DER MASKULIST
02.03.2003

E

nde 2002 erlebte das Internet eine fragwürdige Bereicherung. Das deutsche (und schätzungsweise mittlerweile einzige auf der Welt) Emanzen-Magazin EMMA ging online. Das Verhältnis der EMMA-Schöpferin zu den Frauen trat gleich am Anfang auf zweierlei Wegen und in eklatanter Weise zum Vorschein. Das tat es zunächst in Form jener Bitterkeit, mit welcher Berufsemanzen denjenigen Frauen argwöhnen, die alles andere an den Tag legen als ihre Huldigung an feministische Satzungen. Solche Predigten Frauenrechtlerinnentums gegen ihre unwillige Geschwisterschaft, die "sich wieder hinter die Maske der Weiblichkeit zwingen" läßt, indem sie einem Mode- und Schönheitswahn nachgeht und sich so "erneut der Definition durch den Anderen" ausliefert, sind köstliche Bestätigungen unserer Gewißheit darüber, daß ein jeder halbwegs sensible 'Macho' ein wesentlich innigeres Verständnis der Frauen und intakteres Verhältnis zu ihnen hat als die EMMA-Herausgeberin.

Denn "die Maske der Weiblichkeit" ist ja gerade auch das bessere Machtinstrument der Frauen. Intuitive Männer und nicht vom Feminismus vernebelte Frauen wissen beide gut, daß es keine bessere Machtposition für Frauen gibt als eine, die der Mann trägt und verwirklicht; daß Frauenemanzipation ein modisches Gesellschaftsspiel ist, ein sehr teures wie schon gesagt, eines nach der Regel: "Ich spiele schwach wie Du, Du spielst stark wie ich und so spielen wir beide Gleichsein." Und während Feministen und -istinnen in der Politik solche Gleichstellung mit den Zwangsmaßnahmen zu durchsetzen suchen, die wir hier als eine Vergiftung der betroffenen Systeme anprangerten und welche die Diskriminierung des Maskulinen und den Einhalt seiner Potentiale bewirken, versucht die natürliche Frau auf der Straße ihre Macht mit den lasziven Mitteln grell-sinnlicher Verführung auszubauen.

Einen "Schlag ins Gesicht von uns Frauen", nannte unlängst die EMMA-Chefin das kokettierende Verhalten jener Verona Feldbusch genannten Fernsehschönen, die ihre Attraktivität, gepaart mit dem Gehabe verspielter Naivität, die Männern kindhafte Willigkeit bei Hilflosigkeit signalisiert, zwecks Karriere dem breiten Publikum anbietet. Mit gestiefelter Nervosität versuchte umsonst die Geschlechterspezialistin ihre Botschaft der Bekehrung wirksam zu unterbreiten. Die dabei einen Schlag ins Gesicht bekamen, waren aber nicht die Frauen, sondern die Feministinnen. Jene Feministinnen nämlich, die einst ihre Büstenhalter verbrannten, um nun zu erleben, daß aus der Asche Silikon-Brüste wuchsen, die oft auf gespenstisch abgemagerten Gestellen wandern.

Tja, hätte sie bloß, die Frauenbewegung, nicht nach den BH-Verbrennungen wieder gekniffen und gar die Schminke legitimiert! Aber das war wohl nötig, denn die Frauenbewegung brauchte schon immer auch ein paar Frauen, und diese wären bei zu harter Maßregelung freilich ausgeblieben. Also wurden wieder Lippenstift und Co. kurzerhand zu Utensilien für "Kriegsbemalung" erklärt, und so konnte soziale Kompetenz weiter auf des Bürgers Wegen geglättet und lackiert flanieren, ohne deswegen den Kampf der Frauen verraten haben zu müssen. Da aber leider Kriegsführung mit dem Segen des technischen Fortschrittes mitgesegnet wird, wurden mit den Jahren aus der bloßen Kriegsbemalung Fettabsaugprozeduren, eingebrannte Make-Ups, Silikonprothesen, Abmagerungstorturen und andere Selbstkasteiungen, deren Folgen eher einer Kriegsinvalidität als einer Kriegsbemalung ähnlich sahen. Was ein Ärger mit den Frauen! "Allein für das Jahr 2001 schwanken die Schätzungen der Zahl der Schönheitsoperationen in Deutschland zwischen 500.000 (Der Spiegel) bis 800.000 (die Ästhetisch-Plastische-Chirurgen-Vereinigung)", lesen wir in dem "Magazin von Frauen", und auch: "Etwa 5.000 deutsche ÄrztInnen und ungezählte Quacksalber verdienen daran." (Schon die subtile Rhetorik erkannt? "ÄrztInnen" aber "Quacksalber" - nicht alle Substantive verdienen Verweiblichung...)

