Vaginen-Dialoge
E
nde 2002 erlebte das Internet eine fragwürdige Bereicherung. Das deutsche (und schätzungsweise mittlerweile einzige auf der Welt) Emanzen-Magazin EMMA ging online. Das Verhältnis der EMMA-Schöpferin zu den Frauen trat gleich am Anfang auf zweierlei Wegen und in eklatanter Weise zum Vorschein. Das tat es zunächst in Form jener Bitterkeit, mit welcher Berufsemanzen denjenigen Frauen argwöhnen, die alles andere an den Tag legen als ihre Huldigung an feministische Satzungen. Solche Predigten Frauenrechtlerinnentums gegen ihre unwillige Geschwisterschaft, die "sich wieder hinter die Maske der Weiblichkeit zwingen" läßt, indem sie einem Mode- und Schönheitswahn nachgeht und sich so "erneut der Definition durch den Anderen" ausliefert, sind köstliche Bestätigungen unserer Gewißheit darüber, daß ein jeder halbwegs sensible 'Macho' ein wesentlich innigeres Verständnis der Frauen und intakteres Verhältnis zu ihnen hat als die EMMA-Herausgeberin.
Denn "die Maske der Weiblichkeit" ist ja gerade auch das bessere Machtinstrument der Frauen. Intuitive Männer und nicht vom Feminismus vernebelte Frauen wissen beide gut, daß es keine bessere Machtposition für Frauen gibt als eine, die der Mann trägt und verwirklicht; daß Frauenemanzipation ein modisches Gesellschaftsspiel ist, ein sehr teures wie schon gesagt, eines nach der Regel: "Ich spiele schwach wie Du, Du spielst stark wie ich und so spielen wir beide Gleichsein." Und während Feministen und -istinnen in der Politik solche Gleichstellung mit den Zwangsmaßnahmen zu durchsetzen suchen, die wir hier als eine Vergiftung der betroffenen Systeme anprangerten und welche die Diskriminierung des Maskulinen und den Einhalt seiner Potentiale bewirken, versucht die natürliche Frau auf der Straße ihre Macht mit den lasziven Mitteln grell-sinnlicher Verführung auszubauen.
Einen "Schlag ins Gesicht von uns Frauen", nannte unlängst die EMMA-Chefin das kokettierende Verhalten jener Verona Feldbusch genannten Fernsehschönen, die ihre Attraktivität, gepaart mit dem Gehabe verspielter Naivität, die Männern kindhafte Willigkeit bei Hilflosigkeit signalisiert, zwecks Karriere dem breiten Publikum anbietet. Mit gestiefelter Nervosität versuchte umsonst die Geschlechterspezialistin ihre Botschaft der Bekehrung wirksam zu unterbreiten. Die dabei einen Schlag ins Gesicht bekamen, waren aber nicht die Frauen, sondern die Feministinnen. Jene Feministinnen nämlich, die einst ihre Büstenhalter verbrannten, um nun zu erleben, daß aus der Asche Silikon-Brüste wuchsen, die oft auf gespenstisch abgemagerten Gestellen wandern.
Tja, hätte sie bloß, die Frauenbewegung, nicht nach den BH-Verbrennungen wieder gekniffen und gar die Schminke legitimiert! Aber das war wohl nötig, denn die Frauenbewegung brauchte schon immer auch ein paar Frauen, und diese wären bei zu harter Maßregelung freilich ausgeblieben. Also wurden wieder Lippenstift und Co. kurzerhand zu Utensilien für "Kriegsbemalung" erklärt, und so konnte soziale Kompetenz weiter auf des Bürgers Wegen geglättet und lackiert flanieren, ohne deswegen den Kampf der Frauen verraten haben zu müssen. Da aber leider Kriegsführung mit dem Segen des technischen Fortschrittes mitgesegnet wird, wurden mit den Jahren aus der bloßen Kriegsbemalung Fettabsaugprozeduren, eingebrannte Make-Ups, Silikonprothesen, Abmagerungstorturen und andere Selbstkasteiungen, deren Folgen eher einer Kriegsinvalidität als einer Kriegsbemalung ähnlich sahen. Was ein Ärger mit den Frauen! "Allein für das Jahr 2001 schwanken die Schätzungen der Zahl der Schönheitsoperationen in Deutschland zwischen 500.000 (Der Spiegel) bis 800.000 (die Ästhetisch-Plastische-Chirurgen-Vereinigung)", lesen wir in dem "Magazin von Frauen", und auch: "Etwa 5.000 deutsche ÄrztInnen und ungezählte Quacksalber verdienen daran." (Schon die subtile Rhetorik erkannt? "ÄrztInnen" aber "Quacksalber" - nicht alle Substantive verdienen Verweiblichung...)


