Der Zukunftsklau ("Zukunft ist weiblich")
"Frauen und Mädchen den Anschluß verpassen"? Sollen, ja können "Kommunikativität", "vernetztes Denken", "besondere Sprachbegabung", das alles noch mit edler "sozialer Kompetenz" passend formatiert, um ihre Zukunft bangen, während der "Neandertaler" ohne diese ganze Schminke munter voran schreitet? Ja, gibt es denn solche Zukunft überhaupt? Oder handelt es sich hier um ein zeitgeschichtliches Verwirrspiel?
Die "Initiative D21" wurde gegründet, um in Deutschland Fehlentwicklungen beim Übergang zur Informationsgesellschaft aufzuspüren und zu beheben. "Idee-IT", eine Mädchen und junge Frauen unterstützende Initiative gehört - wie auch "Girls´Day" - Projekten der "Initiative D21" an. Die Ziele nach den Worten der ehemaligen Ministerin Bergmann: "Gemeinsam mit den Kammern, Verbänden und regionalen Netzwerken wollen wir unser Ziel erreichen, bis 2005 den Frauenanteil an IT-Berufsausbildungen und an Informatikstudiengängen auf 40 Prozent zu steigern."2 Zum Vergleich: Noch zwei Jahre später (2002) befinden sich lt. IHK nur 14 Prozent junger Frauen unter den Auszubildenden in diesen Berufen, wobei administrative Tätigkeiten mit gemeint sind. Der weibliche Anteil bei IT-Systemelektronikern ist nur 4 Prozent!
"Frauen ans Netz" ist eine gemeinsame Aktion des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Bundesanstalt für Arbeit, der Deutschen Telekom, der Zeitschrift Brigitte (Gruner+Jahr) und des Vereins "Frauen geben Technik neue Impulse". Auf den Internetseiten der Aktion erfahren wir auch, worin das Problem liegt: "Zahlreiche Statistiken belegen: Mädchen haben anderen Zugang zu Technik als Jungen." Pech aber auch! - was soll's? Schließlich haben Mädchen ja den besseren Zugang zur Technik; ihr Pech ist edel, hängt wieder einmal damit zusammen, daß sie 'eigentlich besser' sind. Oder will uns der darauffolgende Text etwas anderes sagen? "Nicht nur die... Shellstudie aus dem Jahr 2000 macht deutlich: Für Mädchen steht vor allem die Nützlichkeit und das Ergebnis im Vordergrund. Jungen hingegen sehen den Computer dagegen oft selbst als Spielzeug und interessieren sich für Computersprachen und Zahlenreihen."3
Hat nicht jeder von uns, liebe Leser, schon einmal einen Jungen gesehen, der beim Anblick von Zahlenreihen in Entzückung gerät? Oder finden vielleicht Jungen eher Zahlenreihen interessant, wenn sie eine Bedeutung dahinter vermuten? Was uns die belustigende, Feingeist nachahmende, verplappernd-beschönigende Verdrängungssprache der Verfasserinnen nicht verschweigen kann, lesen wir etwas weiter unten: "10 Prozent der männlichen Jugendlichen beschäftigen sich schon früh mit der Software-Entwicklung. Bei den Mädchen sind es nur 3 Prozent." Vielleicht sollte man Mädchen künftig Zahlenreihen anstelle von anderem Spielzeug zu Weihnachten schenken? Oder ihr Denken noch stärker vernetzen...
Solche Maßnahmen könnten die Bundesregierung enorm entlasten, die Unternehmung "Zukunft-ist-weiblich" nämlich könnte (zumindest nach den Vorstellungen des Frauen-ans-Netz-Teams auch "Zukunft-wird-teuer" heißen. Denn "damit Mädchen den Anschluß in die Informationsgesellschaft nicht verpassen", vertrauen uns die Netzfrauen auf ihrer Page an, "stellt das Bundesministerium für Bildung und Forschung bis zum Jahr 2004 Finanzmittel in Höhe von ca. 200 Mio. Euro." Nicht erschrecken! Eine Anfrage an das Bundesministerium für Bildung und Forschung erbrachte, daß dieser Text eher mißverständliches Wunschdenken der Netzfrauen sei. Es konnte allerdings nicht festgestellt werden, ob die Aussage des Bundesministeriums oder die der Netzfrauen die richtige war.
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