"Warum machen wir Frauen selbst das alles mit?", wird pathetisch gefragt. Wollen wir antworten, daß ein anderer schlecht für jemanden eine Fettabsaugprozedur vornehmen kann? Ganz wird ignoriert, daß Frauen hier mitnichten etwas mitmachen, sondern etwas aus sich heraus machen. Und was sie hier machen, hat in der Tat mehr mit Macht zu tun als die beste Offizierinnenkarriere!

Denn die Erfüllung ihres Machtbedürfnisses suchen Frauen nicht im harten Aufstieg und nicht bei der Bundeswehr, wo sie "Männerbündeleien" zersprengen sollen, um sich ein Stück unerquicklicher Macht der Verantwortung und des strapaziösen, oft tragischen Einsatzes abzusichern, wie ihnen von feministischen Frauenverkennerinnen empfohlen wird. Besäßen Frauen solche exponierenden Impulse, fänden wir auch längst mehr von ihnen an Baustellen, Straßenarbeiten, im Bergbau. Wenn 'Frauen alles können, was Männer können', wie der Erlauchten Slogan immer lautet, dann wollen sie eben nicht alles tun, was Männer tun. Wie sprach jene andere Frauenfrau im Vorangegangenen: "Sind Frauen nicht schlauer, weil sie das gar nicht wollen?" Bleibt nur, daß Emmas dies kapieren.

Was sagt einem Verstehenden die Tatsache nicht alles aus, daß der erheblichste Teil der Frauen, wie Umfragen immer wieder bestätigen, es gern sieht, wenn Männer Frauen die Tür aufhalten oder ihnen in den Mantel helfen und ähnliches. Was bedeutet das anderes als daß Frauen sich sicher fühlen, wenn männlicher Einsatz ihnen zukommt, wenn Mannesleistung für sie mit wirkt, wenn Männer Verantwortung für das Wohlergehen von Frauen übernehmen? Würde die sog. Frauenbewegung von Frauen fordern, den Männern auch etwas von der Härte ihres Loses abzunehmen, dann gäbe es das politische Gespinst alsbald so wenig, wie wenn es Make-up und BHs verbieten würde.

Frauen fassen ihre Pläne, ihre Programme, ihre 'emotional intelligenten' Strategien. 'Machos' kennen sie, Feministinnen und Politsofties wollen sie nicht kennen. Und daß Frauen es dieser programmatischen Ignoranz beileibe nicht leicht machen, das ist der "Schlag ins Gesicht"; ins Gesicht eben der Feministinnen, wie gesagt.

EMMA ging nach allgemeiner Information als letztes deutsches Magazin online. Gründe für solche auffällige Zurückhaltung legten sich alsbald nahe: Die Reaktion der Bevölkerung, wie diese sich im "Gästebuch" des Magazins aufzeigte, war vernichtend! "Dass ihr diesen Hohn, diese Ablehnung, diese erschreckende Unvernunft aushaltet, macht mir... Mut", tröstete ein treues Stimmchen das Magazin. Männer, vor allem aber Frauen meldeten sich tatsächlich in einem Duktus, der vorwiegend zwischen Kritik, Hohn und Abscheu variierte. Und das, obwohl die Herausgeberin, "um Belästigungen auszuschalten", die Beiträge entsprechend selektierte. Es gibt wohl nur einen Grund, warum solcher Tadel online präsentiert wurde: Er mußte es, denn es gab kaum andere Resonanz!

