung, um mit der diesjährigen LILA KRÖTE, der dritten in Folge, ausgezeichnet zu sein.

_____________________

Quellen, Anmerkungen:

1. Der Brief-Kommentar des Maskulisten dazu unter "... Sie-findet-es-nicht-schlimm."