DER MASKULIST
02.03.2003

P

lanwirtschaftliches Verhalten in den Förderprogrammen des Feminismus scheint in der letzten Zeit immer häufiger in Frage zu kommen. Die Regulierung der Frauenbevorzugung über den Geldhahn verspricht mehr Frauenförderung als die bisherigen Zielquoten verschaffen konnten. Warum? Hören wir uns dazu eine Expertin an. Es ist Regierungspräsidentin Scheibelhuber (CDU) in Kassel, die es uns verrät: "Bisher... mußten die Stellen nach dem Gleichstellungsgesetz in jeder der zehn Besoldungsstufen gleichberechtigt auf Männer und Frauen verteilt werden. Wenn die Bewerber auf eine Stelle gleichermaßen geeignet waren, war die Frau zu bevorzugen. Dieses System... habe keinen Erfolg gehabt". Warum denn nicht? - fragen wir. Weil es "zu bürokratisch und starr gewesen" sei, antwortet die CDU-Politikerin.1

"Zu bürokratisch und starr"? Wollte eine Zielquotenregelung jemals etwas anderes als "bürokratisch und starr" sein? Kann das der Grund sein, warum Frau Scheibelhuber das Konzept der Zielquotenregelung ablehnt? Sicher nicht. Diese Auslegung soll nur den eigentlichen Grund rhetorisch abschwächen, ihn im Vorfeld als nur einen von vielen erscheinen lassen. Erst danach kommt er aus dem Hinterhalt zum Vorschein: "Da die Einschätzung von Eignung zudem subjektiv sei, führte die alte Regelung womöglich zu Bevorzugung von Männern."

Ach, die Einschätzung der Eignung (Qualifikation) der Bewerber sei also "subjektiv"? Nun, welche Subjekte entscheiden denn darüber? Keine Experten? Keine Spezialisten, die Kenntnis des Faches und intuitive Beurteilung der Bewerber aufzubringen in der Lage sind? Sind sach- und menschenfremde Individuen an den Entscheidungsstellen unterwegs, die rein "subjektiv", überführt vielleicht von ihrer 'patriarchalen' Denkweise zugunsten von Männern entscheiden, ohne die wirklichen Belange ihrer Abteilung, ihres Ressorts, ihres Unternehmens wahrzunehmen? Und das nach einer dreißigjährigen Gehirnwäsche, die - unter anderem - bewirkt hat, daß 70 Prozent der in dieser Zeit neu entstandenen Jobs Frauen ausgehändigt wurden? Werden die genannten Belange besser von einem Geldhahn-Automatismus geregelt als durch das Urteil entsprechend qualifizierter Verantwortungsträger? Warum nicht gleich einen Computer-Algorithmus einstellen, der das Geschlechterverhältnis von Mitarbeitern und Bewerbern als Entscheidungsprinzip anwendet?

Es geht also hier um nichts anderes als darum, Mechanismen zu etablieren, die Frauen, ungeachtet auch der höheren Qualifizierung eines Mannes, Stellen vergeben! "Die neue Regelung verleihe dem Gleichstellungsgesetz neue Schubkraft", heißt es weiter in dem Artikel. Und daß in absehbarer Zeit, nachdem die Frauenförderung Frauen in der Überzahl erreicht haben wird, lesen wir dort, diese Regelungen zugunsten von Männern weiter wirken sollen. Doch von dergleichen ist gegenwärtig im Schulsystem mit seinen über 80 Prozent weiblichen Lehrkräften kaum etwas zu spüren.

Wir lassen unsere Untersuchungen der dubiosen und korrumpierenden Frauenförderung der letzten Jahre hierbei auf sich beruhen. Die Qualität der Mechanismen, die mit dem Einsatz des Gender-Mainstreaming zusätzlich zur althergebrachten Frauenförderung in den verschiedenen Systemen nach 1995 etabliert worden sind, dürfte mit diesen Beispielen aufgezeigt worden sein.

Wir könnten noch etliche Projekte und Unterprojekte in den verschiedensten EU-Programmen aufzählen; uns nach ihren Kosten fragen; uns ihre Fragwürdigkeit vor Augen führen. Es wäre nur statistischer Fleiß, informatorischer Perfektionismus. Wir könnten die Homepages der Bundesländer besuchen, um festzustellen, daß ein junger Mann, der das gleiche täte, das Gefühl bekommen müßte, daß er nicht mit gemeint ist, daß er kaum interessiert: Mädchenförderung, Frauen- und Mädchentrost, -lob und -sorge überall; nicht nur auf den überflutenden Gleichstellungs-Seiten, wo mit Stolz Summen und Programme angeführt werden, sondern selbst wo es allgemein um Bildung und Gesellschaft geht, sind es natürlich "Mädchen und Jungen" um die es geht, "Schülerinnen und Schüler", "Abiturientinnen und Abiturienten", "Pfadfinderinnen und Pfadfinder", "Soldatinnen" gar "und Soldaten"; kaum andersherum, die Zukunft hat Vorrang und die soll nun, ob sie es will, ja ob sie es kann oder nicht, weiblich sein!

