Hindert Feminismus den technischen Fortschritt?
Männer führen dieses jungenhafte Element im Erwachsenenleben weiter, soweit die Anforderungen und Pflichten, die ihnen in den meisten Systemen auferlegt werden, seine Fortführung erlauben. (Wir wagen an dieser Stelle sogar zu behaupten, daß nahezu alle Krisen im Männerleben mit einem Ablassen von solcher Art Kindesgemüt im Manne zusammenhängen!) Vom "Kind im Manne" ist oft die Rede: "Das Kind im Manne, das Kind im Künstler, ...kann man nicht das großartig Kindliche, jenes Ewig-Knabenhafte auch wiederfinden in der jahrelangen Selbstkasteiung des mächtigen Künstlers durch philosophische Spekulation...?" sinniert Thomas Mann über ein berühmtes Dichter-Genie in "Versuch über Schiller" im Jahr 1955.
Mit "Männer brauchen das" warb ein Magazin für populäre Wissenschaft und Technik und nannte sich mutig noch im Jahr '98 ein "Männermagazin"! "Männer wollen immer alles besser wissen" hieß es verflachend im Text. "Kein Wunder also, daß P.M. mit 1,2 Millionen Lesern... eines der großen Männermagazine in Deutschland ist." Und wie zur Entschuldigung seiner politisch unkorrekten Behauptung zeigte sich das Werbeteam bemüßigt, ein abmilderndes Maß an Ironie in der Anzeige zu integrieren: "Ich liebe einen Klugscheißer", verkündet die im Bild erscheinende Blondine zugleich scherzend wie herabwürdigend. Das mußte wohl sein, damit sich Emanzen nicht beim Werberat gleich verabreden - oder hatten sie es damals getan?
Entschuldigen müssen sich aber viele: Entschuldigen muß sich die Lektorenjurie, die zuwenig weibliche Lyrik auszeichnet, der verdiente Kritiker, der in seinem Kanon zuwenig Autorinnen empfiehlt und renommierte Zeitungen, die zuwenig Sachbücher von Frauen durch Frauen rezensieren. Zum letzteren Thema scheute sich einmal die Frankfurter Rundschau nicht davor, einen Artikel sogar zu bringen, dessen sachliche Bezogenheit eher Grund gäbe, das zu unterlassen: In dem Artikel illustriert die Autorin (unter dem Kürzel sez) die Unterrepräsentierung der Frauen in diesem Bereich mit einer Frau "auf der Bahnhofstoilette, wo ein Mann im Anzug in das Handwaschbecken pinkelt" und die Dame daher nicht an das Waschbecken kommt.4 Peinlich sicher nicht für den pinkelnden Mann.
Beachten wir den Sachverstand, der sich hier seines Ausschlusses aus der Sachbuchliteratur beschwert: In jedem Bahnhof gibt es bekanntlich getrennte Herren- und Damentoiletten, und welcher Mann - außer ein Exhibitionist - würde ein Waschbecken (dazu noch in der Gefahr eines plötzlichen Damenerscheinens) einem Pissoir oder auch einem Klosett zu solchem Zweck vorziehen? Die Autorin bezichtigt des weiteren unerschrocken die prominentesten deutschsprachigen Zeitungsverlage, "nach Art der englischen Clubs in früheren Jahrhunderten" vorzugehen.
Warum fragt sich denn diese sich offensichtlich in eine Männertoilette verirrt habende Dame nicht eher, woran es liegt, daß Frauen nicht ihre eigenen Bahnhofstoiletten bauen? Warum ihre 'mutigen', 'besseren', 'starken', edlen und was alles Geschlechtsgenossinnen, die in der Printmedienwelt mit einem Übermaß an Frauentiteln absolut überrepräsentiert sind und die in ihren Veranstaltungen mit Stolz verkünden: "Wir kommen ohne Männer aus, in unserem Verlag arbeitet kein einziger Mann!" (so in der Medienfrauentagung 2002 die Vertreterin eines Wohnmagazins), kaum ein ernst zu nehmendes sachliches Medium herzustellen in der Lage sind, das sich der weiblichen "kühnen Kraft der Welterklärung" widmet? Weil das nach Einsatz und Verantwortung riecht und beides nur gut ist, wenn es von Männern getragen wird, frau aber nur leichtfertig daher meckern dürfen möchte und sich beschweren, daß Mann sie nicht umsonst mitnimmt?
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