Anlaß zu dem Aufstand war ein Artikel gleich zu Beginn, in welchem die EMMA-Ratgeberin Tips zusammenstellte, wie Gattinnen (diesmal nicht "Männinnen" - nein!) am PC danach spionieren könnten, ob der Gatte pornographischer Inhalte nachgegangen sei. In den Protestschreiben prangerten die Leser und Leserinnen nicht nur die Förderung des Mißtrauens an, das hier zwischen Mann und Frau angelegt wurde; sie bemängelten auch heftig die Hysterie der EMMA-Betreiberin gegenüber der Pornographie überhaupt und machten sich zu guter Letzt über das Frauenbild des Blättchens Luft, in welchem Frauen als zu unbedarft im Umgang mit einem PC dargestellt wurden.

Aber dieser Anlaß war offensichtlich nur zu willkommen. Denn die Kritik machte keineswegs Halt bei diesem Artikel, sondern wandte sich gegen den radikalen Feminismus überhaupt und den medienwirksamen Populismus, mit welchem jener in den letzten Jahrzehnten das gesellschaftliche Klima kontaminierte.

Es könnte sich eine bedenklich stimmende Erkenntnis über die Medienmanipulation hierzulande einstellen, würde man der Frage nachgehen: Wie ist es möglich, daß von solchem Ausmaß des Widerstands und der Ablehnung, die einer prominenten Person, sobald sie den freien Boden des Internet betritt, entgegengebracht werden, dreißig Jahre lang und bei einer kaum zu überbietenden Medienpräsenz dieser gleichen Person, nicht das Geringste zu erkennen war!

Als sich Wochen danach die Wogen etwas glätteten, kam dann EMMA bald zu sich und startete gemütliche Aktionen, die dazu dienen sollten, das Wir-Gefühl ihrer verbittert-verbiesterten Gemeinde etwas aufzubauen. Mit: "Die besten Männerwitze" verdonnerte die Homepage ihre Faninnen erbarmungslos zur kichernden Dümmlichkeit.

Männerwitze in feministischer Lektüre ragen aus der Gattung hervor. Sie haben etwas maßlos Impertinentes und genießerisch Herabwürdigendes. Sie sind keineswegs mit Blondinenwitzen zu vergleichen, wie manche meinen. Schon die Auswahl der Blondine als eines Spezialtyps, über welchen Witze gemacht werden, ist eine Ausklammerung der generellen Frau, ist die Erklärung, daß darin keineswegs Frauen allgemein gemeint sind. Bekanntlich sind Blondinen sogar der von den Männern am meisten begehrte Frauentyp, und dieses entschärft zusätzlich jegliche Annahme einer Böswilligkeit. Gerade aber forciert böswillig sind dagegen Männerwitze der Art EMMA. Mit sichtbarem Vergnügen wälzen sich die Damen sprachlich im Bereich des Niederträchtigen wie Hunde im Kuhmist, als böte ihnen die Männerwitzelei endlich die erlangte Freiheit zu einer lustvollen Selbstbesudelung, der sich Frauen sonst aus Gründen ethischer Kosmetik vorsätzlich enthalten. Der Leser mag Nachsehen für die folgenden Beispiele aufbringen: "Was macht die Frau morgens mit ihrem Arsch? Stulle schmieren und zur Arbeit schicken." Oder: "Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Männern und Schimpansen? Die einen sind behaart, riechen schlecht und kratzen sich ständig am Arsch. Die anderen sind Schimpansen."

Bei EMMA-Witzen wird – anders als beim Blondinenwitz - bald klar, daß der Boden des Vulgären die Unterlage bieten soll, auf welcher sich ein entschiedener Haß ausbreiten kann. Es ist ein sehr spezieller Haß, der erst nach Überwindung einer gewissen Hemmschwelle austreten kann und der keine anderen Gründe kennt außer dem Geschlecht. Hier einige Klassiker: "Was macht eine Frau, wenn in ihrem Garten ein Mann im Zickzack läuft?" Giftseelchen wissen es: "Weiterschießen.!" Oder: "Was ist ein Mann in Salzsäure?" Antwort: "Ein gelöstes Problem." Oder: "Die Scheißknarre war nur mit Platzpatronen geladen! Ich musste ihn mit dem Stuhl erschlagen..." (die Vorstellung basiert sogar auf einem authentischen Fall.)