Jahr für Jahr setzt sich die Sprücheklopferei und aggressive Bettelei der Frauenfrauen und Frauenmänner fort. Zwangsmodelle der Frauenförderung vermehren und verdichten sich, liebäugeln mit den sensiblen Bereichen der Privatwirtschaft; während es die Frauen selbst sind, die vor Verantwortung und vor "abstrakten Themen" kneifen, sich eher Zweitjobs nehmen oder sich in Dienstleistung und Administration verdingen, dort also wo man verwaltet, seltener dort, wo Neues (Zukunft) kreiert wird. Mit "Männer im Zoo, Frauen im Büro" beschrieb GEO einst solche Geschlechterverteilung und wir könnten gut mit: "und GEO in den Papiereimer" den Satz ergänzen, denn unter 'Zoo' war der Großraumarbeitsplatz der Kreativabteilung eines Männermagazins gemeint, dessen heutige Direktorin die Tochter des Begründers ist und in der Administration (Büros) weibliche Kräfte beschäftigt.

Die in der einstmaligen DDR bestandene beinahe Gleichstellung in der Arbeitswelt ließ nach der Wiedervereinigung Deutschlands die Hoffnung schwinden, ähnliche Verhältnisse in den Westen zu übertragen. Vielmehr scheint die staatlich verordnete Gleichstellung des Kommandoregimes unter freien Verhältnissen rückläufig zu werden: In den vier Jahren zwischen 1995 und 1999 stieg der Anteil ostdeutscher Frauen, die bei einer Teilzeitarbeit bleiben wollten, um 13 Prozent, 51 Prozent der Frauen wünschten sich 1997 im Osten kürzere Arbeitszeiten. Eine Retraditionalisierung der Eheverhältnisse - zurück zum Ernährer- und Hausfrau-Modell - schreitet unter ostdeutschen Paaren in bemerkenswertem Maß voran. "Die geschlechtsspezifische häusliche Arbeitsteilung vertieft sich wieder… So wird das im Westen beliebteste Modell für Eltern (einer Vollzeit-einer Teilzeit) von Müttern kleiner Kinder nun auch im Osten mehrheitlich als das bevorzugte angesehen. Das früher dominierende Vollzeit-Vollzeit-Modell wünschte sich im Jahr 2000 nur noch jede fünfte Frau mit Kleinkind."2

Die Scheidungsgesetze der letzten Jahrzehnte sorgten zusätzlich dafür, daß für einmal geschiedene Frauen die Überlegung des Einstiegs in einen Beruf mehr als fraglich erscheint, weil dies den Unterhalt vom Ex-Ehemann, der mit dem Zusatz der Sozialhilfe und des Kinder- und Erziehungsgeldes das passende Sümmchen ausmacht, schmälern würde, und das will oft frau nicht, schon mal gar nicht als Ergebnis eigener fehlplazierter Tüchtigkeit. Diese gesetzlichen Maßnahmen machen die Ehe für Frauen finanziell nicht nur attraktiv, sie stiften gerade junge Frauen dazu an, die Möglichkeiten der Ehe wie der Scheidung als eine Option zu berücksichtigen. Es ist uns nicht mehr bekannt, welche Koryphäe der heutigen Damenkultur es war, die jenen triftigen Satz hinterließ, nach welchem eine Frau heutzutage etwas grundsätzlich falsch gemacht haben sollte, wenn sie nach ein paar Ehen und den dazu gehörigen Scheidungen immer noch zu keinem Porsche gekommen sei. Warum also hart aufzusteigen suchen, wenn das Frauensozialnetz, das der Staatsfeminismus väterlich ausbreitete, zum verlockenden Fall einlädt?

Sind das vielleicht die Gründe, warum uns europäische Zahlen so seltsam vorkommen müssen? Denn - um bei unseren Hochschullehrerinnen zu bleiben - besetzten diese in Deutschland im Jahr 2000 nur 7 Prozent der professoralen Stellen. Im Mänaden-Staat Schweden, waren es im gleichen Jahr nur 12 Prozent. Aber in Portugal gab es der Professorinnen bereits 1997 17 Prozent und in Spanien 1998 15 Prozent. Selbst das 'Macho-Land' Griechenland konnte schon 1997 mit 10 Prozent der begehrten Sorte an seinen Universitäten aufwarten!3 (Für die letzteren südlichen Länder sind diese Erhebungen etwas älter.) Wir wiederholen also hier gern unsere längst gestellte Frage: Hindert Feminismus die Frauen, indem er sie in jeder Lage so begünstigt, daß sie diese gar nicht erst ändern wollen? Wie sprach unsere Expertin Funder weiter oben: "Sind Frauen nicht schlauer, weil sie das [ihren Aufstieg] gar nicht wollen?"

Aber was wollen sie denn? "Was will der Feminismus" eigentlich, fragen wir uns mit Felix Stern. Nach einer Umfrage des Allensbach Instituts für Demoskopie im Jahr 2002 scheint er den meisten Bürgern dieses Staates nicht allzu geheuer zu sein. Nur 30 Prozent der Menschen fanden Feminismus "sympathisch". Und wie viele von ihnen mögen wohl dabei bloß geheuchelte politische Korrektheit von sich gegeben haben? Ein harmonisches ist übrigens das Verhältnis des Feminismus auch zu den Frauen keineswegs, wie der nächste, abschließende Beitrag belegt.

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Quellen, Anmerkungen:

1. FAZ vom 19. Aug. 2002, "Frauenförderung über den Haushalt"
2. Bildungszentrale für politische Bildung, "Aus Politik und Zeitgeschichte", "Geschlechtergleichheit in Deutschland" (B 33-34/2002), Christina Klenner
3. Tabelle aus DIE ZEIT, Nr. 22/2002