Aber auch Bilderrätsel bietet EMMA: Alsdann nämlich gastierte dort ein Penisbild. Kein sehr anschauliches Exemplar natürlich und schon gar nicht in strotzender Einsatzposition (Feiglinge!) - man will ja vermeiden, daß die Lesbinchen der Gemeinde ihre Dildos vor Neid fressen. Eher ein Bild, auf dem sich das gute Stück in verträglichem Ausmaß und so merkwürdig zwischen den Schenkeln seines Besitzers eingeklemmt präsentierte, als befände sich dieser auf der dringenden Suche nach der nächsten Toilette. Erklärtes Ziel der Bebilderung soll Vergeltung gegen ein Boulevardblatt gewesen sein, welches vor einiger Zeit mit dem Bild weiblicher Brüste ein Rätselraten nach der Trägerin gestartet haben soll. So versucht auch EMMA, mit einigen Vorschlägen vorangehend, die Ratelust ihrer Leserinnen zu mobilisieren.

Interessant ist hierbei das spontane Auftreten von Ignoranz und Maßlosigkeit, die sowohl den Unterschied der verschiedenen Intimitätsgrade zwischen primären und sekundären Geschlechtsmerkmalen mißachten wie auch die unterschiedliche exhibitionistische Veranlagung der Geschlechter im Hinblick auf die Präsentation ihrer Reize. Denn das Boulevardblatt tat wenig anderes als das, wozu Frauen, wie EMMA selbst - peinlicherweise - ausführlich bedauerte, ohnehin neigen. Weiß schließlich einer von uns, ob jene "sprechende Vagina", deren Bild auf EMMA 2 / 2000 uns in die kultischen Geheimnisse der "Vagina-Monologe" einführen sollte, nicht dem Umfeld der EMMA-Redaktion entstammt? Warum in die Ferne schweifen? Dagegen fiel die Penisaktion der EMMA völlig entgegen der Haltung und erotischen Praxis der Männer aus, war also böswillig überzogen. Gut so, hier begegnet uns eine Ignoranz, eine Maßlosigkeit und ein Re-Aktionismus, die Feminismus in seiner Grundessenz nur zu gut erläutern (Zitate-Auswahl aus http://www.emma.de).

Wir müßten wichtige Zusammenhänge auslassen, würden wir die hier zum Ausdruck kommenden Symptome nicht in das Licht weiterer Aussagen stellen, die aus den vergifteten Gemütern jener 'mißratenen Weiber' Nietzsches ausgehend, in welchen wir die geistige Töchterschaft Valerie Solanas erkennen, die Gegenwart durchsetzten. Solche Aussagen berühmter Feministinnen, die sich als Poetinnen, Literatinnen oder Denkerinnen aller Art auf der ganzen Welt (und besonders in den USA) hervortaten, strotzen vor Haß und vor einer desperaten Lust des Niedermachens, die uns auch zu Mitleid mit den emotional verkrüppelten, aggressiven Subjekten bewegen könnte.

Wir werden nicht mit Zitaten losbrechen. Dies ist nicht mehr notwendig; in den letzten Jahren wurden die Elendsprodukte etwas mehr publik. Interessierte weisen wir auf das Kapitel "Die Frauenbewegung: Faschistoid?" in Arne Hoffmanns "Sind Frauen bessere Menschen?" hin. Wir wollen hier zunächst etwas anderes anstellen. Wir wollen einmal der Fragen nachgehen, wo dieser Haß her kommt und warum er in der Gesellschaft bestenfalls ignoriert, darüber hinaus aber auch bewußt toleriert und teils sogar mitgetragen wird.

_____________________